Lumix GH3 - erster Detailblick

Lumix GH3 - erster Detailblick

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Die neue Panasonic Lumix GH-3: Wir berichten von ersten Eindrücken und Details zur Funktionstasten- und App-Steuerung!

UPDATE: wir haben jetzt einen ausführlichen Test-Report der GH3 online, der viele neue Hinweise enthält!

kein "kleines" Schmuckstück auf dem Schreibtisch

Schreibtischtäter: Die Lumix GH3 erinnert mich wegen noch immer verbauter Kunststoff-Teile ersteinmal etwas zu sehr an die Lumix GH2

Da liegt sie endlich vor mir auf dem Schreibtisch - die neue Lumix GH3. Nachdem sie mich zusammen mit Christopher auf der Photokina im vergangenen Herbst auf Anbieb begeistert hatte, fehlt jetzt doch das gewisse Etwas. Warum wollte ich sie eigentlich unbedingt haben? Insgeheim lockte mich der Metallbody, die vielen Direktzugriffstasten und eben auch die integrierte WiFi-Funktion, um sie per Remote am Smartgerät zu steuern.

Im Herbst hatte sie noch so edel auf mich gewirkt, jetzt erinnert sie mich ersteinmal etwas zu sehr an die GH-2. Zu sehr deswegen, weil ich die GH-2 zwar funktional sehr schätze aber den Plastikbody nicht lieben kann. Die GH3 ist allerdings kräftiger geworden und bietet viel Metall. Aber sie will doch nicht so ganz die in meiner Phantasie auferstandene kleine Canon 1D sein, die als solides aber eben viel schlankeres Schmuckstück endlich auch in meiner mobilen Fototasche Platz finden soll. Was fehlt der GH3 aber zu einer edlen Mini-1D? Es sind einige Ungeschliffenheiten, Grobheiten, die Panasonic in dieser Preisklasse etwas über 1.000 Euro wohl nicht vermeiden konnte.

halbedler Materialmix aus Metall und Kunststoff

Die Schwenkmonitor-Fassung ist komplett aus Kunststoff gefertigt und bietet zwei nur schwer ertastbare Griffmulden,  um das Display aus der Arretierung zu lösen und aufzuschwenken. Der Monitor ist zudem ein wenig wacklig - oder besser gesagt biegsam - aufgehängt, zumindest verschiebt er sich bei Druck oben oder unten auf den Rahmen etwas. Dagegen sitzt der Schwenkmonitor einer EOS 650D schon deutlich solider in der Aufhängung. Wenig ergonomisch ist auch das eine Idee zu tief in den Griff eingelassene Daumenrad, das sich deswegen nicht wirklich komfortabel andrehen lässt. Zwei Funktionstasten kollidieren mit der Kante des Klappmonitors und lassen sich so nur griffungünstig mit dem Daumen erreichen. Auch die wichtige DISP-Taste sitzt zu tief im Handgriff. So macht es wenig Spass, mit unnötig viel Anpressdruck die Ansichten zwischen Livebild, Schnelleinstell-Bildschirm und Wasserwaagen-Einblendung durchzusteppen. Am besten gewöhnt man sich gleich an, sie nur mit dem Fingernagel einzudrücken. Panasonic wollte sicherlich versehentliche Änderungen beim Umfassen des Bodys vermeiden, hätte die Taste aber besser an anderer Stelle, z.B. linksseitig unterbringen sollen.

Die Programm-Einstellräder wirken auf mich zwar funktional aber keineswegs schick. Wo ist die feine Metallapplikation mit schimmernden Buchstaben, wie sie noch die GH-2 oder Canon DSLR bietet? Immerhin wirken sie nicht verspielt und scheinen aus Metall gefertigt - edles Material, das Panasonic hingegen beim Ausklappblitz gegen schnödes Polycarbonat (also Kunststoff) eingetauscht hat.

versenkt: So stark eingelassen in den Griff lässt sich das eigentlich tolle Daumenrad nur schwer drehen. Auch die Disp.-Taste bietet zu wenig Hub!

