Panorama Pilzfotografie:
von Wunderbuchen und Zauberpilzen
drei Fototage im Wald - ein Erfahrungsbericht von Stefan Gross

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Bernd nennt sie "Wunderbuche" und mir leuchtet die Bezeichnung sofort ein. Der vermutlich vom Blitz niedergestreckte Riese im Naturpark Elbhöhen-Wendland reckt uns seine moosbepelzten Krakenarme einladenden entgegen. Dekoriert sind sie mit herrlichen Buchenschleimrüblingen, die mit Vorliebe auf modernden Buchen wachsen aber nicht grade häufig zu finden sind. Unglaublich, wie viele der büschelig wachsenden Pilze sich uns wie Blumensträusse präsentieren. Der perfekte Abendteuerspielplatz für Pilzfotografen.

Der Pilzkenner Burkhard Wysekal hat Bernd Rügemer und mich zum mehrtägigen Fototreffen geladen. Alle drei kennen wir uns seit Jahren aus der Fotocommunity. Mit zwei zum Bersten gefüllten Fotorucksäcken reise ich von Hamburg an; das scheint zwar übertrieben aber einige Geräte wollten die beiden gern einmal ausprobieren und ich selbst auf ein grösseres Ausrüstungs-Repertoire zurückgreifen.

Viele Schleimrüblinge sind zwischen den dicken Buchenästen schwer zugänglich, so dass sich das mitgeführte Weitwinkel-Makro (Tokina 35mm/2,8) als praktisch erweist. So lassen sich aus sehr geringer Distanz noch ganze Pilzgruppen erfassen, die anderen Makro-Brennweiten aufgrund höherer Mindestdistanz und kleineren Ausschnitts vorenthalten bleiben.

Bernd und Burkhard setzen meist 100mm- bzw. 150mm-Makroslinsen ein und suchen sich entsprechend freistehende Exemplare aus, während ich zwischen den Stämmen auch Unterperspektiven einnehme. Problem dabei ist das helle Oberlicht, das den Pilzen schnell den Schneid abkauft. Ich setze dem Belichtungsreihen und HDR-Verrechnungen entgegen, bevorzuge aber meist dennoch eine gute Abdeckung durch das Blätterdach.

Der Blick durch den Sucher bzw. auf das Livebild meiner 5D Mark II ist mit unter die Pilzkappen ausgerichteter Kamera kaum mehr möglich, so dass der HD-Monitor Phottix 9HD an die DSLR angeschlossen wird und so die Bildkontrolle erleichtert. Zum Antesten gebe ich Bernd und Burkhard einmal die zur entkoppelten Bildkontrolle ebenfalls geeignete Videobrille Zeiss Cinemizer auf die Nase, doch die finden das DSLR-Livebild am HD-Monitor wegen besserer Auflösung viel überzeugender.

Schärfentiefe

Der grundlegende Workflow ist bei uns Dreien ähnlich. Nachdem der Ausschnitt gefunden und auf das bildwichtigste Pilzdetail im manuellem Fokusbetrieb exakt scharfgestellt wurde, wird die Schärfentiefe überprüft. Als Faustregel sollte sie den Pilz oder die Pilzgruppe vollständig erfassen und den Hintergrund unscharf abbilden. Am besten sind daher Baumstämme, kleine Hügel oder Holzstümpfe mit reichlich Hintergrund-Abstand zum Pilz. Die Bildschärfe und den Schärferaum beurteile ich mit der Liveview-Funktion der 5D Mark II bei gedrückter Abblendtaste und voller Zoomstufe. Wird das Bild zu dunkel, dann lässt es sich durch eine kurzzeitig verlängerte Belichtungszeit meist ausreichend hell und gut ablesbar darstellen. Dafür eignet sich auch eines der Kreativprogramme, die man mit einer längeren Belichtungszeit nur für die Einschätzung des abgeblendeten Livebildes schnell anwählen kann.

