Für Mai 2015 kündigt Canon mit der EOS 750D und 760D zwei neue DSLR im Einsteigersegment an. Wesentliche Neuerungen sind ein 24,2 Megapixel-Bildsensor, ein Autofokussystem mit 19 Kreuzsensoren, eingebautes Wifi und ein schnellerer Livebild- und Video-Autofokus. Die UVP liegt bei 699 EUR (750D) und 749 EUR (760D).
Technische Daten – Traumflieger Meinung – EOS 750D oder 760D wählen? – EOS 760D oder EOS 70D wählen? – Objektive für die 760D / 750D – Leser-Kommentare
Canon hatte bislang im Jahresturnus seine dreistellige Klasse renoviert. Nach der EOS 700D mit einem sehr mageren Update zur 650D hat sich der Hersteller diesmal jedoch zwei Jahre Zeit gelassen, bis der Nachfolger ab Mai 2015 im Handel erscheinen soll. Jetzt sind es jedoch gleich zwei Modelle mit der 750D und 760D.
Beide Versionen unterscheiden sich funktional kaum. So bieten beide den neuen APS-C-Bildsensor mit 24,2 Megapixel und somit 6 Megapixel mehr als bislang. Das sucherbasierte Autofokussystem wird von 9 AF-Feldern auf 19 aufgestockt und schließt damit zur EOS 70D auf. Alle 19 AF-Felder sind an der 750D/760D ebenfalls als Kreuzsensoren ausgelegt. Das heisst, sie erkennen sowohl horizontale und vertikale Kontraste, was bei etwas schwierigeren Motiven zu einer verbesserten Fokussierung führen kann. Der Sucher ist jedoch mit 0,51 so groß bzw. klein wie am Vorgänger geblieben.
neuer Livebild- und Video-AF
Neu ist auch ein überarbeiteter Livebild- und Videoautofokus, der als Hybrid CMOS-AF III jetzt in der 3. Generation vorliegt. Bisher werkelte an der 700D / 650D noch der CMOS-AF I, der anstelle von jetzt 80% nur 20% der Sensorfläche nutzt, um durch vereinzelte Pixel und mit einem Phasenverfahren einen kontinuierlichen Autofokus im Fotolivebild oder Videobetrieb zu ermöglichen. Die neue Version soll dabei für mehr Geschwindigkeit und Scharfstell-Sicherheit sorgen.
Neu ist ebenfalls eine Flackererkennung von Leuchtstoff-Röhrenlicht, wie sie auch schon an der 7D Mark 2 integriert wurde bzw. an den neuen 5Ds-Modellen angekündigt ist. Hier soll stets mit der höchsten Helligkeit ein Foto aufgenommen werden.
Unterschiede 750D zur 760D
Die 760D bietet anstelle der bei den Vorgängern bzw. der 750D verbauten Vierwege-Tasten auf der Rückseite ein Daumenrädchen ähnlich wie man es an der EOS 70D oder 6D findet. Ausserdem bietet sie oben auf dem Body eine Flüssigkristallanzeige für wichtige Standardwerte. Auch dieses Merkmal gab es bislang erst ab der zweistelligen Klasse. Folglich wandert aus Platzgründen das ansonsten rechts platzierte Programmwahlrad nebst Einschalter auf die linke Seite. Nicht nur die Position ändert sich gegenüber der 750D sondern es ist jetzt auch mit einem pingesicherten Verdrehschutz versehen. Unter der Haube bietet die 760D gegenüber der 750D ergänzend noch einen HDR-Videomodus in HD-Qualität (in 1.280 x 720 30/25p), sowie die Möglichkeit, einen Miniaturisierungseffekt sowie 3-10x-Zoom im Videomodus nutzen zu können.
Wifi & Co
Neu ist ebenfalls eine integrierte Wifi-Funktion mit NFC-Unterstützung, über die sowohl die 750D als auch 760D verfügt. Mit ihr lassen sich u.a. Bilder in die Cloud (irista) oder an ein Smartgerät transferieren (via der Canon Connect App). Die Kamerafernsteuerung incl. Fotolivebild ist ebenfalls möglich.
Im Fotolivebild bei Anwendung verschiedener Seitenverhältnisse (z.B. 16:9, 4:3 etc.) läßt sich der nicht benutzte Randbereich jetzt teiltransparent abmaskieren (bisher waren hierfür lediglich Linien zuständig).