Und trotz der Ergonomie- und Materialkompromisse wirkt sie schon wie kleiner Bolide, liegt auch dank der feinen Belederung gut in meiner grossen Hand. Und ja, ich find die vielen Direktzugriffstasten und die noble Vielzahl der Einstellräder (gleich 3) klasse. Leider ist sie ziemlich schwer, 550gr plus Objektiv wie etwa dem 14-140'er-Zoom ergeben ein gutes Kilogramm. Vom kleinen und angenehm leichten Schmuckstück bleibt also nicht viel übrig. Parallel liegt neben mir die deutlich günstigere EOS 650D auf dem Schreibtisch. Die macht sich keineswegs schlechter in der Hand und wirkt erstmal ähnlich wertig. Auch sie bietet eine Mixtur aus Metall und allerdings noch mehr Kunststoff, teils schick, teils eher gewohnte Kost. Gross sind die gefühlten, haptischen Unterschiede zur Lumix GH3 aber nicht.

Update: Nachdem ich mir jetzt den Batteriegriff und auch eines der lichtstarken Zoomobjektive mit f2,8 zugelegt habe, kommt doch Begeisterung auf. Der Batteriegriff bringt nochmal einen haptischen Qualitätschub, baut eine sehr feste Verbindung zur GH3 auf und steigert den Griffkomfort erheblich. Jetzt ähnelt das ganze doch schon sehr einer Mini-1D!

Kann man den elektronischen Sucher wirklich lieben?

Dann fällt mein Blick durch den elektronischen Sucher. Puh, fast schon harsch hämmern die Pixel auf meine Netzhaut ein. Trotz 1,7 Megapixel-Auflösung sind die Dioden noch zu erkennen. Keine Spur von analoger Weichheit klassischer Optiksucher. Dafür ist er schön gross, etwa so wie an meiner EOS 6D oder 5D III.

Natürlich freu ich mich auch über die Vorteile des OLED-Displays, denn jetzt kann ich auch eine schön grosse Zweiachsen-Wasserwaage einblenden, Bilder via Playfunktion betrachten und praktisch alle Menüeinstellungen vornehmen, ohne den Blick vom Sucher abzuwenden. Wird man den elektronischen Viewfinder wirklich auf Dauer mögen? Immerhin kann ich dort beim Filmen in sonnigen Umgebungen mehr sehen als auf einem Kameramonitor. Aber er hat einen Lag, eine Verzögerung bei Schwenks, soweit die Belichtungszeit unter 1/20s fällt, was vor allem bei Dunkelheit der Fall ist. Bei manchen Kunstlichtquellen kommt es auch zu einem Flackern.

Auch mit dem Weissabgleich scheint er es bei Kunstlicht im Livebild nicht so ganz genau zu nehmen. Das aufgenommene Foto wirkt meist etwas wärmer und erst nach der Aufnahme scheint sich der Sucher dann anzupassen. Als Nachtsichtgerät taugt er nur bei ausreichend lichtstarken Objektiven und soweit eine Mindest-Restlichtmenge vorhanden ist. Fällt sie unter eine kritische Helligkeit etwa von Vollmond- oder Kaminfeuer-Licht, dann nützt der Sucher nicht mehr als Nachtsichtgerät. Ich kann dann selbst mit auf Anschlag aufgedrehten ISO-Werten nicht mehr als mit unbewehrtem Auge in der Nacht erkennen.

Fasziniert bin ich aber von der Möglichkeit, via Dreh am Scharfstellring sofort in die 10x- oder 5x-Zoomansicht zu gelangen. Damit kann man sehr genau bei Fokusproblemen nachjustieren. Das funktioniert sowohl im AF- als auch manuellen Betrieb. Klasse auch, dass man im elektronischen Sucher ein viel grösseres Bild als auf dem Kameramonitor vor Augen hat, da kann man sogar ohne Zoomansicht schon sehr genau fokussieren, selbst mit adaptierten Canon-Objektiven z.B. via MFT-Canon-Adapter (die man auch via Zoomansicht nutzen kann).

elektronischer Sucher: Der elektronische Sucher hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Er kann mit der analogen Weichheit opitscher Sucher sicherlich nicht mithalten, verbucht aber durch Livebildvorschau eingestellter Kameraparameter Vorteile, zeigt ein 100%-Bild und ist angenehm gross (links unten ein Foto vom Sucherblick!).

