Die Canon EOS R8 Mark II ist Canons kompakter Einstieg in das spiegellose Vollformat. Im Praxiseinsatz zeigt sie, dass 24,2 Megapixel, bis zu 40 Bilder pro Sekunde, ein leistungsfähiger Autofokus, integrierte Bildstabilisierung und umfangreiche Videofunktionen deutlich über klassische Einsteigerkost hinausgehen. Mehrere Tage an der dänischen Nordseeküste mit Landschaft, Stadt, wechselhaftem Wetter, langen Touren und Aufnahmen aus der Hand zeigen zugleich, an welchen Stellen Canon weiterhin spart.
Inhalt 6 Abschnitte
Das Wichtigste in Kürze
- Der 24,2-Megapixel-Vollformatsensor wird durch einen 5-Achsen-IBIS mit bis zu 7,5 Stufen Stabilisierung in der Bildmitte ergänzt.
- Mit elektronischem Verschluss sind bis zu 40 B/s inklusive Autofokus und Belichtungsnachführung möglich.
- Die Vorausaufnahme speichert bis zu 20 Bilder, bevor der Auslöser vollständig durchgedrückt wird.
- Videoaufnahmen sind in 4K UHD bis 60p aus 6K-Oversampling sowie in Full HD bis 180p möglich.
- Das Gehäuse wiegt 499 g, besitzt einen seitlichen SD-Kartensteckplatz und bleibt trotz gewachsener Abmessungen reisetauglich.
- Abstriche gibt es unter anderem beim kleinen LP-E17-Akku, beim Sucher mit 2,36 Mio. Bildpunkten und beim Micro-HDMI-Anschluss.
Ausstattung und Technik
Im Inneren arbeitet ein Vollformat-CMOS-Sensor mit 36,0 x 24,0 mm und 24,2 Megapixeln. Die Bilddaten verarbeitet Canons DIGIC X. Der Sensor bietet damit keine höhere Auflösung als beim Vorgänger, was sich im Alltag jedoch nicht als Nachteil erwies. Entscheidend ist die neue 5-Achsen-Bildstabilisierung. Sie erreicht in der Bildmitte bis zu 7,5 Stufen und ist besonders bei langen Belichtungszeiten aus der Hand sowie beim Filmen relevant.
Die EOS R8 Mark II ist gegenüber dem Vorgängermodell etwas größer und schwerer, bleibt für eine Vollformatkamera aber kompakt. Ihre Maße betragen 131,4 x 90,0 x 79,7 mm, das Gewicht liegt bei 499 g nur für das Gehäuse. Das zusätzliche Volumen kommt unter anderem dem Griff zugute: Durch die größere Bautiefe liegt die Kamera angenehm satt in der Hand. Der Sucher ragt weiter aus dem Gehäuse und erleichtert damit insbesondere Brillenträgern die Arbeit. Wer nicht ständig mit dem Gesicht am Display anliegen möchte, profitiert ebenfalls davon.
Beim elektronischen Sucher bleibt Canon bei 2,36 Mio. Bildpunkten. Das ist ordentlich, erreicht aber nicht das Niveau höher positionierter Modelle wie der EOS R6 Mark II. Der 0,39 Zoll große OLED-EVF arbeitet mit bis zu 120 B/s. Das rückseitige Display misst 3,0 Zoll und löst mit 1,62 Mio. Bildpunkten auf.
Eine praktische Änderung betrifft den Speicherzugang. Die SD-Karte sitzt nun in einem eigenen seitlichen Fach und ist damit unabhängig vom Akkufach erreichbar. Beim Vorgänger lagen Karte und Akku gemeinsam auf der Unterseite, was insbesondere auf einem Stativ beim Kartenwechsel unpraktisch war. Unterstützt werden SD, SDHC und SDXC nach UHS-II. Als Stromquelle dient der vergleichsweise kleine Akku LP-E17.
Beim Design orientiert sich Canon teilweise an früheren Formen. Die EOS R8 Mark II ist keine echte Retro-Kamera, greift aber mit kantigeren Flächen, der Gestaltung um den Sucher und mehreren Gehäuseübergängen Elemente der Canon T80 aus dem Jahr 1985 auf. Die historische Formsprache wird nicht kopiert, sondern auf eine moderne spiegellose Kamera übertragen. Dadurch wirkt das Modell eigenständiger und klarer als sein Vorgänger.
