Tabellen, Daten und Infos für Panorama-Fotografen
Für hochwertige Panoramen muss der Fotograf einige Parameterwerte kennen, die wir nachfolgend zusammenstellen. Angaben zu Schrittweiten,
Längen des Vertikalarm und auch Schärfentiefeberechnung helfen Ihnen weiter!
2. Bestimmung der Rastung an Panorama-Platten
3. Schärfentiefe optimal einstellen
Panoramen werden oft im Hochformat aufgenommen, u.a. weil mehr
Anschlusshöhe vorhanden ist und damit Probleme mit zeichnungslosem
Himmel reduziert und qualitative Probleme in eher unwichtige
Bildbereiche verlagert werden. Dafür verwendet man einen L-Winkel mit
einem sogenannten Vertikalarm, an dem die Kamera befestigt wird.
Solche Montierungen werden auch Nodalpunkt-Adapter oder auch VR-Kopf
genannt. Wichtig ist dabei, dass Ihr Gespann aus Kamera & Objektiv so
befestigt wird, dass keine Verschwenkfehler auftreten. Man fixiert die
Kamera daher im sogenannten Nodalpunkt („No Parallax Point“), der je nach
verwendetem Objektiv individuell abweicht und experimentell gefunden
werden muss.
Entscheidend ist dabei die Frage, wie lang der Vertikalarm am
Nodalpunktadapter ist, damit die Kamera samt Objektiv auch in den
Nodalpunkt gebracht werden kann. Die benötigte Länge hängt also
massgeblich vom Objektiv ab, das man einsetzen möchte. Nachfolgend eine
Tabelle mit von uns experimentell ermittelten Werten für Canon-Objektive
an einer Canon DSLR.
Je nach Befestigung kann manchmal etwas mehr Platz nötig sein, daher haben
wir in den Werten 1cm mehr Platz angegeben (z.B. weil die Kameraplatte in
der Schiene geführt wird und daher mehr Platz benötigt). Manche
Kameraplatten brauchen sogar noch mehr Platz, ggf. sollten Sie noch 1 –
2cm mehr einrechnen. Wenn die Kamera direkt auf den Vertikalarm geschraubt
wird, rechnen Sie 1cm von den Wertangaben ab. 1D-Modelle benötigen
abweichend von unten angegebenen Werten eine reduzierte Länge von 1,7cm.
| Objektiv | nötige Länge Vertikalarm in cm (Toleranz von 1cm) |
| Canon 8-15mm/4,0L Fischauge |
11,4 |
| Tokina 10-17mm/3,5-4,5 DX Fischauge für Canon (@10 und 17mm) |
10,5 |
| Canon EF-S 10-22mm/3,5 – 4,5 USM (@10mm) |
11 |
| Sigma 12-24mm/4,5-5,6 EX DG für Canon (12mm + 24mm) |
11,7 |
| Sigma 14mm/2,8 EX für Canon |
10,5 |
| Sigma 15mm/2,8 EX DG Fisheye |
8,4 |
| Canon 16-35mm/2,8L USM (@16mm + 35mm) |
13,1 |
| Canon 17-40mm/4,0L USM (@17 + 40mm) |
12 |
| Canon EF-S 18-55mm/3,5-5,6 IS (@18mm + 50mm) |
9,7 |
| Canon EF-S 18-200mm/3,5-5,6 IS (@18mm) |
11,4 |
| Canon 24mm/1,4L USM II |
10,3 |
| Canon 24mm/3,5 Tilt-Shift |
11,3 |
| Canon 24-70mm/2,8L USM (@24mm) |
17 |
| Canon 24-70mm/2,8L USM II (@24mm, darüber geringer) |
12 |
| Canon 24-70mm/4,0L IS USM (@24mm) |
10,5 |
| Canon 24-105mm/4,0L IS USM (@24mm) |
12 |
| Tamron 28-75mm/2,8 Di Macro für Canon (@28mm) |
11 |
| Canon 28-105mm/3,5-4,5L USM (@28mm) |
10,5 |
Panoramen werden in mehreren Bildabschnitten abgelichtet. Das kann man zwar
optisch im Sucher oder Livebild kontrollieren und die Abschnitte ungefähr
passend wählen. Viel komfortabler sind jedoch Schrittweiten, die man mit
einer rastbaren Panoramaplatte voreinstellt. Damit
benötigen Sie keine optische und somit auch fehleranfällige Kontrolle mehr
sondern können blindlings und viel schneller die Abschnitte eines
Panoramas aufnehmen. Allerdings sollten Sie wissen, welche Schrittweite
gebraucht wird.
