Report: kabellos blitzen für 40 Euro

ein Report von Stefan Gross

 

Kabelloses blitzen erscheint vielen Fotografen zu kompliziert und teuer. Nicht ganz zu Unrecht, denn um mit zwei Blitzgeräten das Licht aus unterschiedlichen Richtungen zu legen, braucht der Fotograf normalerweise Know How und einige Hundert Euro Extrakapital. Den wenigsten ist jedoch bekannt, dass es auch ganz simpel und preisgünstig funktioniert.

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kabellos blitzen

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kabellos blitzen

Die Vorteile des kabellosen Blitzens liegen auf der Hand: das Licht wird nicht mehr ausschliesslich frontal auf das Motiv gelegt sondern lässt sich auch seitlich platzieren. Wer zum internen Blitz über ein weiteres Blitzgerät verfügt, kann seine Bilder erheblich hochwertiger gestalten.

Es reicht jedoch leider nicht, sich z.B. ein Canon Speedlite Blitzgerät zuzulegen, um dann über eine zweite Lichtquelle zu verfügen. Wie üblich muss auch an Canon DSLR's das externe Blitzgerät auf den Schuh der Kamera aufgesetzt werden, so dass der interne Blitz nicht mehr ausklappen kann. Es bleibt also bei lediglich einer Blitzlichtquelle.

Um in den Genuss von zwei Blitzlichtern zu kommen, wird der Kauf zweier Geräte fällig von denen zum kabellosen Blitzen eines sogar masterfähig sein muss. 500 Euro und mehr kostet der Spass, es sei denn man setzt den Elektra Slave Flash ein. Dieser Kompaktblitz arbeitet auch mit dem internen Blitz der Canon DSLR (und mit weiteren Herstellern) reibungslos zusammen und schont das Budget.

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Praxis

Sie können den internen Blitz ausgeklappt lassen und den Elektra Slave Flash entweder über eine mitgelieferte Schiene seitlich an der Kamera montieren, frei in der Hand halten oder auch irgendwo im Raum aufstellen. Sowohl der interne Blitz als auch der Slave Flash erhellen dann das Motiv.

Portraits

Besonders bei Portrait-Aufnahmen macht sich die seitliche Lichtquelle bezahlt, da solche Belichtungen reichhaltiger wirken und mehr Atmosphäre ausstrahlen.

Produktaufnahmen

Für Produktaufnahmen, wie sie bei Ebay-Auktionen gebraucht werden, lohnt der kabellose Slave-Blitz ebenfalls. Ein gut ausgeleuchtetes, stimmungsvolles Foto wird den Verkaufspreis erheblich steigern. Die oft tristen Produktbilder mit harten Schlagschatten und irritierenden Reflexen lassen sich damit ganz leicht vermeiden.

Makros

Blitzlicht wird bei der Makrofotografie oft benötigt. Unverwackelt bzw. ohne Bewegungsunschärfen lässt sich ansonsten nicht genügend Schärfentiefe erzielen. Ein Makroringblitz kostet jedoch einige hundert Euro und ist selbst dann kein Garant für ein stimmungsvolles Makro. Klappt man dagegen schlicht den internen Blitz aus und versucht sich an den Kleinmotiven, dann sind harte Schlagschatten und häufig auch Abschattungen die baulängenbedingte Folge. Der Slave Flash lässt sich jedoch über die Schiene idR nah an der Frontlinse platzieren und sorgt für zusätzliches Seitenlicht. Gute Ergebnisse erzielten wir auch in Verbindung mit dem Retroadapter.

Supermakros

In Umkehrstellung lassen sich Objektive von Weitwinkel bis leichtem Tele als Lupe verwenden. Wird eine kleine Brennweite im Weitwinkelbereich wie etwa das Canon 18-55mm mit Hilfe des Retroadapters an die Kamera angesetzt, dann wird das Licht knapp. Besonders unterhalb von 28mm mit extremen Abbildungsmasstäben jenseits von 1:1.

