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Glücksspiel

FDJ United senkt Prognose 2026 erneut nach schwachem dritten Quartal

FDJ United senkt Prognose 2026 erneut nach schwachem dritten Quartal

FDJ United hat seine Erwartungen für 2026 zum dritten Mal seit April reduziert. Nach einem Umsatzrückgang im dritten Quartal rechnet der frühere Konzern Française des Jeux nun mit einem Umsatzminus im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer wiederkehrenden EBITDA-Marge von rund 23 Prozent. Weniger sehr hohe EuroMillions-Jackpots, hohe Auszahlungen bei stationären Sportwetten, schwächere Besucherfrequenz und steigende Abgaben belasten das Geschäft.

Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was ist neu?
  2. Die Details
  3. Preis und Verfügbarkeit
  4. Einordnung

Was ist neu?

  • Im dritten Quartal sank der Konzernumsatz um 8,1 Prozent auf 794 Mio. Euro, während der GGR um 6,1 Prozent auf 1.950 Mio. Euro zurückging.
  • Nach neun Monaten lag der Umsatz mit 2.576 Mio. Euro um 5,6 Prozent unter Vorjahr; der GGR verringerte sich in diesem Zeitraum um 2,8 Prozent.
  • FDJ United erwartet jetzt einen niedrigen einstelligen Rückgang beim GGR, einen Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Bereich und etwa 23 Prozent wiederkehrende EBITDA-Marge.
  • Die Erlöse aus Ziehungsspielen gingen im Quartal um 17,3 Prozent auf 171 Mio. Euro zurück, nachdem es nur 12 EuroMillions-Jackpots über 130 Mio. Euro gab.
  • Bis Ende September verursachten Steuererhöhungen Belastungen von 62 Mio. Euro; das Online-Geschäft verzeichnete beim Umsatz ein Minus von 8,2 Prozent.
  • Der Konzern überprüft Online-Märkte und nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte. Ergebnisse sollen spätestens zu Beginn des Jahres 2027 vorliegen.

Die Details

Dritte Anpassung der Jahresziele

FDJ United ist an der Euronext Paris notiert und besitzt seit der Übernahme der Kindred Group für 2,45 Mrd. Euro im Oktober 2024 auch Unibet. Die Zahlen wurden nach Handelsschluss am 21. Oktober veröffentlicht. Der Umsatzrückgang über neun Monate von 5,6 Prozent fiel stärker aus als das Minus von 4,5 Prozent im ersten Halbjahr; mehr als zwei Prozentpunkte davon entfielen auf höhere Steuern.

Vorstandsvorsitzende und CEO Stéphane Pallez verwies auf spielimmanente Faktoren, eine geringere Kundenfrequenz im schwachen wirtschaftlichen Umfeld sowie erwartete Steueranhebungen. Für 2026 berücksichtigt die neue Prognose zusätzliche Glücksspielabgaben von mehr als 70 Mio. Euro. Strikte Kostenkontrolle soll laut Konzern trotzdem eine wiederkehrende EBITDA-Marge von rund 23 Prozent ermöglichen.

Im Februar hatte FDJ United noch ein leichtes Umsatzwachstum und eine stabile Marge von 24,5 Prozent in Aussicht gestellt. Im April folgten die Erwartungen eines leichten GGR-Anstiegs, eines geringfügigen Umsatzrückgangs und einer Marge zwischen 23 und 24 Prozent. Im Juli lautete das Ziel dann auf stabilen GGR und einen niedrigen einstelligen Umsatzrückgang. Die EBITDA-Marge im ersten Halbjahr betrug 22,7 Prozent.

Lotterie und stationäre Wetten unter Druck

Die französische Einheit für Lotterie und stationäre Sportwetten erzielte in den ersten neun Monaten 1.794 Mio. Euro Umsatz, 4,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Darin enthalten waren zusätzliche Steuerlasten von 28 Mio. Euro. Der Umsatz mit Ziehungsspielen sank über neun Monate um 12,2 Prozent und im dritten Quartal um 17,3 Prozent auf 171 Mio. Euro.

Bis Ende September wurden bei EuroMillions 12 Jackpots von mehr als 130 Mio. Euro erreicht, nachdem es im Vorjahreszeitraum 27 gewesen waren. Nur ein Jackpot überstieg 200 Mio. Euro; ein Jahr zuvor waren es 12. Nach Angaben des Unternehmens zeigte sich diese Entwicklung bei allen zehn Lotterien, die das Spiel anbieten.

Bei Sofortlotterien stieg der Umsatz leicht um 0,3 Prozent auf 935 Mio. Euro. Höhere Auszahlungen schmälerten jedoch den Beitrag zum Lotteriegeschäft. Die stationären Sportwettenerlöse sanken um 4,5 Prozent auf 297 Mio. Euro, weil die Auszahlungsquote um mehr als 400 Basispunkte auf nahezu 80 Prozent zulegte.

Online-Wachstum außerhalb zweier Kernmärkte

Die Online-Sparte, die überwiegend aus dem früheren Kindred-Geschäft besteht, hielt den GGR mit 1.013 Mio. Euro praktisch auf Vorjahresniveau. Beim Umsatz ergab sich nach zusätzlichen Abgaben von 34 Mio. Euro dennoch ein Rückgang von 8,2 Prozent auf 619 Mio. Euro. Ohne die Niederlande und Großbritannien wäre der GGR um 5,7 Prozent gestiegen, getragen vor allem von Frankreich und Skandinavien.

