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Glücksspiel

Betsson erzielt Rekordumsatz, doch der operative Gewinn sinkt deutlich

Betsson erzielt Rekordumsatz, doch der operative Gewinn sinkt deutlich

Betsson hat im dritten Quartal einen Konzernumsatz von 326,5 Millionen Euro erzielt und damit den höchsten Quartalswert der Unternehmensgeschichte erreicht. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Casino-Geschäft und von Lateinamerika. Gleichzeitig belasteten höhere Glücksspielsteuern, Zahlungsgebühren und ein schwächeres B2B-Geschäft die Profitabilität spürbar.

Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was ist neu?
  2. Die Details
  3. Preis und Verfügbarkeit
  4. Einordnung

Was ist neu?

  • Der Umsatz stieg von Juli bis September um 10,4 Prozent auf 326,5 Millionen Euro; währungsbereinigt und ohne Zukäufe betrug das Plus 8,1 Prozent.
  • Das Casino-Segment legte um 13,7 Prozent auf 253,5 Millionen Euro zu und stellte damit 77 Prozent des Konzernumsatzes.
  • Die Sportwetteneinnahmen erhöhten sich lediglich um 0,8 Prozent auf 71,8 Millionen Euro, obwohl der Wettumsatz um 8,1 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro wuchs.
  • Das EBIT sank um 31 Prozent auf 46,1 Millionen Euro, während EBITDA um 23 Prozent auf 63,4 Millionen Euro zurückging.
  • Lateinamerika wuchs um 51,8 Prozent auf den Rekordwert von 116,1 Millionen Euro und steht inzwischen für 36 Prozent der gesamten Erlöse.
  • Bis zum 18. Oktober lagen die täglichen Umsätze durchschnittlich 11,0 Prozent über dem Durchschnitt des vierten Quartals 2025.

Die Details

Rekordumsatz trotz schwacher Wettmarge

Gegenüber dem Vorjahreswert von 295,8 Millionen Euro erhöhte Betsson den Quartalsumsatz um 30,7 Millionen Euro. Der bisherige Bestwert hatte bei 310,2 Millionen Euro im zweiten Quartal gelegen. Der Nettogewinn fiel allerdings von 50,1 Millionen Euro auf 28,2 Millionen Euro beziehungsweise 0,19 Euro je Aktie.

Das Casino-Geschäft lieferte mit 253,5 Millionen Euro den weitaus größten Umsatzbeitrag. Im Sportwettenbereich stieg das eingesetzte Volumen zwar auf 1,37 Milliarden Euro, die Erlöse kamen aber nur auf 71,8 Millionen Euro. Die Marge nach Gratiswetten lag bei 8,1 Prozent und damit unter 8,8 Prozent im Vorjahresquartal, 10,5 Prozent im zweiten Quartal sowie dem Acht-Quartals-Durchschnitt von 9,0 Prozent.

Vorstandschef Pontus Lindwall wertete den Rekordumsatz gerade wegen der deutlich niedrigeren Sportwettenmarge im Vergleich zum zweiten Quartal als besonders positiv. Als Gründe für die Kundenaktivität nannte er die FIFA-Weltmeisterschaft und den Beginn der neuen europäischen Fußballspielzeit. Die Zahl aktiver B2C-Kunden kletterte um 40,1 Prozent auf 1.874.687. Die Einzahlungen aus B2C- und B2B-Geschäft nahmen zusammen um 6,4 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zu.

Steuern und Zahlungsabwicklung drücken die Marge

Die Kosten der Dienstleistungen erhöhten sich von 106,0 Millionen Euro auf 145,4 Millionen Euro. Betsson führt den Anstieg vor allem auf höhere Abgaben in regulierten Glücksspielmärkten sowie auf gestiegene Kosten für Zahlungsdienstleister zurück. Entsprechend verringerte sich die Bruttomarge von 64,2 Prozent auf 55,5 Prozent.

Das EBITDA ging von 82,5 Millionen Euro auf 63,4 Millionen Euro zurück; die EBITDA-Marge sank von 27,9 Prozent auf 19,4 Prozent. Beim EBIT betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 31 Prozent auf 46,1 Millionen Euro. Gegenüber dem zweiten Quartal mit 42,2 Millionen Euro verbesserte sich das operative Ergebnis jedoch.

