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Pilze perfekt fotografieren!

Pilze perfekt fotografieren!

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19 von 20 Lesern fanden diesen Report hilfreich.

Entscheiden Sie selbst:

Pilze mit der Kamera sammeln

Genau jetzt lohnt es, Pilze zu fotografieren!

Aufsteigender Nebel in der blauen Stunde. Olaf ist nur schemenhaft im Dunkel des sandigen Kiefernwaldes zu erkennen. Ich rufe noch: hier ist wieder einer und mache mich ran, platziere die Kamera, starte die Schärfenreihe und schon ist er im Kasten. Der frische Fliegenpilz landet später auf meiner Festplatte. Und schon fiebere ich dem nächsten Pilzmotiv, dem nächsten Glückspilz entgegen. Jetzt im Herbst gibt es zahllose davon. Und die können faszinierend aussehen. Ein Erfahrungsbericht mit Praxistipps!

Eine Fotostory & Fototutorial von Stefan Groß

Früher in meiner Kindheit gehörte der Gang mit Pilz-Sammelkorb und Taschenmesser zur guten Familientradition. Seinerzeit landeten dort bevorzugt Röhrlinge wie Birkenpilze, Maronen, Rotkappen und Steinpilze. Auch die mittlerweile als hochgiftig eingestuften Kremplinge sammelten wir und meine Mutter machte dann abends eine leckere Pilzpfanne, die mit Zwiebeln angebraten wurden. Doch irgendwann probierte ich einmal, sie zu fotografieren. Das war vor gut 15 Jahren, als ich mir meine erste DSLR mit Makroobjektiv - eine Canon EOS 300D - zulegte. Davor habe ich sie zwar gelegentlich auch einmal mit einer Kompaktkamera abgelichtet, doch viel mehr als Schnappschüsse kamen dabei nicht heraus. Und auch heute noch freue ich mich über jeden Stein- und Birkenpilz aber genauso über alle anderen, wenn sie attraktiv aussehen. Und das liegt am fotografischen Geschick und im Auge des Betrachters. Beides kann geschult werden und wir möchten hier einen kleinen Beitrag leisten.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 35mm/3,5 - f3,5 - ISO 640 - 1/5s - 22'er-Stack

Aufsteigender Nebel in der blauen Stunde und perfekte Lichtbedingungen für den frischen Fliegenpilz. Nur ca. 10 Minuten lang ist es noch hell. Passen Sie diesen Moment ab, dann steigt die Chance auf ein perfektes Pilzmotiv ungemein! Doch solche Lichtbedingungen herrschen nicht immer vor und dann sollten Sie sich um eine Optimierung kümmern!

Erst nachdem ich mich an Bilddiskussionen in der Fotocommunity beteiligte wurden zahlreiche Probleme und Schwächen an meinem Pilzaufnahmen offenbar und mit der Zeit lernte ich, welche Kriterien für überzeugende Pilzportraits wichtig sind. Die Jagd nach dem perfekten Pilzmotiv hat mich seither gepackt und besonders im Herbst liege ich auf der Lauer, immer auf der Suche nach einem genialen Fruchtkörper. Doch mit Schnappschüssen ist es nicht getan. Dafür interessiert sich niemand. Echte Hingucker benötigen mehr. Hier sollte der Fotograf sämtliche Aspekte der Belichtung kontrollieren. Dazu zählen auch Farben, Dynamik, Lichtrichtung aber auch Authentizität und Natürlichkeit.

Zugegeben, bei meiner Pilzfotografie geht es nicht in erster Linie um Bestimmungsfragen, Vorkommen und eine Dokumentation etwa des Lebenraumes sondern vielmehr um eine oft ikonische Darstellung ihrer Schönheit. Wer Pilze für Bestimmungszecke ablichtet, sollte sich anderen Aspekten widmen und z.B. unterschiedliche Wuchsstadien, Baum- und Lebensraumpartner aber auch Sporenformen bzw. Verfärbungen im Anschnitt dokumentieren. Für mich sind meist andere Dinge wichtiger. Dabei kann es ein nahezu beliebiger Allerwelts-Pilz sein, dem ich mich widme. Entscheidend ist dabei eine meist tiefe Unterkappenperspektive, so dass der Betrachter zwergengleich und wie unter einer riesigen Kuppel unter der Kappe zu stehen scheint. Ein Blick stehend von oben herab überzeugt in den seltensten Fällen. Ausnahmsweise kann diese Oberperspektive bei Pilz-Großgruppen bzw. Hexenkreisen gelegentlich vorteilhaft sein.

