Die Ausstellung „zwischen stein und poesie“ von Suria Kassimi widmet sich ab dem 25. Oktober 2026 in Oberhausen fotografischen Spuren von Stadt, Industriegeschichte und Veränderung. Im Mittelpunkt stehen Lochkamera-Aufnahmen und Phytogramme, bei denen Pflanzen selbst am Entstehungsprozess der Bilder beteiligt sind. Zur Vernissage und zum Open-Gallery-Abend ist die Künstlerin persönlich vor Ort.
Inhalt 4 Abschnitte
Was ist neu?
- Suria Kassimi untersucht Orte ihrer Stadt und deren Wandel mit Lochbildkamera und Phytogrammen.
- Die Lochkamera arbeitet ohne Objektiv und lässt durch ein winziges Loch Licht auf Film oder Fotopapier fallen.
- Bei den Phytogrammen erzeugen gesammelte Pflanzen direkt auf lichtempfindlichem Material individuelle Formen, Strukturen und Farbtöne.
- Die Ausstellung ist vom 25. Oktober bis zum 27. November 2026 in der Galerie Bunte Hunde in Oberhausen zu sehen.
- Die Künstlerin ist am 24. Oktober 2026 zur Vernissage und am 7. November 2026 beim Kunstlicht-Abend jeweils ab 18:00 Uhr anwesend.
Die Details
Fotografie zwischen Vergangenheit und Zukunft
In ihren Arbeiten richtet Suria Kassimi den Blick auf Schauplätze, deren Geschichte von der Industrie geprägt wurde. Sie interessiert sich für die Spuren des Wandels und behandelt Orte als energiegeladene Erinnerungsräume. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehen dabei ineinander über.
Beide verwendeten Verfahren sind langsam und lassen dem Zufall bewusst Platz. Dadurch entstehen Bilder, in denen nicht nur ein Motiv, sondern auch Zeit, Veränderung und verborgene Ortsgeschichte sichtbar werden.
Wie die Lochkamera arbeitet
Eine Lochkamera benötigt kein Objektiv. Durch eine winzige Öffnung gelangt Licht in ein lichtdichtes Gehäuse und bildet die Szene auf Film oder Fotopapier ab. Je nach Situation dauern die Belichtungen von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten.
Diese lange Aufnahmezeit verändert die Darstellung deutlich: Bewegte Bildanteile können verwischen oder vollständig verschwinden, während unbewegte Elemente erhalten bleiben. Die Schärfentiefe reicht vom Vordergrund bis zum Horizont, die Bildzeichnung wirkt trotzdem weich und malerisch.
Kassimi setzt die Lochkamera an Orten ein, die von der industriellen Vergangenheit der Stadt erzählen. Licht, Bewegung und die vergehende Zeit prägen diese entschleunigten Aufnahmen. So zeigen die Arbeiten zugleich das industrielle Erbe und die Veränderungen im Stadtbild.
Pflanzen als bildgebendes Material
Ein Phytogramm entsteht ohne Kamera. Die Künstlerin legt Pflanzen unmittelbar auf eine fotografische Emulsion. Die in den Pflanzen enthaltenen Stoffe reagieren mit der lichtempfindlichen Schicht und hinterlassen dort eigene Konturen, Strukturen und Farbtöne.
Jedes Blatt erzeugt damit ein einmaliges Bild, das sich nicht exakt wiederholen lässt. Kassimi sammelt die Pflanzen an unterschiedlichen Stellen in der Stadt. Sie werden dadurch zu stillen Vermittlern der Ortsgeschichte: Was sich über lange Zeit im Boden abgelagert und eingeschrieben hat, gelangt über die Pflanzen in die Bildarbeit.
Das Werk „obphyt“ macht die Wirkung dieser Technik besonders anschaulich. Violette und braune Bereiche, Blattadern und Fruchtstände verteilen sich auf dem Papier wie ein Aquarell. Die Wirkung ist zugleich zart und kraftvoll.
Eine bewusste Gegenposition zur schnellen Digitalfotografie
Die Ausstellung stellt die Frage, wie sich Erinnerungen, Veränderungen und unsichtbare Spuren sichtbar machen lassen. Für Fotografen ist das ein Gegenentwurf zur Serienbildfotografie mit Dutzenden Aufnahmen pro Sekunde. Ein einziges Bild verlangt hier Zeit, Geduld und Vertrauen in den Ablauf.
Die Ausstellung lädt damit auch dazu ein, die eigene fotografische Arbeitsweise zu hinterfragen und neue, entschleunigte Verfahren auszuprobieren. Gerade die Verbindung von alten fotografischen Methoden, gesammelten Pflanzen und konkreten Stadtorten eröffnet Anregungen für analoge und experimentelle Projekte.
Die Verfahren einfach erklärt
Bei einer Lochkamera fällt Licht ohne Objektiv durch eine kleine Öffnung auf Fotopapier oder Film. Weil nur wenig Licht eintritt, benötigt die Aufnahme vergleichsweise viel Zeit.
Ein Phytogramm ist dagegen ein Bild ohne Kamera. Pflanzen liegen direkt auf lichtempfindlichem Fotomaterial und hinterlassen dort ihre Formen und Farben.
Preis und Verfügbarkeit
Die Vernissage findet am Samstag, 24. Oktober 2026, ab 18:00 Uhr statt. Die Ausstellung ist vom 25. Oktober bis zum 27. November 2026 geöffnet.
Das Open-Gallery-Event „Kunstlicht“ beginnt am Samstag, 7. November 2026, ebenfalls um 18:00 Uhr. Suria Kassimi ist bei beiden Veranstaltungen persönlich anwesend.
Besucht werden kann die Ausstellung dienstags bis donnerstags von 13:30 bis 17:00 Uhr. Weitere Besuchstermine sind nach Absprache möglich. Veranstaltungsort ist die Galerie Bunte Hunde, Lothringer Straße 9, 46045 Oberhausen. Neben den Arbeiten von Suria Kassimi zeigt die Galerie auch ihre Dauerausstellung.
Einordnung
„zwischen stein und poesie“ zeigt, welche Ausdruckskraft in sehr einfachen fotografischen Mitteln stecken kann. Lochkamera und Phytogramm machen Zeit, Wandel und Ortsgeschichte auf eine Weise erfahrbar, die sich mit einer modernen Kamera nicht einfach nachbilden lässt. Besonders interessant ist die Ausstellung für Fotografen, die sich mit analoger, experimenteller und entschleunigter Bildgestaltung beschäftigen.