die grosse Freiheit durch Funktionstasten

Jetzt will ich aber endlich wissen, mit welchen Funktionen sich die 5 Direktzugriffstasten belegen lassen. Warum zur Hölle hat darüber bislang kein Testbericht und noch nichteinmal der Hersteller geschrieben, was man dort im Einzelnen nun drauf legen kann? Endlich finde ich auf dem Touchscreen den Eintrag "Fn" mit Schraubenschlüssel-Icon. Ein leichter Fingertipp reicht und schon zeigt sich eine 10-seitige Liste mit überwiegend  4  Einträgen. Insgesamt satte 39 Menüpunkte, die man einer der 5 Funktionstasten zuweisen kann (eigentlich sind es 7 Fn-Tasten, wenn man die zwei Software-Schaltflächen dazurechnet). Viel mehr Freiheiten also, als Canon es bietet. Canon hat ja mit der EOS 7D und später auch an der 5D III, 1Dx bzw. EOS 6D die Customsteuerung eingeführt, mit der man ebenfalls einige Tasten individuell aber jeweils unterschiedlich teils mit starken Einschränkungen belegen kann. Bedauerlich, dass Canon hier soviele Einschränkungen und für meinen Geschmack insgesamt zu wenig brauchbare Funktionen anbietet. Panasonic kann hier den Vorteil eines ganz neu entwickelten Systems ausspielen und bietet endlich einen Direktzugriff z.B. auf die Reihenbelichtungsfunktion (von 3, 5 bis 7 Bilder), Schärfentiefenvorschau (mit Permanent-Funktion), künstlichen Horizont, One Touch RAW+JPEG, Bildgrösse und Qualität, Serienbildgeschwindigkeit, Selbstaulöser Vorwahl, HDR-Funktion, Blitzlichtmodus, Video-Parameterzugriff, Histogramm und Gitterlinien..um nur einige zu nennen. Ist das jetzt wirklich so toll?

Naja, erstmal finde ich die Reihenbelichtungfunktion interessant. Leider muss man aber stets vorher am Moduswahlrad die Funktion aktiviert haben. Aber dann lässt sich per via Fn-Taste immerhin schnell entscheiden, ob 2, 3, 5 oder 7 Belichtungen haben will. Und nein, eine Kombination aus Selbstaulöser und Reihenbelichtung bietet die GH-3 nicht, warum hat Panasonic diese bei Canon DSLR so praktische Funktion ausgeschlossen? Ähnlich blöd ist der viel zu geringe, maximale Spreizwert von 1 EV. Das bedeutet unnötig viele Reihenaufnahmen, um bei hohen Kontrasten daraus später HDR-Bilder zu entwickeln. Canon bietet hier als kleinstes Maximum einen viel praxisnäheren 2 EV-Spreizabstand. Immerhin ermöglicht die GH3 sieben Stufen mit 1EV-Abstand, die z.B. bei der Olympus OM-D EM-5 hier nochmals auf 0,67 EV gnadenlos beschnitten sind. Speichert die GH-3 die 7 Reihenaufnahmen auch flott genug? An der GH-2 musste ich oft genug vor allem bei Panoramen warten, bis sie die 7 RAW-Bilder auch auf der Speicherkarte abgelegt hatte. Sie schaffte auch an schnellen SD-Karten maximal 10 MB/Sek. Zum Glück unterstützt die GH-3 jetzt auch Ultra High Speed (UHS-1) und ist so praktisch sofort wieder aufnahmebereit. Ein echter Fortschritt!

Himmel und Hölle bei der Remotesteuerung

ziemlich mikrig: Die Smartgeräte-Steuerung ist zwar prinzipiell super aber warum wird das Livebild hier am Android-Handy bloss nur so klein dargestellt (wird auch bei Querformat-Handyausrichtung nicht grösser dargestellt) ?

Jetzt kann ichs aber kaum erwarten, endlich die GH-3 mit der App "Lumix Link" zu steuern. Ich lade sie zunächst auf mein Samsung Galaxy S3 aus dem Google-Playmarket, starte die Wifi-Verbindung aus dem Menü der Lumix und gebe in den Wifi-Einstellungen meines Handys das Passwort ein. Die Verbindung steht und dann starte ich die App. Ein paar Sekunden später zeigt sich auch schon das Livebild auf dem Smartgerät. Puh, viel zu klein, das Livebild ist trotz 4,3''-Handy genauso klein wie auf dem 3''-Monitor der GH-3. Wie sieht es auf dem 7''-Tablet Google Nexus 7 aus? Auch hier zeigt sich ein ernüchterndes Bild: der Monitor wird nur zur Hälfte ausgefüllt, eine Full-Screen-Möglichkeit wird nicht angeboten. Und wehe, ich schwenke die GH-3 ins Hochformat. dann wird es nochmals um die Häflte verkleinert. Das kann die EOS 6D mit der App EOS Remote deutlich grösser und mit der App DSLR-Controller (dann allerdings mit USB-Kabel verbunden) kommt man in den Genuss einer Full-Screen-Darstellung.