Die integrierten Pop-Up-Blitze sind nach wie vor drahtlosfähig.
Das Gewicht der EOS 750D liegt incl. Akku und Speicherkarte bei 555gr und ist damit gegenüber der 700D um 25gr geringer geworden. Die 760D liegt mit 565gr in einer sehr ählichen Gewichtsklasse. Ein neuer Akku LP-E17 ist zudem fällig. Mit dem nicht zu Vorgängermodellen aber zur EOS M3 kompatiblen Akku LP-E17 lassen sich etwa 440 Aufnahmen aufzeichnen.
| UVP | 699 EUR (750D) / 749 EUR (760D) |
| Markeinführung | Mai 2015 |
| Sensor | 24,2 Megapixel, APS-C (22,3 x 14,9mm), 1,6x-Crop, 3,72µm-Pixel (Pitch) |
| Bildformate | 3:2: 6.000 x 4.000 – 4:3: 5.328 x 4.000 – 16:9: 6.000 x 3.376 – 1:1: 4.000 x 4.000. RAW, JPEG, RAW+JPEG parallel. Auch kleinere Bildformate für JPEG verfügbar (L, M, S1, S2, S3) |
| Autofokus | 19 Kreuzsensoren, empfindlich -0,5 – 18EV (in Liveview 0-18EV), Ai Fokus, One Shot, Ai Servo, 19 AF, Einzelfeld-Af, Zone / Im Livebild und Video kontinuierlicher AF Hybrid CMOS AF III mit Gesichtserkennung, Motivverfolgung, Flexizone-Mulit, FlexiZone Single |
| ISO-Bereich | 100 – 12.800, erweiterbar auf 25.600 (Video ISO 100 – 6.400, 12.800 erw.), Auto-ISO 100 – 6.400, Anpass. 1EV-Schritte |
| Belichtung | 30s – 1/4000s, Bulb, Korrektur +-5EV, Anpassung in 1/2 oder 1/3 Schritten, AEB 3 Aufnahmen +-2EV Spreizung in 1/3 oder 1/2 EV kombinierbar mit Selbstauslöser, mit AF-Feldern verknüpfte Mehrfeldmessung, Selektiv-Messung (6%), Spotmessung (3,5%), mittenbetonte Integralmessung |
| Weißabgleich | Auto, 9 verschiedene Situationen (z.B. Schatten, Tageslicht, Kunstlicht etc.), Custom (ca. 2.000 – 10.000 Kelvin), WB-Korrektur, WB-Bracketing |
| Serienbilder | 5 Bilder/Sek., 8 RAW und 940 JPEG unverzögert in Folge (SD UHS-I), Silent-Serienbildmodus mit 3B/Sek. |
| Monitor | 3“ mit 1,04k – schwenkbar, touchfähig (kapazitiv) |
| Sucher | optisch 0,82x (auf KB 0,51x), 95% Abdeckung, -3 – +1dpt-Anpassung, Mattscheibe nicht wechselbar |
| Blitz | eingebaut, Leitzahl 12 (ISO 100), Synchronzeit 1/200s, synch. auf 1. + 2. Verschlußvorh., Drahtlosfähigkeiten, Speedlites aufsteckbar |
| Video | Full HD 1.080 30/25/24p – HD 720 60/50p – SD 480 30/25p, MP4 / H.264, manuelle Tonpeglung, eingebautes Stereomikrofon, Aufzeichnung max 29m59s, max. 4GB Dateigrösse mit automatischer Neuanlage, manuelle Kontrolle über ISO, Zeit und Blende. Videoschnappschuß-Modus. Nur EOS 760D: HDR-Video mit 720 30p/25p und Miniatur-Effektfilter, Videozoom 3x- 10x |
| Wifi | vorhanden mit NFC-Unterstützung, Bildtransfer an Smartgeräte via Camera Connect App (Android-Version), Bildupload in die Cloud (irista), Kamerafernsteuerung incl. Fotolivebild |
| Speicherkarten | SD / SDHC / SDXC (UHS-I kompatibel) |
| Extras | Wasserwaage auf dem Monitor, Flacker-Erkennung bei Leuchtstoff-Röhrenlicht |
| Buchsen | Mini-HDMI-Out (Typ C), Mini-USB (inkl AV-Out via beigefügtem Adapterkabel), externer Mikrofon-Anschluß 3,5mm Stereoklinke, Fernauslöser-Anschluß 2,5mm Miniklinke |
| Akku | LP-E17, reicht für 440 Aufnahmen (23 Grad, 50% Blitz), Batteriegriff BG-E18 ansetzbar |
| Gehäuse | Kunststoff, 131,9 x 100,7 x 77,8mm |
| Gewicht | 555gr (EOS 750D) bzw. 565gr (EOS 760D) jew. inkl. Akku und Speicherkarte |
| Objektive | Wechselobjektive mit Canon EF oder EF-S-Anschluss |