Der Umsatz in lokal regulierten Märkten legte um 35 Prozent auf 253,8 Millionen Euro zu. Damit kamen 77,7 Prozent der Konzernerlöse aus regulierten Märkten, nach 63,8 Prozent im Vorjahr. Die Einnahmen aus B2B-Lizenzen fielen dagegen von 76,9 Millionen Euro auf 46,7 Millionen Euro, hauptsächlich wegen geringerer Umsätze mit einem nicht genannten B2B-Kunden. Die Marketingausgaben stiegen, insbesondere durch Lateinamerika, von 34,4 Millionen Euro auf 41,6 Millionen Euro.

Lateinamerika wächst, andere Regionen entwickeln sich unterschiedlich

Lateinamerika erreichte mit 116,1 Millionen Euro einen neuen Höchstwert. Besonders stark entwickelten sich Argentinien, Peru und Kolumbien. Peru und Argentinien stachen erneut hervor, wobei Marketing rund um die Weltmeisterschaft ein wesentlicher Faktor gewesen sein soll.

In Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien sanken die Erlöse um 16,8 Prozent auf 99,2 Millionen Euro. Ursache war vor allem das niedrigere B2B-Lizenzgeschäft. Das B2C-Geschäft wuchs dort jedoch in Kroatien, Georgien und den baltischen Staaten.

Westeuropa erzielte ein Plus von 13,8 Prozent auf den Rekordwert von 64,8 Millionen Euro, angeführt von Italien. In Belgien gingen die Einnahmen zurück; dort wurde die Marke betFIRST zum Ende des Quartals in Betsson umbenannt. Die nordischen Märkte verloren 10,0 Prozent und kamen auf 32,7 Millionen Euro, wobei sowohl Schweden als auch Dänemark nachgaben.

Die übrigen Märkte verdoppelten sich auf 13,7 Millionen Euro. Hintergrund war die Konsolidierung der Rhino Entertainment Group, eines kanadischen Anbieters, den Betsson Anfang August übernommen hatte. Der vorläufige Kaufpreis liegt auf cash- und debt-free Basis bei 73,1 Millionen Euro und damit über den bei Vollzug genannten 64,5 Millionen Euro. Einen konkreten Umsatzbeitrag von Rhino weist Betsson nicht aus. Die Nettoliquidität verringerte sich von 220,0 Millionen Euro auf 98,3 Millionen Euro.

Wachstum trifft auf regulatorische Unsicherheit

In Brasilien hat die Betsson-Tochtergesellschaft nach dem Verbot vom 25. September Registrierungen und Einzahlungen ausgesetzt. Zudem wurden sämtliche Werbe- und Sponsoringmaßnahmen beendet. Die Genehmigungen sollten am 25. Oktober auslaufen, sofern die Maßnahme nicht ausgesetzt wird. Betsson spricht deshalb von erheblicher Unsicherheit, nennt aber keinen Umsatzanteil für Brasilien. Bei Entain waren die Brasilien-Erlöse im Quartal um 36 Prozent gesunken.

In der Provinz Buenos Aires gilt seit dem 8. September eine Steuer von 2 Prozent auf Gewinne aus Online-Sofortgewinnspielen. Gegen die Regelung läuft ein verwaltungsrechtliches Verfahren. Ein Gesetzentwurf des Provinzsenators Federico Fagioli mit der Bezeichnung „Ley Lula“ würde die Artikel 146 bis 173 des Online-Glücksspielgesetzes Law 15.079 aufheben und damit Online-Wetten sowie Online-Casinos untersagen.

Betsson besitzt in der Provinz Buenos Aires seit 2022 über die Partnerschaft mit Casino de Victoria eine Lizenz. In Peru steht zugleich ein Vorhaben im Raum, das die selektive Steuer auf Online-Wetteinsätze von 1 Prozent auf 5 Prozent anheben würde.

Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr veröffentlicht Betsson nicht. Bis zum 18. Oktober lagen die durchschnittlichen täglichen Umsätze 11,0 Prozent über dem Mittelwert des gesamten vierten Quartals 2025. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Übernahmen betrug das Wachstum 9,4 Prozent. Die Sportwettenmarge lag dabei deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen acht Quartale. Das Unternehmen betont, dass diese Entwicklung keine Prognose darstellt, sieht sich aber gut positioniert, wieder zu steigenden Ergebnissen zurückzukehren.