Rastbare Panoramaplatten – auch Rotatoren genannt –
gibt es z.B. von Nodalninja (siehe
hier), von Novoflex aber auch anderen Anbietern wie
z.B. von Agnos, Manfrotto etc.
Faktoren zur Schrittweitenbestimmung
1. Die benötigte Schrittweite hängt von der Brennweite des verwendeten
Objektivs ab. Unterschieden wird ausserdem, ob es sich um ein Fischauge
handelt. Fischaugen-Objektiven haben einen grösseren Bildwinkel als
Objektive gleicher Brennweite, die aber nicht als Fischauge konstruiert
sind.
2. Wichtig ist auch die Bildsensorgrösse der Kamera. Je grösser der
Aufnahmesensor, umso mehr Bildwinkel wird abgedeckt und umso kleiner wird
die benötigte Schrittzahl.
3. Als dritter Faktor bestimmt der Überlappungsbereich die Schrittweite.
Montage-Software (sogenannte Stitching-Programme) brauchen ausreichend
Überlappung, um die zusammengehörigen Aufnahmen erkennen zu können und sie
miteinander zu „vernähen“. Üblich sind 30% oder auch 25%-Überlappung. Wir
geben daher unten die überlappungsbereiche für 30% und 25% an. Diese Werte
sind jedoch nicht eng definiert, Sie können durchaus auch 20% oder gar 35%
wählen und somit ggf. die vorhandenen Klickpunkte an Ihrer Panoramaplatte
besser ausnutzen. Nur unterhalb von 20% oder oberhalb von 35% sollten die
Schritte nicht gewählt werden, weil die Stitching-Programme sonst
Erkennungs-Probleme haben können.
Beispiele
In nachfolgenden Tabellen schauen Sie nach Ihrem Objektiv und können – je
nach Kameramodell bzw. Bildsensor-Grösse – die nötige Schrittweite
(Rastschritt) und den zugehörigen Bildwinkel ablesen. Alle Angaben
basieren auf eine Hochformatausrichtigung, wie sie mit einem
Nodalpunktadapter bzw. VR-Kopf erreicht wird.
Beispiel: Sie haben eine
Vollformatkamera und ein 15mm-Fischauge, die Tabelle gibt 6 Rastschritte
mit jeweils 60 Grad an. Stellen Sie die Klickrastung an Ihrer
Panoramaplatte entsprechend auf 60 Grad ein.
Beispiel 2: Sie haben eine DSLR mit
APS-C-Sensor und wollen mit dem Kitobjektiv 18-55mm in der Startbrennweite
Panoramen aufnehmen. In der mittleren Spalte der
Tabelle finden Sie für die
Startbrennweite von 18mm 13 Rastschritte mit einem Winkel von 28 Grad. Hat
Ihre Panoramaplatte keine Rastung für 28 Grad, dann schauen Sie in der
unteren Tabelle mit Bildüberlappung von 25% nach. Hier wird ein
Rastschritt von 12 bei 30 Grad angegeben, falls dieser Winkel von Ihrer
Panoramaplatte unterstützt wird, dann wählen Sie dort 30 Grad als
Rastpunkt aus.
Beispiel 3: Sie finden weder in der
30%–
noch 25%-Tabelle einen passenden Wert, der von Ihrer rastbaren
Panoramaplatte unterstützt wird. Sie können dann einfach selbst rechnen,
ob Sie ggf. mit einem abweichenden Überlappungsbreich die vorhandene
Rastung erreichen können. Wählen Sie in der 30%-Tabelle Ihr Objektiv und
Kamera und dividieren den Wert zum Winkelgrad durch einen geschätzten Wert
zwischen 20 und 35 und multiplizieren ihn mit 30. Wollen Sie z.B. ein
70mm-Objektiv nutzen, finden Sie in der oberen Tabelle für eine
Vollformatkamera einen Winkel von 13 Grad und in der unteren einen von 16
Grad. Bietet Ihre rastbare Panoramaplatte jedoch z.B. nur einen Rastpunkt
von 15 Grad, dann stellt dies kein Problem dar, da Sie einfach auf diesen
15 Grad-Rastpunkt zurückgreifen können und somit einen
Bildüberlappungsbereich zwischen 30 und 25% nutzen (26%).