Habe ich mein Motiv gefunden, dann wird geprüft, ob und wie ich den Blick unter die Kappe werfen kann. Sitzt der Pilz am Boden kann es schwierig werden. Ein Unterkappenblick gelingt jetzt meist nur, wenn die Kamera flach auf den Untergrund abgelegt wird und zusätzlich ein Weitwinkelobjektiv angesetzt ist. Dazu muss der Pilz auch hoch genug aufgewachsen sein. Ist der Untergrund weich genug, dann hebe ich mit der Hand eine kleine Mulde aus und lege die Kamera dort hinein. Gegen Verschmutzungen wird dann das Erdreich noch mit einigen Blättern dekoriert oder ich lege ein Geschirrhandtuch darunter. Um den Ausschnitt gezielt zu wählen assistiert mir auch mal ein kleines Stöckchen, das ich für Ausrichtzwecke unter das Objektiv oder das Kameragehäuse drapiere. Das ist häufig durchaus praktikabel wenngleich eine perfekte Ausrichtung so nicht immer gelingt.

Sitzt der Pilz am Hang bzw. an einer Böschung, dann erleichtert dies den Blick unter die Kappe, daher bevorzuge ich solche Wuchsstandorte.

Allerdings habe ich auch auf kleineren Fototouren regelmäßig ein Stativ mit Langschiene und Dualklemme dabei, so dass die Kamera dort ganz tief im Bodenbereich mit ungedrehter Mittelsäule montierbar ist.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 12-40mm/2,8 - 12mm - ISO 400 - f2,8 - 1/200s - 12'er-Stack - Mehrfachbelichtung

Fliegenpilze, die ich in meiner Wohnsiedlung abgelichtet habe. Sie haben einen leicht erhöhten Standort, so dass der Unterkappenblick erleichtert wird. Die Kamera habe ich direkt auf den Untergrund abgelegt. Dennoch hilft hier ein Weitwinkelobjektiv mit geringer Nahdistanz, wie es mir mit einem Olympus M.Zuiko 12-40mm/2,8 bei 12mm (=24mm KB) zur Verfügung steht. Die Szene mag zwar simpel aussehen. Tatsächlich steckt hier jede Menge an Überlegungen und auch Nacharbeit drin. Die Szene wurde via Schärfenreihe abgelichtet und später gestackt und zudem mehrere unterschiedliche Belichtungsvarianten darin eingearbeitet.

Ergänzend nutze ich auch stets eine künstliche Lichtquelle, um das Motiv lichttechnisch zu optimieren. Allen voran probiere ich regelmäßig, ein Kappendurchlicht zu erzeugen. Dafür nutze ich z.B. eine LED-Taschenlampe mit hoher Farbtreue (wie z.B. eine Acebeam EC65 Nichia oder auch eine Eagtac MX30L3 Nichia) und halte die Lampe direkt von oben über die Kappe. Bei vielen Pizen dringt jetzt mehr oder weniger Licht durch die Kappe durch und erzeugt eine ganz eigene Stimmung teils ähnlich einer Nachttischlampe, als würde der Pilz aus sich selbst heraus leuchten. Diese Methode hat allerdings Nebenwirkungen, denn die Oberkappe überstrahlt dabei stark. Daher nutze ich in der späteren Bildbearbeitung nur die Bildbereiche, die intakt sind. Also regelmäßig das erleuchtete Kappeninnere, während die Oberkappe durch eine Normalbelichtung ohne spezielles Zusatzlicht bzw. dezenter aufgehellt verwendet wird. Diese Art der Mehrfachbelichtung kann z.B. in Helicon Focus Pro im Nachbearbeiten-Karteireiter durch Reimport der Verrechnungsergebnisse oder später auch in Photoshop via Maskierung durchgeführt werden (siehe dazu auch unser Video Pilze fotografieren im Vorgarten und am Wegesrand, wo das Verfahren detailliert erklärt wird). Apropos: Schärfenreihen und eine spätere Verrechnung führe ich auch regelmäßig durch. Diese auch als Stacktechnik bezeichnete Verfahren soll aber nicht detaillierter Gegenstand dieses Artikels sein, da wir das Thema an anderer Stelle ausführlich behandeln (z.B. im Buch "Fokus-Stacking" und in der Zeitschrift "Traumflieger Makrowelt").

