Die OM SYSTEM PEN ist eine kompakte Systemkamera für Reisen, Familienmomente und den täglichen Einsatz. Im Test punktet sie weniger mit einzelnen Spitzenwerten als mit einfacher Bedienung, geringem Gewicht und einem Funktionsumfang, der auch erfahrenen Fotografen Spielraum lässt.
Inhalt 6 Abschnitte
Das Wichtigste in Kürze
- Der 4/3-Live-MOS-Sensor löst mit 20,4 Megapixeln auf; als Bildprozessor kommt der TruePic IX zum Einsatz.
- Das Gehäuse wiegt 393 g mit Akku und Speicherkarte beziehungsweise 344 g ohne diese Ausstattung.
- Der 121-Punkt-Kreuzsensor-Phasen-AF arbeitet mit Kontrast-AF zusammen und erkennt Gesichter, Augen sowie Tiere wie Hunde und Katzen.
- Mit der internen 5-Achsen-Stabilisierung gelangen im Test Belichtungen von etwa einer halben Sekunde, mit ruhiger Haltung auch um eine Sekunde, aus der Hand.
- Handheld High Res erstellt aus mehreren Aufnahmen Bilder mit 50 Megapixeln, auch als RAW-Datei.
- Für Video stehen 4K-Aufnahmen mit bis zu 30 fps, zwei OM-Cinema-Profile, ein Log-Profil, Mikrofoneingang und S&Q-Modus bereit.
Ausstattung und Technik
Als erste PEN trägt dieses Modell tatsächlich den Namen OM SYSTEM. Das Design ist bewusst schlicht gehalten: Auf der Oberseite finden sich weniger Einstellräder und Schalter als bei vielen klassischen Systemkameras. Die flache Bauweise und der seitlich platzierte elektronische Sucher sorgen für einen schlanken, unauffälligen Auftritt. Obwohl das Gehäuse nicht besonders viel kleiner als manche andere OM SYSTEM Kamera ist, wirkt es dadurch kompakter.
OM SYSTEM verwendet überwiegend Kunststoff. Wer ein massives Metallgehäuse erwartet, wird das bemerken; dafür bleibt das Gewicht niedrig. Die Kamera ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt und erfüllt IPX1. Bei leichtem Regen kann sie daher weiterverwendet werden, sofern auch das angesetzte Objektiv ausreichend geschützt ist.
Mit kleinen Festbrennweiten wie dem 17mm f1.8 entsteht ein besonders leichtes Paket für Reise-, Street- und Familienfotografie, das sich den ganzen Tag mitnehmen lässt. Im Test ließ sich auch das größere 75mm f1.8 noch gut verwenden. Das Micro-Four-Thirds-System ermöglicht kompakte Abmessungen nicht nur beim Gehäuse, sondern auch bei passenden Objektiven.
Zur Ausstattung gehören unter anderem Live ND, HDR, Handheld High Res, Pro Capture, Focus Stacking, Focus Bracketing, High Res Shot, Live Bulb und Live Composite. Die Farbgestaltung lässt sich mit Color Creator, Farbprofilsteuerung und Monochrom-Profilsteuerung anpassen. Der neue BLS-7-Akku ersetzt die bisher in älteren PEN-Modellen verwendeten Akkus, erreicht dafür eine Laufzeit von bis zu etwa 400 Aufnahmen. Geladen wird über USB-C; ein separates Ladegerät ist optional erhältlich.
In der Praxis
Bedienung, Sucher und Autofokus
Das aufgeräumte Bedienkonzept richtet sich auch an Menschen, die bisher vor allem mit dem Smartphone fotografiert haben. Trotz der reduzierten Zahl äußerer Bedienelemente wurde der Funktionsumfang nicht entsprechend beschnitten: Zahlreiche Funktionen größerer OM SYSTEM Kameras sind ebenfalls vorhanden. So lässt sich die PEN zunächst unkompliziert einsetzen, ohne auf weiterführende Möglichkeiten verzichten zu müssen.
Der OLED-Sucher mit ca. 2,36 Millionen Bildpunkten ist kein Spitzenwert, reicht in der Praxis aber aus. Auch mit Brille ließ er sich gut überblicken. Bei starker Sonne musste die Helligkeit etwas erhöht werden; anschließend war das Sucherbild auch an der Nordseeküste gut erkennbar. Das Display wirkt im Vergleich mit größeren Kameras zunächst klein, ist jedoch hell genug für Bildkontrolle und Menübedienung.
Der Autofokus arbeitete bei Familienaufnahmen zuverlässig, sodass sich die Kamera ohne lange Vorbereitung hochnehmen und auslösen ließ. Auch bei bewegten Motiven wie Wassersport und Tieren überzeugte er. Bei Bedarf schafft die PEN Serienaufnahmen mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde.
Auflösung, Dynamik und Stabilisierung
Der 20-Megapixel-Sensor ist nur ein Teil der Bildqualität. Bei Handheld High Res verrechnet die Kamera mehrere Bilder zu einer 50-Megapixel-Aufnahme, ohne dass zwingend ein Stativ nötig ist. Das funktionierte im Test zuverlässig. Neben einem hochauflösenden JPEG lässt sich auch eine 50-Megapixel-RAW-Datei speichern, wodurch Spielraum für die nachträgliche RAW-Bearbeitung bleibt.
