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 Eigenbau-Montage für große Tele-Objektive 

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Hallo zusammen,

ich trug mich schon länger mit der Idee, eine Aufhängung für mein großes Tele selbst zu bauen, da mir die üblichen Marktlösungen (Kugelköpfe, 3-Wege-Neiger) nicht zusagten bzw. mit 700 € + etwas teuer erschienen (Videoneiger, Wimberley-Kopf etc.).

Die foto-üblichen Köpfe und Neiger haben allesamt den Nachteil, daß der Schwerpunkt der Anordnung deutlich über dem Drehpunkt liegt. Das gesamte Drehmoment lastet daher auf der Friktion, und es besteht immer die Gefahr, daß das teure Tele in eine Endstellung kippt und irgendwo heftig am Stativ anschlägt. Auch wenn das nicht passiert, ist die Rest-Elastizität von scheinbar stabilen Stativen und Köpfen immer noch so stark, daß bei großen Brennweiten (hier: mit div. Extendern bis über 1600 mm!) das Ziel beim Betätigen der Klemmung auswandert.

Ineressant fand ich daher den einfachen Telebügel von Manfrotto, und sowas Ähnliches ist es dann bei mir auch geworden. Mein Augenmerk lag dabei auf einer simplen und nicht sonderlich steifen Konstruktion, die kardanisch in den 2 Hauptachsen zu bewegen war. Die Aufhängung selbst sollte so im Schwerpunkt der Kombi liegen, daß diese im Idealfall ohne Friktion in jeder Lage verharrt. Weil die Bauart nicht sonderlich verwindungssteif zu werden brauchte, durfte sie getrost leicht werden (der übrige Kram ist schon schwer genug!); Hauptsache, die Stabilität war gegeben und die Beweglichkeit (Erhöhungswinkel) würde für meine Zwecke ausreichen.

Wenn ich außerdem schon durch Eigenbau sparen wollte, sollte das gleich so ausarten, daß ich das Ding komplett mit Material aus meinen Vorräten als Modellflieger und sonstigen Schätzen aus meiner Geraffelsammlung möglichst ohne weitere Zukäufe sozusagen zum Nulltarif bauen wollte. Das ist mit einer winzigen Ergänzung gelungen, die aber wenigstens auch gratis war.

So, wie das Ding jetzt geworden ist, könnte es jemand mit einem gewissen Blick für die Neuverwendung von Grusch-Teilen, etwas Bastelgeschick, ein paar Werkzeugen und, na ja, einer Dreh- und Fräsmöglichkeit sicherlich nachbauen. Letztere zählt zwar wohl kaum zur Standardausstattung von Hobby-Fotografen, aber vllt. kann ja jemand in der Bekanntschaft aushelfen.

Hier die Kurzbeschreibung:

Gewichte von > 7 kg sollte man stabil auf dem Stativ befestigen können, also kam als Aufnahme für das 3/8-Zollgewinde nur Stahl in Frage. Hier half der Fotohändler mit seiner Grabbelkiste, aus der ich ein solches Stahlteil "erbte". Was mein Beutestück ursprünglich hätte werden sollen, weiß ich nicht; es ist jedenfalls ein Teil in angenäherter Diabolo-Form (Doppelzylinder mit Einschnürung in der Mitte), das ich mit einem dicken Alu-Rundmaterial-Teil aus meiner Modellbau-Grabbelkiste zu einer stabilen Stativ-Auflage "aufmuffte". Diesen Alu-Zylinder habe ich horizontal in 2 Teile zersägt, die über ein dazwischen eingebrachtes Rollen-Drucklager gegeneinander drehbar sind. Das Lager stammt aus einer Rolle eines Bürostuhls, der jetzt etwas kippelig steht Wink . Die obere Hälfte des Diabolos gibt auch die Führung für den oberen Alu-Zylinder ab; die Einschnürung erlaubt erstens die Verbindung beider Zylinder und gibt zweitens die Druckfläche für die (noch nicht ganz fertige) Klemmung ab, die das Drehen um die Vertikalachse notfalls verhindert.

