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Body - Bedienung - Touch-Display - Menü - Tasten - Sucher Kauftipp >=70%

  Panasonic
Lumix GH2

Ein Traumflieger-Report

Als spiegellose Systemkamera ist die Lumix GH2 kompakt, bietet aber dennoch Komfort durch Wechselobjektive, 16 Megapixel Sensorauflösung, Full-HD-Video, einen schnellen Autofokus sowie Touch-Bedienung. Dazu kommt noch ein extrem hochauflösender, grosser Digital-Sucher, Schwenkdisplay und Rohdaten-Unterstützung. Kann sie jedoch hochwertigen DSLR das Wasser reichen ? Wir machen Quervergleiche zu Canons digitalen Spiegelreflex-Modellen !

Laut Testberichten scheint sich die hierzulande seit Dezember 2010 erhältliche Lumix GH2 als Spitzenmodell der spiegellosen Systemkameras herauszukristallisieren und den DSLR Paroli zu bieten*.

Als jahrelange Praktiker und Autoren von einem Dutzend Canon DSLR-Profihandbüchern stellt sich uns die Frage, ob die Lumix GH2 tatsächlich an die DSLR-Leistungsfähigkeit herankommt. Wir untersuchen sie daher nicht nur intensiv im hauseigenen  Testlabor sondern vor allem auch in der Anwendungspraxis. Und wir erwähnen dies nicht als landläufig zu lesende Floskel sondern haben sie tatsächlich wochenlang fast rund um die Uhr durchgetestet.

Betrachtet man schlicht die technischen Daten, dann verfügt die Lumix GH2 zunächst einmal nur über einen kleinen Sensor mit 2x-Crop, der womöglich rauschanfälliger als die SLR-Pendants ist. Fraglich auch, ob ein Digital-Sucher wirklich die optischen Systeme ersetzen kann ? Zudem ist der Objektiv- und Zubehörpark viel kleiner als in der DSLR-Welt. Als Foto-Video-Hybrid soll sie aber im filmerischen Bereich besondere Stärken u. a. durch Autofokusnachführung und leise Bildstabilisatoren aufweisen.  Wir untersuchen sie jedoch nicht nur als reine Alternative zur DSLR-Welt sondern auch als möglicherweise potenten Partner im Zweitkamera-Einsatz oder als leichtere Zwischendurch-Lösung.

*Panasonic weist darauf hin, dass sogar die (weniger umfangreich ausgestattete) Lumix G2 lt. Stiftung Warentest (1/2011) insgesamt die EOS 7D schlägt und den ersten Platz der Systemkamera-Bestenliste einnimmt. Das spezialisierte Systemkamera-Forum kürt die Lumix GH2 in ihrem lesenswerten Testbericht vom Sept. 2010 als Platzhirschen unter den spiegellosen "EVIL"-Modellen (EVIL steht für Electronic Viewfinder Interchangeable Lens). Das foto-MAGAZIN (Ausgabe 1/2011) schreibt, dass insbesondere die GH2 das Potenzial hätte, klassische SLR weitgehend abzulösen und auch die ColorFoto (Ausgabe 2/2011) kürt die GH2 zum Testsieger der spiegellosen Systemkameras mit dem Kommentar "Den Testsieg holt sich die Panasonic GH2 mit einer Bildqualität auf dem Niveau einer Nikon D300s oder Canon 7D". Nicht zu vergessen die ausgesprochene Auszeichnung der grossen deutschen Videoplattform "Slashcam", die der GH2 im Jan. 2011 das Prädikat "beste Video DSLR" auch im Vergleich zur Canon 60D und Nikon D7000 verleiht.