In der Praxis
Bedienung und Reiseeinsatz
Für eine Reise durch Nordjütland ist die Kamera angenehm handlich. Begrenzter Platz im Auto oder Gepäck und lange Touren machen Gewicht und Volumen schnell spürbar. Trotz des Wachstums gegenüber der vorherigen R8 bleibt die EOS R8 Mark II kompakt genug für den Alltag. Der kräftigere Griff verbessert dabei den Halt.
Canon-Anwender finden die wesentlichen Bedienelemente weiterhin an vertrauter Stelle. Neu hinzugekommen ist ein Multicontroller auf der Rückseite. Autofokusfelder lassen sich damit beim Blick durch den Sucher komfortabler verschieben als über den Touchscreen. Ebenfalls neu ist die direkte Umschaltung zwischen Foto und Video am Einschalter. Die Kamera kann dadurch unmittelbar im gewünschten Modus starten.
Autofokus, Serienbilder und Bildlooks
Die hohe Geschwindigkeit war bereits eine Stärke der ursprünglichen R8 und bleibt auch bei der Mark II erhalten. Der elektronische Verschluss ermöglicht bis zu 40 Bilder pro Sekunde, während Autofokus und Belichtungsnachführung aktiv bleiben. Zusätzlich zeichnet die Kamera bis zu 20 Bilder vor dem vollständigen Durchdrücken des Auslösers auf. Das entspricht ungefähr einer halben Sekunde und kann bei unvorhersehbaren Bewegungen den entscheidenden Moment sichern.
Motiverkennung und Tracking arbeiteten im Test bei Menschen und Tieren zuverlässig. Eine besonders aus dem höher positionierten Kamerasegment bekannte Funktion ist die Personenregistrierung: Bestimmte Personen können in der Kamera hinterlegt und anschließend bevorzugt erkannt werden. Bei Hochzeiten oder Veranstaltungen lassen sich damit beispielsweise wichtige Personen priorisieren. Bei den zentralen Aufnahmefunktionen nimmt Canon der R8 Mark II somit nur wenig weg.
Für Street- und Reisefotografie stehen 16 Bildlooks zur Verfügung. Darunter finden sich auch Varianten mit Anmutung von Negativ- oder Diafilm. Die Stärke der Effekte kann angepasst werden. Das erweitert die Möglichkeiten für Fotografen, die JPEGs möglichst direkt aus der Kamera verwenden möchten. Im Test entstanden die meisten Aufnahmen allerdings als RAW-Dateien und wurden anschließend individuell bearbeitet. Die gezeigten Beispielbilder repräsentieren deshalb nicht direkt die integrierten Looks, sondern die eigene Nachbearbeitung. Die Kameraprofile sind vor allem als kreative Option für eine bereits bei der Aufnahme gewünschte Bildwirkung interessant.
Video und Anschlüsse
Die EOS R8 Mark II zeichnet 4K UHD mit bis zu 60p ohne Crop und aus 6K-Oversampling auf. Das Ergebnis ist ein klares, detailreiches 4K-Bild. Für anspruchsvollere Produktionen stehen XF-HEVC S und XF-AVC S, Aufnahmen mit bis zu 10 Bit 4:2:2 sowie Canon Log 3 zur Verfügung. Außerdem können bis zu vier Audiokanäle aufgenommen werden.
Der neue IBIS unterstützt besonders dann, wenn Sie ohne Gimbal oder größeres Rig filmen. Mehrere Assistenzfunktionen richten sich an Content Creator und Einsteiger, gleichzeitig sind genügend professionelle Werkzeuge für anspruchsvollere Videoprojekte vorhanden. Die Aufnahmemöglichkeiten reichen damit weit über das hinaus, was die Bezeichnung Einsteigerkamera vermuten lässt.
Ein Schwachpunkt bleibt der Anschlussbereich. Canon verwendet weiterhin Micro-HDMI Typ D statt eines vollwertigen HDMI-Anschlusses. Gerade bei einer Kamera mit umfangreichen Videofunktionen wäre die größere Buchse praktischer. Hinzu kommen USB-C 3.2 Gen 2 sowie je ein 3,5-mm-Anschluss für Mikrofon und Kopfhörer.