Hier zeigt sich die Stärke der DSLR, die auch bei wenig Licht noch ein schön helles Livebild zeigen, während Kompakt- oder Systemkameras dafür nach meiner Erfahrung besonders im dunkleren Wald viel zu lichtschwach sind und das Restlicht auf dem kleinen Bildsensor nur unzureichend verstärken.

Im Nahbereich kann selbst eine hohe Blendenzahl (z.B. von f16) noch zu wenig Schärfentiefe vor allem an grösseren Einzelpilzen oder ausladenden Gruppen bringen, zumindest wenn man sie grossformatig ablichtet. Es lohnt daher, den Pilz ggf. auch aus etwas grösserer Distanz aufzunehmen, um später am Computer eine Version mit durchgehender Schärfe nutzen zu können.

Leider kollidiert eine durchgehende Schärfe auf dem Pilz vor allem mit nahegelegenen und unruhigen Hintergründen, die im finalen Bild zu sehr ablenken können. Nun könnte man später ja den Hintergrund in der Bildbearbeitungssoftware noch selektiv weichzeichnen, erreicht dabei jedoch nicht die Qualität, die ein Bild mit kleinerer Blendenzahl ausgibt. Der bessere Weg liegt in einer doppelten Aufnahme, bei dem der originale Hintergrund mit kleiner Blendenzahl weich aufgenommen und das Hauptmotiv mit höherer Schärfentiefe abgelichtet wird. In der Fusion beider Aufnahmen ist der originale Schärfeverlauf noch vorhanden und Unschärfekreise werden nicht glattgebügelt sondern kreisrund ausgegeben (siehe rechts "Composit 2"). Damit das ganze nicht etwa unausgewogen aussieht, sollten die beiden Aufnahmen feinfühlig ineinander übergeblendet werden. Grundsätzlich bin ich kein Freund solcher Bildeingriffe aber manche Arbeit lässt sich dann ggf. noch retten.

Lichtgestaltung

Ein ablenkender Hintergrund lässt sich auch vermeiden, wenn er weniger Licht als das Pilzmotiv abbekommt. Ideal sind dafür Baumstämme, dichte Tannenzweige und geschlossenes Blattwerk. Bernd und Burkhard meiden zudem meist Unterperspektiven, die den regelmässig hellen Himmel mit erfassen würden. In meiner Praxis mache ich bei Problemhintergründen meist eine dreistufige Belichtungsreihe (AEB-Funktion), die zu einem hochdynamischem HDR-Bild verrechnet wird. Am besten gefällt mir zur Verrechnung noch Oloneo und auch das Lightroom-Plugin "Enfuse". Aus der kürzesten Belichtung übernimmt die Software den idealerweise blauen Himmel, während in der hellste Aufnahme zwar der Himmel ausgebrannt ist, aber nur die dunkleren Motivbereiche schön aufgehellt ins finale Bild übernommen werden.

Mit LED-Taschenlampen lässt sich ausserdem die Helligkeitsverteilung zugunsten des Pilzmotivs verlagern. Burkhard und Bernd haben sie stets griffbereit, um damit auch zu dunkle Unterkappen oder den Stiel dezent aufzuhellen. Bernd nutzt eine Fenix E21 und Wolf-Eye-Storm, die durch ihre neutrale Farbtemperatur tageslichtähnlich wirken und homogen ausleuchten. Oft dosiert er noch den Lichtaustritt mit seinem Daumen auf dem Reflektor oder nutzt eine kleine Streulichtscheibe. Ich selbst setze zwei Wolf-Eye-Storm meist aus fixierter Position ein und betrachte die Lichtwirkung in der Liveview. Sie werden dann solange verändert, bis mir die Gestaltung zusagt und das Bild ausgelöst wird.