Die eigentliche Halterung des Objektivs ist als Doppelgabel in U-Form ausgeführt und besteht aus den stählernen Tragbügeln zweier HMI-Strahler, wie sie u.a. in Studios etc. benutzt werden. Da die Bügel exakt gleich geformt sind, passen sie nur ineinander, wenn man den äußeren zersägt und seine beiden Hälften in gewissem Abstand zueinander montiert. Dazu dient eine passende Einfräsung im oberen Teilzylinder samt ein paar eingeschnittenen Gewinden.

Der Rest ist einfach: unten in den inneren Bügel kommt über eine Alu-Halteplatte (ebenfalls aus meiner Modellbau-Grabbelkiste) eine verschiebliche Objektiv-Aufnahme (hier: Manfrotto-Prismenschienen-Unterteil) zur Einstellung des Schwerpunkts in Längsrichtung. Die stammt von meinem bisherigen 3-Wege-Neiger. Oben in jeden Schenkel des Bügels kommt ein Gewinde zur Aufnahme einer Klemmschraube (stammt ebenfalls vom Strahler), mit der beide Bügel gegeneinander geklemmt werden können. Dazwischen liegen Friktionsscheiben aus POM (ein Kunststoff, aus dem z.B. Küchen-Schneidbretter gefertigt werden. Meine Frau wird es kaum vermissen..... Wink ). Die Höhe dieser beiden Gewindebohrungen ist entscheidend dafür, daß die Schwenkachse später durch den Schwerpunkt geht, und mit mehreren Gewinde-Paaren kann man den Bügel in der Höhe auch für mehrere Objektive anpassen. Eintscheidend dabei ist die resultierende Höhe des Schwerpunkts über der Manfrotto-Schiene. Ich hoffe, die vorhin im Keller schnell noch geschossenen Bilder geben Aufschluß über die Bauweise. Die Neigewinkel gefallen mir gut, horizontal drehbar ist das Ding sowieso um 360 Grad; Klemmschraube und ggf. Oberflächenbehandlung fehlen noch.

Kaum war ich übrigens so gut wie fertig, hat mich Thomas auf eine käufliche Lösung von Feisol aufmerksam gemacht, die meine Bauart in absolut eleganter Weise in Carbontechnik abbildet. Dagegen sieht mein Machwerk aus wie mit dem Messer aus dem Vollen geschnitzt, aber für mich zählt vorrangig die Funktion, und die muß meine Montage demnächst erst mal in der Praxis unter Beweis stellen. Was "Elegantes" kaufen kann ich dann notfalls immer noch........


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Kamera-Hersteller  Canon Kamera-Modell  Canon EOS 40D
ISO-Wert  1600 Brennweite  17mm
Belichtungszeit  1/20 seconds Blende (F-Zahl)  f/2.8

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EXIF Information  Details
Kamera-Hersteller  Canon Kamera-Modell  Canon EOS 40D
ISO-Wert  1600 Brennweite  17mm
Belichtungszeit  1/30 seconds Blende (F-Zahl)  f/2.8

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EXIF Information  Details
Kamera-Hersteller  Canon Kamera-Modell  Canon EOS 40D
ISO-Wert  100 Brennweite  18mm
Belichtungszeit  1/60 seconds Blende (F-Zahl)  f/2.8

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Gruß

Gerhard
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Hallo GMil,
das sieht doch klasse aus, saubere arbeit. Schöner und teurer geht immer. Ich finde, wenn man etwas selber baut, ist Schönheit zweitrangig.
Hauptsache es ist stabil genug, damit dem Schätzchen nichts passiert und es funktioniert wie man es sich vorstellt. So wie ich es einschätze ist es
stabil genug. Das Objektiv ist ja nicht gerade ein Leichtgewicht.Ist es das 400er?
Ich sehe da ein Schnellwechseladapter,ist das ein Manfrotto? Ich suche auch einen, mit Schwalbenschwanzführung, der auch etwas schwerere Sachen
hält.Wie bist Du mit dem Teil zufrieden und wie ist die Bezeichnung von dem Teil?
Entschuldige das ich abschweife. Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Teil.
Gruß Hubert
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Hallo Gerhard,

eine klasse Anleitung und eine sehr sauber Arbeit, Gratulation und vielen Dank, für Deinen Beitrag.
Ich bin jetzt mal mächtig gespannt, wie es sich im Dauereinsatz macht, vom Grundgedanken wirkt es auf alle Fälle vertrauenerweckend.

