Weißabgleich und ISO-Wert – Objektivwahl und Belichtungsmessung – Belichtungsmessung und Bildformat – Inhaltsverzeichnis
8.1 Hallen- und Konzertaufnahmen optimieren
Innenräumen fehlt es oft an der Lichtintensität, die die Sonne im Freien großzügig spendiert. Die Hauptschwierigkeit bei der Hallen- und Konzertfotografie liegt daher im fehlenden Licht. Man kann jedoch aus der Not eine Tugend machen und Bewegungsunschärfen bzw. ISO-Rauschen als Gestaltungsmittel in die Arbeit einfließen lassen. Wollen Sie sich jedoch alle Optionen offenhalten, dann gehören ein hoher ISO-Wert, Bildstabilisator und vor allem lichtstarke Objektive zum Pflichtprogramm.
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Um aus einer hinteren Reihe vor stehendem Publikum noch etwas aufzunehmen, ist ein nachgerüstetes Schwenkdisplay nützlich (hier ein Android-Handy mit der App DSLR Controller oder alternativ auch Remote Your Cam USB Pro). |
Wollte man bei Konzerten mit Lichtquellen unterschiedlicher Farbtemperatur nachträglich Farbstiche korrigieren, würde man schier verzweifeln, denn dies ist einfach unmöglich. Machen Sie sich also keine großen Sorgen um den korrekten Weißabgleich, denn das automatische Weißabgleichprogramm AWB deckt die meisten Lichtsituationen recht gut ab. Dem Betrachter fehlt später zudem eine bekannte Referenz und er wird sich daher kaum an Fehlfarben stören. Generell empfiehlt sich ein hoher ISO-Wert, wenn Sie Bewegungs- bzw. Verwacklungsunschärfen vermeiden wollen. ISO 1600–3200 dürfte für die 6D bei Konzerten bzw. Hallensportveranstaltungen als Standard gelten. Nur für kleinere Ausgabeformate oder als Körnungsstilmittel sollte man den ISO-Wert höher drehen.
Testen Sie zwischendurch auch einmal einen niedrigeren ISO-Wert bzw. eine längere Verschlusszeit zwischen 1⁄8 und 1⁄30 Sek. (Werte gelten für Normalbrennweiten bzw. bei Bildstabilisatoren). Damit werden zwar die Darsteller nicht komplett scharf, aber mit feinen Bewegungsunschärfen umso dynamischer wiedergegeben.
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Direkt vor der Bühne mit leichten Bewegungsunschärfen bei 1⁄15 Sek. aufgenommen, das ergibt eine leicht dynamische Bildwirkung. |
Objektivwahl und Belichtungsmessung
Lichtstarke Objektive gehören besonders bei Sportveranstaltungen zur ersten Wahl. Das Canon 70-200mm 1:2.8L IS USM II zählt dabei für viele hoch ambitionierte Fotografen zum Standardobjektiv, es liegt allerdings schon in der gehobenen Preisklasse um 2.000 Euro. Profis greifen gar auf die 300mm- und 400/2.8L-IS-USM-Versionen zurück und werden aufgrund des Objektivgewichts und der engen Platzverhältnisse auf das Einbeinstativ verpflichtet. Man muss sich aber diesen Empfehlungen nicht fügen und kann mit erheblich geringeren Investitionen zu gelungenen Aufnahmen kommen. Ein Canon 70-200mm 1:4.0L USM (ggf. als IS-Version) liegt preislich unter den erwähnten Objektiven, ist aber noch relativ lichtstark – eine Empfehlung, wenn Sie aus zweiter oder dritter Reihe fotografieren.
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Spielen die Lichter eine bildwichtige Rolle, dann belichten Sie möglichst knapp (Spotmessung), um sie zur Geltung zu bringen. Die dann sehr dunklen Schattenbereiche können Sie später ggf. noch aufhellen. |
Falls Sie sich näher an der Bühne bzw. den Akteuren platzieren können, kommen durchaus ein Allrounder wie das Canon 24-105mm 1:4.0L IS USM oder das Canon 24-70mm 1:2.8L, aber auch lichtstarke Festbrennweiten wie z. B. ein Canon 50mm 1:1.8 oder die 1.4er-Variante infrage.