Beispiel 4: Sie finden überhaupt keinen
passenden Wert für Ihr Objektiv, weil z.B. der Rotator nur eine 60- oder
45 Grad-Rastung bietet. Ggf. können Sie sich einfach über ein Vielfaches
behelfen, um dann nur jeden zweiten Rastschritt zu nutzen. Wollen Sie z.B.
mit einem 8mm-Fischauge an einer Vollformatkamera das Panorama ablichten,
brauchen Sie eine Rastung auf 120 Grad. Sie können den Rotator jedoch mit
60-Grad-Rastung verwenden und lösen Ihre Kamera dann nur auf jeden zweiten
Rastschritt aus.
*Rastschritt-Zahl bezieht sich auf 360-Grad
** Winkel-Grad-Angabe gilt
für einen Rastschritt
Panoramen werden regelmässig mit durchgehender Schärfentiefe aufgenommen,
so dass sowohl Vordergrund als auch weiter Entferntes scharf erscheint.
Das eröffnet dem Betrachter grösstmögliche Freiheit und lässt ein Panorama
oft erst richtig wirken.
Um diese durchgehende Schärfe optimal zu erfassen, helfen Ihnen häufig
Skalen an Objektiven, auf denen jedoch selten vermerkt ist, wie weit sich
der Schärferaum im Bild ausdehnt. Sie können die Skala aber nutzen, wenn
Sie die Hyperfokaldistanz kennen. Diese Hyperfokaldistanz gibt an, wie
weit sich die Schärfe ausdehnt und zwar von der halben Distanz bis
unendlich. Angenommen die Hyperfokaldistanz liegt bei 1m und sie stellen
an Ihrem Objektiv mit Hilfe der Skala auf 1m scharf, dann wird sich die
Schärfentiefe im Motiv von 50cm bis unendlich ausdehen.
Es macht an dieser Stelle wenig Sinn, tabellarisch die Hyperfokaldistanz
aufzulisten, weil es einfach zu viele Kombinationen aus Bildsensorgrösse,
verwendeter Blendenzahl und genutztem Objektiv gibt. Wir verweisen daher
auf den sehr schönen
Schärfentiefen-Rechner.
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| Leserkommentare: |
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| Derzeit sind hier 11 Kommentare vorhanden: Stefan_tf: @Moritz: zu Kugelpanoramen siehe /reports/Panorama-Fotografie/Panorama-Buch/Kapitel-1-5-sphaerische-Panoramen-Kugelpanorama::586.html#aufnahme_anzahl VG Stefan Moritz: Hallo Herr Gross, wie kann ich denn bitte herausfinden, wie die Gradeinteilung vertikal sein muss, je nach Objektiv Also wenn ich die Kamera-Objektiv-Kombination XY habe, um wie viel Grad muss ich dann die Kamera nach oben bzw. unten neigen, um die gesamte Kugel abbilden zu können Gibt es hier vielleicht eine Formel, mit der ich das ausrechnen kann, haben Sie das durch Ausprobieren herausgefunden oder kann ich das auch in den beiden Tabellen oben sehen Stehe da leider etwas auf dem Schlauch. Vielen Dank für Ihre Antwort. Peter Esslinger: Servus. Respekt. Da habt ihr euch richtig Arbeit gemacht. Danke. Aber: ODER: Besten Dank und Grüße Daniel Egge: Hallo, beim Canon 16-35mm/2,8L USM (@16mm + 35mm) ist als Länge ca. 13,1cm Schienenlänge angegeben, ist bei den Werten dazwischen die benötigte Länge der Schiene kürzer oder länger als 13,1cm Stefan_tf: @Ulrich: die Tabellen sind nur Näherungswerte. Den Nodalpunkt dann bitte genauer experimentell ermitteln. Ulrich Weber: Hallo Stefan, Erst einmal vielen Dank für den Artikel, der den Anwendern viel Stefan_tf: @Michael G: dafür kann man einen Schärfentieferechner (Link siehe oben) nutzen und die Entfernung (Hyperfokaldistanz) ausmessen oder abschätzen. Bei einem 50mm/1,2 weiss ich aufgrund des Schärfentieferechners z.B. dass bei Fokus auf 12m alles von 6m bis unendlich scharf wird. Also kann man vor einer Fototour auf 12m scharfstellen, den Ring z.B. mit Isolierband fixieren und dann alles durchgehend ab 6m scharf aufnehmen. Michael G.: Hallo, Da ich mich auch für das Thema Panoramafotografie interessiere habe ich mich auch schon in das Thema eingelesen. Die einzige frage die sich mir noch stellt ist: Gruß Michael G. Stefan_tf: @Joachim Feldmann: dann gratuliere! Unter APS-C steht die auf dem Objektiv vermerkte (tatsächliche) Brennweite. Joachim Feldmann: Guten morgen, Danke Gruss Joachim Feldmann
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