Auf den Fotos sehen die Bügel etwas dünn wandig aus, schätzungsweise 3mm, das könnte sich als Schwachpunkt entpuppen.
Wäre ein U-/T-Profil nicht besser geeignet ?
Ggf. könnte man mit einer variablen Schiene als Objektivträger ( Eine Art Gitterrohrkonstruktion ) noch zusätzlich den Schwerpunkt ausbalancieren und Vibrationen könnten sich totlaufen.
Auf ein paar Gramm dürfte es bei dem Objektiv nicht ankommen, notfalls muss das Tchibomobil aufgelastet werden.
Prototyp I ist vom Stapel, jetzt kommt das Finetuning. Wink

Bin gespannt, auf was für Ideen Du noch kommst und werde die Sache mit Genuss weiter verfolgen.

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Gruß
Thomas

Altes Metall und altes Glas. Aber der Kram funzt!!! Wink
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Hallo Gerhard,

ich mag diese Basteleien und Deine ist auf sehr hohem Niveau...
Hatte selbst mal ähnliches vor aber mir fehlt die Zeit.
Deine Montierung ist gleichzeitig schnell einsetzbar und stabil.
Nimm doch nochmal den Mond ins Visier... Wink

Grüße von Ingo

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Chesky

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Hallo Kollegen,

vielen Dank für die positiven Zuschriften!

Jetzt zu den Fragen:

@Hubert: ja, es ist das 400/2,8 IS. Der Schwalbenschwanz mit Prismenschiene ist von Manfrotto. Die genaue Bezeichnung ist mir leider im Moment entfallen, ich weiß aber noch, daß es das Ding in verschiedenen Längen gab. Ich bin damit übrigens gut zufrieden; bisher krönte es den 3-Wege-Neiger. Das große Tele ist übrigens mit 2 mit der Schiene mitgelieferten Schrauben am Prismenteil befestigt, eine davon in 3/8 Zoll (Serie). Damit hält das Objektiv m.E. bombenfest; auch die Klemmung der Prismenschiene ist OK.

@Thomas: Du hast Recht, sowohl mit der Dickenschätzung als auch mit der Annahme, daß ein Profil formstabiler gewesen wäre. Meine Erfahrung mit dem eigentlich soliden 3-Wege-Neiger geht aber dahin, daß man die Montage bei exzessivem TK-Einsatz sozusagen nie genügend stabil geklemmt bekommt, wenn man den Schwerpunkt über dem Drehpunkt hat. Das Problem liegt also m.E. weniger in der ungenügenden Formsteifigkeit als in der physikalischen Unzulänglichkeit der Bauform des Neigers. Umgekehrt heißt das, wenn das Objektiv eh keine Tendenz mehr hat, seine Lage zu verändern, kann auch eine gewisse Elastizität des Materials toleriert werden, ohne daß Nutzungseinbußen auftreten. Zu deutsch: wenn das Objektiv ausgeschwungen in der richtigen Lage ruht, reicht die Stabilität sogar ohne arretierte Klemmung; im Gegenteil. Das Beharrungsvermögen von 5,4 kg Objektiv plus Cam + TK hat vllt. sogar Chancen, winzige Erschütterungen zu kompensieren. In der Tat liebäugle ich sogar noch mit einer Moosgummiplatte zwischen Bügelplatte (das Aluteil auf dem inneren Bügel) und Manfrotto-Montage.

Das ist allerdings Theorie und muß erst verifiziert werden. Fakt dagegen ist, daß ich die Bügel hatte, daß die Dinger relativ gut paßten und daß ich deshalb im 1. Step zu faul war, erst Aluprofile zusammenzunageln....... Wink

p.s.: eine Rohrkonstruktion aus CFK wäre natürlich edel und formsteif, aber ich hasse inzwischen das Epoxyd-Gematsche, und sonderlich gesund isses auch nicht!

