Report: kabellos blitzen für unter 50 Euro
ein Report von
Stefan Gross
- 1. Slave Flash im Überblick, Technik und Einsatz
- 2. Workshop I: Portrait, Produkt, Makro
- 3. Workshop II: Supermakro, Multiblitz, Stativ
Kabelloses blitzen erscheint vielen Fotografen zu kompliziert und teuer.
Nicht ganz zu Unrecht, denn um mit zwei Blitzgeräten das Licht aus
unterschiedlichen Richtungen zu legen, braucht der Fotograf normalerweise Know How
und einige Hundert Euro Extrakapital. Den wenigsten ist jedoch bekannt, dass es
auch ganz simpel und preisgünstig funktioniert.
Seitenübersicht
kabellos blitzen
Praxis
Technik
Fazit
Anbieter
Die Vorteile des kabellosen Blitzens liegen auf der Hand: das Licht wird nicht
mehr ausschliesslich frontal auf das Motiv gelegt sondern lässt sich auch
seitlich platzieren. Wer zum internen Blitz über ein weiteres Blitzgerät
verfügt, kann seine Bilder erheblich hochwertiger gestalten.
Es reicht jedoch leider nicht, sich z.B. ein Canon Speedlite Blitzgerät
zuzulegen, um dann über eine zweite Lichtquelle zu verfügen. Wie üblich muss
auch an Canon DSLR’s das externe Blitzgerät auf den
Schuh der Kamera aufgesetzt werden, so dass der interne Blitz nicht mehr
ausklappen kann. Es bleibt also bei lediglich einer Blitzlichtquelle.
Um in den Genuss von
zwei Blitzlichtern zu kommen, wird der Kauf zweier Geräte fällig von denen zum
kabellosen Blitzen eines sogar masterfähig sein muss. 500 Euro und mehr kostet der Spass, es sei denn man setzt den Elektra Slave Flash ein. Dieser Kompaktblitz
arbeitet auch mit dem internen Blitz
der Canon DSLR (und mit weiteren Herstellern) reibungslos zusammen und schont
das Budget.
Sie können den
internen Blitz ausgeklappt lassen und den Elektra Slave Flash entweder
über eine mitgelieferte Schiene seitlich an der Kamera montieren, frei in der
Hand halten oder auch irgendwo im Raum aufstellen. Sowohl der interne Blitz als
auch der Slave Flash erhellen dann das Motiv.
Portraits
Besonders bei
Portrait-Aufnahmen macht sich die seitliche Lichtquelle bezahlt, da solche
Belichtungen reichhaltiger wirken und mehr Atmosphäre ausstrahlen.
Produktaufnahmen
Für
Produktaufnahmen, wie sie bei Ebay-Auktionen gebraucht werden, lohnt der
kabellose Slave-Blitz ebenfalls. Ein gut ausgeleuchtetes, stimmungsvolles Foto
wird den Verkaufspreis erheblich steigern. Die oft tristen Produktbilder mit
harten Schlagschatten und irritierenden Reflexen lassen sich damit ganz leicht
vermeiden.
Makros
Blitzlicht wird bei der Makrofotografie oft benötigt. Unverwackelt bzw. ohne
Bewegungsunschärfen lässt sich ansonsten nicht genügend Schärfentiefe erzielen.
Ein Makroringblitz kostet jedoch einige hundert Euro und ist selbst dann kein
Garant für ein stimmungsvolles Makro. Klappt man dagegen schlicht den internen
Blitz aus und versucht sich an den Kleinmotiven, dann sind harte Schlagschatten
und häufig auch Abschattungen die baulängenbedingte Folge. Der Slave
Flash lässt sich jedoch über die Schiene idR nah an der Frontlinse platzieren und
sorgt für zusätzliches Seitenlicht. Gute Ergebnisse erzielten wir auch in
Verbindung mit dem
Retroadapter.
Supermakros
In Umkehrstellung lassen sich Objektive von Weitwinkel bis leichtem Tele als
Lupe verwenden. Wird eine kleine Brennweite im Weitwinkelbereich wie etwa das
Canon 18-55mm mit Hilfe des Retroadapters an die Kamera angesetzt,
dann
wird das Licht knapp. Besonders unterhalb von 28mm mit extremen
Abbildungsmassstäben jenseits von 1:1.
