Groupe Amaury will wegen möglicher Ergebnislecks und verdächtiger Wetten rund um den Ballon d’Or 2026 rechtlich vorgehen. Im Fokus stehen zwölf neue Polymarket-Konten, die noch vor der Verleihung auf die exakte spätere Top fünf gesetzt hatten und nach dem Sieg von Harry Kane nahezu 200.000 US-Dollar erzielten.
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Was ist neu?
- Groupe Amaury, Eigentümer von France Football und L’Équipe, bereitet wegen eines möglichen Lecks und mutmaßlich betrügerischer Wetten eine Anzeige vor.
- Zwölf zwischen dem 1. und 20. Oktober angelegte Konten setzten zusammen etwa 264.000 US-Dollar, umgerechnet rund 235.000 Euro, auf dieselbe Rangfolge der ersten fünf.
- Die prognostizierte Reihenfolge lautete Harry Kane, Kylian Mbappé, Lamine Yamal, Rodri und Lionel Messi.
- Nach Kanes Auszeichnung am 26. Oktober in London belief sich der Gewinn der Konten auf knapp 200.000 US-Dollar beziehungsweise etwa 178.000 Euro.
- Polymarket darf in Frankreich keine Wetten annehmen; die französische Glücksspielaufsicht ANJ ließ die Plattform bereits am 16. Juli sperren.
- Ein Leck ist bislang nicht belegt, es gibt keine benannte beschuldigte Person und keine öffentlich bestätigten Ermittlungen einer Staatsanwaltschaft.
Die Details
Amaury leitet rechtliche Schritte ein
Der Ballon d’Or wird über France Football von Groupe Amaury organisiert. Der Konzern erklärte am 31. Oktober, dass er eine Beschwerde einreichen werde; am Montag, dem 2. November, wurde bestätigt, dass dieser Vorgang bereits angestoßen sei. Das Unternehmen betonte, Hinweise auf vorzeitig bekannt gewordene Resultate und möglicherweise unrechtmäßige Wetten ernst zu nehmen.
Parallel sollen die Vorwürfe geprüft und mögliche Verantwortlichkeiten geklärt werden. Welcher Stelle die Anzeige vorgelegt wurde, blieb offen. Auch wurde kein Verdächtiger genannt. France Football soll zudem die Polizei eingeschaltet haben.
Harry Kane vom FC Bayern München erhielt die Auszeichnung am 26. Oktober im Palladium Theatre in London. Die am 30. Oktober veröffentlichte Auswertung der Stimmen wies 1.055 Punkte für Kane und 1.027 Punkte für Kylian Mbappé aus. Nach Angaben von France-Football-Chefredakteur Vincent Garcia kennen das Ergebnis vor der Gala üblicherweise nur drei bis fünf Personen.
Ein identischer Tipp auf die ersten fünf Plätze
Die auffälligen Einsätze wurden drei Tage vor der Zeremonie bekannt. Alle zwölf Konten hatten auf Märkte zur Auszeichnung 2026 gesetzt und genau jene Reihenfolge gewählt, die anschließend offiziell wurde: Kane vor Mbappé, Yamal, Rodri und Messi. Sieben dieser Accounts hatten keine weiteren Märkte bespielt.
Sechs Konten platzierten ihre Wetten bereits 15 Minuten nach ihrer Eröffnung. Die Accounts entstanden zwischen dem 1. und 20. Oktober. Es besteht daher der Verdacht, dass sie von derselben Person kontrolliert worden sein könnten.
Auslöser für die Prüfung waren wiederholte Käufe, deren Größenordnung stark anstieg. Zunächst lagen die Einsätze je Vorgang zwischen 500 und 1.500 US-Dollar, später erreichten einzelne Positionen 30.000 US-Dollar.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Konto Kallipso. Es kaufte seine erste Position auf Kane am 28. September um 23:59 Uhr – eine Minute bevor die Abstimmung der Jury endete. Der Account bestand bereits seit Oktober 2024 und hatte damals auf Rodri gesetzt, den Gewinner jenes Jahres.
Eine weitere Auswertung vom 29. Oktober brachte eines der Konten mit Deblock in Verbindung, einer französischen Finanz-App. Diese Spur könnte den Behörden einen Ansatz liefern, um den Inhaber des Kontos zu identifizieren.
Frankreichs Aufsicht hatte Polymarket gesperrt
Die Autorité nationale des jeux stuft Prediction Markets in Frankreich als nicht erlaubte Glücksspielangebote ein. Nach Auffassung der Behörde gelten solche Plattformen als illegale Glücksspielseiten. Am 16. Juli ordnete ihr Präsident deshalb an, dass Internetanbieter den Zugang zu Polymarket blockieren.
Als Gründe nannte die ANJ unter anderem Wetten mit dem Eindruck manipulierter Abläufe sowie fehlende Identitätsprüfungen für Nutzer aus Frankreich und anderen europäischen Staaten. Lizenzierte französische Anbieter dürfen nur auf Wettbewerbe, Sportereignisse und Ergebnisarten wetten lassen, die die Behörde freigegeben hat. Diese Vorgabe gilt seit dem 1. März 2024.
Der Ballon d’Or war bereits 2024 von einer vorzeitigen Bekanntgabe betroffen. Real Madrid blieb der Gala damals fern, nachdem bekannt geworden war, dass Vinícius Júnior die Auszeichnung nicht erhalten würde.
Entschiedene Jurywahl als handelbares Wissen
Anders als ein Fußballspiel ist eine Juryentscheidung lange vor ihrer Bekanntgabe abgeschlossen. Die Wahl zum Ballon d’Or 2026 endete am 28. September. Damit lag das Resultat vier Wochen vor der Zeremonie fest und war nach Darstellung von Vincent Garcia nur einem kleinen Kreis bekannt.
Das Risiko liegt bei einem solchen Markt nicht zwingend in einer Manipulation des Ergebnisses. Entscheidend ist vielmehr die Möglichkeit, mit vertraulichem Wissen zu handeln. Vergleichbare Überlegungen führten auch dazu, dass das Pentagon seinen Beschäftigten den Handel auf nicht öffentliche Informationen untersagte.
Öffentliche Blockchain ersetzt keine Marktaufsicht
Die fehlende Identitätskontrolle spielte bei der Sperrung von Polymarket durch die ANJ eine wichtige Rolle. Genau sie erschwert nun die Verfolgung: Zwar sind die Transaktionen auf der Blockchain einsehbar, doch die einzelnen Trades tragen keinen Klarnamen. Der bislang erkennbare Ansatzpunkt führt über eine französische App und nicht unmittelbar über die Plattform.
Ein lizenzierter französischer Sportwettenanbieter hätte einen solchen Markt nicht anbieten dürfen und konnte ihn folglich auch nicht überwachen. Stattdessen wurden auf einer für französische Aufseher nicht kontrollierbaren Plattform sechsstellige Beträge auf eine Auszeichnung gesetzt, die einem französischen Konzern zugeordnet ist. Auch in den USA wächst der Druck auf Kalshi und Polymarket, Maßnahmen gegen Insiderhandel zu erläutern.
Einordnung
Die Beschwerde von Groupe Amaury macht aus dem Verdacht rund um eine einzelne Abstimmung einen grundsätzlichen Testfall. Entscheidend wird sein, ob französische Ermittler pseudonyme Konten auf einer bereits gesperrten Plattform einer Person zuordnen können. Gelingt das nicht, bleiben auch andere nicht öffentliche Juryentscheidungen potenziell für Personen handelbar, die Zugang zum Ergebnis haben.