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Megapixel-Sprung: Vermutlich haben doch zu viele Käufer auf die 24 Megapixel von Sony- bzw. Nikon-Modellen geschielt und Canon wollte bzw. musste hier reagieren. 6.000 x 4.000 Pixel sind schon eine ordentliche Basis, aus der sich auch Bildausschnitte gewinnen lassen. Ich finde diese Größe ziemlich optimal, wenn die übrige Qualität hinsichtlich Detailzeichnung und geringem ISO-Korn stimmt. Insoweit ist es generell erfreulich, dass Canon hier entsprechend bei der EOS 750D / 760D nachzieht, wobei mich hier neben Auflösung und ISO-Rauschen noch die Dynamik im RAW-Format interessiert. Einen Test werden wir diesbezüglich wie gewohnt nachreichen. 19 Kreuzsensoren und ein verbesserter Livebild- bzw. Video-AF sind ebenfalls willkommen. Insgesamt halten sich die Innovationen aber in Grenzen. Von der vielbeworbenen Flackererkennung halte ich z.B. nicht allzuviel, denn bei meinen Tests an der 7D II ergaben sich nur ganz selten Optimierungseffekte (dafür muss die Lichtquelle schon ziemlich exakt 120 Hz bieten). Immerhin macht Canon aber insgesamt etwas mehr als nur ein Mini-Upgrade wie seinerzeit von der 650D auf die 700D. Bleibt die Frage, warum musste Canon jetzt gleich zwei Modelle auf den Markt werfen Ich vermute, dass Canon – ähnlich wie es Samsung an der NX1 gemacht hat – den Userwunsch nach einem professionelleren Modell unbedingt verwirklichen wollte, dabei aber in die Kostenfalle geriet. Also lieber eine etwas teurere 760D bringen und den Käufer entscheiden lassen, der ja auch auf die 750D zurückgreifen kann. Die 760D könnte ich mir als durchaus kleines und mobiles Schmuckstückchen vorstellen, eine Mini-70D hat was. Ich bin schon gespannt! |
Die Neuerungen fallen durchaus beachtlich aus, zumindest wenn man die Features mit den bisherigen Dreistelligen vergleicht. Dabei fällt allerdings auf, dass Canon seine zweistellige Klasse zu torpedieren scheint. Dort hatte Canon sich bislang 19 Kreuzsensoren vorbehalten, die jetzt auch an der 750D und 760D zu finden sind. Die 760D nähert sich einer 70D auch durch das jetzt verbaute Daumenrad und die Flüssigkeitskristallanzeige nebst gesichertem Programmwahlrad an. Auch die jetzt verbauten kamerainternen Wifi-Funktionen gab es bislang und nur sehr vereinzelt in der zwei- und einstelligen Klasse (70D / 6D).
24 Megapixel-Sensor
Gänzlich neu ist allerdings der 24,2 Megapixel-Bildsensor, den Canon fast parallel auch der neuen EOS M3 spendiert. Diese Pixelzahl bei APS-C-Sensoren findet man ansonsten ja auch bei Sony-Modellen bzw. Sony-Sensoren verbauenden Herstellern wie Nikon. Ob der neue Sensor der 750D / 760D etwa von Sony gefertigt wurde ist unklar. Dagegen spricht, dass Canon bislang seine Sensoren in eigenen Fertigungsstrassen baut und hier einen bislang etwas abweichenden Formfaktor mit 1,6x-Crop (anstelle 1,5x) nutzt. Zudem hat Canon jetzt wieder einen Hybrid CMOS AF implementiert, wie ihn in ähnlicher Form auch die Vorgänger-Bildsensoren nutzen. Der dürfte eine höhere Fokussiergeschwindigkeit erlauben. Während die Mark 1-Version noch an der 700D/650D werkelt, hatte Canon eine verbesserte Version mit einer Flächenausnutzung anstelle von 20% mit 80% bereits an der EOS 100D bzw. der hierzulande offiziell nicht erhältlichen EOS M2 verbaut.
