Die Ohio Casino Control Commission verschärft ihren Kurs gegen Sport-Prognosemärkte. Alle Lizenznehmer aus dem Sportwetten- und Fantasy-Bereich sollen Dienstleistungen für nicht lizenzierte Plattformen mit Sportkontrakten für Kunden in Ohio bis zum 30. Oktober einstellen. Andernfalls drohen erneut aufgerollte Eignungsprüfungen und weitreichende aufsichtsrechtliche Folgen.
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Was ist neu?
- Die Ohio Casino Control Commission (OCCC) schrieb am 20. Oktober sämtliche Lizenznehmer und Antragsteller im Sportwetten- und Fantasy-Segment an.
- Erfasst sind unter anderem Market Making, Liquidität, Integritätsüberwachung, Daten-, Plattform-, Technologie- und Sicherheitsleistungen.
- Betroffene Unternehmen müssen ihre Regelkonformität spätestens am 30. Oktober bestätigen und entsprechende Nachweise aufbewahren.
- Bei fehlender Bestätigung können Lizenzprüfungen neu eröffnet werden; möglich sind Ablehnung, Nichtverlängerung, Aussetzung, Widerruf oder andere Verwaltungsmaßnahmen.
- Futures Commission Merchants und Introducing Brokers bleiben unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen, wenn sie Kunden aus Ohio den Zugang zu Sportkontrakten wirksam verwehren.
Die Details
Aufsicht nimmt das gesamte Dienstleister-Netzwerk in den Blick
Das Schreiben vom Dienstag, 20. Oktober, trägt die Unterschrift der kommissarischen Geschäftsführerin Andromeda Morrison. Darin erklärt die Behörde, sie sei wegen Berichten beunruhigt, wonach einzelne Lizenznehmer weiterhin Unternehmen unterstützen oder ihnen Leistungen bereitstellen, die Personen in Ohio ohne Sportwettenlizenz Sportereignis-Kontrakte anbieten. Zuerst berichtete der Newsletter Event Horizon über das Dokument; Sports Betting Dime veröffentlichte den vollständigen Text.
Der Begriff Lizenznehmer umfasst laut Fußnote sämtliche Betreiber von Fantasy Contests. Hinzu kommen Sportwettenveranstalter, Management-Service-Provider, mobile Management-Service-Provider, Zulieferer und deren Schlüsselmitarbeiter, zertifizierte unabhängige Integritätsüberwacher, zertifizierte unabhängige Testlabore sowie Antragsteller für diese Lizenzarten.
Die Vorgabe betrifft Market Making, Liquiditätsbereitstellung, Integritätskontrollen, Datenangebote sowie Plattform-, Technologie- und Sicherheitsdienste. Zusätzlich erfasst die Kommission jedes andere Produkt oder jede Leistung, die Sportkontrakte für Kunden in Ohio ermöglicht oder unterstützt. Weder konkrete Lizenznehmer noch einzelne Plattformen werden im Schreiben namentlich genannt.
Die OCCC bewertet eine fortgesetzte Unterstützung illegaler Glücksspielaktivitäten oder Verbindungen zu unzulässigen Anbietern als erhebliches Risiko für die Eignung eines Lizenznehmers. Die persönliche und unternehmerische Eignung sei keine einmalige Voraussetzung, sondern eine laufende Pflicht während der Lizenzdauer.
Besonders kritisch sieht die Behörde Plattformen, die Personen zwischen 18 und 20 Jahren akzeptieren. Gleiches gilt, wenn Anbieter nicht an Ohios Programme für verantwortungsvolles Spielen und freiwilligen Selbstausschluss gebunden sind oder Wettangebote außerhalb des genehmigten Katalogs bereitstellen.