Stative und Objektive

Zwei Stative kommen bei mir zum Einsatz: eine Carbonversion von Sirui (M-3204), die ausreichend Stabilität und durch überkippbare Beine auch tief in den Bodenbereich kommt sowie ein Sirui T-005, falls es mal beengter zugeht oder um als leichter Untersatz  den HD-Monitor zu tragen. Bernd verwendet hingegen für seine 5D Mark II mit 100'er-Canon-Makro ein leichtes Slik Sprint Pro mit Kugelkopf (Benro B-2) und kam damit meist sehr gut klar (bis auf das schwergängige Umsetzen der Mittelsäule). Als ich ihm einmal den von mir genutzten Kugelkopf Sirui K-20x lieh, hätte er den allerdings durchaus gegen seinen Benro eintauschen wollen. Für mehrminütige Langzeitaufnahmen hat Bernd auch noch ein schweres Berlebach-Holstativ im Kofferraum, das er gegen Verwacklungsunschärfen bei nächtlichen Baumportraits gerne einsetzt. Burkhard dient als Untersatz für seine Nikon D90 und Sigma 150mm/2,8-Makro ein Feisol-Carbon-Stativ mit Kugelkopf Triopo-B2; eine Kombination, die sich bei seiner langjährigen Pilzfotografie offenbar bewährt hat.

Obwohl ich für viele Aufnahmen zwischen den Ästen gern auf das 35'er-Makro von Tokina zurückgreife, leihe ich mir von Bernd ab und an das Sigma 50mm/2,8-Makro, hatte dann aber auch zunehmend ein Canon 100'er-Makro im Einsatz. Das bewährt sich nicht nur für Making-Of-Bilder, um aus grösserer Distanz und Offenblende die Fotoakteure vor dem Hintergund freizustellen sondern auch für einen schön weichgezeichneten, nicht zu grossen Hintergrund-Ausschnitt beim Pilzmotiv. Je nach Pilzgrösse braucht man dafür allerdings meist einen freien Aktionsradius von wenigstens einem Meter Abstand. Nur einmal nutze ich das längerbrennweitige 180'er-Canon-Makro, weil störende Äste eine grössere Annäherung an ein Trio Buchenschleimrüblinge verhindern.

Die Ulme

Nach mehrstündiger Fotosession drängt Bernd dann auf ein weiteres Motiv, für das er die gerade vorhandene Windstille nutzen möchte. Eine verknorrte alte Ulme ein paar Kilometer weiter wolle er unbedingt in der blauen Stunde lichtmalerisch mittels Power-LED-Lampen in Szene setzen. Da lassen sich bei den langen Belichtungszeiten unfreiwillige Unschärfen in ausladenden Ästen und Blattwerk vermeiden. Es fällt mir zwar schwer, mich von der "Wunderbuche" und den Pilzen zu verabschieden, kann seiner Argumentation aber folgen.

Trotz einsetzenden Regens fahren wir gemeinsam zum "Ulmenhof" und da steht der alte Kamerad. Etwas schwach belaubt aber mit hohlem Stamm, den ich sogleich inspiziere. Hier würde sich ein Innen-Baum-Panorama bestimmt gut machen und so verfrachte ich das Stativ samt Panorama-Kopf (Nodalninja Ultimate R1) bestückt mit dem 15mm/2,8-Sigma-Fischauge hinein und rotiere einzeilig mit 6 Abschnitten um die Achse zuzüglich  Zenit und einiger Bodenaufnahmen. Dabei wird eine dreistufige-Belichtungsreihe via zweisekündigem Selbstauslösermodus für die spätere HDR-Verrechnung mit der 5D Mark II durchgeführt. Frei aus Hand hätte ich nicht nur wegen der langen Belichtungszeit sondern auch der Verrechnungsfehler wegen keine Chance auf ein vernünftiges Baumpanorama gehabt. Pilze wuchsen dort drinnen zwar nicht aber immerhin schön skurille Holzstrukturen.

Dann wird der Regen ungemütlich und wir müssen vorzeitig einpacken...

