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ein Report von
Stefan Gross

Wenn im
Spätherbst die Einzelhandelskette „Lidl“ ihre Skylux-Teleskope in die Regale
stellt, sind sie meist binnen kurzer Zeit ausverkauft. Der Run auf das „Lidl-Scope“
hat seinen Grund, denn das umfangreiche Packet bietet für kleines Geld
leistungsstarke Technik.


Traumflieger.de zeigt was in ihm steckt, wie es sich mit der Canon DSLR
verkoppeln lässt und ob es neben klassischen Astroaufnahmen auch für die
Fotografie bei Tageslicht als Megabrennweite taugt.


Seitenüberblick
was ist das besondere am Lidl-Teleskop ?

Bildqualität: Aufnahmen ohne Okular
Ein Feldversuch
 


Was ist das besondere am Lidl-Teleskop ?

Wer die
Verpackung mit dem
Skylux-Teleskop in die Hände nimmt, wird sich schnell des
Schwergewichtes bewusst, die da mit etwa 10 Kilogramm in den Einkaufswagen zu
hieven sind. Soviel Masse für kleines Geld dürfte überraschend sein, denn hinter
der schmucken Verpackung verbirgt sich auch ein solide gefertigtes, gusseisernes
Stativ, das durch komplexe Nachführtechnik optimal auf das eigentliche Teleskop
abgestimmt ist. Sie erwerben also nicht nur ein stark vergrösserndes Teleskop
sondern vor allem auch die für den praktischen Einsatz so wichtige Montierung.

Einsteiger in
die Teleskopie werden allerdings schnell durch eine Vielfalt neuer Begriffe
erschlagen und so soll hier zunächst einmal ganz grob skizziert werden, wie das „Lidl-Scope“
aufgebaut ist und welche Teile wofür nützlich sind.

Dreigeteilt:
die
Basiselemente

Zunächst
besteht das Packet aus drei Komponenten:
dem Stativ, auf dem der Stativkopf (Montierung) sitzt, sowie dem darauf
befestigten Teleskop. 

Die Montierung
(Stativkopf) selbst lässt sich ebenfalls durch die Dreiheit veranschaulichen:
Über die drei Achsen kann das Objektiv auf jedes Objekt im dreidimensionalen Raum
eingestellt und nachgeführt werden.

   

der Vorteil
der Montierung

Diese
parallaktische
Montierung hat den grossen Vorteil gegenüber einfachen Stativköpfen, dass sie
die Erdrotation ausgleicht, wobei lediglich eine Achse für Beobachtungen (die
Stundenachse) laufend nachzuführen ist.  Für die Fotografie der oftmals lichtschwachen
Himmelsobjekte lassen sich so die geforderten langen Belichtungszeiten von meist mehreren Minuten bequem realisieren, insbesondere wenn ein elektrisch angetriebener Motor
eingesetzt wird. Für letzteren ist die Montierung bereits vorbereitet.

Angesichts des
Preises für das Gesamtpaket von deutlich unter 100 Euro, in dem neben Tubus,
Stativ und Montierung auch noch einige Extras, wie beispielsweise eine
gute Astrosoftware geboten werden, kann man fast schon von einer rückläufigen
Inflation sprechen und erstaunt zur Kenntnis nehmen, wie wertvoll doch die paar
Euros sein können.


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Bildqualität: Aufnahmen ohne Verwendung der Okulare

Grosses Lob ist
von vielen Seiten hinsichtlich der Abbildungsleistung zu hören. Ein Blick
beispielsweise durch das mitgelieferte 20mm Sucherokular zeigt dem Betrachter
ein erstaunlich helles und klares Bild selbst bei „irdischen“ Naturbeobachtungen.
Ob dieser subjektive Eindruck auch objektiven Vergleichen mit hochwertigen Kameraobjektiven der Canon
L-Klasse stand hält, die kombiniert mit Telekonvertern etwa auf die
Brennweite des Lidl-Scopes von 700mm gebracht wurden, soll folgender
Vergleich zeigen:

Canon 300mm/4,0 L IS USM kombiniert mit Kenkokonverter 2x + 1,5x =
750mm Brennweite. Motiventfernung 16 Meter, 1 Sekunde
Belichtungszeit.
(Die Qualität dieser Kombination wird im
Telekonvertertest

hier gezeigt)

Das
Lidl-Teleskop ohne aufgestecktes Okular.
Die Motiventfernung wurde um ca. 1 Meter auf 15 Meter verkürzt, um gleiche Grössenverhältnisse zum linken Testfoto zu erreichen.
Belichtungszeit ebenfalls 1 Sekunde.

Neben der
Detailauflösung sollen diese Testaufnahmen durch den rechtseitigen, hohen
Lichtkontrast ebenfalls die Probleme mit

chromatischen Aberrationen
offenbaren.
Im Ergebnis sind die Farbsäume in beiden Füllen recht gering; die
Bildschärfe liegt beim Lidl-Teleskop zwar geringer als es die
Canon-Konverterkombination zeigt, der Unterschied ist jedoch nicht so hoch, wie
es die Preisdifferenz von knapp 1.500 Euro vermuten lassen würde.


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Ein
Feldversuch

Um die
Bildergebnisse fernab optimierter Aufnahmesituation zu testen, wurde
der Tubus wie ein herkömmliches Objektiv direkt mit der Canon-DSLR (20 D)
via Selbstbau-Adapter gekoppelt und eine kurze Fototour durch Feld und Wiesen unternommen.

Der recht guten
Lichtverhältnissen wegen konnte auf ein Stativeinsatz verzichtet werden, wobei
der Tubus aufgrund seines verhältnismässig geringen Gewichtes noch sehr gut zu halten ist.

Die Kombination
ist nicht unbedingt als unauffällig zu bezeichnen und kann an kurzbrennweitige
Objektive gewöhnte Mitmenschen schnell neugierig machen. Ein kleines Schwätzchen
über Kameratechnik ist damit meist garantiert.

Die
nachfolgenden beiden Aufnahmen entstanden im Feldversuch aus der Hand bei ISO 800 an der
Canon 20D, die voll aufgelösten Ausschnitte lassen sich via Mausklick
betrachten:

Graureiher bei der Jagd
1/1250 Sek. / EV -1,33 / Motiventfernung ca 200 Meter

Feldhase auf der Flucht
1/400 Sek. / EV -1 / Motiventfernung ca 90 Meter

Mit dem
Lidl-Teleskop lässt sich – gemessen an der grossen Brennweite und dem
Leichtgewicht – eine respektable  Bildqualität erreichen. Der Vorteil der 700mm Brennweite ist
natürlich, dass die Fluchtdistanz auch sehr scheuer Tiere oftmals noch gewahrt
bleiben kann und dennoch grossformatige Aufnahmen möglich werden.
Qualitätsverbesserungen stehen dann optional nachträglich durch Wahl kleiner
Ausgabeformate offen.

Das Handling
ist übrigens optimal mit einer Kabelfernbedienung, so kann der Tubus gehalten
werden und gleichzeitig mit dem Finger der Auslöser gedrückt werden, während die
andere Hand die Schärfe nachführt.

Teleskop
bei Preis.de


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