Die Canon EOS 5 D
im Vergleich mit der EOS 20D
ein Report von
Stefan
Gross
Teil 3 – ISO-Rauschen, Hotpixel,
Dynamik
- 1. Teil: Überblick, Ersteindrücke
- 2. Teil: Schärfe, Vignettierung
- 3. Teil: ISO-Rauschen, Hotpixel, Dynamik
- 4. Teil: Autofokus, Sight & Sound
- 5. Teil: Fazit, Wertungsübersicht, Leserkommentare
Seitenüberblick
Iso-Rauschen
Hotpixel
Kontrastumfang
Der
Vollformatsensor der EOS 5D bietet reichlich Platz und Canon hat ihn genutzt, um
den Durchmesser der 12,8 Mio effektiv nutzbaren Halbleiterbausteine um rund 30%
von 6,4 (EOS 20D) auf nunmehr
8,2 Mikrometer
zu erhöhen. Grössere Pixel versprechen eine bessere Lichtausbeute was zu einer
optimaleren Signalverarbeitung und weniger Störeinflüssen durch den Dunkelstrom
führen sollte.
Letzterer verursacht das unliebsame Bildrauschen höherer ISO-Wertstufen,
in denen das Eingangsignal elektronisch verstärkt und damit die Anteile des
Hintergrundrauschens mit angehoben werden.
Je sauberer und eindeutiger also die
Lichtausbeute, umso rauschärmer sollten auch die höheren ISO-Wertstufen arbeiten. Ob
die EOS 5D den Erwartungen gerecht wird und der 20D tatsächlich überlegen ist,
haben wir optisch
untersucht:
| ISO-Rauschen | ||
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Auffällig ist
die etwas hellere Wiedergabe der 5D-Testaufnahmen, die etwa um eine
Drittel-Belichtungsstufe trotz identischer Belichtungszeit höher liegen. Dies deutet darauf
hin, dass die ISO-Wertbereiche an der 5D nominell etwas zu niedrig angesetzt
sind; ISO-50 dürfte demnach bei realen 64 bzw. ISO 3.200 bei 4.000 liegen.
Unten
haben wir den Vergleich anhand einer – in kompletter Unschärfe
abgelichteten – 18%-Graukarte für die EOS 5D nachkorrigiert (Belichtung um
1/3-Stufe zurückgenommen) und die Dateigrössen (Teilausschnitt) miteinander verglichen.
Auch hier
zeigt sich, dass die EOS 5D etwas niedriger rauscht:
Wertung:
Die grösseren Pixel
der EOS 5D bewähren sich und neigen zu noch etwas geringerem Bildrauschen als
die ohnehin schon extrem rauscharme EOS 20D. Vor allem die Werte von ISO 800 bis
1600 werden damit in der Praxis an der 5D noch interessanter.
Nützlich sind auch
die ISO-Zwischenstufen der EOS
5D, denn beispielsweise ein ISO-Wert von 1000 stellt oft einen guten Kompromiss
dar, um bei wenig Umgebungslicht noch relativ rauschfreie Aufnahmen zu erhalten.
Auch mit dem niedrigen ISO 50-Wert bieten sich an der EOS 5D verbesserte
Möglichkeiten, um bei
Tageslicht Langzeitaufnahmen
iVm einer hohen Blendenzahl zu verwirklichen und kann ggf. einen Graufilter
ersetzen.
Neben dem
ISO-Rauschen können sich als weitere Störfaktoren Hotpixel und Verstärkerglühen
bemerkbar machen, sobald das Zeitfenster typischer Tageslichtfotografie
verlassen wird und Langzeitaufnahmen auf dem Programm stehen.
Mit diesem recht
praxisnahen Phänomen, das aufgrund von Überspannungsentladungen bzw. Abwärme
des Signalverstärkers die Bildqualität beeinträchtigt – hat nicht nur der
klassische
Astrofotograf zu tun, sondern dazu gehört auch die
Infrarotfotografie. Experimentierfreudige werden bei Nachtaufnahmen (um ihre
tageslichtähnlichen Auf-nahmen z.B. mit Bewegungsunschärfen, Dunst und Nebel
anzureichern) genauso damit konfrontiert wie dies für Aufnahmen in der
blauen Stunde
gilt.
Im Kampf gegen
diese Störenfriede wurde an der EOS 5D die Individualfunktion 02
„Rauschverminderung bei Langzeitbelichtungen“ um den Unterpunkt
„automatisch reduzieren“ erweitert und stellt damit – im Gegensatz zur EOS 20D –
ein nützliches Tool bereit, bei der die Kamera selbständig erkennt, ob sie den
zeit- und rechenintensiven Weichspüler auf die aktuelle Aufnahme anzuwenden hat.
Ein Überblick in
den relevantesten Zeiten zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten bei ISO 1.600 soll
zeigen, wie die EOS 5D im Vergleich zur 20D abschneidet und was die
Rauschreduktion bringt (Aufnahmen jeweils bei 22-Grad Zimmertemperatur auf den
Kameragehäusedeckel, 100%-Crops oberes Drittel rechtsseitig)
| HOTPIXEL | ||||
| ohne Rauschreduktion | mit Rauschreduktion | ohne Rauschreduktion | mit Rauschreduktion | |
Die EOS 5D gibt
sich insgesamt bei den unbehandelten Ausschnitten rauschärmer, zumindest zeigt
sie weniger stark ?bersättigte Ausreisser-Hotpixel. Die Rauschreduktion arbeitet
an beiden Kameras sehr effektiv, wenngleich die 5D scheinbar vor allem bei der
längeren Belichtung von 120Sek. an Hintergrund-Farbrauschen zulegt als ohne
aktiven Rauschminderungsparameter. Die Ursache findet sich im rötlichem
Verstärkerglühen, das an der EOS 5D gegenüber der EOS 20D anders positioniert
und näher am oben gewählten Testausschnitt liegt. Die Rauschreduktion mittelt
dieses Störelement über das gesamte Bild und führt der Aufnahme ein farbiges
Hintergrundrauschen hinzu – für die EOS 20D tritt diese Einfärbung dagegen
verstärkt im unteren Bereich der Aufnahme auf.