Warum also dieses mikrige Livebild mit der Lumix App? Mir wird schnell klar, dass Panasonic die Bandbreite auf maximal 640 x 480 Pixel beschnittten hat und die kann man schlecht grösser aufziehen - Pfui. Immerhin ist die App für das iPad optimierter, hier ist ein deutlich bildschirmfüllenderes Livebild realisiert, wenn man die spezielle Version für das iPad von Lumix Link herunterlädt. Leider habe ich hier doch ein paar Verbindungsprobleme gehabt, die an Android-Geräten (Samsung Galaxy S3 und Google Nexus 7) nicht vorkamen. Später bei einer ausgiebigen Studiosession läuft dann auch das iPad stabil. Ich werde weiter berichten....

Einige Parameter können auch direkt verändert werden. Mann muss sich allerdings entscheiden, ob Blende bzw. Zeit, ISO-Wert oder Weissabgleich manipuliert werden sollen. Ein paralleler Zugriff wird unpraktischerweise nicht angeboten. Das kann die derzeit allerdings nur für Canon DSLR verfügbare App DSLR Controller viel besser, auch die Canon App EOS Remote bietet derzeit nur für die EOS 6D den parallelen Zugriff auf Blende/Zeit und ISO-Wert (mehr allerdings nicht). Immerhin kann man auch einige Parameter in der Lumix App ändern, die Canon nicht anbietet. Dazu gehört die Wahl des Serienbildmodus, die Anzahl der Reihenbelichtungsaufnahmen (incl. Spreizwert), sowie die Art des Selbstauslöserbetriebs. Auch Menüfunktionen zur Art des Bildstils, den Blitzlichtmodus, Bildverhältnis und -qualität, der Belichtungs-Messmethode und Videoqualität können via App verändert werden. Was ich an der Canon App bisher schmerzlich vermisse, geht leider auch bei Lumix Link nicht: man kann kein Videolivebild nutzen. Zwar lässt sich das Video an der GH-3 starten aber nicht mehr gezielt stoppen - ausser durch einen umständlichen Timer-Countdown. Erfreulich allerdings, dass sich die GH-3 via App manuell fokussieren lässt. Sogar der Motorzoom z.B. am 14-42'er Standardzoom lässt sich ändern!

Eine grossformatige Bildrückschau ist nicht möglich, man kann zwar die aufgenommenen Bilder in der Playfunktion am Smartgerät aufrufen und dort auch etwas einzoomen, aber wirklich hochaufgelöst lassen sie sich erst betrachten, wenn man sie einzeln oder in Serie ans Handy oder Tablet übertragt. Und das dauert dann eine Weile. Und nein, RAW-Bilder lassen sich hier weder betrachten noch ans Smargerät transferieren. Gleiches gilt für Videos. Letzteres ist derzeit leider auch aktueller Stand anderer Apps. Mit EOS Remote und auch der App DSLR Controller können aber immerhin RAW-Bilder grossformatig betrachtet werden. Insgesamt bin ich bezüglich App Lumix Link wegen zahlreicher Grenzen etwas ernüchtert, aber einen Mehrwert bietet sie dennoch. Für Makros kann ich jetzt auch endlich die Schärfentiefe auf dem Smartgerät im Livebild beurteilen, ohne permanent die Abblendtaste gedrückt zu halten bzw. in den Videomodus wechseln zu müssen (als Workaround mit der App DSLR Controller).

Parallel PC und App funktioniert via EyeFi

Die Wifi-Verbindung kann auch mit einem PC direkt oder per WLAN-Router aufgebaut werden. Hinbekommen habe ich die Verbindung jedoch weder Daheim noch im Büro, meist heisst die Fehlermeldung dann "konnte keinen Speicherort finden". Ansonsten ist offenbar Voraussetzung für die erfolgreiche Wifi-PC-Verbindung die Installation des im Lieferumfang enthaltenen Programm PhotoFunStudio, mit der man dann den Speicherpfad der zu übertragenden Dateien setzen muss. Leider lässt sich kein Netzwerkpfad sondern nur ein lokaler Pfad definieren.