@Ingo: ja, besonders die schnelle Einsetzbarkeit gefällt mir gut; außerdem die relativ großen Neigewinkel. Ich will das Ding auch mal auf meinem Einbein probieren, weil da gerade die Neigungsfunktion einen entscheidenden Komfortgewinn darstellt. Bisher mußte ich dazu das komplette Einbein bewegen, was umständlich und vor allem "stolperträchtig" war; ganz abgesehen davon, daß mit zunehmender Neigung immer mehr Gewicht bzw. Drehmoment auf der Haltehand lastete und die Arbeitshöhe dauernd massiv korrigiert werden mußte.

_________________
Gruß

Gerhard
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Für diesen Bericht und die Anleitung möchte ich dir meinen ganzen Respekt ausdrücken. Hast du wirklich gut gemacht. Bei den beiden Aluminium Drehteilen, hast du zwei Gewindebohrungen drin. Sind die für zusätzliche Klemmung vorgesehen?
Gruß
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Hallo Gerhard,
GMil hat folgendes geschrieben:
In der Tat liebäugle ich sogar noch mit einer Moosgummiplatte zwischen Bügelplatte (das Aluteil auf dem inneren Bügel) und Manfrotto-Montage.

Halte ich für eine gute Idee. Ggf. könnte eine Sandwichmethode mit unterschiedlichen Härten bzw. Weichheit noch eine bessere Kompensation bringen.

Im HiFi-Bereich werden immer wieder Schiefer oder Gummi-Sand-Gemische empfohlen, um Vibrationen z.B. von Plattenspielern oder CD-Spielern
fernzuhalten. Gut, da ist viel Voodoo im Spiel, aber grundsätzlich ist ein stabiles Fundament hilfreich.
Viel Spaß beim experimentieren.

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Gruß
Thomas

Altes Metall und altes Glas. Aber der Kram funzt!!! Wink
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@anikin: ja, eine der Bohrungen ist für eine Klemmschraube vorgesehen, die ich gerade in der Mache habe.

Die anderen sichtbaren Bohrungen sind zum einen für die Klemmung des stählernen Innenteils mit dem Fotogewinde im Alu (3 Stück im unteren Aluzylinder), zum anderen für die Fixierung des oberen Aluteils (ebenfalls 3 Bohrungen). Dieses wird damit gegen das untere drehbar, kann sich aber nicht nach oben lösen. 2 der Bohrungen werden für die genannte Fixierung genutzt, die 3. dient zur Aufnahme der Klemmschraube und damit zur Klemmung der horizontalen Drehung. Die oberen Madenschrauben, die ja nicht fest angezogen werden dürfen, weil sie sonst die Drehung auch noch verhindern würden, werden mit je einer 2. Madenschraube so gekontert, daß die Drehung leichtgängig bleibt, ein Lösen des Oberteils jedoch unmöglich wird.

Der "ästhetische" Bastler würde übrigens die Gewinde außen auf ein paar Millimeter Tiefe ausbohren und damit unsichtbar machen, die Kanten anfasen (= brechen) sowie die beiden Zylinderteile außen überdrehen, womöglich sogar mit einem Diamantstahl, was spiegelnde Oberflächen ergäbe. Ich habe mir das -zumindest vorläufig- noch verkniffen. Alternativ könnte man das Ganze auch einheitlich "canon-weiß" lackieren (die Bügel hatten ihre aktuelle Farbe schon vorher).

@Thomas: ja, das sind Optionen für die Zukunft. Erst mal will ich herausbekommen, wie sich das Ding schwingungstechnisch benimmt, so wie es jetzt ist. Die Crux dabei ist u.a., daß jeder zusätzliche Materialauftrag den Schwerpunkt des Objektivs nach oben aus der Drehachse heraus verschiebt. Ich muß also die Aluplatte um den Betrag dünner fräsen, den die Gummierung ausmacht.