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Marone mit Blitz

Am nächsten Morgen geht es früh raus. Burkhard hat zusammen mit seiner Frau Simona alles bestens organisiert und nicht nur ein reichhaltiges Frühstück sondern auch drei Fahrräder bereitgestellt. Nach zwei Kilometern stellen wir sie ab und durchstreifen ein Waldstück. Immerhin finden sich ein paar schöne Fliegenpilze und Maronen. Gute Gelegenheit, einmal mit meiner Powershot G12 durch ihre geringe Bauhöhe eine weitwinklige Unterkappenperspektive zu versuchen. Der Autofokus verfängt sich allerdings oft ungewollt im Hintergrund, da nützt es manchmal auch nichts, den Auslöser halb gedrückt festzuhalten und auf den finalen Ausschnitt zu schwenken. Trotz feuchten Untergrunds versuche ich auch liegend mit dem Canon Lupenobjektiv MP-E 65 einige Schwindlinge einzufangen, die kaum einen Zentimeter hochgewachsen fast überall den begrasten Waldboden säumen. Nur Scharfstellen ist sehr schwierig, weil ich leider keinen Makro-Einstellschlitten im Gepäck habe und sich die extreme Makrolinse nur via Distanzänderung fokussieren lässt.

Bernd und Burkhard widmen sich grösseren Pilzen. Dabei achtet Bernd stets auf einen optimalen Hintergrund, der genau in der richtigen Distanz zum Hauptmotiv liegen muss. Blende 16 erfasst den Pilz meist ausreichend in der Schärfentiefe und deutet Hintergrundstrukturen in dezenter Unschärfe an, manchmal kommt auch die schon wegen Beugungsunschärfen kritischere Blende 18 zum Einsatz. Damit keine ablenkenden Bildelemente die Arbeit stören, rupft Bernd den einen oder anderen Halm weg und geht dabei nicht zimperlich vor. Irritiert etwa ein dritter oder vierter Pilz die Gesamtkomposition, wird er kurzerhand entfernt. Burkhard geht da ähnlich zielorientiert vor während ich meist noch an alternative Perspektiven denke, bei denen ein zunächst ablenkendes Kraut womöglich die Komposition wieder bereichert. Insoweit biege ich lieber einen Halm oder dünnstieligen Pilz zur Seite, merke aber doch, dass die Zeit manchmal zu knapp für solche Mätzchen ist.

Nachdem Bernd die Marone von Störelementen befreit und auch Burkhard seine ausgedehnte Fotosession mit Hilfe von Aufhellreflektor und LED-Tachenlampe beendet hat, wird der Standort dankbar übernommen. Obwohl auch ich gerne mit einer LED-Lampe arbeite und die Lichtwirkung dann im Livebild der Kamera genau beurteilen kann, kommt diesmal auch der neue Funkblitzauslöser Phottix Odin zum Einsatz. Der steuert den Kompaktblitz sogar ETTL-gestützt, so dass sich die Lichtleistung beliebig am displaygestützten Sender ändern lässt.

Drei Gruppen könnte man mit dem Odin unabhängig in der Lichtdosierung steuern, aber ich habe nur ein Speedlite dabei und beleuchte damit die Marone einfach jeweils aus verschiedenen Richtungen. Später werden die Bilder dann mit dem Lightroom-Plugin "Enfuse" zu einer reichhaltigeren Gesamtbelichtung verrechnet; das funktioniert auch mit dem Traumflieger DRI-Tool. Blitzlicht kann m.E. auch bei Naturmotiven überzeugen, wenn es nicht zu hart oder lediglich frontal eingesetzt wird. Gegenüber LED-Lampen ist auch die höhere Lichtleistung vorteilhaft, wenn man den Hintergrund gezielt durch eine kurze Belichtungszeit abdunkeln oder Gegenlichtaufnahmen von Pilzgrossgruppen oder Baumstämmen machen möchte.

es knallt

Dann machen wir uns wieder mit den Drahteseln auf den Weg, Bernd ruft nach kurzer Fahrt, dass wir mal warten sollten. Sein Rad würde blockieren. Ich schaue mir das näher an und plötzlich gibts einen ordentlichen Knall; der Fahrradschlauch ist explodiert. Burkhard hatte ihm 3 Bar Luftdruck mitgegeben und meinte, wir können auch so mit dem Plattfuss weiterfahren. Der Schlauch wickelt sich allerdings schliesslich komplett um die Narbe und blockiert vollständig. Also ab nach Hause und mit dem Wagen das nächste Pilzrevier ansteuern.