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 12-40mm/2,8 - 70mm - ISO 400 - f2,8 - 1/50s - 1/200s - je ca. 20'er-Stack - Teils LED-Ringleuchte bzw. Mehrfachbelichtung

Verschiedene Lichtvarianten, die ich ergänzend mit einer Ringleuchte (Dörr DL 232) erzeuge. Wobei die 6. Variante eine Verrechnung von Variante 5, 1 und 3 darfstellt. Genutzt wurde ein Olympus M.Zuiko 30mm/3,5 Macro.

1):Das Fliegenpilzduo wird ohne Zusatzbelichtung aufgenommen. Die Unterkappe wirkt zu dunkel und zeichnungsarm, das Umfeld brennt teils aus.

2) Frontales Licht via Ringleuchte. Die Unterkappe wirkt schattenarm. Es fehlt aber etwas Licht auf den Oberkappen und das Umfeld wirkt zu dunkel. Zudem kommt wenig Lichtstimmung auf!

3) Die Flächenleuchte wird seitlich aber noch etwas frontaler gehalten. jetzt zeigt sich in der Kappe des größeren Fliegenpizes ein Schatten vom Stiel, der das Motiv etwas griffiger darstellt, möglicherweise aber etwas von der Kappenstrukture verdeckt und daher ablenken kann. Insgesamt wirkt das Umfeld noch zu dunkel.

4) Die Flächenleuchte wird seitlich rechts gehalten. Der Untergrund erhält so etwas mehr Licht aber die Stiele werden etwas überbetont.

5) Die Flächenleuchte wird direkt über die Pilzkappe des großen Fliegenpilzes gehalten. Das führt zu einem leichten Durchlicht mit orangem Kappenrand. Das Licht sorgt auch für einen feinen Farbverlauf und erhält weiche Schattierungen. Im Umfeld brennen aber einige Details auf dem Laub aus.

6.) Hier wird die Variante Nr. 1, 3 und 5 miteinander kombiniert und die Lichtvorteile genutzt bzw. Problemzonen wie überstrahlte Blätter am Boden bzw. im Hintergrund eliminiert

 

 

Die Kamera wird hier an einem Stativ mit umgedrehter Mittelsäule sowie an einer Langschiene mit Dualklemme montiert. So kann die Kameraposition noch frei verschoben werden. Hier nutze ich eine Olympus OMD EM1 Mark 2 sowie ein M.Zuiko 30mm/3,5 Macro sowie einen Kabelfernauslöser.

 

Frontalaufhellung mit Hilfe einer Ringleuchte (Dörr DL 232). Hier erzeuge ich die Lichtvariante, wie sie oben im Bild-Nr. 2 zu sehen ist.

Generell gilt es abzuwägen, wie viel vom Umfeld im Bild gezeigt werden soll. Einzelne Pilze lassen sich z.B. mit längeren Telebrennweiten bzw. Makroobjektiven auch stark vom Umfeld isolieren, so dass das Umfeld zeichnungsarm bzw. fast abstrakt erscheint. Das hat den Vorteil, dass nichts oder wenig vom Pilz selbst ablenkt. Allerdings kann dann der Zusammenhang und Lebensraum leiden. Bei besonders attraktiven Pilzen spiele ich daher mit unterschiedlichen Brennweiten verschiedene Varianten durch und kann mich später dann zwischen ihnen noch entscheiden oder mehrere verwenden. Nutze ich z.B. mein Standardzoom in Weitwinkel-Position, dann wird der Hintergrund durch helle Bildbereiche schnell problematisch, weil sie vom Hauptmotiv ablenken. Hier optimiere ich später durch Bildnachbearbeitung und decke zu helle Bereiche ab. Oft sehr effektiv ist auch eine Aufhellung des Pilzes mit einer Flächen- oder Ringleuchte, da so das Hauptmotiv mehr Licht erhält und das Umfeld automatisch abdunkelt.