Im Gegensatz zu den
oben gezeigten 100%-Ausschnitten zeigt nachstehendes Tableau das
Verstärkerglühen, wie es sich über den gesamten Bildsensor verteilt.
So deutlich tritt es allerdings erst ab 4 Minuten Belichtungszeit und dem extrem
hohen ISO-Wert von 3.200 auf:
| Verstärkerglühen | ||||
| ohne Rauschreduktion | mit Rauschreduktion | ohne Rauschreduktion | mit Rauschreduktion | |
Wertung:
Wenngleich das
Verstärkerglühen bei der EOS 5D kompakter zum Vorschein kommt, so sorgt die
Rauschreduktion für eine gleichmässige Verteilung und arbeitet ähnlich gut wie
an der 20D. In der Summe liegt die 5D jedoch vorn, da kräftig zum Vorschein
kommende Hotpixel weniger häufig auftreten.
Vorteile verbucht
die EOS 5D auch durch die Möglichkeit der selbständigen Rauscherkennung und wir
empfehlen die Aktivierung des Individual-Parameters 02 auf die Position 1
einzustellen. Wird die
Rauschreduktion
aktiv, so benötigt sie im Anschluss an
die Belichtung dieselbe Zeit, wie die vorhergehende Aufnahme. Signalisiert wird
dies an der EOS 5D durch eine rechts im LCD-Display blinkende Zahl (zeigt die
verbleibenden Aufnahmen an) und ergänzend durch die permanent aufleuchtende rote
LED, die ansonsten Schreibaktivitäten auf die CF-Card anzeigt.
Die automatische
Rauschreduktion wurde im Test bei ISO 800 erst ab 60 Sekunden, bei ISO 1.600 ab
30 Sek und ISO 3.200 ab 10 Sekunden und länger aktiv. Sie brauchen übrigens
nicht solange zu warten, bis die Berechnung der Rauschreduktion abgeschlossen
wurde – die Kamera nimmt bereits während der Rechenarbeit neue Auslösungen
entgegen. Selbst ein versehentliches Ausschalten während der Berechnung stört
nicht und die Rauschreduktion wird trotzdem bis zum Ende durchgeführt.
Geht es um ein
möglichst geringes Rauschen, so empfiehlt sich eher ein niedriger ISO-Wert bei
längerer Belichtungszeit. ISO 800 mit 120 Sekunden Belichtungszeit kassiert
insgesamt geringere Störartefakte als ISO 1.600 bei 60 Sekunden.
Canon’s Werbeslogan
„Die EOS 5D fängt professionell feinste Licht- und Farbabstufungen
ein – genau wie ihr Auge“ mag suggerieren, dass Überstrahlungen und
zeichnungslose Schattenpartien ab sofort pass; seien.
Während sich die EOS 20D mit ihren rund 8 Blendenstufen Kontrastumfang bereits auf dem
Spitzenniveau der Schwarzweiss-Negativfilme bewegt und gegenüber der EOS
300D/10D noch eine Stufe zulegen konnte, so haben wir die 5D mit ihr verglichen
und getestet, ob bei der Verarbeitung des Objektkontrastes wohlmöglich noch mehr
drin ist.
Das grössere von
beiden Übeln des Dynamikumfangs sind die Überstrahlungen, denn trifft zuviel Licht
auf die Bildpixel des CMOS, dann tritt ein Effekt ähnlich desjenigen eines
Wasserglases auf, in das zuviel Flüssigkeit eingeschenkt wird und überfliesst.
?überschüssige Informationen werden schlicht ignoriert und können nicht
verarbeitet werden. Im Bereich der dunklen Schatten tritt dieser Effekt nicht
auf, denn – um im Beispiel zu bleiben – das Glas nimmt vielleicht nur ein paar
Tröpfchen auf, doch sie gehen nicht verloren.
Es sollen daher im
nachfolgenden Tableau die Reaktion auf Überstrahlungen und die Unterschiede der
Jpeg- und RAW-Bildformate für beide Kameras gezeigt werden (als Testobjekt dient
ein Miniaturelefant, dessen Gesichtspartie mit einer Taschenlampe angestrahlt
wird. Beim RAW-Format wurde
die Belichtung um 3 Stufen reduziert, die Tiefen anschliessend wieder
angehoben):
| Kontrastverarbeitung | ||||
|
JPEG |
RAW |
JPEG |
RAW |
|
Wertung:
Die EOS 5D
verarbeitet Objektkontraste exakt so wie die EOS 20D. Die Zeichnung der hellen
Partien im Elefantengesicht lässt sich dabei durch Nutzung des RAW-Formats in
Verbindung mit einem RAW-Konverter noch erheblich verbessern (Einzelheiten dazu
siehe
hier), Unterschiede zur
20D konnten jedoch hier wie auch beim Jpeg-Format nicht nachgewiesen werden.
Getestet und bestätigt wurde dieses Verhalten in den Iso-Stufen 400, 800 und
1600.
weiter zum 4. Teil: Autofokus, Sight
& Sound