Nach ein paar vergeblichen Fotoversuchen mit kleinen Dachpilzen an einem Holzstubben erreichen wir einen verwunschenen Fichtenwald mit zahlreichen abgestorbenen Stämmen und überwuchernden Zunderschwämmen. Fehlt nurnoch Vollmond für die perfekte Gruselatmosphäre. Scheinbar ein perfektes Pilzhabitat, doch wir suchen lange, bevor Bernd sich mit einem Bündel Halimasch anfreundet und sie aufwändig inszeniert. Derweil fokussiere ich die Umgebung und nehme einige Kugelpanoramen auf. Vorbeugend gegen Regen sitzt die 1Ds III auf dem Ringadapter Nodal Ninja Ultimate R1. Der hält das Sigma 15mm/2,8 Fischauge, mit dem 6 miteinander verknüpfte Panoramen abgelichtet werden (siehe unten, am besten auf Vollbild-Modus wechseln).

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Der dritte Waldtag

Am Abend hatten wir uns noch nach Zecken abgesucht und wurden natürlich fündig; mehr als von zweien der bissigen und nicht ganz ungefährlichen Viecher wurde aber keiner geplagt. Die Nacht ist klar und frostig, was dem Pilzwachstum nicht unbedingt förderlich ist. Burkhard hat sich mittlerweile an unsere Verspätung zum Frühstück gewöhnt und dennoch müssen wir nicht lange auf Rührei und backofenfrische Brötchen warten.

Im frühmorgendlichen Wald ist es sonnendurchflutet und schon taucht wieder eine "Wunderbuche" auf; diesmal etwas weniger ausladend aber ebenfalls mit einigen Buchenschleimrüblingen besetzt. Die schönste Gruppe hängt allerdings 3 Meter über unseren Köpfen und ich hab dummerweise mein 300mm/4,0-Objektiv und auch das 180'er-Makro aus Gewichtsgründen in der Pension gelassen. Burkhard greift immerhin auf sein 150'er-Makro mit Telekonverter zurück, hätte aber noch mehr Nähe zu der Pilzgruppe geschätzt (und leiht sich daher mein sehr hochausziehbare Sirui M-3204). Also klettere ich den Stamm hinauf und muss fürchterlich drauf achten, nicht versehentlich abzustürzen. Hier macht sich das Tokina 35mm-Makro wieder gut, denn die interessanteste Perspektive bietet nur eine schmale Kamera-Ablagefläche und liegt direkt vor der Pilzgruppe. Die Sonne durchbricht nur einen Moment das Blätterdach und streicht sanft über die Pilzkappen - immerhin landen ein paar Bilder davon im Kasten.

Ein paar Minuten später entdeckt Burkhard am Wegrand zwei junge Fliegenpilze, die Bernd in Szene setzt. Da wendet er seine Spezialtechnik an, für die er zur Kontrolle nicht die Liveview sondern die Bildrückschau via Playtaste nutzt. Bei ISO 100 und Blende 16 erreicht er meist Belichtungszeiten von 1 - 2 Sekunden (er nutzt dafür das BULB-Programm), innerhalb der er mit seiner LED-Lampe die Pilzkonturen nachzeichnet oder auch die Kappen durchleuchtet. Die Lampe kreist dabei dynamisch oder manchmal degenartig am Pilz und lässt sich in der Bildwirkung erst nachträglich beurteilen. Unten ein Beispiel seines Workflows.

Während ich ein paar Panoramaaufnahmen von Eichenstämmen machen, verteilt sich die Gruppe. Irgendwann ertönt ein Jubelruf; Bernd hat einen Steinpilz und Schwefelköpfe gefunden und macht sich fototechnisch mit Begeisterung über sie her (Ergebnis: "Fungus Garden").