Nachweispflicht und rechtliche Grundlage
Bis zum 30. Oktober müssen Lizenznehmer die Einhaltung der Vorgaben bestätigen und Unterlagen als Beleg bereithalten. Bleibt diese Erklärung aus, will die Kommission die Eignungsuntersuchung des Lizenznehmers oder Antragstellers sowie beteiligter Eigentümer, Führungskräfte, Direktoren, Schlüsselmitarbeiter und weiterer mit dem Verhalten verbundener Personen erneut aufnehmen.
Die OCCC verweist dabei auf Chapter 3775 des Ohio Revised Code für Sportwetten und auf Chapter 3774 für Fantasy Contests. Section 3775.02(F) erlaubt es der Behörde, eine Lizenzuntersuchung jederzeit wieder zu öffnen. Nach Section 3775.041(B) muss sie außerdem berücksichtigen, ob Glücksspiel-Lizenzpflichten in Ohio oder in anderen Rechtsräumen eingehalten wurden.
Abweichung von der Linie aus August 2025
Bei der monatlichen Sitzung der Kommission am Mittwoch, 21. Oktober, erklärte Morrison laut CDC Gaming, das aktuelle Schreiben folge auf Leitlinien aus August 2025. Das damalige Schreiben datiert vom 25. August 2025 und wurde vom damaligen Executive Director Matthew Schuler unterzeichnet.
Die frühere Warnung richtete sich an Sportwettenanbieter, die eigene Börsen oder Brokerage-Angebote erwogen. Damals hieß es, eine geografische Sperre für Ohio könne das Eignungsproblem möglicherweise nicht lösen. The Closing Line veröffentlichte seinerzeit den Wortlaut.
Das neue Vorgehen geht weiter: Es bezieht nun auch Zulieferer ein, nennt eine konkrete Frist und beschreibt mögliche Sanktionen. Gleichzeitig enthält die Fußnote eine eng gefasste Ausnahme für Lizenznehmer, die als Futures Commission Merchants oder Introducing Brokers auftreten und Kunden aus Ohio weder direkt noch indirekt Zugang zu Sportereignis-Kontrakten auf Designated Contract Markets geben.
Die Kommission verweist auf das Urteil des Sixth Circuit vom 25. September gegen Kalshi. Zudem kündigt sie Maßnahmen gegen Empfänger ihrer Unterlassungsaufforderungen an, sofern diese die Frist vom 16. Oktober versäumt haben. Insgesamt hatte die OCCC am 2. Oktober zehn solcher Aufforderungen an Börsen verschickt.
Morrison erklärte nach Angaben von CDC Gaming, die Angelegenheiten würden weiterhin untersucht. Ohio werde seine Sportwettenregeln im Verfahren von Polymarket entschlossen verteidigen. Polymarket hat die Unterlassungsaufforderung der Behörde inzwischen vor einem Bundesgericht angegriffen.
Ähnliche Warnungen in Nevada, Arizona und Massachusetts
Auch andere Aufsichtsbehörden setzen bei den lizenzierten Partnern der Prognosemarkt-Anbieter an. Das Nevada Gaming Control Board warnte im November 2025, dass eine Partnerschaft mit einem Unternehmen, das in einem anderen Bundesstaat Sportkontrakte ohne Einhaltung der dortigen Regeln anbietet, den guten Ruf, die Integrität und die Geschäftsverbindungen eines Lizenznehmers infrage stellen könne.
In derselben Mitteilung wurde festgehalten, dass Flutter die Nevada-Lizenzen von FanDuel zurückgab und DraftKings seine Anträge zurückzog. Vergleichbare Hinweise versandte das Arizona Department of Gaming am 15. September 2025. Die Massachusetts Gaming Commission folgte am 13. November 2025 mit einer ähnlichen Warnung.
Lieferketten geraten zum zentralen Druckpunkt
Polymarket kann gegen Ohio klagen und hat diesen Weg bereits eingeschlagen. Dessen Dienstleister verfügen jedoch über Lizenzen, die im Ermessen der Kommission stehen; außerdem können Maßnahmen anderer Bundesstaaten in künftigen Verfahren berücksichtigt werden.