Um dennoch aus der Hand bei grösserer Blendenzahl operieren zu können, reicht
ein angesetzter Slave Flash. Er verdoppelt nicht nur die Leistung des internen
Blitzes sondern verhindert zusätzlich Abschattungen, die durch sehr kleine
Nahdistanzen auftreten. Das Programm M bietet sich an, um Verwackler via kurzer
Verschlusszeit zu eliminieren und gleichzeitig eine hohe Blende einzustellen.
Wir konnten mit Blende 14 und ISO 100 bis 400 gute Belichtungsergebnisse
erzielen und auf den Stativeinsatz trotz bewegter Kleinstmotive bei sehr hohem
Vergrösserungsmassstab verzichten.
Multiblitz
Mit einer Multi-Blitzlösung lassen sich Lichteffekte und
Stimmungen erzielen, die einseitigen Lichtquellen überlegen sind. Hier fängt
kreative Fotografie an.
Herkömmliche Lösungen sind jedoch sehr teuer – nicht jedoch mit dem Slave Flash.
Um mit zwei oder drei Blitzgeräten Seitenstreiflichter und frontale
Aufhellung zu erzielen, liegt das Investitionsvolumen in erreichbarer Region bei
80 bis 120 Euro.
Der oft störende Hintergrund lässt sich bei einer Multiblitzlösung durch gezielte Beleuchtung des
Motivs dezent ausblenden. Dies ist besonders nützlich, wenn im Vordergrund ausreichend
Schärfentiefe benötigt wird und diese Ebene dann zwangläufig den Hintergrund mit
erfassen würde. Mit den Slave Flashs lässt sich die Helligkeit über das Programm
M und der Änderung von Belichtungszeit bzw. ISO-Wert ganz simpel steuern.
Der Elektra Slave-Flash wird durch einen integrierten Lichtsensor ausgelöst.
D.h. er registriert das Licht des internen Blitzes und löst zeitgleich aus. Über
eine solche Funktion verfügt beispielsweise auch der Sigma-Blitz EF 500 DG
Super, doch dieser wird – im Gegensatz zum Slave Flash – bereits durch den
Vorblitz ausgelöst und sein Licht fehlt daher auf dem Foto.
Der Sigma lässt sich
so nur mittels Konfiguration iVm einer verminderten Blitzleistung nutzen (der
Vorblitz erschöpft den Sigma dann nur zur Hälfte). Beim Slave Flash braucht
dagegen nur die Schalterposition auf „Pre F“ gestellt zu werden und der Vorblitz
kann ihm nichts anhaben –
sprich die volle Blitzleistung erscheint auch auf dem eigentlichen Foto.
Einsatzbereit
Schaltet man die Canon Speedlites oder auch Sigma Blitzgeräte ein, dann beträgt
die Wartezeit mit frischen Batterien rund 8 Sekunden, bevor sie einsatzbereit
sind (der Kondensator wird in der Zeit voll geladen). Beim Slave Flash haben wir
dagegen nur 3,5 Sekunden gemessen. Die Bereitschaft quittiert er durch
eine rot aufdimmende Diode, die dem Fotografen das Startzeichen zum Auslösen
signalisiert.
Lediglich zwei marktübliche Mignon Batterien vom Typ AA, 1,5 Volt oder
entsprechende Akkus nimmt das Batteriefach auf. Wir haben den Slave Flash bisher
noch nicht erschöpft, gehen jedoch von etwa 200 Auslösungen mit einem
Batteriesatz aus.
Fertigungsqualität
Um Gewicht zu sparen, werden externe Blitzgeräte generell aus Kunststoff
gefertigt. So auch der Slave Flash, der in seinem Metall-Look durchaus wertig
wirkt.
Er liegt gut in der Hand und nimmt lediglich ein Drittel des Volumens gängiger
Kompaktblitzgeräte in der Fototasche in Anspruch. Mit lediglich 80 Gramm
(ohne Batterien) ist er zudem 3 – 4x leichter. Die tageslichtähnliche
Farbtemperatur von 5.600 Kelvin eignet sich für einen natürlichen Weissabgleich
mit dem Kamera-Programm AWB
bzw. den Weissabgleich auf Blitzlicht.
