Die NCAA will Personen, die College-Athleten im Internet beleidigen oder bedrohen, künftig an ein gemeinsames Programm für Wettanbieter und Prediction Exchanges melden. Damit kann aus der Beobachtung von Online-Hetze eine Kontosperre werden. Als erster Sportverband hat die National Collegiate Athletic Association ihre Teilnahme am Bad Actor Program öffentlich bekannt gemacht.
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Was ist neu?
- Die NCAA beteiligt sich seit der Ankündigung vom 29. Oktober am Bad Actor Program von Integrity Compliance 360 und Signify Group.
- Das System erfasst Hetze gegen Athleten, Trainer und Schiedsrichter in sozialen Netzwerken, prüft schwerwiegende Fälle und übermittelt bestätigte Täter an angeschlossene Plattformen.
- Fanatics Sportsbook trat dem Programm bereits im Juni bei; Kalshi und Novig meldeten ihre Teilnahme im Oktober.
- Bei NCAA-Meisterschaften standen 12% der bestätigten Missbrauchsfälle in direktem Zusammenhang mit Sportwetten, im Herren-Basketball waren es 19%.
- Die Initiative ergänzt staatliche Maßnahmen wie die Ausschlussliste in Massachusetts für Wetter, die Athleten belästigen.
Die Details
NCAA liefert bestätigte Fälle für gemeinsame Sperrliste
Am 29. Oktober erklärte die NCAA, sie arbeite aktiv im Bad Actor Program mit. Gemeinsam mit Signify, IC360 und weiteren Beteiligten wolle der Verband identifizierte Verursacher konsequent verfolgen und melden. Die Zusammenarbeit ist Teil der Überwachung von NCAA Championships.
Offen bleibt allerdings, wann erste Meldungen an die Plattformen weitergegeben werden. Ebenso nennen die bisherigen Mitteilungen weder die Zahl bereits gemeldeter Personen noch konkrete Kontosperren.
Das Programm startete am 25. Juni durch IC360, Signify Group und Fanatics Sportsbook. Der Dienst Threat Matrix von Signify beobachtet unter anderem X, Instagram, Facebook, TikTok und YouTube. Athleten sowie Offizielle können beleidigende Direktnachrichten zusätzlich selbst einreichen.
Analysten ordnen die Vorfälle nach Schweregrad und untersuchen besonders ernste Fälle. Bestätigte Personen werden anschließend auf der ProhiBet Bad Actor Platform von IC360 registriert. Teilnehmende Sportwettenanbieter können deren Wettaktivität einschränken, während bei mutmaßlich strafbaren Handlungen Beweispakete an Strafverfolgungsbehörden gehen können.
Fanatics hat zugesagt, Kundenkonten bei beleidigendem, bedrohlichem, verleumderischem oder belästigendem Verhalten zu sperren oder dauerhaft zu schließen. NCAA-Präsident Charlie Baker stellte klar, dass Belästigung im College-Sport keinen Platz habe und die NCAA mit Akteuren des gesamten Wettökosystems gegen dieses wiederkehrende Problem vorgehen wolle. Clint Hangebrauck, Managing Director Enterprise Risk Management der NCAA, erwartet von dem Programm mehr Verbindlichkeit und Verantwortung.
Sportwettenanbieter und Prediction Exchanges im Programm
Kurz vor der NCAA schlossen sich zwei bundesrechtlich regulierte Handelsplätze an. Kalshi kündigte am 14. Oktober an, Konten von Nutzern zu schließen, wenn diese für Missbrauch oder Drohungen verantwortlich sind. Eine neue Börsenregel untersagt dieses Verhalten ausdrücklich; die Technik von IC360 prüft dabei, ob identifizierte Personen ein Kalshi-Konto besitzen.
Am 19. Oktober teilte IC360 mit, dass Novig seine Bad-Actor-Technologie übernimmt. Bestätigte Täter und Betrüger werden dabei in ein zentrales, verschlüsseltes Register aufgenommen, das zwischen den teilnehmenden Plattformen geteilt wird.
