Zum Inhalt springen

Glücksspiel

PointsBet muss in Ontario zwei Tage pausieren und Kontrollen prüfen lassen

PointsBet muss in Ontario zwei Tage pausieren und Kontrollen prüfen lassen

PointsBet Canada hat sich mit der Glücksspielaufsicht AGCO auf eine zweitägige Aussetzung seines Angebots in Ontario geeinigt. Die am 20. Oktober bekannt gegebene Einigung ersetzt eine im Februar vorgeschlagene fünftägige Pause und sieht zusätzlich eine unabhängige Prüfung der internen Kontrollen vor.

Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was ist neu?
  2. Die Details
  3. Preis und Verfügbarkeit
  4. Einordnung

Was ist neu?

  • PointsBet Canada setzt sein Online-Glücksspielangebot in Ontario für zwei Tage aus; zuvor hatte die AGCO fünf Tage vorgeschlagen.
  • Ein von der AGCO genehmigter Prüfer untersucht die Kontrollen nach einer ebenfalls genehmigten Methode.
  • Festgestellte Mängel muss PointsBet beheben und die Korrekturen unabhängig bestätigen lassen.
  • Die Einigung nennt weder den Termin der Aussetzung noch eine Geldbuße oder Gründe für die Verkürzung.
  • Das Verfahren vor dem Licence Appeal Tribunal ist mit der Einigung beendet.

Die Details

Vorwürfe zu Porter-Wetten

Die AGCO hatte am 12. Februar eine fünftägige Aussetzung vorgeschlagen und dies als ersten derartigen Schritt im regulierten Online-Glücksspielmarkt Ontarios bezeichnet. Anfang 2024 forderte die Behörde alle in der Provinz zugelassenen Sportwettenanbieter auf, mitzuteilen, ob sie Wetten auf Jontay Porter angeboten und verdächtige Aktivitäten erkannt und gemeldet hatten. Der frühere Spieler der Toronto Raptors war in den Mittelpunkt von Vorwürfen zu Insiderwetten geraten. PointsBet antwortete nach Darstellung der AGCO mit erheblicher Verzögerung, es habe keine Wetten auf Porter angeboten.

Eine Anklageschrift des US-Justizministeriums vom Oktober 2025, in der auch der NBA-Spieler Terry Rozier angeklagt wurde, stellte den Porter-Fall als Teil eines umfassenderen Plans dar. Daraufhin bat die AGCO die Anbieter um eine erneute Bestätigung. Erst 18 Monate nach der ersten Auskunft räumte PointsBet ein, bei den betreffenden Spielen Wetten auf Porter angenommen zu haben. Nach Prüfung der Wettedaten erklärte die Behörde, sie habe Hinweise auf verdächtige Einsätze festgestellt, die für das mutmaßliche Schema zentral gewesen seien. Diese Einsätze hätten während des Wettgeschehens erkannt und gemeldet werden müssen.

In ihren Mitteilungen zu PointsBet benannte die AGCO nicht, gegen welche konkreten Vorschriften der Anbieter verstoßen haben soll. Im Zentrum steht Standard 4.32 der Registrars Standards for Gaming. Er verpflichtet Anbieter von Sport- und Ereigniswetten, Maßnahmen gegen Insiderwetten und Manipulationen zu treffen. Dazu gehören Verfahren, mit denen verdächtige Einsätze erkannt und einer unabhängigen Integritätsstelle gemeldet werden.

PointsBet erklärte im Februar, eine zunächst falsche Auskunft im März 2024 sei durch einen menschlichen Fehler während eines organisatorischen Übergangs entstanden. Eine Zurückhaltung von Informationen sei nicht beabsichtigt gewesen. Das Unternehmen habe die korrekten Daten offengelegt, sobald der Fehler auffiel, und vollständig kooperiert. Die damals vorgeschlagenen fünf Tage bezeichnete PointsBet als unverhältnismäßig.

Die Einigung und ihre offenen Punkte

Die AGCO teilte mit, beide Seiten hätten das Verfahren beigelegt, das mit der im Februar zugestellten Mitteilung über eine geplante Anordnung begonnen hatte. Die zusätzliche Prüfung soll nach Angaben der Aufsicht das Kontrollumfeld stärken. Wer sie durchführt und nach welcher Methode, muss die AGCO genehmigen; auch die Umsetzung von Korrekturen wird unabhängig überprüft.

Die Behörde veröffentlichte weder einen Zeitplan für die zweitägige Pause noch eine Geldstrafe und erläuterte nicht, weshalb aus fünf Tagen zwei wurden. Ein Sprecher von PointsBet Canada sagte am 21. Oktober, der Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Vor der Einigung war eine fünftägige Anhörung vor dem Licence Appeal Tribunal für den 19. Oktober angesetzt. Auf Nachfrage zur Verkürzung verwies die AGCO lediglich auf ihren Auftrag, das öffentliche Interesse zu schützen und starke Spielerschutzmaßnahmen in Ontario sicherzustellen.

Porter-Fall und Unternehmenslage

Nach Angaben des US-Justizministeriums teilte Porter Mitverschwörern mit, er werde die Spiele am 26. Januar und 20. März 2024 vorzeitig verlassen und dabei Verletzung oder Krankheit geltend machen. Anschließend wurden Wetten auf eine schwache Leistung platziert. Die NBA schloss Porter im April 2024 lebenslang aus. Er bekannte sich der Verschwörung zum Überweisungsbetrug schuldig; sein Strafmaß wurde mehrfach vertagt.

