Teil 3 des Praxistestes (zum zweiten Teil hier entlang)

 

7. Studiocheck - es geht nicht ohne

Ganz ohne Testgrafiken unter Studiobedingungen will auch dieser Objektivvergleich nicht auskommen -  die Vorteile durch kontrollierte Situationsgleichheit liegen auf der Hand.

Die Testgrafik wurde aus einer Entfernung von 2,50 Metern vom Stativ mittels Fernauslöser bei Iso 100 und höchster Jpeg-Auflösung vorgenommen. Zur Anwendung - wie auch in den bisher gezeigten Aufnahmen - kam die Standardschärfung in der Canon 300d (Parameter 1). Gezeigt werden hochaufgelöste Ausschnitte aus dem zentralen Motivbereich.

Unter der jeweiligen Brennweite wird die Offenblende und die subjektiv schärfste Aufnahme einer weiter abgeblendeten Stufe des Objektivs gezeigt:

Canon 300mm L
 IS USM
Canon 100 - 400
 mm L IS USM
Canon 70 - 200 / 4,0 L USM Canon 70 - 200 / 2,8 L IS USM Canon 100 - 300mm / 4,5 - 5,6  USM Sigma 135 - 400 mm / 4,5 - 5,6

Brennweite 400 mm

       
 

Offenblende (5,6)

     

Offenblende (5,6)

       
 

Blende 9,0

     

Blende 7,1

Brennweite 300 mm

   

Offenblende (4,0)

Offenblende (5,6)

   

Offenblende (5,6)

Offenblende (5,6)

   

Blende 5,0

Blende 7,1

   

Blende 9,0

Blende 9,0

Brennweite 200 mm
 
 

Offenblende (5,0)

Offenblende (4,0)

Offenblende (2,8)

Offenblende (5,6)

Offenblende (5,0)

 
 

Blende 8,0

Blende 13

Blende 9,0

Blende 6,3

Blende 8,0

Brennweite 100 mm

   
 

Offenblende (4,5)

Offenblende (4,0)

Offenblende (2,8)

Offenblende (4,5)

 
   
 

Blende 5,6

Blende 13

Blende 4,5

Blende 5,6

 

Brennweite 70 mm

       
   

Offenblende (4,0)

Offenblende (2,8)

   
       
   

Blende 13

Blende 4,5

   

Das Sigma 135-400 mm arbeitet bei 400mm fast so gut wie das Canon 100-400 mm, fällt jedoch bei 300mm bzw. 200mm zurück. Bei diesem Objektiv muss also bei den kleineren Brennweiten recht deutlich abgeblendet werden, um ausreichend Bildschärfe zu erhalten.

Wie bereits bei den vorhergehenden Aufnahmen gezeigt, fällt das Canon 70-200mm/4,0  hier deutlich zurück und selbst durch Abblenden ist kein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

Beim Canon 100-400 ist durchweg in allen Brennweiten eine gute Bildschärfe zu erkennen, wobei es auch bei Offenblende sehr gute Ergebnisse zeigt und durch Abblenden nur eine geringfügige Qualitätssteigerung erreicht wird.

Unübertroffen ist die Abbildungsqualität des Canon 300mm - selbst bei Offenblende ergeben sich gestochen scharfe Bilder. Hier ein Vergleich zu dem allgemein sehr hochgelobten Canon 50mm/1,8 II sowie dem "Kitobjekiv" EF-S 18-55mm und dem Canon 28-105mm/3,5 - 4,5 USM, jeweils bei Blende 4,0:

Canon 300mm/4,0 L Canon 50mm/1,8 II Canon EF-S 55mm/3,5 - 5,6 Canon 28 - 105mm/3,5 - 4,5

300mm, Abstand 3 m 50mm, Abstand  50 cm 55mm, Abstand 55 cm 63mm, Abstand 70 cm

Das Canon 70-200/2,8 zeigt eine gemischte Qualität, bei 200mm und Offenblende reicht es nicht ganz an das Canon 100-400mm heran, wohingegen es abgeblendet auch in anderen Brennweitenbereichen die beste Leistung bringt. Jedoch darf hier natürlich nicht der grosse Vorteil der Offenblende von 2,8 ausser acht gelassen werden.

In fast allen Bereichen reiht sich das Canon 100-300 mm ins Mittelfeld ein, liegt es bei 100 mm fast gleichauf mit dem Canon 100-400 mm, so muss es sich von diesem, der Festbrennweite und dem Canon 70-200/2,8 geschlagen geben. Es schneidet jedoch deutlich besser als das Sigma bzw. das Canon 70-200/4,0 ab.

Für weitere Details zu dem jeweiligen Objektiv bitte auf die nachfolgenden Bilder klicken:

Canon 300mm L
 IS USM
Canon 100 - 400
 mm L IS USM
Canon 70 - 200 / 4,0 L USM Canon 70 - 200 / 2,8 L IS USM Canon 100 - 300mm / 4,5 - 5,6  USM Sigma 135 - 400 mm / 4,5 - 5,6


8. Qualitätsverluste durch Telekonverter ?

Mehr Glas durch einen zusätzlichen Telekonverter auf der Linse bedeutet nicht nur weniger Lichtstärke, sondern vermutlich gehen damit ebenfalls Qualitätsverluste einher.