 

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 12-40mm/2,8 - 12mm - ISO 400 - f2,8 - 1/200s - 12'er-Stack - Mehrfachbelichtung mit LED-Ringleuchte - Hintergrund separat abgelichtet

Ein Riesenschirmling (Parasol), der aus tiefer Bodenperspektive und via Weitwinkel den Blick unter die Kappe ermöglicht. Das Umfeld lenkt nicht weiter ab. Die tiefe Position hebt zudem die Kappe und einen Bereich des Stiels über die Horizontlinie, so dass sich der Pilz klar zum Umfeld absetzt. Die Kappe überstrahlt nicht, danke Aufhellung der Untekrappen ist hier genügend Zeichnung erkenbar. Der Stil ist hell, leicht schattiert aber weist keine Problembereich auf. Zudem wird der Parasol im goldenen Schnitt komponiert, so dass er nicht zu mittig platziert ist. Auch Boden und Himmel sind in einem ausgewogenen nicht zu egalen Verhältnis komponiert (Boden hat ca. 1/3 Anteil vom Himmelsbereich).

Pilze stehen nicht immer direkt am Boden sondern sitzen auch auf Holzstämmen bzw. Stubben auf. Solche Pilze fotografiere ich bevorzugt, weil sie meist deutlich einfacher zugänglich sind. Hier lässt sich regelmäßig ein Stativ heran stellen und eine Unterkappenperspektive einnehmen. Stockschwämmchen, Schwefelköpfe aber auch Nitrathelmlinge oder Flämmlinge sind typische Holzaufsitzer. Dazu zählen auch beringte Buchenschleimrüblinge, die auf moderndem Laubholz aufsitzen. Sie nehmen das Licht hervorragend an, wenn die Kappen rückseitig durchleuchtet werden.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 200 - f3,5 - 1/100s - 20'er-Stack - Mehrfachbelichtung

Beringte Buchenschleimrüblinge sitzen auf modernden Laubholzstämmen. Oft im Buchenmischwald zu finden. Die Kappen leuchten, wenn rückseitiges Sonnen- oder Kunstlicht durchfällt. Diese Gruppe habe rückseitig via LED-Flächenleuchte beleuchtet und das Licht mit normalem Umgebungslicht gemischt.

Pilze gibt es in fast allen Größenverhältnissen. Größere Vertreter wie Riesenschirmlinge oder Fliegenpilze lassen sich gut mit Standardzooms einfangen, kleinere Vertreter verlangen hingegen teils nach höheren Vergrößerungen, wie man sie z.B. mit Hilfe eines Makroobjektivs erreichen kann. Für manche Minipilzchen kann es sogar sinnvoll sein, ein Lupenobjektiv bzw. ein Makroobjektiv in Kombination mit Zwischenringen und/oder Nahlinse zu nutzen.

Ich bin auf der Pilzfototour meist mit 3 Objektiven unterwegs: das erwähnte M.Zuiko 12-40mm/2,8, ein M.Zuiko 30mm/3,5 Macro und ein 60mm/2,8 Macro. Damit kann ich bei kleinem Gepäck praktisch alle wichtigen Motive bestmöglich erfassen. Zusätzlich habe ich automatische Zwischenringe sowie eine einschnappbare Raynox DCR-250 griffbereit. Die werden beispielsweise bei Schleimpilzen interessant, wenn extremere Vergrößerungen gefragt sind.

  

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 200 - f3,5 - 1/125s - 50'er-Stack - Mehrfachbelichtung

Beringte Buchenschleimrüblinge als Einzelpilze gestackt. Hier wird das besondere Merkmal der schleimigen abtropfenden Kappe deutlich. Um die Kappe zu betonen, wurde ein LED-Licht über sie gehalten und später das Bild als Mehrfachbelichtung entwickelt!

