Die Nikon Z5IIC ist eine kompaktere und günstigere Variante der spiegellosen Vollformatkamera Z5II für Einsteiger. Sie übernimmt deren technische Grundlage, verzichtet jedoch unter anderem auf den elektronischen Sucher und den Fokusjoystick. Im ausführlichen Test zeigen sich weitere Einschränkungen bei Display und Zubehör, während Gehäusequalität, Bedienung und Schnittstellen auf einem hohen Niveau liegen.
Inhalt 6 Abschnitte
Das Wichtigste in Kürze
- Gegenüber der Z5II ist das Gehäuse durch den fehlenden Sucherbuckel 2 Zentimeter niedriger und fast 80 Gramm leichter.
- Der rückwärtige Touchscreen löst mit 1,04 Millionen Bildpunkten auf, während die Z5II 2,1 Millionen Bildpunkte bietet.
- Die maximale Displayhelligkeit beträgt 520 cd/m²; standardmäßig stehen 320 cd/m² zur Verfügung.
- Der Akku EN-EL15c ermöglicht nach CIPA-Standard 350 Aufnahmen und kann per USB-C Power-Delivery mit mindestens 9 V geladen werden.
- Das Kartenfach nimmt eine SD-Karte auf; mit einer SDHC-Karte des Standards UHS II wurden knapp 216 MB/s Schreibgeschwindigkeit erreicht.
- Der Multifunktionsgriff MB-N14 ist trotz identischer Unterseite nicht kompatibel, weil die elektronischen Kontakte im Akkufach fehlen.
Ausstattung und Technik
Das kleinere Format der Z5IIC ergibt sich vor allem aus dem Wegfall des Sucherbuckels. Die Kamera ist dadurch 2 Zentimeter niedriger und wiegt fast 80 Gramm weniger als die Z5II. An der robusten Konstruktion hat Nikon dennoch nicht gespart: Das Gehäuse besteht nahezu vollständig aus einer Magnesiumlegierung und besitzt zahlreiche Abdichtungen gegen Staub und Spritzwasser. Auch die Abdeckungen der Anschlüsse und Fächer sind abgedichtet. Der Aufwand wirkt eher wie bei einer Mittelklassekamera als bei einem Einsteigermodell.
Der tiefe Griff liegt dank seiner ausgeprägten Form sicher in der Hand. Eine rutschhemmende, genarbte Gummierung unterstützt den Halt, ebenso die entsprechend beschichtete Daumenauflage auf der Rückseite. Der Auslöser ist gut erreichbar und besitzt klar fühlbare, zugleich angenehm leicht zu überwindende Druckpunkte für möglichst erschütterungsarmes Auslösen. Einstellräder und Tasten lassen sich präzise drehen beziehungsweise drücken und sind gut erreichbar.
Nikon übernimmt weitgehend das Bedienprinzip seiner anderen Z-Vollformatkameras. Bis auf die Serienbildtaste befinden sich die wichtigen Aufnahmefunktionen auf der rechten Kameraseite. Dazu zählen das Programmrad, zwei gut platzierte und leicht laufende Multifunktionsräder, der Vierwegewähler sowie der Einschalthebel rund um den Auslöser. Der Fokusjoystick fehlt bei diesem Modell.
Das Programmwählrad sitzt rechts neben dem Blitzschuh. Eine Sperre gibt es nicht, sodass es sich mit einem Finger bedienen lässt; zugleich rastet es sauber ein. Neben den klassischen Belichtungsarten und einer Vollautomatik stehen Motivprogramme sowie zwei frei belegbare Benutzerspeicher bereit. Damit können Sie eigene Einstellungssätze für bevorzugte Aufnahmesituationen direkt abrufen.
Links neben dem Blitzschuh befinden sich nur die Taste für die Serienbildfunktion und die Löschtaste. Die Wiedergabe liegt rechts unten auf der Rückseite, wodurch eine schnelle Kontrolle der gerade aufgenommenen Bilder möglich ist. Tasten für AE-L/AF-L, ISO, Video, Belichtungskorrektur, Serienaufnahme und Vergrößerung sind ab Werk mit den jeweils aufgedruckten Funktionen belegt. Sie können diese Zuordnungen ebenso ändern wie die beiden Funktionstasten zwischen Griff und Bajonett, die standardmäßig Weißabgleich und Fokusmodus steuern. Neben einer Funktionsauswahl lässt sich auch der erste Eintrag des „Mein Menü“ auf eine Taste legen. So kann jede beliebige Menüfunktion unmittelbar aufgerufen werden.