Was mir überhaupt noch nicht gefällt, ist die Klemmung der beiden Bügel gegeneinander. Konstruktiv sauber, aber auch aufwendig wären hier 2 POM-Friktionsplatten pro Seite, die am Rücken so ausgefräst sind, daß der jeweilige Bügel darin kraftschlüssig eingreift (POM = Polyoxymethylen, ein rechtformstabiler thermoplastischer Kunststoff, der gut für viele Bastelzwecke geeignet ist). So wäre gewährleistet, daß die POM-Plättchen auf ihrem vollen Durchmesser "tragen" würden, was die Reibkraft deutlich erhöhen würde. Damit wäre gleichzeitig zu verhindern, daß die Gewindestücke der Klemmschrauben innen an den Bügelteilen hervorstehen, was die Gefahr eines Kratzens am Objektiv bei unvorsichtiger Montage in sich birgt.

Das Ganze ist zwar, wie man sieht, ohne großen Konstruktionsaufwand erstellt worden; der Fertigungsaufwand ist aber dennoch nicht zu verachten. Das sei mal kurz an der noch nicht gezeigten Klemmschraube erläutert:

Ausgangsmaterial sind eine M8-Edelstahl-Schloßschraube und ein Kunststoff-Drehknopf aus meiner Sammlung, der in den 50-er Jahren mal für einen Stufenschalter gedacht war.

Die Schraube bekommt vorne ihr Gewinde auf ca. 5 mm Länge abgedreht, sodaß ein um 2 mm dünnerer Zylinder entsteht. Der paßt gut in die Ringnut des stählernen Gewinde-Diabolos, die mittels der 2 anderen Schrauben das Oberteil schon gegen Abziehen schützt. Der Knopf wird durchbohrt und erhält ein 8 mm - Innengewinde. Seine Außenseite wird auf den Durchmesser des Pilzes der Schloßschraube ausgedreht, sodaß der Pilz etwas in den Knopf eintauchen kann. Sodann wird das Gewinde im Knopf direkt nach der Einfräsung auf ca. 5 mm konisch ausgedreht, um Platz für den Vierkant zu schaffen, der sich bei Schloßschrauben direkt an den Pilzkopf anschließt. Damit läßt sich die Schloßschraube jetzt bis zum Anschlag in den Knopf einschrauben. Weil sie sich beim festen Anziehen der Klemmung aber lösen könnte, habe ich sie noch mit 2-Komponenten-Epoxykleber aus der Modellfliegerei in den Knopf geklebt; das spart eine sonst nötige Kontermutter oder Klemmung per Madenschraube etc. Zwischen dem Vierkant und der Konusbohrung ist gut Platz für diesen nicht-schwindenden Kleber.

Der Gesamt-Arbeitsaufwand nur für diese Klemmschraube betrug gut eine Stunde; der für den gesamten Objektivträger etwa 6 Stunden. Aber für einen Rentner ist das Zeitproblem eigentlich eher sekundär (obwohl ich auch Rentner kenne, die gerade das heftig bestreiten würden Very Happy ).

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Gruß

Gerhard
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 Absoluter Respekt 

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Eine tolle Konstruktion - sieht sehr vielversprechend aus. Hast Du bisher schon Erfahrungen sammeln können? Würde mich sehr interessieren.

Gruß Hans-Jörg
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Hallo,

dein Beitrag hat mich inspiriert. Habe direkt eine Zeichnung für meinen Vater angefertigt, damit dieser schauen kann ob er geeignete Gabeln in der U-Form findet.
Habe schon im Internet nach den Halterungen von Strahlern gesucht, die man in Discotheken findet, leider ohne Erfolgt. Zur Not müssen diese selbst hergestellt werden.

Wenn es Neues gibt, schreibe ich nochmal... wir werden sehen. Smile


LG Thomas

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Naturfotograf seit 2009 - www.projekt-naturfotografie.de
Canon EOS 50D | Canon EOS 450D | Canon EF-S 18-55mm | Sigma 150-500mm
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