Wie hoch diese Verluste sind, wurde anhand des Kölner Doms einer 55 Cent-Briefmarke ermittelt, die an dem Canon 300mm/4,0 zunächst aus einer Entfernung von 1,50m ohne Telekonverter via Stativ und Fernauslöser aufgenommen wurde. Der Abstand zum Motiv für die Konverter-Aufnahmen wurde dann jeweils soweit vergrössert, dass die Abbildungsgrösse stets gleich blieb.

ohne Telekonverter mit Kenko-Telekonverter Teleplus 1,5 mit Canon 1,4x II mit Canon 2,0x II

Ergebnis: kaum Qualitätsverluste bei Einsatz des Canon 1,4x-Konverters. Etwas deutlicher wird der Unterschied zu der Aufnahme ohne Konvertereinsatz bei dem Kenko 1,5 sowie dem Canon 2,0x.

Das Festobjektiv Canon 300mm erhält mit dem Canon Telekonverter 1,4x die Anfangsblende 5,6. Damit hat es dieselbe Startblende und zeigt mit 420mm fast denselben Abbildungswinkel wie das Canon 100-400mm bei Brennweite von 400mm. Ein Schärfevergleich des Briefmarkentestbildes zeigt, dass die Festobjektivkombination dem Canon 100-400mm noch leicht überlegen ist:

Canon 300mm + Telekonverter Canon 1,4x Canon 100-400mm bei Brennweite 400mm (ohne Konverter)

 

 

9. Fazit

Trotz der grossen Preisdifferenz der "Low-Class"-Objektive zu den L-Optiken können das Canon 100-300mm und das Sigma 135 - 400mm leistungstechnisch den hochpreisigen Konkurrenten durchaus Paroli bieten. Beim Sigma gilt dies zumindest für die Endbrennweite von 400mm, die bei der wichtigen Offenblende mit dem Canon 100-400 L gleichauf liegt. Das Canon 100-300mm erreicht eine als überraschend zu bezeichnende Platzierung im Mittelfeld. Kann es zwar bei der 300mm-Brennweite mit den L-Objektiven nicht ganz mithalten, so nähert sich die Leistung bei den unteren Brennweitenbereichen weiter an und liegt mit dem Canon 100-400 L bei 100mm auf einer Linie. Sein geringes Gewicht in Verbindung mit dem schnellen Ultraschallmotor machen es zu einem angenehmen Partner im alltäglichen Gebrauch.

Die grosse Leistung des Festobjektives Canon 300mm/4,0 stellt es als deutlichen Favoriten seines Brennweitenbereiches heraus. Auch für Nahaufnahmen überzeugt es mit bester Abbildungsqualität, die selbst dem Canon 50mm/1,8 II überlegen ist. Wer Wert auf grösste Bildschärfe legt, dürfte über kurz oder lang an einer Anschaffung dieses Objektives kaum vorbei kommen.

Wer auf hohe Lichtstärke angewiesen ist, muss für den gebotenen Brennweitenbereich beim Canon 70-200/2,8 relativ viel Gewicht tragen und tief in die Tasche greifen. Für den Preis wäre bei Offenblende mehr Bildschärfe zu erwarten gewesen, zumindest erreicht es bereits bei leichtem Abblenden die grösste Leistung in seinem Brennweitenbereich.

In allen Bereichen mit guten Abbildungsleistungen zeigt sich das Canon 100-400 mm als Allrounder im gebotenen Brennweitenbereich, das auch bei Offenblende zu überzeugen weiss. Wer sich an den Schiebezoom, der nicht ganz unempfindlich gegen Sandkörner ist, gewöhnen kann, bekommt ein hochwertiges Arbeitsgerät geboten.

Fast schon als Ausfall kann das Canon 70-200/4,0 bezeichnet werden. Ob dies auf eine Fertigungsstreuung zurückzuführen ist, war in der Kürze der Zeit durch Beschaffung eines Ersatzobjektiv nicht mehr festzustellen.

UPDATE: wir haben im offenen Objektivtest zwei weitere Canon 70-200/4,0 testen können, danach ergibt sich eine deutlich bessere Abbildungsleistung, siehe hier

Nicht unerwähnt sollte natürlich der teils eingebaute Bildstabilisator der L-Objektive bleiben. Sein Einsatz macht nicht nur bei einem nahezu verwacklungsfreien Blick durch den Sucher Spass - er kann in kritischen Lichtsituation auch die Aufnahme retten.

Das Schlusswort erhalten die Telekonverter. Obwohl der Kenko-Teleextender kaum ein Drittel des Canon-Konverter kostet und nicht speziell für die L-Objektive gebaut wurde, kann er immerhin mit dem Canon 2,0 von der Abbildungsleistung mithalten. Zudem verheimlicht er der Kamera-Elektronik die verkleinerte Startblende und ermöglicht so nicht nur den vollen Autofokusbetrieb, sondern ist mit allen Objektiven kompatibel. Wer Wert auf grösstmögliche Abbildungsleistung legt, dürfte zumindest für die L-Objektive vermutlich dennoch eher zu den Canon-Extendern greifen wollen.


10. Wie ist das möglich ?

Dieser Testbericht liess sich natürlich nur mit der Zusammenarbeit von Canon und Afa-Fotohandel e.K. verwirklichen, denen mein ausdrücklicher Dank gilt. Die Gelegenheit, eine solche Anzahl von hochwertigen Objektiven zu testen, wäre ohne sie nicht möglich.

Afa-Fotohandel e.K. ist ein Händler, der für einige Preisüberraschungen gut ist. Die gängigen Preissuchmaschinen übersehen ihn gerne und er unterbietet manchmal die dort gezeigten Preise:

www.afa-fotohandel.de


11. Leserkommentare zu diesem Testbericht

 

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