Irgendwann treffen wir uns bei einem vermoderten Stamm. Darauf sind soviele Pilzarten gewachsen, dass wir noch einige Stunden bis zum Abend reichlich Futter für unsere DSLR erhalten. Ich mache mich an eine Gruppe Glimmertintlinge und beisse mir die Zähne an der richtigen Lichtbalance und Schärfentiefe aus. Burkhard lästert, ob ich mich freiwillig da am Boden liegend als Zeckenteppich auslegen wolle.

Egal wie ichs versuche, der Hintergrund ist entweder zu scharf oder es fehlt Schärfe auf den Tintlingen. Also mach ich eine Schärfenreihe und werde dann später die scharfen Pilze und den weichen Hintergrund miteinander verrechnen. Das ist allerdings eine Menge Arbeit, die mich mehrere Stunden kosten wird (Beispiel siehe rechts oder hier in der fc).

Es dämmert schon aber es soll unbedingt noch ein gelber Knollenblätterpilz auf meinen Bildsensor. Mit grosser Blendezahl von f16 wird er durchgehend scharf, aber die im Hintergrund als Gegenlicht platzierte Wolf-Eye-Storm durchleuchtet Buchenblätter, die mir erneut zu scharf geraten. Auch hier also wieder die Taktik: zwei verschiedene Varianten aufnehmen und später dezent überblenden (Beispiel rechts). Alternative wäre eine weiter entfernt platzierte LED-Lampe aber Burkhard möchte doch langsam den Heimweg antreten.

Fazit

Eine gute Ersteinschätzung des Motivs ist wichtig. Denn ich habe mich manchmal an Pilzen verbissen, denen ich später dann nichts mehr abgewinnen konnte. Das kostet nicht nur Akku-Power und Speicherplatz sondern vor allem Zeit, die dann für lohnendere Motive fehlt (für eine Szenerie kann man gut und gerne 30 - 60 Minuten oder länger einplanen).

Mit zwei Kameraakkus bin ich an einem Fototag schon knapp dran gewesen, das nächstemal besser drei einpacken, zumindest wenn die Liveview ausgiebig genutzt wird. Lange Makrobrennweiten um 100mm sind für viele Motive ideal, wenn ausreichend Platz vorhanden ist; auf ein Makroweitwinkel für beengte Verhältnisse werde ich aber auch in Zukunft nicht verzichten wollen. Das gilt auch für den externen Phottix 9HD, der mir viel Spass machte und eine echte Controlling-Hilfe war. Mit der Stativwahl war ich zufrieden, merkte aber auch, dass die 5D Mark II für den Kugelkopf C-10 vom Sirui T-005 in Schräglagen schon etwas zu schwer war.

Mit einer 64 GB-Speicherkarte war ich auch für die drei Tage gut ausgestattet; insgesamt nahm sie rund 1.600 RAW-Dateien locker auf. Die abendliche Datensicherung auf einem Notebook habe ich natürlich trotzdem vorgenommen.

Bernd hatte noch ein paar Goodies mit, die ich mir auch mal einpacken sollte: ein grosses Mauspad, das man als Knieuntersatz bei feuchtem Untergrund, als Aufhellreflektor oder mit der matten Unterseite zum Abschatten nutzen kann. Mit meinem 5 in 1-Falt-Reflektor war ich aber auch ganz gut bedient. Als Regenschutz nutze Bernd zeitweise eine dünne Pappe, die er über seine 5D II-legte; hilfreich gegen Regen ist da natürlich auch die aufgesetzte Streulichtblende am Objektiv.

Insgesamt sind wir rundherum zufrieden mit dem Wald und der Fotoausbeute. Die eigentliche Arbeit kommt aber erst später am PC beim Sichten, Optimieren und Einstellen in die Pilzsektion der Fotocommunity.

Dankeschön

Herzlichen Dank an Burkhard Wysekal und seine Frau Simona für die Einladung, das leckere Essen, die Organisation und stets gute Laune ! An Bernd Rügemer ein Dankeschön für die Einblicke in seine ausgefeilte Fototechnik und die jederzeit angenehme und freundschaftliche Gesellschaft!