Wo die Unterschiede zu größeren Modellen liegen
Die zentralen Aufnahmefunktionen sind kaum noch als typisch für ein Einstiegsmodell zu bezeichnen: Vollformat mit 24 Megapixeln, IBIS, 40 B/s, ein starker Autofokus, Personenregistrierung und vielseitige Videooptionen bilden ein leistungsfähiges Paket. Die Einschränkungen betreffen vor allem Komfort und professionelle Redundanz.
Es gibt nur einen SD-Kartenplatz, der Akku ist relativ klein, der Sucher bietet 2,36 Mio. Bildpunkte und für Video steht nur Micro-HDMI zur Verfügung. Beim längeren Einsatz fiel insbesondere der kleine Akku auf. Für einen kompletten Tag sollten Sie daher unbedingt einen Ersatzakku einpacken. Wer zwei Speicherkartenplätze, einen größeren Energiespeicher, einen höher auflösenden Sucher oder ein robuster ausgelegtes Arbeitsgerät benötigt, findet diese Vorteile weiterhin bei Modellen wie der EOS R6 Mark II.
Für wen lohnt sich die Canon EOS R8 Mark II?
Die Kamera eignet sich für Fotografen, die eine kompakte Vollformatlösung für Reisen, Alltag, Landschaft, Street und bewegte Motive suchen. Auch für Videoanwender und Content Creator ist sie interessant, weil 4K60, 10 Bit 4:2:2, Canon Log 3, bis zu vier Audiokanäle und der Bildstabilisator zur Ausstattung gehören. Der zuverlässige Autofokus mit Personenregistrierung erweitert den Einsatz zudem auf Veranstaltungen und Hochzeiten.
Wenn Sie vor allem die Bildqualität, Geschwindigkeit, Motiverkennung und Videofunktionen benötigen, erhalten Sie ein ungewöhnlich leistungsfähiges Paket. Abstriche müssen Sie bei Akku, Sucher, Kartenfach und Anschlüssen akzeptieren. Die EOS R8 Mark II ist deshalb weniger eine kompromisslose Profi-Arbeitskamera als eine bewusst vereinfachte und kompakte Vollformatkamera.
Technische Daten im Überblick
- Sensor: Vollformat CMOS, 36,0 x 24,0 mm
- Prozessor: DIGIC X
- Auflösung: 24,2 MP
- Serienbildgeschwindigkeit: bis zu 40 B/s
- Voraufnahme: Ja, bis zu 20 Bilder vor dem vollständigen Durchdrücken des Auslösers
- Belichtungszeiten: 30 s bis 1/16.000 s elektronisch
- Sucher: 0,39-Zoll OLED-EVF mit 2,36 Mio. Bildpunkten, bis 120 B/s
- Display: 3,0 Zoll LCD mit 1,62 Mio. Bildpunkten
- Bildstabilisator: 5-Achsen-IBIS mit bis zu 7,5 Stufen in der Bildmitte
- Videoauflösung: 4K UHD bis 60p aus 6K-Oversampling, Full HD bis 180p
- Videoformate: XF-HEVC S / XF-AVC S, bis 10 Bit 4:2:2, Canon Log 3
- Anschlüsse: HDMI Micro Typ D, USB-C 3.2 Gen 2, 3,5 mm Mikrofon- und Kopfhöreranschluss
- Speicher: 1x SD/SDHC/SDXC, UHS-II unterstützt
- Akku: LP-E17
- Maße: 131,4 x 90,0 x 79,7 mm
- Gewicht: 499 g nur Gehäuse
Unser Fazit
Die Canon EOS R8 Mark II ist nur noch im eigenen Portfolio eindeutig als Einsteigerkamera einzuordnen. Bei den entscheidenden Aufnahmefunktionen spart Canon kaum: 40 B/s, ein leistungsfähiger Autofokus, 4K60 und nun auch IBIS machen sie vielseitig und reisetauglich.
Die Kompromisse liegen bei Akku, Sucher, Kartenfach und Anschlüssen. Wer diese Einschränkungen akzeptiert und keine professionelle Redundanz benötigt, erhält eine kompakte Vollformatkamera mit bemerkenswert umfangreicher Ausstattung.