In den Niederlanden verringerte sich der GGR um 8,6 Prozent. In Großbritannien betrug der Rückgang 24,4 Prozent. Dort sollen Maßnahmenpakete die Entwicklung schrittweise verbessern. Bis Ende 2027 soll ein einheitliches eigenes Sportsbook den Großteil der Märkte bedienen; parallel konzentriert FDJ United seine Entwicklungsteams stärker auf Europa. Eine Zahl möglicher betroffener Stellen nannte der Konzern nicht.

Zusätzlich prüft FDJ United die Länderstrategie der Online-Sparte sowie Vermögenswerte außerhalb des Kerngeschäfts. Konkrete Märkte wurden nicht genannt. Die Auswertung soll spätestens Anfang 2027 abgeschlossen sein.

Steuern waren weitgehend vorhersehbar

Der größte Teil des Steuerdrucks stand bereits vor Jahresbeginn fest. Frankreich erhöhte seine Abgaben zum 1. Juli 2025; für Online-Sportwetten stieg die Belastung von 54,9 auf 59,3 Prozent des GGR. Das Jahr 2026 umfasst deshalb erstmals die volle Jahreswirkung.

In den Niederlanden erhöhte sich der Satz im Januar auf 37,8 Prozent des GGR. In Großbritannien stieg die Remote Gaming Duty im April von 21 auf 40 Prozent. Im Februar hatte FDJ United die Steuerbelastung für 2026 noch mit nahezu 90 Mio. Euro angegeben, nun nennt der Konzern mehr als 70 Mio. Euro, ohne die Abweichung zu erläutern.

Kursreaktion und Marktumfeld

Die Aktie notierte am Donnerstag um 10:10 Uhr bei 19,95 Euro. Gegenüber 21,01 Euro entsprach das einem Verlust von 5,05 Prozent. Im Vergleich zum Schlusskurs von 23,62 Euro zum Ende des Jahres 2025 lag das Papier damit rund 15 Prozent niedriger.

JPMorgan hatte das Kursziel am 7. Oktober auf 19 Euro reduziert. Als Gründe wurden politische und regulatorische Risiken in Frankreich vor der Präsidentschaftswahl 2027 genannt.

Preis und Verfügbarkeit

Bei FDJ United geht es nicht um eine Produktverfügbarkeit, sondern um die weitere Konzernstrategie. Die Entscheidung über überprüfte Online-Märkte und nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte soll spätestens Anfang 2027 fallen. Welche Länder oder Geschäftsbereiche betroffen sein könnten, bleibt offen.

Einordnung

Vier Ausblicke für 2026 führten innerhalb weniger Monate zu drei Kürzungen. Im April standen Steuern und Wettkalender im Mittelpunkt, im Juli hohe Temperaturen und weniger große Jackpots, nun zusätzlich hohe Spielererträge und niedrigerer Kundenverkehr. Jackpot-Höhen und Sportergebnisse liegen außerhalb der direkten Steuerung und gleichen sich typischerweise über Zeit aus. Da die Steuererhöhungen bereits in den Februar-Zielen berücksichtigt waren, deuten die Anpassungen vor allem auf die operative Entwicklung hin. Zugleich fiel das Margenziel von 24,5 Prozent auf etwa 23 Prozent, sodass Einsparungen die verlorenen Umsätze bislang nicht vollständig kompensieren.

Die Lotterie steuerte 58 Prozent des Konzernumsatzes in den ersten neun Monaten bei. FDJ United hält laut ANJ-Bericht zum ersten Halbjahr 61 Prozent des französischen Marktes; der Rückgang dieses Bereichs nahm fast die Hälfte des Online-Wachstums wieder weg. Stabile Sofortlotterien sprechen eher für einen Jackpot-Zyklus als für grundsätzlich schwache Nachfrage. Die für 2027 geplante Neugestaltung von EuroMillions und Loto soll darauf reagieren.

Die Besucherfrequenz im stationären Netz bleibt dagegen ein eigenständiges Risiko. Exklusive Rechte schützen ein Vertriebsnetz nicht vor einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld. Weil die Abgaben am GGR ansetzen, wirken sich Umsatzlücken zugleich auf öffentliche Einnahmen aus.

Außerhalb Großbritanniens und der Niederlande wächst die Online-Sparte. Andere Anbieter reagieren jedoch unterschiedlich auf die britische Abgabenquote von 40 Prozent: Entain steigerte den Online-Umsatz in Großbritannien und Irland um 14 Prozent, während Flutter bis zu 1.400 Arbeitsplätze in diesen Märkten auf den Prüfstand stellte. In den Niederlanden erklärte der Vorsitzende der Aufsicht, dass die Hälfte jedes eingesetzten Euros im illegalen Markt lande.

Nach Wertminderungen von 135 Mio. Euro auf Online-Vermögenswerte im ersten Halbjahr ist die nun terminierte Marktprüfung das deutlichste Signal dafür, dass einzelne Märkte verkauft oder geschlossen werden könnten. Konkrete Länder nennt FDJ United weiterhin nicht. Das französische Kerngeschäft leidet unter Zyklen, die sich wieder drehen können, während das Online-Geschäft gerade dort schwächelt, wo die Steuerlast am stärksten gestiegen ist. Nach drei Prognosesenkungen in sechs Monaten dürfte die Überprüfung zeigen, ob ein kleineres Marktportfolio dem Konzern mehr hilft als ein weiterer angepasster Ausblick.

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