Die International Association of Gaming Regulators (IAGR) will vom 9. bis 13. November 2026 erstmals eine international abgestimmte Verbraucheraktion gegen nicht lizenzierte Online-Glücksspielangebote durchführen. Kern der Illegal Gambling Awareness Week ist ein kostenloses Online-Angebot, über das Spieler die Webadresse eines Glücksspielportals auf vorhandene Lizenzinformationen prüfen können.
Inhalt 4 Abschnitte
Was ist neu?
- Die erste Illegal Gambling Awareness Week der IAGR findet vom 9. bis 13. November 2026 statt.
- Spieler sollen vor einer Wette prüfen, ob ein Anbieter am jeweiligen Aufenthaltsort lizenziert ist.
- CheckBeforeYouPlay.org startet am 9. November und wertet eingegebene Webseitenadressen aus.
- Ab dem 6. November erhalten Mitgliedsbehörden Kommunikationsmaterial in Englisch und Spanisch.
- Welche Regulierungsbehörden und Rechtsräume vom Lizenzcheck erfasst werden, hat die IAGR noch nicht veröffentlicht.
- Die Initiative folgt auf die IAGR-Jahreskonferenz in Lima, auf der internationale Zusammenarbeit als zentral hervorgehoben wurde.
Die Details
Die IAGR machte die Aktionswoche in einer Mitteilung vom 26. Oktober bekannt, die am 27. Oktober veröffentlicht wurde. Vorgestellt wurde das Vorhaben bei einem Briefing während der Jahreskonferenz in Lima, Peru, die vom 19. bis 22. Oktober stattfand. Die Mitgliedsbehörden sollen ihre Kommunikation rund um das Thema aufeinander abstimmen.
Im Mittelpunkt steht eine einfache Botschaft: Bevor Verbraucher ein Angebot nutzen, sollen sie kontrollieren, ob die betreffende Glücksspielseite dort zugelassen ist, wo sie spielen. IAGR-Präsident Ben Haden, den der Verband Großbritannien zuordnet, verweist darauf, dass Online-Glücksspiel Regulierungsbehörden weltweit vor dieselbe Aufgabe stelle. Gemeinsame Kommunikation könne mehr Menschen erklären, weshalb lokale Lizenzen relevant sind und wo verlässliche Informationen zu finden sind.
Nach Darstellung der IAGR drohen Nutzern nicht lizenzierter Seiten ausbleibende Auszahlungen, eingeschränkte Möglichkeiten bei Streitfällen sowie ein Missbrauch persönlicher oder finanzieller Daten. Zudem könnten die Schutzmaßnahmen für verantwortungsvolles Spielen fehlen, die lokal regulierte Betreiber erfüllen müssen. Unwissende Verbraucher könnten außerdem kriminelle Organisationen finanzieren, darunter Gruppen mit Verbindungen zu Drogenhandel und Terrorismusfinanzierung.
Material für Mitgliedsbehörden
Die Kampagneninhalte wurden von R&R Partners entwickelt, einer von der IAGR als unabhängige Marketing- und Kommunikationsagentur bezeichneten Firma. Ab dem 6. November können Mitglieder Videos mit 30 und 15 Sekunden Länge, Beiträge für soziale Netzwerke, einen Entwurf für Pressemitteilungen und vorbereitete Kernbotschaften nutzen.
Zum Startpaket gehören zunächst englische und spanische Inhalte. Regulierungsbehörden dürfen ihre eigene Markenkennung ergänzen, während der Aktionswoche täglich veröffentlichen, lokale Mitteilungen herausgeben und Interviews organisieren. Welche Behörden tatsächlich teilnehmen, nennt die IAGR bisher nicht; interessierte Stellen sollen sich an den Chief Executive des Verbands wenden.
So soll der Lizenzcheck funktionieren
Ein zentrales Element der Woche ist CheckBeforeYouPlay.org. Das Angebot wurde nach Angaben der IAGR von dem in Paris ansässigen RegTech-Unternehmen Sharp Vision kostenlos bereitgestellt. Verbraucher sollen dort die URL einer Glücksspielseite eingeben und verfügbare Angaben zur Lizenzierung in den abgedeckten IAGR-Mitgliedsgebieten erhalten.
Die Ergebnisse sollen auf Daten aus Regulierungsregistern und weiteren geprüften öffentlichen Quellen basieren. Am 28. Oktober war die Website noch nicht öffentlich erreichbar. Offen bleibt zudem, welche Staaten oder Behörden berücksichtigt werden und unter welchen Bedingungen Sharp Vision den Dienst zur Verfügung stellt.