Auf der Oberseite liegt die Picture-Control-Taste. Sie erfüllt eine ähnliche Aufgabe wie eine LUT-Taste bei Panasonic und öffnet den direkten Zugriff auf konfigurierbare Bildstile für Fotos und Videos. Über die Cloud können Sie solche Stile speichern, mit anderen Anwendern teilen und Stil-Sets von Nikon-Profifotografen abrufen.
In der Praxis
Menü und Bildschirm
Das Schnellmenü und das in sieben Bereiche aufgeteilte Hauptmenü sind für Nikon-Nutzer grundsätzlich vertraut. Einzelne Funktionen sind modellspezifisch, insgesamt bleibt die Orientierung gut möglich. Besonders übersichtlich fällt die Menüstruktur dennoch nicht aus: Pro Bildschirm werden höchstens sieben Einträge angezeigt, außerdem sind manche Bereiche lang und erfordern ausgiebiges Scrollen.
Eine zusätzliche Ebene und die farbliche Sortierung des Individualmenüs schaffen etwas mehr Ordnung. Im „Mein Menü“ können Sie eigene Einträge sammeln oder alternativ eine Liste der zuletzt verwendeten Menüpunkte anzeigen lassen. Die komplette Menübedienung funktioniert per Touch, was vor allem beim Durchblättern praktisch ist.
Da die Z5IIC keinen elektronischen Sucher besitzt, kommt dem seitlich ausklappbaren und um die eigene Achse drehbaren Touchscreen eine besonders wichtige Rolle zu. Seine Auflösung fällt mit 1,04 Millionen Bildpunkten deutlich geringer aus als bei der Z5II mit 2,1 Millionen Bildpunkten. Der Verdacht, dass Nikon hier den Bildschirm der älteren Z 5 verwendet, wird durch die Helligkeitsmessung gestützt: Mehr als 520 cd/m² Leuchtdichte erreicht das Panel nicht. Bei Sonnenschein lässt es sich ähnlich wie bei der Z 5 nur schwer ablesen.
Die schwache Ablesbarkeit wiegt umso schwerer, weil der Sucher als Alternative fehlt. Außerdem müssen Sie die Helligkeit manuell erhöhen. Das sollte bereits vor dem Aufenthalt in der Sonne geschehen, denn bei der normalen Leuchtdichte von 320 cd/m² ist selbst das Menü schwer zu erkennen und die entsprechende Einstellung nur mühsam zu finden.
Für die Bildkontrolle blendet das Livebild auf Wunsch Gitterlinien, eine 3D-Wasserwaage, ein Live-Histogramm und eine Belichtungsvorschau ein. Eine Vergrößerungslupe und Fokus-Peaking helfen bei der Schärfebeurteilung. Die Restlichtverstärkung hält das Motiv auch dann auf dem Display sichtbar, wenn es für das bloße Auge bereits zu dunkel ist. Helle Objektive bieten dabei naturgemäß Vorteile.
Anschlüsse, Stromversorgung und Speicher
Bei den Schnittstellen ist die Ausstattung umfangreich. Zur Verfügung stehen Micro-HDMI, ein Mikrofoneingang, ein Kopfhörerausgang und USB-C mit Full-HD-60p-Videostreaming. Der Kopfhöreranschluss kann zugleich als Anschluss für ein Fernauslösekabel dienen. Das Stativgewinde liegt in der optischen Achse; zusätzlich ist ein Videopin zur Verdrehsicherung vorhanden.
Der mitgelieferte EN-EL15c reicht nach CIPA für 350 Aufnahmen. Über USB-C Power-Delivery lässt er sich bei mindestens 9 V jederzeit laden, außerdem ist eine dauerhafte Stromversorgung möglich. Alternativ können Sie einen Akku-Dummy mit Netzteil verwenden. Ein USB-Netzteil gehört entsprechend der EU-Vorgaben nicht zum Lieferumfang, anders als das USB-C-Kabel.