Einzelpilze oder ganze Kolonien finden sich nicht nur an alten Baumstämmen sondern auch vereinzelten Ästen oder Stöcken, die auf dem Waldboden liegen. Hier lohnt ein genauerer Blick. Oft finde ich Stummelfüßchen, die unten gezeigten Zwergknäuelinge oder auch einmal Astschwindlinge. Kleiner Zweige spanne ich auch einmal in eine Klemme an einem Zweitstativ ein. Dann kann ich sie beliebig ins Licht drehen bzw durch freie Positionierung bequem die Perspektive und auch den Hintergrund gestalten. Die kleine Zusatzmühe wird meist belohnt, denn es ist meist aufwändiger, das Hauptstativ exakt zu positionieren als ein schlankes Zweitstativ. Alternativ kann man sich auch einen Stubben in der Umgebung suchen und dort mobile Zweige mit Pilzmotiven darauf ablegen, um sie dann bequemer abzulichten. Auch diese Technik bewährt sich durchaus.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 12-40mm/2,8 @12mm - ISO 200 - f4 - 1/100s - 20'er-Stack - Panorama in mehreren Abschnitten (jeweils gestackt)

Pilz-Großgruppen finden sich gelegentlich an Holzstämmen wie diese herben Zwergknäuelinge. Hier lohnt es, gezielt einzelne Gruppen zu isolieren oder auch - wie hier - ein Gesamtpanorama der Szene abzulichten!

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 200 - f3,5 - 1/100s - 30'er-Stack - Mehrfachbelichtung

Eine gezielt herausgegriffene Gruppe herbe Zwergknäuelinge, die hier ausschließlich via rückseitgem Sonnenlicht beleuchtet werden. Das Glück hat man allerdings nur selten.

Soll die Szene aufgeräumt oder naturbelassen werden? Grobe Störelemente entferne ich durchaus schon vor Ort, wenn etwa ein dickerer Ast die Szene gravierend stört. Kleinere Übeltäter belasse ich aber regelmäßig in der Szene, weil ich eh später am Computer mehr Ruhe habe und so vor Ort dezenter bleibe. Schwer reparierbar sind allerdings gravierende Aufnahmefehler. Dazu zählt vor allem ein schief stehender Pilz, wenn er noch quer zu Bäumen im Hintergrund stehen sollte. Leicht lädierte Pilze können auch noch digital dezent rekonstruiert werden. Gröbere Verletzungen oder gar vergammelte Pilze lasse ich aber links liegen, denn meist finden sich noch hübschere Exemplare im nächsten Dickicht.

Hier wachsen auf einem Stubben Schwefelkäpfe, die sich optimal ablicihten lassen. Dafür nutze ich hier ein Stativ mit umgedrehter Mittelsäule, eine Lumix GX8 sowie die App GSimpleReleasse, mit der sich auch Schärfenreihen ablichten lassen. Das Licht besorgen an zwei Haltearmen ablegbare LED-Lampen.

Müsste ich mich für ein Objektiv entscheiden, würde ich wohl das M.Zuiko 30mm/3,5 Macro wählen. Das ist einfach am flexibelsten und verfügt noch über eine höhere Vergrößerung bis 1,25:1 Abbildungsmaßstab. Fast genauso praktisch aber für mehr Umfeld ist aber auch das Standardzoom M.Zuiko 12-40mm/2,8. Das verfügt über eine erstaunlich geringe Nahdistanz von ca. 10cm Frontlinse-Motiv in allen Brennweiten. Das ist für den Unterkappenblick im Weitwinkel aber auch zur Einbeziehung der Landschaft praktisch. Das M.Zuiko 60mm/2,8 kann hingegen Motive besser zum Umfeld isolieren, es verträgt sich auch besser mit Zwischenringen bzw. einer Nahlinse als die beiden vorgenannten Objektive. Gelegentlich gibt es auch scher zugänglich Pilze wie hochtrohnende Buchenschleimrüblinge oder Austernseitlinge. Dann bin ich über noch mehr Brennweite froh und decke die z.B. über ein M.Zuiko 12-100mm/f4 oder ein Leica 100-400mm/4 - 6,3 ab. In der Praxis habe ich aber oft noch eine Zweitkamera im Gepäck und dann steht die Überlegung im Raum, ob ich tatsächlich auch noch die Teleobjektive für sehr gelegentliche Situationen mitchleppen will.

 

Ein Zweitstativ nutze ich auch gelegentlich, um eine LED-Lampe an einer Taschenlampenhalterung zu fixieren. Die leuchtet dann das Pilzmotiv an, während die Kamera das Motiv via kamerainterner Schärfenreihe erfasst! Hier lichte ich Winterhelmlinge ab!

