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Leica SL3-P im Praxistest: 44 Megapixel als idealer Mittelweg?

Leica SL3-P im Praxistest: 44 Megapixel als idealer Mittelweg?

Mit der Leica SL3-P positioniert Leica eine 44-Megapixel-Kamera zwischen der hochauflösenden SL3 mit 60 Megapixeln und der schnellen SL3-S mit 24 Megapixeln. Das neue Vollformatmodell soll hohe Detailauflösung mit zügiger Arbeitsweise verbinden und übertrifft die SL3-S bei einzelnen Video- und Serienbilddaten sogar. Der Test klärt, ob diese Kombination tatsächlich den idealen Mittelweg darstellt oder eher Kompromisse verlangt.

Die wichtigsten Punkte

  • Der 44-Megapixel-Sensor sitzt in einem 860 Gramm schweren, nach IP54 geschützten Magnesium-Aluminium-Gehäuse.
  • Serienaufnahmen sind mit bis zu 40 Bildern pro Sekunde möglich; zusätzlich unterstützt die Kamera 8K-Video.
  • Der elektronische Sucher bietet 5,76 Millionen Bildpunkte, 0,76-fache Vergrößerung und wahlweise 60 oder 120 Hertz.
  • CFexpress-Karten vom Typ B und SD-Karten nach UHS-I- oder UHS-II-Standard können parallel als Speichermedien eingesetzt werden.
  • Der rückseitige Monitor ist neigbar und touchfähig, lässt sich aber nicht zur Seite schwenken.

Positionierung, Preis und Gehäuse

Der ausführliche Leica-SL3-P-Test ist auch als Premium-E-Book erhältlich. Die PDF-Fassung enthält zusätzlich eine Tabelle mit detaillierten Einzelnoten sowie zwei Diagramme, die Stärken und Schwächen der Kamera direkt gegenüberstellen. Außerdem werden drei alternative Kameramodelle vorgestellt und deren jeweilige Vor- und Nachteile im Vergleich zur SL3-P erläutert.

Preislich gehört die SL3-P klar in die Oberklasse. Für das Kameragehäuse werden knapp 6.000 Euro fällig; zusammen mit dem Vario-Elmarit-SL 1:2,8/24-70 mm Asph. liegen gut 7.000 Euro in der Hand. Dafür gibt es ein besonders widerstandsfähiges Leichtmetallgehäuse mit IP54-Zertifizierung.

Optisch, bei der Bedienlogik und bei vielen technischen Details liegt die SL3-P sehr dicht an der Leica SL3-S. Deshalb wurden einzelne Passagen des SL3-S-Tests für dieses Modell überarbeitet. Abweichungen werden im Test ausdrücklich herausgestellt; sämtliche Messungen stammen jedoch neu von der SL3-P.

Mit 860 Gramm Gewicht sowie rund 14 Zentimetern Breite, 11 Zentimetern Höhe und 8,5 Zentimetern Tiefe fällt die knapp 6.000 Euro teure Kamera ausgesprochen groß und massiv aus. Das schwarz beschichtete Chassis besteht aus einer Magnesium-Aluminium-Legierung. Die Formgebung wirkt kantig, wird an einigen Stellen aber leicht weicher, etwa am ausgeprägten Handgriff. Seine griffige Gummierung mit zeitgemäßem Muster sorgt für sicheren Halt.

Die robuste Anmutung ist nicht nur äußerlich vorhanden: Durch den Schutzgrad IP54 ist die Kamera gegen widrige Einsatzbedingungen abgesichert. Die erste Kennziffer 5 besagt, dass kein vollständiger Staubschutz vorliegt, eindringende Partikel die Funktion aber nicht beeinträchtigen dürfen. Die zweite Ziffer 4 steht für Schutz gegen Spritzwasser aus sämtlichen Richtungen.