Mehr Volumen, aber weniger Bruttogewinn

Der Umsatzzuwachs von 30,7 Millionen Euro führte nicht zu einem entsprechenden Ergebnisanstieg: Der Bruttogewinn sank im Jahresvergleich um 8,7 Millionen Euro. Der wachsende Anteil regulierter Märkte bringt höhere lokale Glücksspielsteuern mit sich. Dieses Muster zeigte sich bereits im vierten Quartal 2025, als regulierte Märkte 68 Prozent des Umsatzes ausmachten und die Glücksspielsteuern um 23 Prozent zulegten.

Der Anstieg des EBIT gegenüber dem zweiten Quartal kann darauf hindeuten, dass die Marge einen Tiefpunkt erreicht hat. Im nächsten Vergleichsquartal trifft Betsson auf ein EBIT von 53,2 Millionen Euro im vierten Quartal 2025. Unklar bleibt hingegen, wie dauerhaft der Einbruch im B2B-Geschäft ist, da das Unternehmen den betroffenen Kunden nicht benennt.

Lateinamerika bleibt Wachstumstreiber und Risikofaktor

Mit 36 Prozent des Konzernumsatzes ist Lateinamerika inzwischen die größte Betsson-Region. Brasilien zeigt, wie rasch ein lizenzierter Markt durch politische Entscheidungen eingeschränkt werden kann. Der Gesetzentwurf in Buenos Aires greift sowohl beim Namen als auch bei der vorgesehenen Wirkung ähnliche Ansätze auf.

Ein einzelner Gesetzesvorschlag ist noch kein geltendes Recht. Dennoch erhöhen die neue Gewinnsteuer in Buenos Aires und die mögliche Verfünffachung der Steuer auf Einsätze in Peru das regulatorische Risiko. Werden lizenzierte Angebote zu teuer oder verboten, verschwindet die Nachfrage nicht zwangsläufig, sondern kann zu nicht lizenzierten Anbietern abwandern, die keine vergleichbaren Abgaben zahlen. Wie viel des Wachstums in Peru und Argentinien Betsson behalten kann, hängt damit wesentlich von politischen Entscheidungen ab.

Kundenwachstum bedeutet nicht automatisch höhere Erträge

Die Zahl aktiver Kunden stieg um 40,1 Prozent, während die Einzahlungen nur um 6,4 Prozent zunahmen. Die Werte sind nicht vollständig vergleichbar, weil die Einzahlungen auch B2B-Volumen enthalten. Die Differenz deutet dennoch auf eine größere Kundengruppe mit im Schnitt geringerem Wert hin.

Der Anteil aktiver Kunden mit Nutzung von Einzahlungslimits sank von 34,2 Prozent auf 24,8 Prozent. Betsson erklärt dies mit dem geografischen Mix. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Kunden, die manuell wegen potenziell riskanten Spielverhaltens überprüft wurden, von 16.810 auf 23.747. Ein schnelleres Wachstum in Märkten mit weniger intensiv genutzten Spielerschutzinstrumenten dürfte daher auch regulatorisch stärker beobachtet werden.

Preis und Verfügbarkeit

Bei den vorliegenden Unternehmenszahlen handelt es sich um das dritte Quartal. Für das Gesamtjahr nennt Betsson keine konkrete finanzielle Zielgröße. Die aktuellen Angaben zur Umsatzentwicklung reichen bis zum 18. Oktober; die in Brasilien betroffenen Genehmigungen sollten am 25. Oktober auslaufen, sofern keine Aussetzung erfolgt.

Einordnung

Betsson hat gezeigt, dass ein starkes Casino-Segment einen schwachen Sportwettenzeitraum ausgleichen kann. Für eine nachhaltige Rückkehr zu steigenden Gewinnen sind jedoch nicht allein Kundenaktivität und Marketing entscheidend. Höhere Steuerlasten, das rückläufige B2B-Geschäft und politische Eingriffe in wichtigen lateinamerikanischen Märkten bleiben die zentralen Einflussgrößen.

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