ein Report von Stefan Gross

RAW-Konverter-Test / Teil 2

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Test 4: Streulicht reduzieren (Kontrast erhöhen)

Test 5: Schärfen
Test 6: komplexe Aufgaben lösen (Shaping)
 

Test 4: Streulicht reduzieren (Kontrast erhöhen)

Ein die Bildqualität herabsetzender, häufiger Störfaktor ist Streulicht. Trotz mattschwarzer Innenauskleidung des Objektivtubus verfangen sich Lichtstrahlen und sorgen für flaue Kontraste und lassen eine Aufnahme schnell fade aussehen. Dagegen helfen nicht immer eine seitlich zur Abschirmung vor die Frontlinse gehaltene Hand oder aufgesteckte Gegenlichtblenden, vor allem dann nicht, wenn in Richtung Lichtquelle fotografiert wird oder eine starke Umgebungsreflexion vorherrscht.

Der Testaufbau zeigt einen Zaunkönig, der durch mehr Gefiederzeichnung und höhere Kontraste sein Charakter zeigen soll. Gleichzeitig ist eine leichte Aufhellung des Schattenbereichs erforderlich.

 

Digital Photo Professional
(DPP)

Adobe Camera RAW
(ACR)

RAW-Shooter essential
 (RSE)

 

   

Zwischenwertung zu Streulicht reduzieren

Auch diese Aufgabe bewältigt der RAW-Shooter am besten, denn der Parameter "Shadow-Kontrast" reduziert nicht die Helligkeit und bringt so die Augenpartie zur Geltung. DPP bietet hingegen zwar eine recht feine Steuerung über die Keypoints in den Gradationskurven, ermöglicht jedoch nur eingeschränkt die Erhaltung der Helligkeit im mittleren Tonwertebereich (Es ist in diesem Beispiel übrigens nicht möglich gewesen, lediglich über eine schlichte Tonwerteingrenzung mehr Kontraste herauszuarbeiten). Bei PS-RAW müssen gleich vier Parameter kontrolliert werden, was die Bearbeitung etwas undurchsichtig macht.

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Test 5: Schärfen

Zu den meist unverzichtbaren und damit wichtigsten Nacharbeiten gehört das Nachschärfen einer Aufnahme. Dabei gilt es, die Balance zwischen zu geringem Effekt und Überschärfe zu finden und einen Kompromiss zum Bildrauschen anzustreben, denn letzterer wird ebenfalls mitgeschärft und kann sich als Störfaktor unangenehm bemerkbar machen.

Die RAW-Konverter sollen zeigen, wie gut deren Schärfungsalgorythmen arbeiten und ob sie das Bildrauschen stark anheben. Dafür wurde ein nicht ganz optimal abgelichteter Eichelhäher bei voller Auflösung im Test untersucht und bei deutlich nachgeschärft. Da viele Anwender die Unscharfmaskierung (USM) unter Photoshop bevorzugt einsetzen, zeigt die ergänzende Bildreihe, wie die Konverter gegen eine USM (Schwellenwert 0, Radius 0,7, Stärke 150) abschneiden.

 

 

Digital Photo Professional
(DPP)

Adobe Camera RAW
(ACR)

RAW-Shooter essential
 (RSE)

200%-Vergrösserung

200%-Vergrösserung
200%-Vergrösserung

Zwischenwertung zur Schärfeleistung

Canon's DPP glänzt nicht unbedingt bei den Schärfungseingriffsmöglichkeiten, da lediglich ein Parameter verändert werden kann und er zudem keine Real-Time-Anzeige bietet. Offenbar hat Canon hier die gleiche Schärfungslogik eingesetzt, wie sie auch beispielsweise intern in der EOS 20D greift und die in etwa die gleiche Leistung wie die USM von Photoshop bietet. Das Bildrauschen wird in beiden Fällen deutlich angehoben.

Der Photoshopkonverter bietet zur Schärfung gleichzeitig zwei Kontrollmöglichkeiten, um Helligkeits- und Farbrauschen zu mindern - die Ergebnisse sind damit in der Summe der USM von Photoshop überlegen, da die Bildergebnisse unmittelbar in Verbindung mit der Schärfung kontrollierbar sind.

Am besten haben uns die Ergebnisse beim RAW-Shooter gefallen*, der zudem insgesamt 4 Parameter zur Schärfung und Rauschreduktion anbietet. Obwohl hier noch eine Idee stärker als bei den beiden übrigen Programmen geschärft wurde, zeigt sich insbesondere beim schwarzen Gefiederfleck praktisch kein Rauschen. Dies mag auch an der Flat-Einstellung des Appearance-Parameters liegen. Selbstverständlich fängt auch der Shooter z.B. bei nachträglicher, stärkerer Aufhellung an zu rauschen und kann ein sorgfältiges Kamerasetup bei der Aufnahme nicht ersetzen.

Ein ergänzender Schärfetest mit 3 weiteren Konvertern (incl. Capture One, Bibble und Breezebrowser) wurde hier vorgenommen.

*Da jedes Grössenformat eine speziell optimierte Schärfung erfordert, mag manchem die 200%-Vergrössung aufgrund der Betonung von Kanten und Glättung von Flächen des RAW-Shooters nicht ideal vorkommen; in der 100%-Ansicht erscheint uns die Shooter-Aufnahme jedoch am besten gelungen (DPP schärft zu gering / PS-Photoshop schärft nicht ganz so brilliant, bietet aber noch einen guten Kompromiss)

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Test 6: komplexe Aufgaben lösen (Shaping)

In einschlägigen Foren wird häufiger die Ansicht vertreten, dass durch die Nachbearbeitungsmöglichkeiten der  RAW-Konverter weitgehend auf externe Software wie beispielsweise Photoshop verzichtet werden könne. Versierte Photoshop-Anwender werden zwar müde grinsen, denn ein Feinschliff wie er u.a. beispielsweise durch Maskierungen und partielle Selektionen unter PS angeboten wird, fehlen bislang in der Toolbox der Konverterprogramme. Dennoch sollten sich die Konverter einer etwas komplexeren Aufgabe stellen.

Der Testaufbau

Die Makroaufnahme einer Pilzgruppe wurde recht kontrastarm bei verfügbaren Umgebungslicht aufgenommen. Dem Original fehlen Lichtvarianzen insbesondere im Kappenbereich und die vorhandene aber kaum sichtbare Einstrahlung soll verstärkt werden. Da es sich nicht um die ganz hellen oder tiefen Bereiche handelt, müssen die Konverter u.a. eine Anhebung der oberen Mitten bewältigen. Daneben soll das Bild an Schärfe und Kontrast gewinnen.

 

Digital Photo Professional
(DPP)

Adobe Camera RAW
(ACR)

RAW-Shooter essential
 (RSE)

Zwischenfazit "shaping"

dem Zielfoto lässt sich mit Canons DPP durch die genauen Eingriffsmöglichen der Gradationskurven am nächsten kommen. Adobes RAW-Konverter und noch weniger der RAW-Shooter lassen sich kaum so einstellen, dass die Pilzköpfe leuchten und lediglich die oberen Mitten verstärkt werden. Klarer Punktesieg also für DPP. Dennoch konnte kein Konverter die Zielvorgabe ganz erreichen, denn unter Photoshop liess sich das Feintuning mittels weichem Aufhell-Brush auf den Kappenränder  am genauesten definieren, ohne einer generellen Bildverfälschung Vorschub zu leisten.

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Printversion (PDF, 1,64 MB, bereitgestellt von Roman A. Knorr)