Um dennoch aus der Hand bei grösserer Blendenzahl operieren zu können, reicht ein angesetzter Slave Flash. Er verdoppelt nicht nur die Leistung des internen Blitzes sondern verhindert zusätzlich Abschattungen, die durch sehr kleine Nahdistanzen auftreten. Das Programm M bietet sich an, um Verwackler via kurzer Verschlusszeit zu eliminieren und gleichzeitig eine hohe Blende einzustellen.

Wir konnten mit Blende 14 und ISO 100 bis 400 gute Belichtungsergebnisse erzielen und auf den Stativeinsatz trotz bewegter Kleinstmotive bei sehr hohem Vergrösserungsmasstab verzichten.

 

Multiblitz

Mit einer Multi-Blitzlösung lassen sich Lichteffekte und Stimmungen erzielen, die einseitigen Lichtquellen überlegen sind. Hier fängt kreative Fotografie an.

Herkömmliche Lösungen sind jedoch sehr teuer - nicht jedoch mit dem Slave Flash. Um mit zwei oder drei Blitzgeräten Seitenstreiflichter und frontale Aufhellung zu erzielen, liegt das Investitionsvolumen in erreichbarer Region bei 80 bis 120 Euro. 

Der oft störende Hintergrund lässt sich bei einer Multiblitzlösung durch gezielte Beleuchtung des Motivs dezent ausblenden. Dies ist besonders nützlich, wenn im Vordergrund ausreichend Schärfentiefe benötigt wird und diese Ebene dann zwangläufig den Hintergrund mit erfassen würde. Mit den Slave Flashs lässt sich die Helligkeit über das Programm M und der Änderung von Belichtungszeit bzw. ISO-Wert ganz simpel steuern.

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Technik

Der Elektra Slave-Flash wird durch einen integrierten Lichtsensor ausgelöst. D.h. er registriert das Licht des internen Blitzes und löst zeitgleich aus. Über eine solche Funktion verfügt beispielsweise auch der Sigma-Blitz EF 500 DG Super, doch dieser wird - im Gegensatz zum Slave Flash - bereits durch den Vorblitz ausgelöst und sein Licht fehlt daher auf dem Foto. Der Sigma lässt sich so nur mittels Konfiguration iVm einer verminderten Blitzleistung nutzen (der Vorblitz erschöpft den Sigma dann nur zur Hälfte). Beim Slave Flash braucht dagegen nur die Schalterposition auf "Pre F" gestellt zu werden und der Vorblitz kann ihm nichts anhaben - sprich die volle Blitzleistung erscheint auch auf dem eigentlichen Foto.

Einsatzbereit

Schaltet man die Canon Speedlites oder auch Sigma Blitzgeräte ein, dann beträgt die Wartezeit mit frischen Batterien rund 8 Sekunden, bevor sie einsatzbereit sind (der Kondensator wird in der Zeit voll geladen). Beim Slave Flash haben wir dagegen  nur 3,5 Sekunden gemessen. Die Bereitschaft quittiert er durch eine rot aufdimmende Diode, die dem Fotografen das Startzeichen zum Auslösen signalisiert.

Lediglich zwei marktübliche Mignon Batterien vom Typ AA, 1,5 Volt oder entsprechende Akkus nimmt das Batteriefach auf. Wir haben den Slave Flash bisher noch nicht erschöpft, gehen jedoch von etwa 200 Auslösungen mit einem Batteriesatz aus.

Fertigungsqualität

Um Gewicht zu sparen, werden externe Blitzgeräte generell aus Kunststoff gefertigt. So auch der Slave Flash, der in seinem Metall-Look durchaus wertig wirkt. Er liegt gut in der Hand und nimmt lediglich ein Drittel des Volumens gängiger Kompaktblitzgeräte in der Fototasche in Anspruch. Mit lediglich 80 Gramm (ohne Batterien) ist er zudem 3 - 4x leichter. Die tageslichtähnliche Farbtemperatur von 5.600 Kelvin eignet sich für einen natürlichen Weissabgleich mit dem Kamera-Programm AWB bzw. den Weissabgleich auf Blitzlicht.