Canons Weg ist mit der EOS 6D bzw. anderen Canon-DSLR via WLAN-Transmitter oder auch per USB-Kabel viel simpler und funktionierte an zwei Installationen reibunglos.  Nach dem Paring (das Programm EOS Paring muss zunächst einmalig gestartet) kann man in EOS-Utility auch einen Netzwerkpfad zum Speichern der Bilddateien hinterlegen. Die drahtlose PC-Verbindung mit Canon DSLR bietet sogar ein Foto-Livebild, Kameraparametersteuerung, Timer, Mehrfachbelichtungsfunktionen und Videolivebild.

Mein Ziel im Studio ist jedoch der parallele, drahtlose Verbindungsaufbau: Die Livebildsteuerung soll via App am Smartgerät erfolgen, um so einen mobilen Kontrollmonitor mit Touchfähigkeiten zu nutzen; gleichzeitig sollen die Bilddaten jedoch auch an den PC und dann gleich im LAN-Netzwerk gespeichert werden. Das funktioniert an der Lumix GH-3 sogar, wenn man eine EyeFi-Karte nutzt. Klasse! Mit der EOS 6D hat Canon einem diesen Weg verbaut, denn EyeFi und Wifi gleichzeitig sind nicht möglich, sogar eine USB-Kabelverbindung und Wifi schliessen sich bei Canon aus.

Die Angaben zu den Apps basieren auf folgenden Versionen: Lumix Link V 2.12, EOS Remote V 1.0, DSLR Controller V 0.96

Die grundlegende Bedienung der GH3 ist zwar im Prinzip gut beherrschbar, aber es gibt zahlreiche Abhängigkeiten, die man ersteinmal durchschaut haben muss. Z.B. kann man sich mal ins Livebild einzoomen, mal gehts nicht - hängt dann immer vom AF-Modus und der Menükonfiguration ab. Manche Menüführung ist schwierig, wie etwa die Mehrfachbelichtungsfunktion, bei der man in der Standardeinstellung nur per Softwaretaste "Einst." ein Startbild addieren kann. Hält man sich an die Bedienungsanleitung, ist das Chaos garantiert perfekt. Schon an der Lumix GH-2 war die nur als PDF beigefügte Betriebsanleitung in Teilbereichen schwer verständlich und didaktisch katastrophal. Panasonic sollte hier per Firmwareupdate die Bedienung stringenter machen und auch eine bessere Anleitung nachreichen.

durchaus überzeugt: Die Lumix GH3 bietet ein sattes Paket mit Schwenkdisplay, Touchfähigkeiten, vielen Direktzugriffstasten und Wifi-Steuerung. Natürlich ist auch die ommiponente Videosektion zu nennen. Besonders handlich ist die GH3 allerdings nicht mehr und ob ich sie als vollwertigen DSLR-Ersatz nutzen werden, muss sich erst noch zeigen.

Nicht so ganz sympatisch ist mir halt der 2x-Cropsensor im 4:3-Format, der sieht zwar in niedrigen ISO-Werten gut aus aber weiter oben rauscht er dann doch. Tja und mehr Freistellpotenzial hat man mit einer Vollformatkamera und bei Canon eben auch das viel grösse Objektivangebot mit richtig lichtstarken Telebrennweiten. Ich werde weiter berichten...

Der kapazitive Touchscreen spricht ingesamt sehr gut an, fast wie man es von modernen Smartgeräten gewohnt ist. Aber will man Blende oder Zeitwert ändern, kommt er doch ins Stocken, manchmal spricht die ziehende Fingergeste nur zögerlich oder garnicht auf Anhieb an. Das macht eine Canon 650D - derzeit die einzige Canon DSLR mit Touchscreen - oder auch die EOS M viel müheloser. Eingezoomte Bilder für Vergleichszwecke durchzublättern kann teils eine Sekunde lang verzögern. Zahlreiche Menüfunktion setzen an der GH3 sogar zwangsweise die Touchbedienung voraus, um von einem Untermenüpunkt wieder ins Hauptmenü zurückspringen zu können. Ein Lapsus, den Panasonic bald ausbügeln sollte, denn welchen Sinn macht es, wenn man z.B. die Bedienung während des Blicks durch den Sucher vornimmt oder im Winter mit Handschuhen dann wegen fehlender Touchmöglichkeit in der Sackgasse landet? Man kann sich dann nur via halbem Tastendruck auf den Auslöser retten, um komplett aus dem Menü auszusteigen.

