Im Australian Capital Territory (ACT) liegt ein Gesetzentwurf vor, der das Pokie-Spiel in Canberra umfassend umstellen würde. Vorgesehen sind verpflichtende, identitätsgeprüfte Spielerkonten mit Verlustgrenzen, strengere Bargeldregeln und ein gesetzlich fixierter Rückgang der Genehmigungen auf 1.000 bis 2045. Beschlossen ist die Vorlage jedoch noch nicht: Sie wurde am Dienstag, dem 20. Oktober, lediglich in die ACT Legislative Assembly eingebracht.
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Was ist neu?
- Jede Nutzung eines Glücksspielautomaten soll künftig eine personalisierte und verifizierte Spielerkarte voraussetzen.
- Spieler müssten für jeden Spielzeitraum, standardmäßig 24 Stunden, eine Nettoverlustgrenze festlegen.
- Nach einer Stunde ununterbrochenen Spiels wäre eine Pause von mindestens 15 Minuten vorgeschrieben.
- Geldautomaten sollen zwölf Monate nach Bekanntmachung des Gesetzes aus Spielstätten verschwinden.
- Die Obergrenze für Genehmigungen soll von 3.000 im Jahr 2029 schrittweise auf 1.000 im Jahr 2045 fallen.
- Direktwerbung für Glücksspiel per Post, E-Mail, Telefon, SMS, lokalen Medien oder App wäre wegen der gespeicherten Kontaktdaten untersagt.
Die Details
Konten, Limits und Spielpausen
Gaming-Reform-Ministerin Marisa Paterson hat den Gaming Machine (Harm Prevention and Reduction) Amendment Bill 2026 am 20. Oktober vorgelegt. Es handelt sich um den zweiten Teil der Glücksspielreformen der Regierung. Zunächst soll die Vorlage in einem Ausschuss geprüft werden, bevor sie im kommenden Jahr wieder zur Debatte steht.
Eine Spielstätte dürfte eine Spielerkarte erst ausgeben, nachdem ein Antrag gestellt und die Identität geprüft wurde. Ohne diese Karte wäre kein Spiel an einem Automaten erlaubt. Für jeden Spielzeitraum müsste ein Nettoverlustlimit bestimmt werden; als Voreinstellung gilt ein Zeitraum von 24 Stunden.
Ein bereits gesetztes Limit könnte jederzeit gesenkt werden. Eine Erhöhung wäre dagegen erst 48 Stunden nach der Festlegung zulässig. Diese Wartezeit zielt darauf, impulsive Erhöhungen während des Spiels zu erschweren, legt aber keine einheitliche Höhe der Verlustgrenze fest.
Betreiber müssten einschreiten, wenn jemand eine Stunde gespielt hat, ohne anschließend 15 Minuten Pause einzulegen. Bei einem Verstoß droht eine Ordnungswidrigkeit, wobei eine Verteidigung möglich wäre, wenn der Betreiber angemessene Maßnahmen nachweisen kann. Gewinne sollen dem Spielerkonto gutgeschrieben werden.
Bargeldzugang und Werbung
Bar ausgezahlte Gewinne oder Guthaben wären auf A$1.500, umgerechnet etwa $1.050, je Spieltag begrenzt. Zudem dürften Spielstätten keine Schecks mehr einlösen. Die heute geltende tägliche Obergrenze von A$250, rund $175, für Abhebungen an Geldautomaten würde ersetzt.
Ab zwölf Monaten nach der Bekanntmachung des Gesetzes wären Geldautomaten sowohl auf dem Gelände eines Lizenznehmers als auch auf zugehörigen Flächen im Umkreis von 500 Metern um eine Spielstätte verboten. Die kontoabhängigen Regeln sollen an einem von der Ministerin festgelegten Termin starten, spätestens aber 18 Monate nach der Bekanntmachung automatisch gelten.
EFTPOS-Abhebungen sind nicht Bestandteil des Gesetzentwurfs. Die Regierung beabsichtigt jedoch, diese Auszahlungen per Verordnung zu untersagen. Bereits am 16. September war außerdem ein eigener Gambling and Racing Control (Gambling Exclusion) Amendment Bill 2026 eingebracht worden.
Stufenplan für weniger Genehmigungen
Die Tabelle 10J des Entwurfs verankert konkrete Zielwerte: Bis 2029 sollen höchstens 3.000 Genehmigungen bestehen, bis 2033 2.500, bis 2037 2.000, bis 2041 1.500 und bis 2045 1.000. In jedem Jahr mit einer Reduktionsstufe soll die Ministerin festlegen, welche Genehmigungen einzelne Lizenznehmer abgeben müssen.