PointsBet Canada gehört zur PointsBet Holdings, einem in Melbourne ansässigen Buchmacher. Das Unternehmen verkaufte sein US-Geschäft an Fanatics Betting and Gaming und ist inzwischen nur noch in Australien und Kanada tätig. MIXI Australia, eine Tochter des in Tokio börsennotierten MIXI, Inc., übernahm im September 2025 im Rahmen einer außerbörslichen Übernahme 66,43 Prozent an PointsBet.

Kanada steuerte in den neun Monaten bis zum 31. März A$34,6 Millionen zum Konzernumsatz von A$186,6 Millionen bei, umgerechnet rund 24 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent. Der im Juni veröffentlichte Jahresbericht für 2026 erwähnt das AGCO-Verfahren nicht. Bis zum 21. Oktober hatte PointsBet die Einigung auch nicht an der Australian Securities Exchange bekannt gegeben. Eine Woche zuvor hatte das Unternehmen für das Halbjahr einen normalisierten EBITDA-Verlust von bis zu A$8 Millionen in Aussicht gestellt.

Die AGCO hatte PointsBet bereits zweimal mit Geldbußen belegt: Im Mai 2022 waren es CA$30.000, etwa 21.000 US-Dollar, wegen Werbeanreizen. Im November 2023 verhängte die Behörde wegen Defiziten beim verantwortungsvollen Glücksspiel eine Strafe von CA$150.000, rund 105.000 US-Dollar. Die aktuelle Einigung ist die dritte Sanktion der Aufsicht gegen den Anbieter seit 2022.

Signalwirkung der zweitägigen Pause

Eine lineare Umrechnung des kanadischen Umsatzes der neun Monate ergibt für zwei Tage etwa A$250.000 beziehungsweise rund 175.000 US-Dollar. Diese eigene Berechnung liegt in einer ähnlichen Größenordnung wie die Strafe von CA$200.000 gegen theScore Bet. Dieser Betrag ist die höchste Geldbuße, die der Strafrahmen der AGCO für einen einzelnen Verstoß vorsieht.

Die finanzielle Belastung ist jedoch nicht der entscheidende Punkt: Eine Geldbuße lässt sich als Betriebskosten verbuchen, während eine Aussetzung öffentlich sichtbar ist. Die Einigung zeigt, dass Ontario einen lizenzierten Anbieter wegen mangelhafter Integritätsmeldungen vom Netz nehmen kann. Die Prüfung könnte dabei die gewichtigere Auflage sein, weil die Aufsicht sowohl den Prüfer als auch die Methode kontrolliert.

Gleichzeitig bleibt die Präzedenzwirkung begrenzt, solange keine Gründe, festgestellten Sachverhalte oder Termine veröffentlicht werden. Andere Anbieter können so nicht erkennen, wodurch die Verkürzung zustande kam. Ein Urteil des Tribunals hätte hierzu Klarheit schaffen können.

Der Fall betrifft nach Darstellung der AGCO zwei Versäumnisse: Verdächtige Wetten wurden nicht rechtzeitig erkannt, und eine direkte Anfrage der Aufsicht wurde falsch beantwortet. Die unzutreffende Auskunft blieb 18 Monate lang bestehen. Verlässliche Angaben auf Nachfrage sind für das Integritätssystem Ontarios besonders wichtig, weil die Aufsicht auf die Mitarbeit der Anbieter angewiesen ist.

Die NBA hat inzwischen neue Beschränkungen für sogenannte Prop Bets eingeführt. Sie verringern bestimmte Wettmöglichkeiten, auf die sich Einzelleistungs-Schemata stützen können, beseitigen aber nicht die Pflicht, weiterhin angebotene verdächtige Wetten zu melden. Einen Tag nach Berichten, wonach iGaming Ontario eine Studie zu problematischem Glücksspiel vertraulich behandelt hatte, ist auch die Begründung dieser Einigung nicht öffentlich einsehbar.

Preis und Verfügbarkeit

Eine Geldstrafe ist in der Einigung nicht genannt. Der Beginn und das Ende der zweitägigen Aussetzung stehen noch nicht fest; PointsBet Canada bestätigte am 21. Oktober, dass der Zeitpunkt noch bestimmt werden müsse.

Einordnung

Ontario setzt mit dem Fall erstmals eine Aussetzung gegen einen Anbieter im Zusammenhang mit der Integrität von Sportwetten durch. Ob daraus ein belastbarer Maßstab für die Branche entsteht, hängt von den Ergebnissen der Prüfung ab und davon, ob diese außerhalb der AGCO und von PointsBet veröffentlicht werden.

Weitere Beiträge

21.10.2026 Bericht: MGD soll auf 25 Prozent steigen 21.10.2026 Delta Corp bleibt wegen GST-Forderungen im Quartalsminus 21.10.2026 Gardner hält trotz Kritik an Finanzrisikoprüfungen fest 21.10.2026 Türkischer Verband sperrt 147 Klubverantwortliche für 45 Tage