Body

Das GH2-Gehäuse ist äusserlich komplett aus Kunststoff gefertigt, macht jedoch einen hochwertigen Eindruck. Metallteile finden sich immerhin beim Auslöser, einigen Funktionstasten und den Wahlrädern. Der Daumen fühlt sich in der Mulde gut aufgehoben und die Belederung des Griffs überzeugt. Panasonic setzt natürlich auf Kompaktheit was wir auch sogleich spüren. Die GH2 nimmt deutlich weniger Platz in der Fototasche ein, bietet andererseits aber insgesamt weniger Griff-Komfort. Im Vergleich etwa zur EOS 60D oder 7D liegt die GH2  nicht so gut in unseren etwas grösseren Händen, dafür fehlt es ihr an Bauhöhe und -dicke. Zwei Finger baumeln permanent in der Luft, während an der DSLR auch bei den kleineren, dreistelligen Modellen höchstens einer keinen Halt findet dafür aber optional durch einen Batteriegriff ausreichend Griff-Fläche geschaffen werden kann. Derzeit sind Batteriegriffe für die GH2 nicht absehbar und würden eigentlich auch dem Miniaturisierungs-Konzept zuwiderlaufen.

Mit rund 400gr. ist die Lumix deutlich leichter als etwa die EOS 7D (900gr) oder EOS 60D (755gr). Etwa auf dem Niveau einer kompakten Powershot der G-Klasse. In Kombination mit dem im Bundle erhältlichen Superzoom Vario 14 - 140mm bringt die GH2 dann allerdings spürbare 900gr auf die Waage. Die Haptik verbessert sich im Gespann mit dem etwas kopflastigen Objektiv, da jetzt die zweite Hand unterstützend eingreift. Sie verliert aber eben auch wieder an Kompaktheit. Alternativ können u.a. natürlich auch sehr flache und leichte Pancake-Optiken wie etwa das Lumix 20mm/1,7 mit nur 60gr. und 5cm Baulänge genutzt werden.

Bedienung

Erfreulicherweise verfügt die GH2 über viele Tasten und Einstell-Räder, so dass sie sich schnell ähnlich einer DSLR bedienen lässt. Mehrheitlich sind sie DSLR-konform beschriftet und erschliessen sich unmittelbar. Direktzugriff auf ISO-Wert und Weissabgleich sind vorhanden, klasse auch, dass sich via Record-Taste ein Video jederzeit starten lässt. Komfortabel sind auch die drei relativ frei belegbaren Funktionstasten z.B. zur  Direktwahl der Serienbildgeschwindigkeit und Belichtungsmessmethode. Als eingefleischte DSLR-Anwender steht uns allerdings ein recht hoher Einarbeitungsaufwand bevor. Der Zugriff auf die Belichtungskorrektur ist z.B. etwas versteckt erst über den mittleren Druckpunkt des Einstell-Rädchens möglich und nicht etwa über das an vielen Canon DSLR vorhandene, komfortablere Daumenrad. Zugriffe über die vier Pfeiltasten sind zwar weitgehend intuitiv, doch sind sie recht eng gruppiert und erfordern einen spitzen Daumen.

Erfreulich ist die manuelle Eingriffsmöglichkeit in den Autofokusbetrieb durch den Scharfstellring am Objektiv (14-140mm) wie man es z.B an Ring-USM-Linsen von Canon kennt. Ungewohnt lediglich, dass diese Funktion erst bei halb durchgedrücktem Auslöser nach erfolgreicher AF-Fokussierung reagiert. Eingeübt werden muss auch die Logik, dass sich der nützliche Schnelleinstellbildschirm entweder per Touchscreen oder Taste nutzen lässt, ohne dass eine übergreifende Bedienung angeboten wird. Überzeugend ist die Haptik des Zoomobjektivs, der elektronisch unterstützte Scharfstellring ist gut übersetzt und läuft sauber, kratzende oder schabende Geräusche sind auch bei Änderung der Zoomeinstellung praktisch nicht vorhanden. Da können sich selbst einige L-Objektive der gehobenen Preisklasse ein Beispiel dran nehmen.

Als Speichermedium nutzt die GH2 eine SD-Karte; erfreulicherweise wurde ihr - im Gegensatz zu einigen Kompaktkamera-Modellen - ein eigenes Einschubfach (mit dünner Klappe) spendiert. So ist der Speicherkartenwechsel auf dem Stativ unproblematisch. Ein hoch ausklappender Popup-Blitz, 3''-Schwenkdisplay nebst Abblendtaste komplettieren die Ausstattung.