neuer Hybrid AF
An der EOS 100D konnten wir leichte Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem älteren CMOS AF im Livebild erkennen. Jetzt mit der Mark 3-Version kündigt der Hersteller an, dass noch mehr Geschwindigkeit und Scharfstellsicherheit gegeben sei. Gegenüber dem Dual Pixel CMOS AF – wie er an der 70D oder 7D Mark 2 verbaut ist – wird er aber in Sachen Fokussiersicherheit wohl kaum mithalten können. Bei unseren Tests ist der Dual Pixel bei der Nachführgenauigkeit dem bisherigen CMOS AF jedenfalls erkennbar überlegen, wenngleich auch er – entgegen der landläufigen Suggestivwerbung – von einer Perfektion weit entfernt ist (siehe Testvideo der beste Video-AF). Wen wunderts, schließlich nutzt der Dual Pixel CMOS AF ja auf 80% der Sensorfläche jedes einzelne Pixel für eine Phasendifferenz, während beim Hybrid CMOS AF nur vereinzelte Pixel einen schmalen 80%-Rahmen über den Bildsensor ziehen. Wie gut letztlich der neue Hybrid CMOS III abschneidet, muß natürlich erst noch in Tests ermittelt werden.
Konkrete Aussagen, wie groß die Optimierungen letztlich beim Bildsensor von der erzielbaren Bildqualität ausfallen, ist ebenfalls späteren Tests vorbehalten. Augenscheinlich dürfte der Anwender aber keinen solch großen Sprung machen, dass wir zu einem unbedingten Upgrade von einer EOS 650D oder 700D auf eine EOS 750D raten. Unter der Haube hat sich funktional nicht so sehr viel getan. Dafür hätte Canon schon 4k-Videofunktionen, Fokuspeaking, einen integrierten Timer etc. spendieren dürfen. Letzteres behält sich Canon aber derzeit noch der 7D Mark 2 und EOS 5Ds / 5DsR vor.
Die Wahl zwischen der 750D und 760D fällt nicht so eindeutig und leicht, wie es vielleicht den Anschein haben mag. Zunächst ist die 760D vom Body jedoch fraglos besser ausgestattet. Ob man aus designtechnischen oder praktischen Gründen das hintergrundbeleuchtete LC-Display bevorzugt, ist vor allem eine Geschmacksfrage. Wir finden es optisch zumindest schick. Der praktische Nutzen ist dann gegeben, wenn man die Kamera auf einem Stativ nutzt und schnell Werte von oben ablesen kann, ohne erst auf den Monitor mit Wertanzeigen blicken zu müssen. Andererseits kann man den schwenkbaren Monitor auch anklappen und sieht so zumindest im Bereitschaftsmodus die Werte. Ein Nachteil liegt aber darin, dass diese Flüssigkeitskristall-Anzeige das Programmwahlrad und den Einschalter incl. Videomodus-Zugriff auf die linke Kameraseite verdrängt. An der 750D bleiben die wichtigen Elemente hingegen im rechtshändigen Zugriff. So ist eine komfortable Einhandbedienung eher möglich.
komfortables Daumenrad
Die 760D punktet aber noch mit dem Daumenrad. Um z.B. die mittlere Belichtungsstufe schnell zu verstellen, reicht ein Dreh, während man an der 750D hierfür erst noch die AV-Taste drücken muß, um mit dem Zeigefinger entsprechende Wertänderungen vorzunehmen. Auch im Programm M ist dieses Procedere an der 760D vereinfacht, wo die AV-Taste gänzlich entfallen ist. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass die Bedienung via AV-Taste mit parallelem Zugriff auf das Einstellrad sehr gut und flott funktioniert. Dennoch gefällt uns ein Daumenrad insgesamt vom Handling besser als die Vierwege-Tasten bzw. AV-Einstellrad-Kombination.
Was bringt HDR-Video?
