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Glücksspiel

Gardner hält trotz Kritik an Finanzrisikoprüfungen fest

Gardner hält trotz Kritik an Finanzrisikoprüfungen fest

Sarah Gardner, kommissarische Geschäftsführerin der britischen Gambling Commission, hat am 20. Oktober bei einer Konferenz in Lima die Einführung von Finanzrisikoprüfungen verteidigt. Trotz scharfer Einwände wolle sich die Aufsicht nicht von der Umsetzung abbringen lassen; zugleich verwies Gardner auf Fortschritte und offene Fragen im Vorgehen gegen illegales Glücksspiel.

Inhalt 3 Abschnitte
  1. Was ist neu?
  2. Die Details
  3. Einordnung

Was ist neu?

  • Gardner bekräftigte bei der IAGR-Konferenz, dass die Finanzrisikoprüfungen umgesetzt werden sollen; eine vollständige Antwort auf die Konsultation ist für diesen Herbst vorgesehen.
  • Bei vollständig eingeführten Prüfungen wären weniger als 3 Prozent der Konten betroffen. Die erste Stufe greift bei Kunden ab 25 Jahren ab 5.000 Pfund Nettоeinzahlungen innerhalb von 24 Stunden.
  • Von den über drei Jahre zugesagten 26 Millionen Pfund für Maßnahmen gegen illegales Glücksspiel standen laut Gardner ab April zunächst 7 Millionen Pfund bereit.
  • Die Aufsicht meldete für 2025 bis 2026 unter anderem 741 Unterlassungsaufforderungen und 1.134 abgeschaltete oder geoblockte Websites.
  • Gerichtliche Anordnungen zur Sperrung von IP-Adressen und Domainnamen sollen bald beantragt werden können; die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen sind bislang noch nicht in Kraft.
  • Gardner warnte Anbieter davor, ihre Systeme als von der Gambling Commission „genehmigt“ zu bezeichnen. Die Behörde sucht weiterhin eine dauerhafte Geschäftsführung.

Die Details

Finanzrisikoprüfungen im Zentrum der Auseinandersetzung

Die Gambling Commission veröffentlichte am 21. Oktober den Text der Keynote, die Gardner am Vortag bei der IAGR-Konferenz 2026 in Lima gehalten hatte. Dabei handelt es sich um die vorbereitete Rede, die von der tatsächlich vorgetragenen Fassung leicht abweichen kann. Die Konferenz findet vom 19. bis 22. Oktober statt und wird vom peruanischen Ministerium für Außenhandel und Tourismus ausgerichtet. Für Gardner war es in diesem Monat der zweite veröffentlichte Auftritt als kommissarische Chefin. Zuvor hatte sie bei einer Konferenz von Allwyn zum Spielerschutz gesprochen.

Besonders deutlich äußerte sie sich zu den Finanzrisikoprüfungen, kurz FRAs. Diese ermöglichen Glücksspielanbietern einen begrenzten Zugriff auf Kreditreferenzdaten ihrer Kunden mit den höchsten Ausgaben. Gardner zufolge habe es wiederholt intensive Versuche gegeben, die Kommission zu einem Kurswechsel zu bewegen. Kritiker hätten anhaltend behauptet, ein Verfahren, das mehr als 97 Prozent der Konten nicht berühre und für alle außer 0,1 Prozent reibungslos sei, könne nicht als reibungslos gelten.

Die Behörde wolle belegte Einwände prüfen und auch Branchen unterstützen, die negative Folgen befürchten, darunter der britische Pferderennsport. Die Umsetzung werde dadurch jedoch nicht ausgesetzt. Der Branchenverband British Horseracing Authority lehnt die Kontrollen ab. Sein Geschäftsführer Brant Dunshea bezeichnete die Entscheidung vom Juli als einen Schritt, der enormen Schaden anrichte.

Als Beleg für den Bedarf führte Gardner die Ergebnisse eines Pilotprojekts an: Glücksspielkunden mit hohen Ausgaben hätten zwei- bis viermal häufiger einen Schuldenregulierungsplan und zwei- bis fünfmal häufiger innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen Zahlungsausfall gehabt als die Gesamtbevölkerung. Einen besseren Ansatz als FRAs zur Verringerung dieses Risikos habe die Kommission bislang nicht gefunden.

Im Juli war die Veröffentlichung der vollständigen Konsultationsantwort zurückgestellt worden, damit die Details gemeinsam mit der Branche ausgearbeitet werden können. Gardner plant, das Dokument im Herbst vorzulegen. Die im Juli angekündigte erste Stufe wird bei Nettоeinzahlungen von 5.000 Pfund innerhalb von 24 Stunden ausgelöst und gilt für Kunden ab 25 Jahren.

Erhebungen und Streit um die Datenlage

Gardner kritisierte, was sie als Ablenkungsmanöver bezeichnete. Als Beispiel nannte sie Angriffe einer kleinen Gruppe auf die Gambling Survey for Great Britain. Einige Kritiker hätten dabei eigene Interessen. Der Bericht für 2025 beziffert den Anteil der Erwachsenen mit einem Wert von mindestens 8 auf dem Problem Gambling Severity Index auf 2,4 Prozent. Im Jahr 2024 hatte der Anteil 2,7 Prozent betragen. Neue Fragen sollen künftig auch erfassen, wie Menschen illegale Glücksspielangebote nutzen.

Die von der Kommission veröffentlichten Erkenntnisse zur dritten Phase ihrer Untersuchungsreihe über illegales Online-Glücksspiel wurden am 20. Oktober vorgelegt. Die Analyse erstellte Yonder Consulting. Demnach ist die Suche nach „not on GamStop“ zu einem wichtigen Zugang zu illegalen Websites geworden. Besonders aussagekräftige Hinweise auf eine Nutzung solcher Angebote sind die Suche nach nicht durch GamStop gesperrten Websites und der Wunsch nach Seiten, die nur wenige persönliche Angaben verlangen.