Dieser Anspruch zeigt sich unter anderem am Akku. Der Energiespeicher ist rundum abgedichtet und soll nach CIPA-Norm 383 Aufnahmen ermöglichen – etwa 70 mehr als bei der SL3-S. Auch die Klappe des Kartenfachs besitzt eine Dichtung. Dahinter liegen zwei Steckplätze: einer für CFexpress Typ B und einer für SD, SDHC oder SDXC mit UHS-I- und UHS-II-Unterstützung.

Speicher, Anschlüsse und Energieversorgung

Ein Schwachpunkt liegt bei der Anzeige der Speicherkartenaktivität. Die rote Schreib-LED auf der Rückseite leuchtet so schwach, dass sie bei Sonnenschein praktisch nicht zu erkennen ist. Besonders problematisch ist das beim Formatieren: Die Kamera zeigt den Vorgang nicht auf dem Monitor an und scheint für einige Sekunden nicht zu reagieren. Lediglich die dunkle LED blinkt.

Die Anschlüsse für Kopfhörer, Mikrofon, USB-C und HDMI-A liegen direkt unter großen Gummiabdeckungen. Für USB-C gibt es eine eigene Abdeckung, was sinnvoll ist, weil sich der Akku darüber in der Kamera laden lässt. Dafür genügt bereits ein einfaches 5-Volt-Netzteil mit 0,5 Ampere. Soll die Kamera über USB-C dauerhaft mit Energie versorgt werden, ist dagegen USB Power Delivery mit 9 Volt und 3 Ampere erforderlich. Dieser Standard beschleunigt zugleich das Laden des Akkus. Für schnelle Datenübertragung stehen USB 3.1 und der Mass-Storage-Modus bereit.

Das Verhalten beim Ausschalten ist ungewöhnlich. Ein kurzer Druck auf die Power-Taste versetzt die Kamera zunächst in eine Art Bereitschaftsmodus. Sie lässt sich anschließend durch eine kurze Betätigung des Auslösers wieder aktivieren. Wird der Auslöser dabei weiter gedrückt, entsteht innerhalb von 0,9 Sekunden unmittelbar ein Foto. Bei längerer Ruhephase, beispielsweise über Nacht, fährt die Kamera vollständig herunter. Auch ein längerer Druck auf die Power-Taste bei eingeschaltetem Gerät führt zum kompletten Ausschalten. Dieser Vorgang dauert allerdings auffällig lange – unabhängig davon, ob die Taste kurz oder lang gedrückt wurde.

Sucher und Monitor

Der elektronische Sucher gehört zu den überzeugenden Komponenten. Mit seiner 0,76-fachen Vergrößerung fällt das Suchbild groß aus, während Brillengläser nur wenig abschatten. Trotzdem profitieren Brillenträger von der leichtgängigen Dioptrienverstellung: Ohne Brille lässt sich das Auge näher an die Sucheröffnung bringen, wodurch seitlich einfallendes Streulicht abnimmt.

Das OLED-Panel stellt 5,76 Millionen Bildpunkte dar, reagiert nahezu ohne Verzögerung und arbeitet je nach Einstellung mit 60 oder 120 Hertz. Bewegungen erscheinen dadurch sehr flüssig. Ein Näherungssensor kann den Sucher automatisch einschalten, sobald die Kamera ans Auge geführt wird.

Auch der rückseitige Bildschirm ist großzügig dimensioniert. Er misst 8,1 Zentimeter in der Diagonale, nutzt das 3:2-Format und löst mit 2,33 Millionen Bildpunkten auf. Die automatische Helligkeitsregelung funktioniert gut, alternativ lässt sich die Leuchtkraft manuell anpassen. Im Test erreichte das Panel maximal 740 cd/m² und ist damit rund 20 Prozent heller als der Monitor der SL3-S.

Bei gewöhnlichem Tageslicht und leichtem Sonnenschein genügt diese Helligkeit. In sehr hellen Umgebungen bleibt sie jedoch knapp bemessen; vor allem dunkle Bildpartien sind dann schwer zu beurteilen. Unverständlich ist außerdem, dass die aktuell verwendete Brennweite nicht im Livebild eingeblendet werden kann. Selbst bei der Bildwiedergabe ließ sich diese Information nicht anzeigen.