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RAW und JPEG gleichzeitig aufnehmen Wenn Sie mit hohen ISO-Werten aufnehmen und später dunkle Bildbereiche nachträglich aufhellen wollen, dann nehmen Sie parallel zum RAW-Format auch ein JPEG auf. Aufhellungen bei RAW mit hohem ISO-Wert führen schnell zu einem Magenta-Farbstich (im Englischen auch als sogenanntes Purple Fringing bezeichnet), der beim JPEG durch den Tonwertbeschnitt so nicht auftritt. Im Zweifel haben Sie die Wahl und können entscheiden, mit welcher Datei Sie besser klarkommen. |
Belichtungsmessung und Bildformat
Die EOS 6D bietet Ihnen vier Belichtungsmessmethoden zur Auswahl an. Mit der Mehrfeldmessmethode machen Sie in der Regel nicht viel falsch, da die Kamera über 63 Felder eine insgesamt ausgewogene Belichtungszeit ermittelt. Sie wird jedoch der bei Konzerten gerne eingesetzten Spotbeleuchtung nicht gerecht und das kann schnell zu überstrahlten Gesichtern und zu langen Belichtungszeiten führen. Auch wenn es bei sich schnell bewegenden Akteuren problematisch sein kann, die sich hier anbietende Selektivmessung bzw. Spotmessung ständig zielsicher nachzuführen, empfiehlt sich doch zumindest ein längerer Konzertabschnitt mit dieser Messmethode. Sie werden später bei der Bildauswahl damit eine größere Chance auf wunschgemäß belichtete Aufnahmen haben.
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Nutzen Sie zwischendurch die AEB-Reihenbelichtungsfunktion, dann können Sie durch die teils längeren Belichtungszeiten in der Reihe Aufnahmen mit dynamischen Bewegungsunschärfen auswählen (f8 | 1⁄5 Sek. | ISO 1000). |
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Fotorechte beachten Klären Sie vor einer Veranstaltung mit dem Manager der Akteure bzw. dem Veranstalter die Veröffentlichungsrechte ab. Hilfreich sind Referenzen und Angaben zum Verwendungszweck der Bilder. Informieren Sie sich auch darüber, ob Blitzlicht akzeptiert wird und ob über die gesamte Konzertdauer Aufnahmen gestattet sind. (Manchmal werden für Konzertfotografen auch nur die ersten Stücke freigegeben.) |
Das RAW-Format ist dem JPEG-Bilddatenformat vor allem durch seinen höheren Dynamikumfang überlegen. Auch lässt sich der Weißabgleich später verlustfrei im RAW-Konverter durchführen, sodass man die Einstellung auf RAW nur empfehlen kann. Sollen die Aufnahmen jedoch eher „just for fun“ als Erinnerung und relativ unkompliziert direkt nach dem Event präsentiert oder verteilt werden, ist das JPEG-Format durchaus eine speicherplatzsparende Alternative, die insbesondere durch längere Serienbildsequenzen mehr Potenzial für besonders spannende Szenen bietet. Wenn Sie höhere ISO-Werte einsetzen und nachträgliche Aufhellungen vornehmen, dann helfen JPEGs auch eher, den bei RAW-Dateien häufiger auftretenden Magenta-Farbstich zu vermeiden. Es kann sich lohnen, einfach RAW und JPEG parallel aufzuzeichnen und später dann die Optimierung bei Problemen im RAW-Bild auf JPEGs anzuwenden.
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Spotmessung auf mehrere Aufnahmen anwenden Wird Spotlicht eingesetzt und konstant auf Schauspieler oder Musiker gerichtet, sollten Sie unbedingt die Spotmessung darauf ansetzen. Übertragen Sie den so ermittelten Zeitwert (und die Blende) ins Programm M oder – falls nur eine kürzere Sequenz zu erwarten ist – drücken Sie die Sterntaste und halten Sie sie permanent fest. Damit lässt sich die Spotmessung nicht nur bei einem Kameraschwenk, sondern zudem auf mehrere Bilder anwenden. |
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