Finanzierung und Durchsetzung gegen illegale Anbieter

Das Budget vom November 2025 stellte der Kommission über drei Jahre 26 Millionen Pfund zur Bekämpfung illegalen Glücksspiels bereit. Die ersten 7 Millionen Pfund seien im April verfügbar geworden, sagte Gardner. Für das Finanzjahr 2025 bis 2026 nannte sie Zahlen, die Sue Young, die Geschäftsführerin für operative Aufgaben, bereits im Juni vorgestellt hatte: 741 Unterlassungsaufforderungen, 397.527 an Suchmaschinen gemeldete URLs und 266.667 daraus entfernte Adressen. Außerdem wurden 1.068 Websites zur Entfernung aus Suchergebnissen gemeldet sowie 1.134 Websites abgeschaltet oder geografisch blockiert.

Neue Befugnisse sollen der Kommission ermöglichen, bei Gericht die Sperrung von IP-Adressen und Domainnamen zu beantragen. Sie sind in Abschnitt 170 und Anhang 18 des Crime and Policing Act 2026 enthalten. Das Gesetz erhielt am 29. April die königliche Zustimmung; die betreffende Bestimmung gilt jedoch weiterhin als noch nicht in Kraft gesetzt. Das Innenministerium erwartet, dass solche Anordnungen vor allem international zugestellt werden, da Registrierungsstellen für ein Tätigwerden einen Gerichtsbeschluss benötigen.

Anbieter, Partner und weitere Themen

Gardner bezeichnete es als inakzeptabel, wenn B2B-Anbieter sowohl illegale als auch lizenzierte Glücksspielunternehmen beliefern. Im Juli vereinbarte Evolution Malta Holding eine Zahlung von 4,75 Millionen Pfund, nachdem Spiele des Unternehmens auf sechs nicht lizenzierten Websites verfügbar gewesen waren, die aus Großbritannien erreichbar waren. Auch Affiliate-Anbieter bewerben nach Gardners Einschätzung zu oft gleichzeitig lizenzierte und illegale Betreiber.

Zudem hätten Lieferanten Glücksspielunternehmen mitgeteilt, bestimmte Systeme seien von der Gambling Commission genehmigt. Diese Behauptung sei nicht wahr, stellte Gardner klar. Ihre Rede befasste sich weder mit Prediction Markets noch mit der gesetzlichen Abgabe. Künstliche Intelligenz kam lediglich als Thema vor, das die Aufsichtsbehörden gemeinsam untersuchen.

Gardner begrüßte Ruth Evans als Vorsitzende sowie Sarah Fox als neues Mitglied des Führungsteams. Außerdem bestätigte sie, dass die Kommission nach einer Nachfolge für Andrew suche und weiterhin eine dauerhafte Geschäftsführung rekrutiere.

Offene Belege und mögliche Folgen

Mit ihrer öffentlichen Bezeichnung der Lobbyarbeit als intensiv macht Gardner die FRAs auch zu einer Frage der Autorität der Kommission. Die Auseinandersetzung findet unter einer neuen Regierung und noch vor der Besetzung der dauerhaften Geschäftsführung statt. Die Daten zu Schulden und Zahlungsausfällen aus dem Pilotprojekt bilden dabei ihr stärkstes Argument.

Eine Schwäche bleibt, dass die vollständige Beleglage bislang nicht veröffentlicht ist. Kritiker sollen den Schlussfolgerungen folgen, bevor sie die Berechnungen selbst prüfen können. Damit gewinnt die für diesen Herbst geplante Konsultationsantwort besonderes Gewicht. Ist die Methodik darin nicht überzeugend dargelegt, könnte der Vorwurf eigener Interessen auf die Aufsicht zurückfallen.

Auch die eigenen Forschungsergebnisse der Kommission liefern Stoff für die Argumente der Kritiker: Hürden beim Zugang und bei der Weitergabe von Daten seien die stärksten Faktoren, die Menschen zu illegalen Websites führten. Das entspricht dem Einwand der Branche, strenge Kontrollen könnten Nutzer in den Schwarzmarkt treiben. Gardners Gegenargument lautet, FRAs ersetzten Dokumentenanforderungen bei den meisten Kunden mit hohen Ausgaben durch eine unauffällige Kreditprüfung. Ob diese Einschätzung zutrifft, lässt sich erst anhand der neuen Fragen zur Nutzung illegaler Angebote überprüfen.

Bislang beruht die Durchsetzung weitgehend auf freiwilliger Zusammenarbeit. Die 1.134 gestörten Websites wurden mithilfe von Suchmaschinen und Plattformen bearbeitet. Gerichtliche Anordnungen, die auch ausländische Registrierungsstellen erreichen könnten, warten noch auf ihr Inkrafttreten. Die Kommission hat den internationalen Aufsichtsbehörden damit signalisiert, dass sie bei den Finanzrisikoprüfungen nicht nachgeben will. Wie tragfähig dieser Kurs ist, hängt nun von den im Herbst veröffentlichten Belegen und den eigenen Daten zum illegalen Markt ab.

Einordnung

Für Glücksspielanbieter bleiben die geplanten Prüfungen und die neue erste Eingriffsschwelle von 5.000 Pfund relevant. Zugleich zeigen die genannten Forschungsbefunde, dass Zugangshürden und Datenanforderungen mit der Nutzung illegaler Seiten zusammenhängen können. Die ausstehende Konsultationsantwort und das Inkrafttreten der Gerichtsbefugnisse werden deshalb entscheidend dafür sein, wie sich Regulierung und Durchsetzung weiterentwickeln.

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