Neben Kamera, den drei genannten Objektiven, Kabelfernauslöser sowie ein Stativ mit Langschiene und Dualklemme (oder Traumflieger Intellishoot Einstellschlitten) ist für mich auch Camping-Hocker regelmäßig auf der Pilzfotour dabei. Einfach weil ich doch einige Zeit bei einer Pilzgruppe verweile und es schlicht bequemer ist, sich auf einen trockenen zu setzen. Dabei hat sich ein Campinghocker von Walkstool bewährt vor allem weil er fest verschraubte Gummistopper besitzt. Ich habe schon einen Dreibein "vermurkst", weil mir ein Gummistopper im sumpfigen Untergrund stecken geblieben ist und der dann verloren ging.

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 200 - f3,5 - 1/100s - 30'er-Stack - Mehrfachbelichtung

Auch vermeintlich unscheinbare Pilze wie diese geweihförmigen Holzkeulen können faszinierend sein. Hier besteht die Herausfordnerung, im selben Motiv sehr dunkle und helle Tonwerte zu bewältigen. Da das Motiv mobil ist, kann ich den Hintergrund über freie Platzierung fast beliebig gestalten. Hier wähle ich einen unscharfen Himmel-Boden-Hintergrund, was das Motiv etwas erdet!

Ein Makrofernglas (Pentax Papilio) habe ich meist auch auf der Pilzfototour dabei. Damit kann ich nicht nur sehr kleine Motive viel besser ausfindig machen und schwierige Merkmale identifizieren sondern auch entferntere Motive gezielter erkennen, ohne gleich ins Dickicht einsteigen zu müssen. Oft finden sich auch unscheinbare Minipilzchen im Untergrund. Ob sie sich wirklich lohnen und interessante Merkmale erkennbar werden, zeigt sich am besten in der vergrößerten Nahansicht. Hier könnte ich zwar auch die Lupenfunktion im Kameralivebild nutzen aber es ist viel schneller und optisch auch eindrucksvoller, einen Blick durch das Makrofernglas zu werfen.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 640 - f3,5 - 1/100s - 25'er-Stack

Bequem erreichbar für die Kamera sind diese Goldrüblinge, die aus einem Stubben herauswachsen. Hier wurde das natürliche Umgebungslicht per EBV herausgearbeitet. Dabei ist dann ein niedriger ISO-Wert hilfreich!

Ein  Tablet nutze ich ebenfalls gerne. Oft kann ich dann im großen Livebild Details und Gestaltungsmerkmale besser erkennen als am kleinen Kameramonitor. Leider hat Olympus hier Einschränkungen, denn die App Olympus ImageShare unterstützt die kamerainterne Schärfenreihe nicht aus der App heraus. Ich muss also vorher die App beenden was die Anwendung etwas umständlich macht. Canon und Panasonic haben die App-Steuerung besser gelöst und unterstützen auch Fokus-Bracketing in der Hersteller-App während Nikon und Fujifilm ähnlich wie Olympus mir bekannte Modelle nicht mit der automatischen Schärenreihe unterstützen.

 

Olympus OMD EM1 II - M.Zuiko 30mm/3,5 Macro - ISO 200 - f3,5 - 1/100s - 30'er-Stack - LED-Ringleuchte seitlich gelegt

Bei manchen Pilzen lohnt es, Detials herauszuarbeiten. Etwa bei diesem Ohrlöffel-Stacheling. Der ist nur 2cm hoch gewachsen. Einerseits lohnt es, den Wuchsstandort auf dem Kiefernzapfen zu zeigen (kleines Bild), andererseits zeigt er anstelle von Lamellen, Schwamm oder Poren kleine Stacheln, auf denen die Sporen kleben und was ein echter Hingucker ist!

Eine der wichtigsten Fragen über die Bildschärfe kann ich später leicht lösen, indem ich die gesamte Szenerie als Schärfenreihe erfasse. Dabei gilt die Faustfomel, dass eine durchgehende Schärfe auf dem Hauptmotiv liegen sollte. Also bei einem Pilz von der vorderen bis zur hinteren Kappenpartie Schärfe vorliegen sollte. Ich nutze dabei meist das Programm A (AV), eine kleine Blendenzahl von z. B. f2,8 oder f4, einen niedrigen ISO-Wert von z.B. 100 oder 200 sowie JPEG als Bildqualität. Auf RAW verzichte ich meist aus Speicherplatzgründen, da bei den Schärfenreihen eh mehr als genug an Bildmaterial zusammen kommt. Würde ich auf Schärfenreihen allerdings verzichten, dann sollte die Schärfe regelmäßig beim vordersten bildwichtigen Merkmal liegen. In der Regel also beim größten bzw. vorderen Pilz und auf dessen Kappenfront. Hier kann es dann hilfeich sein, eine etwas größere Blendenzahl von z.B. f5,6 oer f8 (bei Vollformat auch F11) für mehr Schärfentiefe zu wählen.

