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Glücksspiel

Coolbet prüft den Abbau von 131 Stellen in Tallinn

Coolbet prüft den Abbau von 131 Stellen in Tallinn

Coolbet hat in Estland ein Konsultationsverfahren zu einem möglichen Stellenabbau am Hauptsitz in Tallinn eingeleitet. Betroffen sein könnten rund 130 Beschäftigte; als Gründe nennt das Unternehmen schwächere B2B-Ergebnisse und zunehmenden regulatorischen sowie steuerlichen Druck in mehreren Märkten.

Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was ist neu?
  2. Die Details
  3. Preis und Verfügbarkeit
  4. Einordnung

Was ist neu?

  • Coolbet hat für die VG Estonia OÜ in Tallinn ein Verfahren zu kollektiven Entlassungen eröffnet und die estnische Arbeitslosenversicherung Töötukassa informiert.
  • Das Unternehmen beziffert die gefährdeten Stellen auf etwa 130; gegenüber NEXT.io nannte es 131 Positionen, während Äripäev von einer Meldung für bis zu 134 Beschäftigte berichtet.
  • Coolbet führt die Prüfung auf schwächere B2B-Ergebnisse und steigenden Regulierungs- und Steuerdruck in mehreren Märkten zurück. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.
  • Coolbet gehört zu Sega Sammy, seit dessen Tochter Sega Sammy Creation GAN Limited am 27. Mai 2025 übernommen hat.
  • Die Ankündigung folgt auf Flutter-Pläne, bis zu 1.400 Stellen in Großbritannien und Irland zu gefährden. Coolbet erklärt, dass der Hauptsitz in Estland bleibt.

Die Details

ERR berichtete am 29. Oktober unter Berufung auf Äripäev über die Mitteilung an Töötukassa. Tomas Graham, den ERR News und NEXT.io als Chief Operating Officer bezeichnen, sagte ERR, die Umstrukturierung bei VG Estonia OÜ betreffe organisationsweit etwa 130 Stellen. Gegenüber NEXT.io sprach er von 131 möglicherweise betroffenen Positionen. Das formelle Konsultationsverfahren habe begonnen; abschließend entschieden sei noch nichts.

Laut NEXT.io soll die Konsultation im November weiterlaufen, ein bestätigtes Enddatum gibt es nicht. Die Beschäftigten seien bei einer Versammlung aller Mitarbeitenden am Montag, dem 26. Oktober, informiert worden. Von NEXT.io zitierte Personen mit Kenntnis der Umstrukturierung verorten die meisten gefährdeten Stellen in Entwicklung, IT und B2B. Auch einzelne Servicebereiche, darunter der Kundendienst, seien betroffen.

Die Angaben zur Beschäftigtenzahl unterscheiden sich je nach Quelle. ERR zufolge hatte VG Estonia laut Äripäev zum Ende des dritten Quartals mehr als 300 Personen auf der Gehaltsliste. Postimees nennt für das Unternehmensregister 347 Beschäftigte, nach 280 im Jahr 2024. Coolbet beziffert sein internationales Team auf mehr als 1.100 Personen, davon etwa 300 am Hauptsitz in Tallinn.

Schwäche im B2B-Geschäft und Steuerdruck

Graham verwies gegenüber ERR und NEXT.io auf geschäftliche Herausforderungen sowie auf „schwächere als erwartete Ergebnisse im B2B-Bereich“ und zunehmenden Regulierungs- und Steuerdruck in mehreren Märkten. Die geplanten Veränderungen stünden weder mit Estland als Markt noch als Standort in Zusammenhang. Quellen von NEXT.io zufolge blieb das B2B-Geschäft, insbesondere in den USA, in den vergangenen 12 bis 18 Monaten hinter den Erwartungen zurück, während das Geschäft mit Endkunden besser lief.

VG Estonia meldete laut ERR für 2024 einen Umsatz von rund 23 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 311.000 Euro. Der Jahresbericht für 2025 ist noch nicht eingereicht. In vierteljährlichen Steuererklärungen hat das Unternehmen für das laufende Jahr bisher einen Umsatz von knapp 60 Millionen Euro angegeben. Eine weitere estnische Gesellschaft, Staycool OÜ, betreibt Coolbets lokales Online-Glücksspiel- und Sportwettenangebot.

Plattformwechsel als Herausforderung für Sega Sammy

GAN Limited schloss den Kauf von Vincent Group, der Muttergesellschaft von Coolbet, am 1. Januar 2021 ab. Das geht aus den Unternehmensunterlagen von GAN hervor. Am 27. Mai 2025 vollendete Sega Sammy Creation die Übernahme von GAN.

In einer Ergebnispräsentation vom Mai 2026 beschrieb Sega Sammy das B2B-Geschäft von GAN als Übergangsphase, in der die Kernplattform ersetzt werde. Kunden wechselten demnach von V1 auf die Plattform der nächsten Generation, V2. Zugleich bezeichnete Sega Sammy Coolbets B2C-Geschäft, besonders in Nordeuropa und Südamerika, als gut laufend. Für das Gaming-Segment erwartete der Konzern im Geschäftsjahr bis März 2027 dennoch einen höheren Verlust, bedingt durch Vorabinvestitionen ins B2B-Geschäft. Coolbets Begründung für den möglichen Stellenabbau entspricht damit der Darstellung des Mutterkonzerns.

Auch das Endkundengeschäft ist regulatorischen Risiken ausgesetzt

Das B2C-Geschäft ist ebenfalls mit regulatorischen Risiken verbunden. Im August führte Chiles staatliche Lotterie Coolbet unter elf Betreibern in einer Strafanzeige auf. Im April 2023 zog sich das Unternehmen aus Ontario zurück, nachdem es dort etwa ein Jahr tätig gewesen war.

Estland senkte die Steuer auf Online-Casinos von 6 auf 4 Prozent, um Anbieter anzuziehen. Nachdem keine neuen Betreiber hinzugekommen waren, ordnete der Premierminister jedoch eine vorgezogene Überprüfung an. Graham führte den Steuerdruck in mehreren Märkten an, bezog sich dabei aber auf kein einzelnes Land.

Die Stellenprüfung wird als Korrektur im B2B-Bereich dargestellt; die eigenen Angaben von Sega Sammy stützen diese Einordnung. Wie viele der 131 Positionen nach der Konsultation tatsächlich wegfallen und ob der Wechsel auf V2 die Investitionen rechtfertigt, dürfte mitentscheiden, ob der Stellenabbau in Tallinn dem Plattformgeschäft Spielraum verschafft.

Preis und Verfügbarkeit

Ein Preis oder ein Termin für den Abschluss des Konsultationsverfahrens wurde nicht genannt. Nach Angaben von NEXT.io soll es im November weiterlaufen, bislang ohne bestätigtes Enddatum. Coolbet hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen und hält am Hauptsitz in Estland fest.

Einordnung

Für die iGaming-Branche zeigt der Fall, dass ein schwächeres Plattformgeschäft auch dann Beschäftigungsfolgen haben kann, wenn das Endkundengeschäft gut läuft. Der laufende Wechsel von GANs V1- zur V2-Plattform und die dafür vorgesehenen Vorabinvestitionen bilden dabei einen wichtigen Teil des von Sega Sammy beschriebenen Zusammenhangs.

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