Touch-Display

Auf das Touch-Display sind wir besonders gespannt und fragen uns mittlerweile, warum Canon z.B. die EOS 60D damit nicht ergänzend ausstattet hat. Wisch- und Gestensteuerung ist in der Handy/iPhone-Welt ein toller und etablierter Komfort. An der Lumix darf man aber nicht die Leichtigkeit etwa einer iPod Touch-Steuerung erwarten. Sie nutzt ein drucksensitives, resistives und kein kapazitives Display, vorteilhaft zwar im Winter für Handschuhbedienung oder um versehentliche Fehlbedienungen zu vermeiden aber eben auch nicht ganz so flüssig in der Bedienung. So lassen sich z.B. im Playmodus via Fingerstreich Bilder weiterschalten oder durch Displaydruck vergrössern, das erfordert jedoch einen nachhaltigen, längeren Druck und ist daher etwas gewöhnungsbedürftig. Gängige Programmfunktionen lassen sich jedoch im Schnelleinstell-Bildschirm etwas sensitiver via Fingertipp wählen. Ein Tipp auf Icons wie ISO-Wert, Blendenzahl, Weissabgleich etc. genügt, um sie direkt zu ändern; entweder per Schaltfläche oder Wischgeste. Der Clou ist die Möglichkeit, die GH2 direkt über den Screen auszulösen. Die Lumix fokussiert dabei bedarfsweise aussermittig und löst sofort aus - alles mit einem einzigen Fingerzeig. Man kann z.B. auch vor der Kamera für Selbstportraits oder bei Produktaufnahmen stehen, auf die wichtigsten Funktionen zugreifen und autofokusgesteuert elegant auslösen.

Die Touch-Funktion gefällt uns insgesamt gut auch wenn einige Schaltflächen etwas klein geraten sind oder manche Geste sensibler ansprechen dürfte. Der Monitor kann sich auch mitten in der Bedienung plötzlich durch Abschattung abschalten und das Sucherdisplay aktivieren. Gewöhnt man sich daran (oder stellt die Monitorumschaltung via Individualfunktion ab), dann ist der Bedienkomfort durch das Touchdisplay eindeutig gesteigert.

Menü

Im Kamera-Menü ist die Touchsteuerung hingegen abgeschaltet, hier navigiert man via Rändelrädchen oder Vierwege-Taste. Das auch im digitalen Sucher einsehbare Menü ist in vertikale Karteireiter aufgeteilt, bietet allerdings nicht ganz die gute Übersicht von Canon-DSLR, bei denen alle Hauptmenü-Einträge auf einen Blick einsehbar sind. Immerhin ist auch ein My-Menü vorhanden, indem fünf der zuletzt angesteuerten Einträge vermerkt werden, ohne diese jedoch individuell als Favoritensammlung speichern zu können. Die Schrift ist angenehm gross, kommt allerdings etwa verpixelt daher, vielleicht etwa edler sind dagegen die Menüs von aktuellen Canon DSLR. Dennoch: im GH2-Menü lässt sich flüssig und funktional sinnvoll navigieren.

Tasten-Steuerung

Auf einen intuitiven Joystick verzichtet die Lumix, bietet aber immerhin ein daumengesteuertes Rändelrädchen. Mit ihm kann z.B. im Programm AV (heisst A) die Blende unmittelbar verstellt werden. Soll die mittlere Belichtungsstufe geändert werden, reicht ein mittiger Druck, um diese anschliessend erneut via Dreh am Rädchen zu ändern. Im Programm M wird nach diesem Schema dann anstelle der mittleren Belichtungsstufe die Zeit eingestellt. Insgesamt ist also eine flotte Werteänderung möglich allerdings könnte die Haptik besser sein, da die Rändelschraube relativ klein und etwas versenkt ist. Ggf. ist es sinnvoll, lieber die Q-Taste zu nutzen und über die Pfeiltasten dann im Schnelleinstellbildschirm Werte für Blende oder Belichtungsstufe schneller anzusteuern. Die erwähnten drei, frei belegbaren Funktionstasten greifen alle auf dieselben 18 Einstelloptionen zurück. Hier kann z.B. eine Taste mit der Bildqualität, die zweite als Blitzbelichtungskorrektur und die dritte Gitterlinien oder die Serienbildgeschwindigkeit ansteuern, wobei sie jeweils die entsprechende Menüfunktion direkt aufrufen. Individualisierung ist auch am Programmwahlrad angesagt, denn die GH2 bietet hier satte drei Customprogramme, die sich praktisch alle Einstellungen merken und - wie bei Canon - die Funktion des vorher genutzten Programms erben.