Kevin Mullally, seit Februar erster Chief Executive der IAGR, warnt davor, sichtbare Online-Angebote automatisch für vertrauenswürdig zu halten. Sein Ziel ist, dass Spieler den Lizenzstatus routinemäßig überprüfen, bevor sie ein Konto eröffnen oder Geld einzahlen.
Sharp Vision und die Zusammenarbeit der Behörden
Sharp Vision unterstützt Regulierungsbehörden nach eigenen Angaben bei der Marktbeobachtung, der Auswertung von Wett- und Zahlungsdaten sowie bei der Identifizierung nicht lizenzierter Seiten. Gründer Cyril Casanova stand auch auf der Rednerliste der IAGR-Konferenz in Lima. Im September berichtete die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa, dass Turismo de Portugal für den dort angesiedelten Glücksspielregulierer SRIJ die Plattform des Unternehmens zur Erkennung illegaler Glücksspielseiten ausgewählt habe.
Der Vertrag hat eine Laufzeit von einem Jahr und einen Wert von 19.990 Euro. Die neue Verbraucheraktion baut zugleich auf der Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden auf. Die IAGR gründete 2024 eine vertrauliche Arbeitsgruppe gegen illegales Glücksspiel, in der Informationen ausgetauscht werden; die britische Gambling Commission erklärte sich bereit, diese Gruppe zu leiten.
In ihrer Rede in Lima erklärte Sarah Gardner, amtierende Chief Executive der Gambling Commission, die Behörde habe im Geschäftsjahr 2025/26 gegen 1.134 Websites vorgehen können. Sie betonte, dass Kooperation mit anderen Stellen unverzichtbar sei, da keine einzelne Rechtsordnung in einer globalen Branche isoliert handeln könne.
Warum die Webadresse entscheidend sein kann
Der Ansatz über eine URL greift ein Problem auf, das Behörden bereits in Einzelfällen begegnet. Die niederländische Kansspelautoriteit (Ksa) ließ im Oktober 2026 insgesamt 26 geklonte Glücksspielseiten unter .co.nl abschalten. Fast alle imitierten zugelassene Marken.
Eine niederländische Untersuchung zeigte zudem, dass drei KI-Assistenten nicht lizenzierte Online-Casinos als legal aufführten. Ein Abgleich über die konkrete Adresse kann daher grundsätzlich besser gegen Kopien schützen als die bloße Orientierung an einer Marke. Öffentliche Register wie das der Gambling Commission sind nach Lizenzinhabern strukturiert und nicht zwingend nach der URL, die ein Verbraucher gerade aufgerufen hat.
Unklare Reichweite und offene Datenfragen
Die IAGR spricht ausdrücklich nur von verfügbaren Lizenzdaten für abgedeckte Mitgliedsgebiete. Genau dieser Vorbehalt ist entscheidend: Erscheint für eine Webseite kein Treffer, kann sie illegal sein, aber auch schlicht außerhalb des Umfangs des Tools lizenziert sein. Ohne eine veröffentlichte Gebietsliste und Angaben zur laufenden Aktualisierung lässt sich der Nutzen des Angebots noch nicht abschließend bewerten.
Auch der Umgang mit Daten ist bislang nicht erläutert. Sharp Vision verkauft Überwachungsleistungen an Regulierungsbehörden; die Mitteilung enthält jedoch keine Angaben zu Datenverarbeitung, Finanzierung oder Dauer der kostenlosen Bereitstellung. Ein kostenloses öffentliches Werkzeug, das erfasst, für welche Seiten sich Verbraucher interessieren, könnte wertvolle Marktinformationen liefern. Behörden, die es empfehlen, sollten deshalb offenlegen, wer diese Daten erhält und verwaltet.
Preis und Verfügbarkeit
Für Verbraucher soll CheckBeforeYouPlay.org kostenlos sein. Der Start ist für den 9. November 2026 vorgesehen, zeitgleich mit dem Beginn der Illegal Gambling Awareness Week. Die IAGR hat weder Zahlen zum Umfang illegalen Glücksspiels veröffentlicht noch die teilnehmenden Regulierer und abgedeckten Jurisdiktionen benannt.
Einordnung
Die Aktionswoche verlagert die grenzüberschreitende Durchsetzung gegen illegales Glücksspiel von der Zusammenarbeit unter Behörden stärker in Richtung Verbraucher. Glaubwürdig wird der Lizenzcheck vor allem dann, wenn die IAGR vor dem 9. November offenlegt, welche Regulierer und Märkte tatsächlich hinter dem Angebot stehen und wie die erhobenen Informationen behandelt werden.