Die interne HDR-Funktion wurde an einem kontrastreichen Waldweg mit dunklen Schatten und sonnigen Blättern ausprobiert. Durch das Kombinieren mehrerer Belichtungen stellte die Kamera mehr Zeichnung in hellen und dunklen Bereichen dar, auch aus der Hand. HDR lässt sich allerdings nicht mit Handheld High Res verbinden. Für statische Landschaften wäre eine gemeinsame Nutzung beider Funktionen interessant gewesen.
Live ND simuliert einen Neutraldichtefilter und ermöglicht längere Belichtungszeiten, ohne dass dafür zwingend ein echter ND-Filter erforderlich ist. Das passt zum Reiseeinsatz, bei dem Filterhalter, zusätzliche Filter und ein Stativ nicht immer mitgeführt werden sollen. Zusammen mit der 5-Achsen-Stabilisierung gelangen im Test etwa eine halbe Sekunde Belichtungszeit problemlos; mit ruhiger Haltung waren auch Aufnahmen um eine Sekunde möglich. So lassen sich etwa fahrende Züge oder Wasserbewegungen spontan verwischen.
Farbe, RAW und Video
Die Farb- und Monochromprofile erlauben es, Farben, Kontrast und Bildwirkung direkt in der Kamera festzulegen. Bei Motiven aus Hamburg, darunter gelbe Hafenfähren, blauer Himmel und Wasserspiegelungen, wurde der Einfluss der Profile auf das fertige Bild besonders deutlich. Zum Testzeitpunkt unterstützte die verwendete Software das RAW-Format der neuen Kamera noch nicht. Viele Beispielaufnahmen entstanden deshalb als JPEG direkt in der Kamera. Eigene Profile und Rezepte lassen sich über die OI.Share App verwalten und teilen. Das passt zu einem Einsatz, bei dem Bilder möglicherweise gleich aufs Smartphone übertragen werden und nicht nach jedem Ausflug eine längere RAW-Bearbeitung folgt.
Obwohl die PEN in erster Linie als Fotokamera gedacht ist, bietet sie eine umfangreichere Videoausstattung, als das schlichte Gehäuse vermuten lässt. Sie zeichnet 4K mit bis zu 30 fps auf und verfügt über zwei OM-Cinema-Profile sowie ein Log-Profil für mehr Spielraum bei Farbkorrektur und Videoverarbeitung. Ein Mikrofoneingang und ein S&Q-Modus sind ebenfalls vorhanden. Für Reisevideos, kurze Clips und gelegentliche hybride Nutzung reicht das Angebot über eine einfache 4K-Aufzeichnung hinaus; stärker auf Video ausgelegte Hybridkameras bieten allerdings noch umfangreichere Funktionen.
Für wen lohnt sich die OM SYSTEM PEN?
Wer bislang hauptsächlich mit dem Smartphone fotografiert, erhält eine Systemkamera mit übersichtlicher Bedienung und Funktionen, an denen sich die eigenen Ansprüche weiterentwickeln können. Die PEN eignet sich besonders für Reisen, Street-Fotografie und Familienausflüge, bei denen eine große Kameratasche unpraktisch wäre.
Auch für erfahrene Fotografen ist sie als leichte Ergänzung interessant. Wer gewöhnlich mit einer großen Vollformatkamera und mehreren Objektiven unterwegs ist, kann eine PEN mit kleiner Festbrennweite zusätzlich einpacken. Sucher, RAW-Aufnahme, Wechselobjektive, schneller Autofokus, Bildstabilisierung und die Computational-Photography-Funktionen halten für wichtige Momente dennoch reichlich Möglichkeiten bereit. Zu den Einschränkungen zählen das überwiegend aus Kunststoff gefertigte Gehäuse und die Tatsache, dass ältere PEN-Akkus nicht weiterverwendet werden können.
Technische Daten im Überblick
- Sensor: 4/3 Live MOS Sensor
- Auflösung: 20,4 Megapixel
- Bildprozessor: TruePic IX
- Autofokus: 121-Punkt Kreuzsensor-Phasendetektions-AF, kombiniert mit Kontrast-AF
- Sucher: OLED-Sucher, ca. 2,36 Millionen Bildpunkte
- Display: 3,0-Zoll Vari-Angle-Touchscreen, ca. 1,04 Millionen Bildpunkte
- Bildstabilisierung: interne 5-Achsen-Bildstabilisierung
- Serienbilder: bis zu 30 fps
- Videoformat: MOV, MPEG-4 AVC/H.264
- Computational Photography: Live ND, HDR, Focus Stacking, Focus Bracketing, High Res Shot, Live Bulb und Live Composite
- Farbprofile: Color Creator, Farbprofilsteuerung und Monochrom-Profilsteuerung
- Wetterschutz: IPX1
- Maße: ca. 125,8 mm (B) × 74,5 mm (H) × 43,3 mm (T)
- Gewicht: ca. 393 g einsatzbereit mit Akku und Speicherkarte, 344 g nur Gehäuse
- Akku: BLS-7, Laufzeit bis zu etwa 400 Aufnahmen
Unser Fazit
Die OM SYSTEM PEN überzeugt als ausgewogenes Gesamtpaket aus geringem Gewicht, zurückhaltender Bauform und umfangreichen Funktionen. Sie ist sowohl für den Einstieg aus der Smartphone-Fotografie als auch als kompakte Ergänzung für erfahrene Fotografen geeignet. Ihre praktischen Stärken liegen weniger in einzelnen Rekordwerten als darin, dass sie im Alltag leicht mitzunehmen und zugleich vielseitig einsetzbar ist.
