
Der Megadap M2RF bringt Autofokusfunktionen an manuell fokussierte Leica-M-Objektive, wenn diese an spiegellosen Canon-RF-Kameras verwendet werden. Dafür bewegt der Adapter das komplette Objektiv motorisch entlang der optischen Achse, statt dessen Fokusring zu betätigen. Je nach Kameramodell sind dadurch unter anderem Augenerkennung, Motivverfolgung und kontinuierlicher Autofokus möglich. Der zusätzliche Hub kann außerdem die Naheinstellgrenze verkürzen.
Autofokus durch Verschieben des gesamten Objektivs
Das Funktionsprinzip wirkt zunächst ungewöhnlich: Ein rein manuelles M-Objektiv erhält an einer Canon-RF-Kamera automatische Scharfstellung, obwohl seine eigene Fokussiermechanik unverändert bleibt. Der M2RF sitzt zwischen Kamera und Objektiv und verschiebt die angesetzte Optik bis zu 4,5 Millimeter vor beziehungsweise zurück. Dadurch verändert sich der Abstand zwischen Objektiv und Sensor. Die Kamera berechnet die erforderliche Fokuskorrektur, während der Adapter diese mechanisch ausführt.
Für den Betrieb sollte der Fokusring des Objektivs grundsätzlich auf Unendlich stehen. Der verfügbare Bewegungsweg hilft nicht nur beim Fokussieren, sondern kann auch die ursprüngliche Mindestentfernung des Objektivs reduzieren. Der Adapter ist für spiegellose Canon-RF-Modelle mit Vollformat- oder APS-C-Sensor ausgelegt.
Unterstützt werden M-Objektive verschiedener Hersteller. Dazu zählen:
- Leica-M-Objektive
- Voigtländer-M- und Zeiss-M-Objektive
- M-Objektive von Sigma, Laowa, Thypoch und TTArtisan
Welche Autofokusfunktionen tatsächlich zur Verfügung stehen, hängt von der eingesetzten Canon-Kamera ab. Möglich sind je nach Modell Augenerkennung, automatische Motivverfolgung und kontinuierlicher Autofokus. Ein Schalter am Adapter wechselt zwischen AF und MF. Im manuellen Modus lässt sich per Doppelklick ein manueller Makrobetrieb aktivieren, bei dem der Adapter seinen gesamten Ausfahrweg nutzt.
Die Brennweite und die Blende des mechanischen Objektivs kann der M2RF nicht elektronisch verändern. Die Blende wird weiterhin direkt am Objektiv eingestellt.
Objektivdaten, EXIF und Bedienung
Damit die Kombination aus Kamera, Adapter und Optik korrekte Metadaten liefert, kann der M2RF Profile für bis zu vier Objektive speichern. Über das für Windows und Mac erhältliche Megadap M2RF Custom Tool lassen sich jeweils Objektivbezeichnung, Brennweite und vier Blendenwerte eintragen. Der Adapter überträgt diese Informationen an die Kamera, die sie anschließend in den EXIF-Daten der Bilder ablegt.
Beim Fotografieren muss die am Objektiv eingestellte Blende mit dem am Adapter hinterlegten Wert und der Anzeige der Kamera übereinstimmen. Laut Bedienungsanleitung können falsche Angaben die Geschwindigkeit und die Präzision der automatischen Fokussierung verschlechtern. Das mitgelieferte Magnetkabel wird sowohl für die Übertragung der Objektivprofile als auch für Firmware-Aktualisierungen eingesetzt. Zum Lieferumfang gehören außerdem Front- und Rückdeckel.
Die bewegliche Konstruktion setzt dem System zugleich Grenzen. Der Adapter selbst bringt etwa 161 Gramm auf die Waage. Megadap rät ausdrücklich davon ab, Objektive mit einem Gewicht von mehr als 500 Gramm anzusetzen, weil die zusätzliche Belastung den M2RF beschädigen könnte.
Auch im Alltag verlangt die Lösung mehr Vorbereitung als ein herkömmliches RF-Autofokusobjektiv. Der Fokusring muss auf Unendlich stehen, das passende Objektivprofil ist auszuwählen und die Blendenanzeige muss kontrolliert werden. Der M2RF ist deshalb eher als mechanisch-elektronische Unterstützung für manuelle Optiken zu verstehen und nicht als vollständige Nachrüstung sämtlicher Funktionen eines modernen RF-Objektivs. Trotz Autofokus ist das System keine uneingeschränkte Plug-and-play-Lösung.
Praxiserfahrungen und Grenzen
Ein erster Praxistest mit einer Canon EOS R5 und mehreren Leica-M-Objektiven fällt insgesamt positiv aus. Bewertet wurden Porträt-, Street-, Reise- und typische Alltagssituationen. Besonders überzeugend arbeiteten dabei die Augen- und Motivverfolgung. Das zusammengefasste Urteil des Testers lautet: „it works amazingly well, albeit with a couple of caveats“ – auf Deutsch: Es funktioniert erstaunlich gut, allerdings mit einigen Einschränkungen.
Schwächen zeigten sich vor allem bei sehr schneller Action, Sport, Wildlife und Video. Hinzu kommen die zusätzlichen Vorbereitungsschritte, die bei jedem Objektivwechsel nötig sind. Für ruhige bis moderat bewegte Motive kann der M2RF daher interessant sein; bei dynamischen Szenen sollte man die Grenzen des Systems einkalkulieren.
Das zugrunde liegende Prinzip ist außerdem nicht neu. Bereits der 2021 getestete Megadap MTZ11 für Nikon-Z-Kameras fokussierte manuelle M-Objektive durch eine axiale Verschiebung des gesamten Objektivs. Damals erwies sich das Verfahren als grundsätzlich präzise, erforderte aber ebenfalls eine angepasste Bedienung und eine bewusste Auswahl geeigneter Motive. Die Ergebnisse dieses früheren Modells lassen sich allerdings nicht direkt auf den M2RF übertragen.
Liefertermin und Preis
Der reguläre Verkaufsstart des Megadap M2RF ist derzeit noch offen. Die deutsche Presseinformation hatte zunächst eine erste Auslieferung ab Anfang August 2026 und eine unverbindliche Preisempfehlung von 499 Euro angekündigt. Am 14. August 2026 nennt der deutsche Importeur B.I.G. jedoch weiterhin keinen konkreten Liefertermin.
Auch eine Stichprobe bei internationalen Händlern zeigte zu diesem Zeitpunkt keine normale Lagerverfügbarkeit:
- Der US-Händler B&H führt den Adapter mit dem Status „Coming Soon“.
- Der japanische Vertrieb bietet weiterhin eine Vorbestellung an und nennt als Versandzeitraum weiterhin den ursprünglich angekündigten Termin Anfang August.
Dass bereits Testgeräte im Umlauf sind, belegt zwar der erste Praxistest. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wann die reguläre Auslieferung an Händler und Endkunden tatsächlich beginnt.
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