Auch die älteren, kleineren Akkus EN-EL15b und EN-EL15a funktionieren. Der EN-EL15a kann allerdings nicht in der Kamera geladen werden. Die Unterseite der Z5IIC entspricht einschließlich der Aufnahmen zur PIN-Stabilisierung der Z5II. Der Multifunktionsgriff MB-N14 lässt sich trotzdem nicht einsetzen, da im Akkufach die nötigen elektronischen Kontakte fehlen.
Das seitlich zugängliche Kartenfach bietet im Vergleich zur Z5II nur einen Steckplatz. Dieser akzeptiert SDHC, SDXC sowie UHS I und UHS II. Bei der Schreibgeschwindigkeit liegt die Z5IIC nahezu auf dem Niveau der Z5II. Mit einer SDHC-Karte nach UHS II wurden knapp 216 MB/s gemessen.
Für wen lohnt sich die Nikon Z5IIC?
Die Kamera richtet sich an Fotografen, die günstig in das spiegellose Nikon-Vollformatsystem einsteigen möchten und keinen elektronischen Sucher benötigen. Dafür sprechen das leichte Gehäuse, der komfortable Griff, die umfassende Abdichtung, die gut erreichbaren Bedienelemente und die vielseitig belegbaren Tasten. Auch die Anschlüsse, die Stromversorgung per USB-C und die hohe Schreibgeschwindigkeit sind im Alltag überzeugend.
Abstriche müssen Sie beim Display, beim fehlenden Fokusjoystick, beim einzelnen Kartensteckplatz und bei der fehlenden Kompatibilität zum Multifunktionsgriff MB-N14 machen. Wer häufig bei hellem Sonnenlicht fotografiert, dürfte den nicht besonders hellen Bildschirm besonders kritisch empfinden. Für die Bildkontrolle stehen allerdings Belichtungsvorschau, Histogramm, Fokus-Peaking, Vergrößerung und Restlichtverstärkung bereit.
Technische Daten im Überblick
- Modell: Nikon Z5IIC
- Gehäusehöhe gegenüber der Z5II: 2 Zentimeter geringer
- Gewicht gegenüber der Z5II: fast 80 Gramm weniger
- Gehäusematerial: nahezu vollständig Magnesiumlegierung
- Abdichtung: Schutz gegen Staub und Spritzwasser, einschließlich der Klappen
- Sucher: nicht vorhanden
- Display: seitlich schwenkbar und um die eigene Achse drehbar
- Displayauflösung: 1,04 Millionen Bildpunkte
- Displayauflösung der Z5II zum Vergleich: 2,1 Millionen Bildpunkte
- Maximale Displayhelligkeit: 520 cd/m²
- Standard-Displayhelligkeit: 320 cd/m²
- Anschlüsse: Micro-HDMI, Mikrofoneingang, Kopfhörerausgang, USB-C
- Videostreaming: Full-HD-60p über USB-C
- Akku: EN-EL15c
- Akkureichweite: 350 Aufnahmen nach CIPA-Standard
- USB-C-Laden: Power-Delivery mit mindestens 9 V
- Weitere Akkus: EN-EL15b und EN-EL15a; der EN-EL15a kann nicht in der Kamera geladen werden
- Speicherkarten: ein SD-Steckplatz für SDHC, SDXC, UHS I und UHS II
- Gemessene Schreibgeschwindigkeit: knapp 216 MB/s mit SDHC-Karte und UHS II
- Kompatibler Multifunktionsgriff: MB-N14 nicht verwendbar
- Stativgewinde: in der optischen Achse, mit Videopin zur Verdrehsicherung
Unser Fazit
Die Nikon Z5IIC übernimmt die solide Basis der Z5II und verbindet sie mit einem kleineren, gut abgedichteten Gehäuse sowie einer gelungenen Bedienung. Besonders Griff, Tastenanordnung, Anpassbarkeit und Anschlussausstattung hinterlassen einen starken Eindruck.
Der Verzicht auf Sucher und Fokusjoystick sowie das dunkle Display mit niedriger Auflösung sind die entscheidenden Einschränkungen. Hinzu kommen der einzelne Kartenplatz und die fehlende Unterstützung für den Multifunktionsgriff. Wer mit diesen Punkten leben kann, erhält eine technisch vielseitige Vollformatkamera mit nur wenigen, aber im Alltag spürbaren Downgrades.