Was ist die wichtigste Strategie bei der Pizfotografie? Vor allem ein interessantes Motiv zu finden und dafür kann praktisch jeder Pilz herhalten. Erscheint er langweilig, dann durchleuchte ich die Kappe. Ansonsten suche ich die Umgebung näher ab und sammle gerne auch einmal zwei-drei Motive etwa an kleinen Stöckcken, trage sie zusammen und lichte sie in aller Ruhe ab. Manchmal entdecke ich auf einem kleinen Moos- oder Grasstück unzählige Pilzmotive und kann mich da kaum vor retten. An anderen Tagen sind längere Wegstrecken und weniger Motive ausfindig zu machen. So oder so ist es immer ein großer Spaß, der allerdings später auch noch nachbearbeitet werden will. Dazu zählt etwa die Verrechnung einer Schärfenreihe (ich nutze dafür Helicon Focus Pro) sowie Belichtngsoptimierung. Vor Ort am besten auch an eine ggf. nötige Aufhellung und ausgewogene Kontraste sorgen. Also ggf. einen Aufhellreflektor, Flächenleuchte etc. zu nutzen. Später können nicht immer alle Details nachkontrustiert werden. Manche Lamellen sind nur kontrastierbar, wenn seitlich ganz flaches Zusatzlicht einfällt. Auch manche Frontalabschattung kann zu dunkel für eine nachträgliche Bildbearbeitungskorrektur sein. Daher vor Ort am besten mit mehreren Lichtvarianten schon aufnehmen.

Beim Pilzmotiv selbst sollte ausreichend Platz im Umfeld gelassen werden. Also unter und über dem Pilz noch genügend Luft sein, damit er nicht zu eingeengt wirkt. Details wirken für sich stehend selten überzeugend. Besser Sie komponieren einen Pilz oder eine Pilzgruppe im Umfeld stehend aber gut erkennbar. Am wichtigsten ist eine klare Erkennbarkeit seiner Gesamtstruktur, ohne dass im Umfeld zu starke Ablenkelemente vorhanden sind.

Wenn es an die Pilzbestimmung geht, dann kann es nötig sein, in Fachliteratur wie Pilzbücher einzusteigen. Gerne nutze ich hier auch die App "Pilze123 (Pro-Version), die über eine gute Datenbankfunktion verfügt und sehr umfangreich ist. Die Qualität der meisten Pilzbilder würde ich allerdings aus ästhetischen Gründen eher im Mittelfeld ansiedeln. Aber da zählt eher die Funktion einer schnellen Artbestimmung und das macht die App hervorragend incl. praktischer Quervergleiche und ähnliche Arten.

Viele Details und und eindrucksvolle Bildbeispiele zeigen wir auch im Buch "Pilze als Kunstwerk - fotografieren, gestalten & inszenieren"

Mehr Infos zur Technik des Stackings erfahren Sie im vielfach hochgelobten Buch "Fokus-Stacking"!

 

Canon EOS 5D - Sigma 14mm/2,8 - f16 - ISO 160 - 0,5s - Einzelaufnahme - LED-Licht via Taschenlampe auf die Unterkappe

Auch wenn ich nicht den Fokus auf Essbarkeit bei der Pilzfotografie lege freue ich mich natürlich auch besonders über einen leckeren Steinpilz wie diesen hier, den ich in der Fischbeker Heide entdeckte! Etwas Aufhell-Licht via warmtoniger LED-Lampe bringt eine gute Erkennbarkeit des Kappenunterseite!

 

 


 

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Dieser Report wurde am Mittwoch, 23. Oktober 2019 erstellt und zuletzt am Mittwoch, 23. Oktober 2019 bearbeitet.


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