(c) www.traumflieger.de - Stefan Gross - Oktober 2011

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  Leserkommentare:


Derzeit sind hier 17 Kommentare vorhanden:
 

Dillmann Robert: Hallo.
Binn Anfänger der Fotografie.
Wie kann ich mir ein Stattiev mit Leuchten selber Bauen.
Welscher Ferlängrungs Tubus braucht mann.
Gibt es Plähne oder hatt einer eine Idee!
Binn führ jeden Tipp sehr Dankbar.

Danke Gruss aus Luxemburg
Dillmann Robert
(14.04.2012, 23:30 Uhr)

Pinky: Hallo Stefan vielen dank für deine toll Erklärung
(16.02.2012, 00:11 Uhr)

Stefan_tf: @Pinky: ich hab das mit Photoshop durchgeführt. Es gibt zwei Methoden. Entweder mit Ebenenmaske arbeiten und Details aus dem darunterliegenden Bild mit hoher Schärfentiefe zum Vorschein bringen (mit weichem Pinsel und schwarzer Farbe in die Ebenenmaske malen, die darüber mit dem Bild bei geringer Schärfentiefe liegt). Oder Details mit hoher Schärfentiefe mit Zeichenstiftwerkzeug freistellen und über das Bild mit geringer Schärfentiefe legen. Dann muss man aber noch die Unschärferänder wegstempeln.
Es sind aber auch andere Methoden denkbar, am besten mal zum Thema Fokusstacking bzw. DFF suchen.
grüsse
Stefan
(15.01.2012, 22:56 Uhr)

Pinky: Super Bericht, ich war gefesselt und Begeistert von Eurer Waldexpedition.
Sag mal eine Frage habe ich aber wie kann man Bilder mit verschiedenen Blenden als Motiv f=16 und Hintergrund f=2.8 zusammenfügen bzw wie hast Du es gemacht.

Danke schon mal vorab
(15.01.2012, 22:47 Uhr)

Ich: @Stefan_tf
Super, besten Dank für die Info.
PS.: tolle Eure Streifzüge durch das Land mit den Erklärungen ect.
(06.12.2011, 13:19 Uhr)

Stefan_tf: @ich: das Tokina 35mm/2,8 Makro ist eigentlich für APS-C ausgelegt, lässt sich aber vigenettierungsfrei bis auf 1m auch am Vollformatsensor (5D II - 1Ds) nutzen. Oberhalb von ca. 1m fangen dann zunehmend die Randabdunkelungen an.
Grüsse
Stefan
(05.12.2011, 22:49 Uhr)

ich: "so dass sich das mitgeführte Weitwinkel-Makro (Tokina 35mm/2,8) als praktisch erweist" Hast Du nicht geschrieben das Du Deine 5D Mark II dabei gehabt hast? Laut dem Link ist es für APS-C gerechnet.
Kannst Du mich hier mal aufklären...

Danke
(05.12.2011, 22:44 Uhr)

Franz Glaser: Herrliche Fotos und gute Beschreibung des Werdegangs. Hier sieht man, es muss nicht immer "action" sein. Das gute (objekt) liegt vor der Haustüre und viele können es nicht sehen. Ich freu mich schon auf die nächste Serie. Danke fürs Anschauen dürfen.
(16.11.2011, 18:36 Uhr)

Erwin Esly: Entsprechend der komfortablen Ausrüstung sind die Bilder wirklich super. Als täglicher Wadlbesucher habe ich mit meiner einfachen FZ 100 im Makromodus mit Makro-AF bereits mehrmals knackscharfe Pilze mit geringer Schärfentiefe abgelichtet und auch in Tageszeitungen publiziert.
(31.10.2011, 14:23 Uhr)

Georg Plefka: Nun, immer wieder schaue ich mir diese interessant und leicht erklärte HP an. Vorher war mir nicht einmal im Ansatz bewusst, was das für ein Aufwand für Pilzbilder ist. Nun, die Resultate zeigen es, das sich diese Mühe auf alle Fälle lohnt.
(30.10.2011, 06:09 Uhr)

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