Unterhalb des großen elektronischen Suchers sitzt ein ebenfalls großflächiger, hochauflösender Touchmonitor. Er lässt sich nach oben und unten neigen und leuchtet ausreichend hell, bietet jedoch keine seitliche Schwenkfunktion.

Damit scheiden Selbstporträts ebenso aus wie der Einsatz des Displays als Videomonitor, wenn die Kamera ohne Bediener vor der Kamera steht. Die Touchsteuerung selbst ist dagegen konsequent umgesetzt: Nicht nur Aufnahmeparameter, sondern auch das komplette Menü lassen sich per Fingertipp bedienen. In diesem Punkt wirkt Leica deutlich moderner als manche Konkurrenz, deren Touchfunktionen noch immer stark eingeschränkt sind.

Bedienkonzept und Menü

Der moderne Ansatz setzt sich bei der übrigen Steuerung fort. Leica verzichtet auf einige vertraute Bedienelemente, was besonders Umsteiger von anderen Marken zunächst irritieren kann. Ein herkömmliches Programmwahlrad fehlt, außerdem sind die meisten Tasten nur sehr zurückhaltend oder gar nicht beschriftet. Wer nicht regelmäßig die Anleitung konsultieren möchte, muss daher anfangs ausprobieren, welche Funktion hinter welcher Taste oder welchem Einstellrad steckt.

Praktisch ist die individuelle Belegung: Wird eine Taste länger gedrückt, kann ihr direkt eine von zahlreichen Funktionen zugewiesen werden. Insgesamt stehen acht programmierbare Bedienelemente zur Verfügung, wobei lediglich eine Taste mit „Fn“ gekennzeichnet ist. Ergänzt wird die Ausstattung durch Play- und Menütaste, Power-Taste, Joystick sowie drei Einstellräder.

Mit den drei Rädern lassen sich die Belichtungsparameter einschließlich der ISO-Empfindlichkeit unmittelbar verändern. Auch der Fokusjoystick zählt funktional zu den frei belegbaren Tasten, da sich seine Druckfunktion anpassen lässt. Nur dieser Druckschalter kann die AF-On-Funktion aufnehmen, und zwar auch dann, wenn die Kamera auf manuellen Fokus gestellt ist. So lässt sich die Scharfstellung vom Auslöser trennen. Für AF-L stehen verschiedene Varianten zur Wahl, darunter AF-S und AF-C. Die achte Funktionstaste befindet sich im drückbaren hinteren Einstellrad.

Das Menü arbeitet mit einer zweistufigen Struktur. Ein Druck auf die Menütaste öffnet zunächst eine Informationsseite mit einem Schnellzugriff auf wichtige Einstellungen. Zusätzlich informiert ein monochromes Display auf der Oberseite über zentrale Aufnahmeparameter. Ein weiterer Druck auf die Menütaste oder eine Drehung am vorderen Einstellrad führt in das Hauptmenü.

Dort werden jeweils fünf Optionen gleichzeitig angezeigt. Die Struktur umfasst sieben Seiten, im Videomodus sind es sechs; die letzte Seite enthält lediglich drei Einträge. Einzelne Punkte führen in weitere Untermenüs, während andere direkt eingestellt werden können.

Insgesamt bleibt die Menüführung überschaubar und wirkt nicht überfrachtet. Das liegt allerdings auch daran, dass Leica auf manche Spezialfunktionen verzichtet, die bei anderen Herstellern selbstverständlich sind. Für bestimmte Anwendungsfälle kann dadurch eine Option fehlen, die wichtigsten Grundlagen sind jedoch überwiegend vorhanden.

Besonders schnell gelingt die Navigation über den Touchscreen. Alternativ kann mit den beiden rechten Einstellrädern seitenweise oder Eintrag für Eintrag durch die Menüs geblättert werden. Auch der Joystick übernimmt diese Aufgabe.

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