Wie gut das allein der 760D spendierte HDR-Video funktioniert, muß natürlich erst getestet werden. Schade ist aber, dass hier nicht Full HD unterstützt wird, offenbar hat Canon mit dem Rauschpegel im größeren Format zu kämpfen. Vermutlich ist die HDR-Videofunktion aber eine tolle Hilfe bei hohen Kontrasten, um die Zeichnung im Film in Schatten und Lichter besser zu erhalten. Ein Problem, mit dem nicht nur Outdoor-Filmer regelmäßig konfrontiert sind. Ein sicherlich nettes Goodie ist auch der nur an der 760D im Video vorhandene Miniaturisierungseffekt, der ähnlich einem Tilt-Shift-Objektiv durch partielle Weichzeichnung eine Makrolandschaft simulieren kann, wenn man eine passende Oberperspektive wählt. Der ebenfalls der 760D vorbehaltene (und auch an der 70D implementierte) 3x- 10x-Videozoom kann durchaus bei 3x-Zoom in der Praxis sinnvoll sein, weil die Kamera hier einen nahezu verlustfeien Sensor-Crop mit einer entsprechenden Brennweitenverlängerung ausführt, ohne das Bild zu stark unscharf zu zeichnen.
Die 760D bietet zudem gegenüber der 750D noch einen Augennäherungs-Sensor, um eine ggf. aktive Monitoranzeige automatisch abzuschalten, sobald sich der Fotograf dem Sucher nähert.
Wenn Sie uns die Pistole auf die Brust halten und eine Entscheidung zwischen der 750D und 760D abverlangen, dann würden wir uns für die 760D entscheiden. Die rund 50 Euro Aufpreis wäre uns das Featureupgrade insgesamt wohl doch wert, auch wenn wir der eleganten Einhandbedienung der 750D etwas hinterhertrauern würden.
Wie erwähnt, bietet die 760D zahlreiche Merkmale wie Daumenrad, LC-Display nebst pingesichertem Programmwahlrad einer EOS 70D. Aber die 760D ist vom Gehäuse noch deutlich kompakter und der Body wiegt mit 565gr gegenüber 755gr knapp 200gr weniger. Einen Touchscreen mit Schwenkfähigkeiten bieten beide Modelle. Zwar sind die 24 Megapixel einer 760D nominell schön; aber Hand aufs Herz, auch die 20 Megapixel einer 70D sind meist mehr als ausreichend. Ausserdem werden die Pixel an der 760D so etwas kleiner. Aber es bleibt natürlich erneut der Hinweis, dass hier ein Test die Unterschiede vor allem auch in der Dynamik des RAW-Formats ermitteln muss. Augenscheinlich würden wir aber erstmal mutmaßen, dass die Unterschiede in der Praxis nicht allzugravierend ausfallen dürften – wir lassen uns aber gerne positiv überraschen!
70D mit umfangreicher Smartgeräte-Steuerung
Auf der Habenseite führt die EOS 70D aber den Dual Pixel CMOS AF ins Feld, den wir oben ja schon erläutert haben. Der ist z.B. auch interessant, wenn man sehr lichtstarke Objektive einsetzt, bei denen es ggf. zu einem sucherbasierten Autofokusproblem kommen kann. So lässt sich alternativ schnell ins Fotolivebild wechseln mit einer hohen Scharfstellgenauigkeit. Letzteres läßt sich natürlich auch an der 760D machen, aber wie zuverlässig das Ergebnis dann ausfällt bleibt ebenfalls erst noch konkreten Testaussagen vorbehalten. Die 70D kann man über die Wifi-Funktion auch mit alternativen Apps wie DSLR Controller verbinden, was derzeit für die Wifi-Funktion einer 760D (oder 750D) noch nicht sichergestellt ist. Ein Fotolivebild incl. Parameterzugriff läßt sich an der 70D über die App EOS Remote bzw. über die alternative App DSLR Controller nutzen. Letztere ist allerdings deutlich potenter und mit vielen Extrafunktionen ausgestattet. Die App Canon Control für die 760D (und 750D) bietet zwar auch ein Fotolivebild und offenbar Parameter-Zugriff aber an die Funktionsvielfalt von DSLR Controller kommt sie bei weitem nicht heran.