Wörtlich gelesen fordert das Schreiben Zulieferer nicht nur dazu auf, Angebote für Ohio einzustellen. Sie sollen vielmehr keinerlei Leistungen mehr für Unternehmen erbringen, die Sportkontrakte für Menschen in Ohio anbieten. Damit entsteht für Dienstleister eine klare Entscheidung: Entweder der Kunde sperrt Ohio wirksam aus, oder die Geschäftsbeziehung wird beendet.
Das Schreiben erschien am selben Tag, an dem Utah Klage gegen Kalshis Market Maker Susquehanna erhob. Dass Ohios Aufstellung mit Market Making beginnt, unterstreicht die Bedeutung dieses Bereichs für die Strategie der Aufsicht.
Sportradar und Genius Sports besonders im Fokus
Sportradar und Genius Sports erhielten im Dezember 2022 jeweils eine Zuliefererlizenz für Sportwetten in Ohio, wie beide Unternehmen damals bekanntgaben. Beide bauten später ihre Verbindungen zu Polymarket US aus, einem der zehn Adressaten der Unterlassungsaufforderungen.
Genius Sports vereinbarte im August Leistungen zu offiziellen Abwicklungsdaten und Integrität. Wenige Wochen später folgte Sportradar mit Daten, Live-Quoten, Streaming und Produkten zur Integritätsüberwachung. Nach dem Stand einer Recherche von iGaming Times hatten beide Unternehmen bis Donnerstag keine öffentliche Stellungnahme abgegeben.
Die Unternehmen könnten argumentieren, dass ein landesweiter Datenfeed keine Angebote speziell in Ohio unterstütze. Eine solche Auslegung gerichtlich oder gegenüber der Aufsicht zu testen, würde allerdings die jeweilige Ohio-Lizenz gefährden.
Doppelt aktive Sportwettenanbieter erhalten keinen Freifahrtschein
DraftKings, FanDuel und Fanatics nehmen in Ohio Sportwetten an und betreiben zugleich Prediction-Angebote. Zum Start hielten diese Produkte Sportkontrakte aus Bundesstaaten mit legalen Online-Sportwetten heraus. DraftKings Predictions ließ Ohio vollständig außen vor, wie Axios berichtete.
Dadurch könnte der unmittelbare Auslöser des Schreibens diese Anbieter zunächst nicht erfassen. Die Formulierung zur Zusammenarbeit mit Partnern kann jedoch ihre Gegenparteien betreffen. Fanatics Markets vermittelt Kunden über einen eigenen Introducing Broker an die Derivatebörse von Crypto.com.
Crypto.com erhielt bereits im März 2025 ein Schreiben aus Ohio. Ob diese Börse inzwischen Kunden aus Ohio bedient, ist eine Frage, die Fanatics bis zum 30. Oktober beantworten muss. Nevada akzeptierte bei FanDuel die Rückgabe von Lizenzen und bei DraftKings den Rückzug von Anträgen; in Ohio stehen für FanDuel und DraftKings dagegen aktive Sportwettenlizenzen auf dem Spiel.
Preis und Verfügbarkeit
Eine wirtschaftliche Frist setzt die OCCC mit dem 30. Oktober 2026. Bis zu diesem Datum müssen betroffene Lizenznehmer ihre Regelkonformität schriftlich bestätigen. Die Antworten werden zeigen, ob Dienstleister ihre Ohio-Lizenz höher gewichten als Kunden aus dem Prediction-Market-Sektor.
Einordnung
Ohio fordert nicht mehr nur die Plattformen selbst zum Rückzug auf, sondern richtet sich an die Unternehmen hinter Daten, Liquidität, Technik und Integritätskontrollen. Für Anbieter von Sport-Prognosemärkten erhöht das den Druck erheblich, weil ihre lizenzierten Partner zwischen dem Zugang zum Ohio-Markt und laufenden Geschäftsbeziehungen wählen müssen.