elektronischer Sucher

Wer die meist enttäuschende Qualität elektronischer Sucher aus dem Kompaktkamera-Lager kennt, dürfte an der Lumix GH2 angenehm überrascht werden. Der LCOD-Sucher ist mit seinen 852 x 600 Pixel nicht nur sehr hochauflösend, sondern bietet auch bei 100%-Feldabdeckung ein sehr grosses Sucherfenster. In Canons DSLR-Lager wird die Grösse nur vom 1Ds Mark III-Sucher übertroffen, ansonsten liegt der GH2-Sucher mit einer Realgrösse von 93% über dem der 5D Mark II (92%), EOS 7D (82%) oder einer EOS 60D (75%). Erfreulich nicht nur, dass er schön hell und klar ist, sondern auch eine Zoomvergrösserung mit 5x und 10x-Faktor bietet, die automatisch aktiv wird, sobald ein Lumix-Systemobjektiv am Scharfstellring betätigt wird. Scharfstellen ist so beim Sucherblick deutlich exakter als mit optischen Systemen möglich. Von Vorteil sind dabei auch tastengesteuerte Zugriffe auf den Schnelleinstellbildschirm oder das Kamera-Menü, ohne den Blick vom Sucher nehmen zu müssen. Das Realbild zeigt zudem eine ziemlich exakte Vorschau auf Weissabgleich, Kontrast- und Lichtverhältnisse, so wie sie im Bildergebnis zu sehen sind.

Nachteile sind allerdings auch zu nennen. Bei geringem Umgebungslicht - etwa bei Kerzenschein oder in tiefdunklen Schattenfeldern - kommt die Anzeige bei Schwenks ins Stottern und die Bildfrequenz kann auf unter 10 Bilder/Sek. absinken. Betroffen von der reduzierten Geschwindigkeit ist dann überraschenderweise auch die Steuerung des frei verschiebbaren Fokusfeldes. Vergleicht man die Lowlight-Fähigkeit etwa mit dem eingezoomten Live-Monitorbild an Canon DSLR, so ist letzteres im Vorteil und zeigt bei geringerem Umgebungslicht noch Details an. Dennoch ist man an der GH2 auch bei wenig Licht noch zielsicher unterwegs und kann z.B. Nachts im städtischen Umfeld recht sicher manuell scharfstellen. Durch den elektronischen Sucher sieht man in der Regel deutlich mehr als es dem unbewehrten Blick abends möglich ist, mag das Bild dann auch etwas rauschen.

Ohne Frage, der elektronische Sucher begeistert uns !  Diese Einschätzung wird sicherlich nicht jeder Fotograf teilen, denn auch wenn der GH2-Sucher das Bild praktisch unverpixelt darstellt, so vermittelt er nicht immer einen natürlichen Eindruck. Dies gilt nicht nur in hochkontrastreichen, im Sucher ausbrennenden Lichtsituationen sondern z.B. auch bei Kunstlichtquellen, die erst nach einem angepassten Weissabgleich dem optischen Seheindruck nahe kommen und mit dem automatischen Weissabgleich häufiger etwas rotstichig angezeigt werden können. Bei schnellen Serienbildaufnahmen kann das Sucherbild in Verzug geraten und der energiehungrige Sucher ist auch nur aktiv, solange die Kamera eingeschaltet ist. Dennoch: vor die Wahl gestellt, würden wir den elektronischen Sucher optischen Systemen vorziehen, die Summe der Vorteile überzeugt uns.

 

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