Der 70D-Sucher ist größer
Wenngleich im sucherbasierten Fotolivebild jeweils 19 Kreuzsensoren werkeln, so bietet die EOS 70D das größere Sucherbild. An der 760D (oder 750D) hat man auf Kleinbild umgerechnet nur einen 0,51x-Sucher während die 70D immerhin eine Suchergröße von 0,59x bietet. Der Unterschied scheint gering zu sein, blickt man aber durch den Sucher, wirkt derjenige an der 70D schon spürbar großflächiger.
Die 70D ist flotter und bietet mehr Funktionen
Die Serienbildgeschwindigkeit ist mit 7B/Sek. an der 70D auch flotter als an der 760D. 16 unverzögerte RAW gegenüber 8 an der 760D sind auch nicht zu verachten. ISO-Schritte lassen sich auch in kleinen 1/3 oder 1/2-Stufen ändern und Reihenbelichtungen mit 2,3,5 und 7 Aufnahmen durchführen. Letzteres funktioniert an der 760D nur mit 3 Bildern und wegen des geringeren Speicherpuffers (8 RAW in Folge) wird man hier z.B. bei Panoramen schneller ausgebremst. Wer in kontrastreichen Umgebungen etwa Nachts z.B. HDR-Verrechnungen durchführen möchte, kann somit an der 70D auf potentere Möglichkeiten zurückgreifen. Die kürzeste Verschlusszeit ist mit 1/8000 gegenüber 1/4.000s an der 70D zudem kürzer, was in heller Umgebung mit kleiner Blendenzahl nützlich sein kann.
Letztlich spiegelt sich der zugegebenerweise relativ kleine Klassenunterschied zwischen der 70D und 760D auch im Preis wider. Für die EOS 70D werden derzeit rund 900 Euro verlangt, während die 760D mit einer UVP von 749 Euro doch etwas günstiger angegeben ist. So in etwa sehen wir auch den Ausstattungs- und Leistungsunterschied. Nicht allzu groß aber für ambitionierte Anwender durchaus spürbar. Wer es lieber etwas kompakter mag, ist bei der 760D sicherlich gut aufgehoben, wer einen etwas griffigeren Body wünscht und das Mehr an Funktionalität ausreizt, dürfte sich bei der 70D wohler fühlen – und auch die längere Akku-Laufzeit des LP-E6 bevorzugen (mehr zur 70D im Traumflieger-Test).
weitere Alternativen
Zu den 750D bzw. 760D-Modellen bietet der Markt zahlreiche Alternativen. Auch die neue spiegellose Canon EOS M3 kommt dafür in Frage. Um an dieser Stelle Wiederholungen zu vermeiden, verweisen wir auf den Traumflieger-Kommentar unter der EOS M3, wo zahlreiche Alternativen angeführt sind!
Objektive für die EOS 750D / 760D
Canon bietet seit einiger Zeit für seine APS-C-DSLR die noch relativ neuen STM-Objektive an. So sind auch für die EOS 750D bzw. 760D Kitversionen mit dem 18-55mm IS STM oder dem 18-135mm IS STM zu erwarten. Das STM steht dabei für Steppermotor. Dieser Motor ist vor allem besonders laufruhig und sehr schnell. Wer Videos mit dem internen Mikrofon aufzeichnet, der ist mit einem STM-Objektiv bestens beraten. Aber auch die haptische Qualität ist z.B. gegenüber den älteren 18-55mm IS bzw. 18-135 IS-Versionen (mit Mikromotor) deutlich gestiegen, weil z.B. die Frontlinsen nicht mehr mitdrehen oder der Tubus nicht mehr so klapprig wirkt.
Objektive mit Ultraschall (USM) sind aber kaum langsamer, nur halt etwas lauter im Betrieb, hier ist der teils verbaute Bildstabilisator meist auch nicht ganz so laufruhig wie an den STM-Objektiven. Im sucherbasierten Fotobetrieb wird man aber kaum Unterschiede in der Geschwindigkeit von USM zu STM-Antriebsmotor feststellen.
Neben den genannten Objektiven ist auch das Canon 55-250mm IS STM aus optischen Gründen empfehlenswert. Gleiches gilt auch für das Weitwinkelzoom Canon 10-18mm IS STM. Daneben haben wir aber noch zahlreiche weitere Objektive getestet, die sie hier im APS-C-Test finden!