Richtig erfreut bin ich, dass die parallele, drahtlose Steuerung per App und der Datentranfer per Eyefi-Karte funktioniert. Damit kann man professionell und drahtlos im Studio fotografieren (am besten ein iPad nutzen, weil die App Lumix Link hier derzeit mit grösserem Livebild optimierter als für Android-Tablets ist). Klasse ist auch die eingebaute Timerfunktion, die die Lumix sogar innerhalb von 24 Stunden weckt und damit Akku-Power spart.

Für grenzwertig halte ich hingegen die nominelle Fotobild-Auflösung. Für ernsthafte Fotografen kommt eigentlich nur das 3:2-Format in Frage (4:3 will doch kein Mensch sehen) und da werden dann nur 14,2 Megapixel angeliefert - für Ausschnitte bleibt dann nicht mehr allzuviel Potenzial. Auch das ISO-Rauschen liegt in höheren ISO-Werten klar wenigstens eine Stufe oberhalb von Vollformatsensoren. Wer JPEG nutzt, bekommt allerdings ein meist glattgebügeltes Bild, das vielleicht erstmal für weniger Irritationen sorgt dafür aber auch viele Details schluckt. Wer den gängigen Fotozeitschriften-Test glaubt, sollte wissen, dass sie solche JPEG-Bilder regelmässig in den Himmel jubeln und hier mit selbstgestrickten Standards wie Visual Noise- oder Deadleaves-Werten zwar noch differenzieren aber nach meiner Einschätzung keine ernstzunehmenden Aussagen machen können. Wer professionelle Ansprüche hat, für den zählt letztlich nur das RAW-Format, um das wirkliche Potenzial einer Kamera zu erkennen. Und hier rauscht es ab ISO 1.600 eben schon erkennbar an der Lumix GH-3. Auch im Video rauscht es unter Low-Light, da wird man mit einer videofähigen Vollformatkamera wie der EOS 6D/5D III/ 5D II oder dem Camcorder Canon Legria HF G10 deutlich rauschfreier bedient!

Für ein abschliessendes Fazit der GH-3 ist es natürlich noch viel zu früh. Trotz der genannten Kritik möchte ich nicht übersehen, dass Panasonic ein unglaublich dickes Leistungspaket mit der GH3 geschnürt hat und man nicht in allen Bereichen Perfektion erwarten kann. In der Summe bin ich schon fasziniert von ihr, muss mich aber noch weiter einarbeiten. Später wird noch ein ausführlicherer Report zu ihr hier auf Traumflieger.de folgen. Update: der Test ist jetzt online hier zu finden!

Übrigens, ein erster Geschwindkeitsvergleich im Autofokus zwischen EOS 650D mit dem 18-135mm STM-Objektiv (ausserhalb der Liveview) und der GH-3 mit dem 14-140'er zeigt, dass beide praktisch gleich schnell sind. Die GH-3 ist vielleicht noch 1/20 Sek. schneller, hats dafür wegen höherer Schärfentiefe des 2x-Crop-Sensor auch gegenüber dem APS-C-Sensor etwas leichter! In der Praxis wird man hier sicherlich keinen Unterschied ausmachen können (siehe hierzu auch den Videoreport DSLR vs Spiegellose "wer hat den besseren Autofokus?"). Nachdem wir jetzt allerdings ganz exakt ausgemessen haben, zeigt sich, dass die Lumix GH3 mit einem lichtstarken Standardzoom etwa doppelt so schnell fokussiert (siehe unseren Autofokustest)

UPDATE: jetzt hab hat mich auch das lichtstarke Standard-Zoom Lumix G Vario 12-35mm/2,8 OiS ziemlich begeistert, siehe unseren Test hier!

weiterführende Links


 


Dieser Report wurde am Donnerstag, 03. Januar 2013 erstellt und zuletzt am Dienstag, 04. Juni 2013 bearbeitet.

Leserkommentare:


Autor: HobbyTobby 10.01.2013 - 18:55:21
Bewertung des Reports: 5 von 5 Sternen!
Dem kann man nur zustimmen, aber alleine macht er das bestimmt nicht. Im Impressum oder so stehen ja noch mehr leutz.

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Autor: Christiane Metz 10.01.2013 - 08:28:42
Ich bewundere Herrn Gross - seine Art, die Dinge zu untersuchen sind einfach hervorragend, es ist eine Freude seine Beurteilungen zu lesen, hochkompetent, maßvoll formuliert, ausgeglichen - einfach toll!!

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