Studien zeigen das Ausmaß der Belastung
Die Daten der NCAA beruhen auf der Zusammenarbeit mit Signify, die 2023 begann. In der ersten Studie zu Online-Missbrauch wurden mehr als 5.000 bestätigte beleidigende, diskriminierende oder bedrohliche Beiträge gegen Teilnehmer von Meisterschaften erfasst. 80% davon richteten sich gegen Beteiligte von March Madness.
Ein einzelner Athlet erhielt innerhalb von weniger als zwei Wochen mehr als 1.400 missbräuchliche Nachrichten. Die GOALS-Studie der NCAA aus dem Jahr 2025 ergab zudem, dass 46% der Basketballspieler in der Division I der Männer negative oder bedrohliche Nachrichten von Personen erhielten, die auf ihr Spiel gewettet hatten.
Vom Appell zur direkten Durchsetzung
Bereits im Januar hatte die NCAA staatliche Glücksspielaufsichten aufgefordert, Spieler-Sonderwetten im College-Sport abzuschaffen und Wetter bei Belästigungen von studentischen Athleten stärker zur Verantwortung zu ziehen. Seit 2024 hatten nach Darstellung des Verbands nur die Aufsichtsbehörden in Louisiana, Maryland, Ohio und Vermont diese Wettmärkte untersagt.
Da die meisten Bundesstaaten solche Wetten weiterhin zulassen, kann die NCAA über eine freiwillige Sperrliste handeln, ohne auf regulatorische Entscheidungen warten zu müssen. In New York schlug Senator Jeremy Zellner eine Taskforce zu Prop Bets vor, die unter anderem die Belästigung von Athleten durch Wetter untersuchen soll.
Reichweite ohne klar geregeltes Einspruchsverfahren
Der Vorteil des Programms liegt darin, dass eine bestätigte Feststellung einem Wetter über mehrere Anbieter hinweg folgen kann. Das gilt nun auch über die Grenze zwischen Sportwettenanbietern auf Ebene der Bundesstaaten und bundesrechtlich regulierten Event-Contract-Börsen hinweg.
Die Schwachstelle: Die Sanktionen beruhen auf den jeweiligen Nutzungsbedingungen der Plattformen. In Massachusetts wird eine von der Aufsicht ausgeschlossene Person dagegen informiert und erhält 30 Tage Zeit für einen Einspruch. Die veröffentlichten Mitteilungen erläutern nicht, wie Betroffene eine Eintragung anfechten können, welche Beweisanforderungen gelten oder wie lange ein Eintrag bestehen bleibt.
Wirksamkeit hängt von weiteren Teilnehmern ab
Matt King, Chief Executive von Fanatics Betting and Gaming, forderte im Juni weitere Betreiber zum Beitritt auf. In den bisherigen Mitteilungen wird jedoch nur Fanatics als Sportwettenanbieter genannt, ergänzt um Kalshi und Novig als zwei Exchanges.
Belästigungen von College-Athleten können auf allen Plattformen auftreten, die Wetten auf College-Spiele annehmen. Eine Liste, die nur von wenigen Unternehmen berücksichtigt wird, lässt daher Lücken. Die Integritätsprobleme der NCAA reichen weiter, wie bereits der Auftakt im Fall mutmaßlich manipulierter Punktedifferenzen zeigt; bei Online-Hetze können Plattformdaten jedoch besonders schnell Wirkung entfalten.
Preis und Verfügbarkeit
Für die Teilnahme am Bad Actor Program wurden keine Preise oder Gebühren veröffentlicht. Auch einen Starttermin für konkrete NCAA-Meldungen, Zahlen zu übermittelten Fällen oder bereits durchgesetzte Kontosperren haben die Beteiligten bislang nicht genannt.
Einordnung
Mit der NCAA erhält das Programm seine bislang glaubwürdigste Quelle für Meldungen aus dem College-Sport. Entscheidend wird sein, wie viele weitere Anbieter die gemeinsame Liste anerkennen und ob transparent wird, wie häufig sie tatsächlich zu Einschränkungen oder Kontoschließungen führt.