Derzeit liegt die Zahl der Genehmigungen knapp unter 3.500. Die ACT-Regierung hatte sich 2017 zunächst das Ziel gesetzt, bis zum 1. Juli 2020 auf 4.000 zu kommen. Das spätere Ziel von 3.500 wurde vor dem 1. Juli 2025 erreicht.
Die erste verbindliche Kürzung wäre damit erst 2029 fällig, während der Endwert 16 Jahre später erreicht werden soll. Bis dahin könnten mehrere künftige Parlamente die Tabelle wieder ändern. Bei 3.202 tatsächlich betriebenen Automaten und knapp 3.500 Genehmigungen könnte ein Teil der ersten Kürzung ungenutzte Autorisierungen betreffen.
Hohe Verluste trotz weniger Automaten
Weniger Geräte haben bislang nicht automatisch geringere Verluste bedeutet. Im vergangenen Finanzjahr verloren Menschen in Canberra mehr als A$200 Millionen, etwa $140 Millionen, an Pokerautomaten. Das war nominal ein Rekordwert und entfiel auf 3.202 Geräte.
Damit lagen die Verluste durchschnittlich bei rund A$63.000 beziehungsweise etwa $44.000 je Automat. Die ACT Gambling Survey 2024 ergab zudem, dass 15,8 % der Erwachsenen, mehr als 58.000 Menschen, mindestens eine Form von Glücksspielschaden meldeten. Auf Spielautomaten entfiel ein Drittel der gesamten Belastung.
Kritik an Bargeldverbot und Kontomodell
Oppositionsführer Mark Parton unterstützt grundsätzlich einen Rückgang der Automatenzahl, stellt aber das Verbot von Geldautomaten und EFTPOS-Auszahlungen in Clubs infrage. Seine Befürchtung: Problemspieler könnten stattdessen ins nahe gelegene Queanbeyan in New South Wales ausweichen. Paterson hält dagegen, dass auch Spielerkarten mit Bargeld aufgeladen werden könnten und der Entzug von Abhebungsmöglichkeiten deshalb weiter nötig sei; das Paket sei kein vollständiges Verbot.
ClubsACT-Chef Craig Shannon verlangte Nachweise der Regierung, eine Bewertung der gesamten finanziellen Folgen und einen finanzierten Übergangsplan. Im Oktober bezeichnete er den Ansatz als schrittweise Form eines Verbots. Tim Costello von der Alliance for Gambling Reform nannte die Vorlage dagegen landesweit richtungsweisend, forderte aber verpflichtende Verlustobergrenzen, durchsetzbare Pausen, längere Schließzeiten und ein zentrales Überwachungssystem.
Die Konten würden jeweils durch einzelne Lizenznehmer betrieben. Der Entwurf erwähnt Grenzen der Spielstätte und untersagt, dass eine Karte einer Spielstätte in einem anderen System verwendet wird. Eine spielstättenübergreifende Grenze für eine Person ist nicht beschrieben, weshalb die Forderung nach zentralem Monitoring weiterhin offen bleibt.
New South Wales geht weniger weit: Das dortige August-Paket schafft die Infrastruktur für kontobasiertes Spiel, sieht dessen Nutzung aber nur freiwillig vor. Da Queanbeyan direkt hinter der Grenze liegt und dort die Kontoanbindung freiwillig bleiben soll, könnten Einnahmedaten auf beiden Seiten zeigen, ob Spieler aus dem ACT ausweichen. Glücksspielautomaten fallen in die Zuständigkeit von Bundesstaaten und Territorien; die im August verabschiedeten bundesweiten Reformen betrafen Wettwerbung, nicht Spielautomaten.
Termine
Der Gesetzentwurf wurde am 20. Oktober in die Legislative Assembly eingebracht und ist weder beraten noch verabschiedet worden. Nach der Ausschussprüfung soll er im nächsten Jahr erneut behandelt werden. Das ATM-Verbot würde zwölf Monate nach der Bekanntmachung wirksam, während die Kontoauflagen spätestens 18 Monate danach beginnen müssten.
Die verbindliche Reduzierung der Genehmigungen soll 2029 einsetzen. Die folgenden Zieljahre sind 2033, 2037, 2041 und 2045, wobei für 2045 die Grenze von 1.000 Genehmigungen vorgesehen ist.
Einordnung
Die Vorlage verbindet den Abbau von Genehmigungen mit Eingriffen in Spielablauf und Bargeldzugang. Entscheidend für den Spielerschutz wäre, ob individuell gewählte Verlustgrenzen je Spielstätte wirksamer sind als eine harte, zentral geltende Obergrenze. Für Clubs dürften vor allem die niedrigere Zahl an Genehmigungen und die Kontrollen wirtschaftlich relevant werden, während ein mögliches Ausweichen nach Queanbeyan ein zentraler Praxistest bleibt.