Blitzschiene
Die im Lieferumfang enthaltene Blitzschiene lässt sich direkt über das
standardtypische 1/4 Zoll Gewinde unter die Kamera schrauben, so dass der Blitz
stets seitlich zur Verfügung steht und den internen Blitz mit der doppelten
Blitzpower versorgt. Praktischerweise kann er auch als Standfuss genutzt werden,
um den Blitz auf einer Ablage aufzustellen. Während die Kunststoff-Schiene ruhig
etwas solider hätte sein dürfen, ist die Einsteckfassung aus
Metall gearbeitet und lässt sich variabel seitlich verschieben oder um 360 Grad
um die eigene Achse drehen.
Wir hätten uns hier für Makro-Objektive mit grösserer Brennweite ab 100mm
aufwärts noch eine längere Schiene gewünscht, aber der Blitz lässt sich
alternativ auch aus der Hand betreiben. Um ihn gegen die Decke zu blitzen, muss
er jedoch von der Schiene genommen werden, da er über keinen integrierten
Schwenkreflektor verfügt. Alternativ kann allerdings für diesen Zweck auch ein kleiner Schwenkfuss
dazwischengesetzt werden.
Blitzleistung und ETTL
Der Slave Flash verfügt über eine Blitzleitzahl von 12 und bringt damit etwa die
gleiche Power, wie die in Canon DSLR eingebauten Blitzgeräte (LZ 13). Da sich
die Leistung jedoch iVm dem internen Blitz verdoppelt, reicht das Licht idR auch
für Gruppenportraits.
ETTL wird am Slave Flash nicht unterstützt, d.h. bei der Belichtungsmessung wird
er von der Kamera nicht berücksichtigt. Das kann in manchen Füllen zu
Überbelichtungen führen, so dass die Aufnahme am internen Monitor kontrolliert
und ggf. wiederholt werden sollte.
Kompatibilität
Da via Lichtsensoren ausgelöst wird, lässt sich der Blitz an allen Kameras
betreiben, die über ein integriertes Blitzgerät verfügen. Bei allen übrigen kann
er durch einen ggf. vorhandenen, externen Kompaktblitz angetriggert werden (z.B.
bei der EOS 5D).
Mit grossen Kompaktblitzgeräten wie etwa dem Canon Speedlite 580 EX, kann und
will der Elektra Slave Flash nicht mithalten. Dafür fehlt ihm z.B. die hohe
Blitzleistung und auch die ETTL-Fähigkeit. Er spielt seine Stärke jedoch im
unkomplizierten Betrieb als kabelloser Zweitblitz aus und arbeitet hervorragend
im Verbund mit dem internen Kamerablitz. Zwar lässt er sich in der Blitzstärke
nicht regeln und kann auch zu Überstrahlungen führen, wir haben in der
Praxis jedoch vielfach auf Anhieb überzeugende Ergebnisse erreicht.
Kompakt, leicht und durch die mitgelieferte Schiene sogar direkt an der Kamera
montierbar macht der Slave Flash einfach Spass. Er eignet sich zur Erhöhung der
Blitzleistung des internen Gerätes, um schattenfrei über die Zimmerdecke zu
reflektieren oder im Makrobereich mehr Schärfentiefe und eine bessere
Ausleuchtung zu erzielen. Auf Reisen ist er zudem ein idealer Partner mit
geringem Gewicht und Volumen.
Mit zwei der Slave Flashs lässt sich auch ohne weiteres ein kleines Portraitstudio einrichten, da zusätzlich mit dem internen Blitz dann drei
Lichtquellen bereitstehen. Vergleicht man die Investitionskosten in alternative
Geräte, dann wären an Canon DSLR für drei Blitzlichtquellen auch drei
slave-fähige Kompaktgeräte (z.B. Canon Speedlite 430 EX) plus dem Transmitter
ST-E 2 für den kabellosen Betrieb anzuschaffen. Zwei Slave Flashs kosten
jedoch nur rund 90 Euro, wohingegen das Blitztrio plus Transmitter mit über 800 Euro
zuschlagen würden.
Seit Erfindung des Retroadapters ist uns bisher kein zweites Foto-Tool mit einem
derart hohen Praxisnutzen zum kleinen Preis unter die Testfinger gekommen.
Wir haben den Slave
Flash als Neuheit auf der Photokina entdeckt und uns – nach unserem Test – mit
einem grösseren Posten eingedeckt.
Sie können den
Slave Flash
hier im Traumflieger-Shop erwerben
- 1. Slave Flash im Überblick, Technik und Einsatz
- 2. Workshop I: Portrait, Produkt, Makro
- 3. Workshop II: Supermakro, Multiblitz, Stativ