Blitzschiene

Die im Lieferumfang enthaltene Blitzschiene lässt sich direkt über das standardtypische 1/4 Zoll Gewinde unter die Kamera schrauben, so dass der Blitz stets seitlich zur Verfügung steht und den internen Blitz mit der doppelten Blitzpower versorgt. Praktischerweise kann er auch als Standfuss genutzt werden, um den Blitz auf einer Ablage aufzustellen. Während die Kunststoff-Schiene ruhig etwas solider hätte sein dürfen, ist die Einsteckfassung aus Metall gearbeitet und lässt sich variabel seitlich verschieben oder um 360 Grad um die eigene Achse drehen.

Wir hätten uns hier für Makro-Objektive mit grösserer Brennweite ab 100mm aufwärts noch eine längere Schiene gewünscht, aber der Blitz lässt sich alternativ auch aus der Hand betreiben. Um ihn gegen die Decke zu blitzen, muss er jedoch von der Schiene genommen werden, da er über keinen integrierten Schwenkreflektor verfügt. Alternativ kann allerdings für diesen Zweck auch ein kleiner Schwenkfuss dazwischengesetzt werden.

Blitzleistung und ETTL

Der Slave Flash verfügt über eine Blitzleitzahl von 12 und bringt damit etwa die gleiche Power, wie die in Canon DSLR eingebauten Blitzgeräte (LZ 13). Da sich die Leistung jedoch iVm dem internen Blitz verdoppelt, reicht das Licht idR auch für Gruppenportraits.

ETTL wird am Slave Flash nicht unterstützt, d.h. bei der Belichtungsmessung wird er von der Kamera nicht berücksichtigt. Das kann in manchen Fällen zu Überbelichtungen führen, so dass die Aufnahme am internen Monitor kontrolliert und ggf. wiederholt werden sollte.

Kompatibilität

Da via Lichtsensoren ausgelöst wird, lässt sich der Blitz an allen Kameras betreiben, die über ein integriertes Blitzgerät verfügen. Bei allen übrigen kann er durch einen ggf. vorhandenen, externen Kompaktblitz angetriggert werden (z.B. bei der EOS 5D).

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Fazit

Mit grossen Kompaktblitzgeräten wie etwa dem Canon Speedlite 580 EX, kann und will der Elektra Slave Flash nicht mithalten. Dafür fehlt ihm z.B. die hohe Blitzleistung und auch die ETTL-Fähigkeit. Er spielt seine Stärke jedoch im unkomplizierten Betrieb als kabelloser Zweitblitz aus und arbeitet hervorragend im Verbund mit dem internen Kamerablitz. Zwar lässt er sich in der Blitzstärke nicht regeln und kann auch zu Überstrahlungen führen, wir haben in der Praxis jedoch vielfach auf Anhieb überzeugende Ergebnisse erreicht.

Kompakt, leicht und durch die mitgelieferte Schiene sogar direkt an der Kamera montierbar macht der Slave Flash einfach Spass. Er eignet sich zur Erhöhung der Blitzleistung des internen Gerätes, um schattenfrei über die Zimmerdecke zu reflektieren oder im Makrobereich mehr Schärfentiefe und eine bessere Ausleuchtung zu erzielen. Auf Reisen ist er zudem ein idealer Partner mit geringem Gewicht und Volumen.

Mit zwei der Slave Flashs lässt sich auch ohne weiteres ein kleines Portraitstudio einrichten, da zusätzlich mit dem internen Blitz dann drei Lichtquellen bereitstehen. Vergleicht man die Investitionskosten in alternative Geräte, dann wären an Canon DSLR für drei Blitzlichtquellen  auch drei slave-fähige Kompaktgeräte (z.B. Canon Speedlite 430 EX) plus dem Transmitter ST-E 2 für den kabellosen Betrieb anzuschaffen. Zwei Elektra Slave Flashs kosten jedoch nur 80 Euro, wohingegen das Blitztrio plus Transmitter mit über 800 Euro zuschlagen würden.

Seit Erfindung des Retroadapters ist uns bisher kein zweites Foto-Tool mit einem derart  hohen Praxisnutzen zum kleinen Preis unter die Testfinger gekommen.

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Anbieter

Wir haben den Slave Flash als Neuheit auf der Photokina entdeckt und uns - nach unserem Test - mit einem grösseren Posten eingedeckt.

Sie können den Slave Flash hier im Traumflieger-Shop für 39,95 EURO erwerben

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