Leserbriefe Monat September 2009

Überblick:

 

Unscharfe Portraits

Sehr geehrter Herr Gross,

ich habe folgendes Problem das ich mir nicht erklären kann. Wenn ich im Studio im Hochformat fotografiere sind meine Modelle vom Fuß bis zum Brustbereich scharf abgebildet aber der Kopf bekommt nicht die selbe schärfe sondern wirkt immer verschwommen.

mit freundlichen Grüssen
G.W.
 

Guten Tag Herr W.,

das Problem tritt bei Portraits recht häufig auf. Schuld ist der Nahbereich, denn hier sinkt die Schärfentiefe auf wenige Zentimeter. Fokussiert die Kamera mittig auf den Körper, dann ragt das Gesicht bei kleinerer Blendenzahl bereits aus der Schärfenebene heraus und wirkt unscharf. Zumindest wenn man die Aufnahmen grossformatig betrachtet.

Am besten stellt man die Schärfe manuell auf die Augenpartie ein (z.B. in der Liveview mit 10x Lupe) oder nutzt ein aussermittiges AF-Felder, falls das noch weit genug platziert ist. Für letzteres muss man die AF-Feldwahl von automatisch umstellen und selektiv das seitliche Feld z.B. mit dem Multicontroller anwählen.

Canon begründet übrigens die relativ geringe Ausdehung der AF-Felder damit, dass der Autofokussensor für eine weitere Verteilung in die Randbereiche hätte vergrössert werden müssen. Dies würde z.B. bei höheren Temperaturen zu Material-dehnungen und damit zu Ungenauigkeiten beim Autofokus-betrieb führen. Alternative wäre der konstrastbasierte AF-Betrieb in der Liveview ("Live-AF"), er reicht noch etwas weiter in den Randbereich als die AF-Felder im Sucher, ist dafür jedoch um einiges langsamer.

freundliche Grüsse

Stefan Gross

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Unscharf durch Abblenden ?

Hallo Traumflieger,

danke Ihnen für den Focustest. Ich habe mich für eine Mitgliedschaft bei Traumflieger entschieden, um Test´s zum 70-200 IS USM L4 und 28-135 IS USM einzusehen.

Danach habe ich zunächst auch den Focustest für das Objektiv 70-200 IS USM L4 mehrmals durchgeführt.

Fazit:

Bei Offenblende 4 sitzt der Focus exakt in den Brennweiten 70, 100, 135 und 200.

Bei der Brennweite 200 Blende 5,6 liegt ein Backfocus von 0,5 cm vor.
Bei der Brennweite 200 Blende 8 liegt ein Backfocus von 1,0 cm vor.

Alle anderen Brennweiten besitzen bei Blende 5,6 und 8 nur eine marginale Abweichung.

Liegt hier Ihrer Meinung nach ein Reparaturfall vor (bisher war ich der Meinung, dass nur unterschiedliche Brennweiten auch unterschiedliche Back-/Frontfocuses erzeugen, blendenunabhänging) ?

Danke für Ihre Bemühungen.

Gruß P. Z.

 

Hallo Herr Z.,

es ist in der Tat ein seltsames Phänomen, das bei einigen Objektiven auftreten kann: auch wenn der Fokuspunkt nicht verändert wird, kann die Schärfenebene allein durch Abblenden nach hinten verlagert werden. Mir ist das im Makrobereich einige Male passiert: Scharf gestellt bei Offenblende, was ja normal ist und dann mit höherer Blendenzahl ausgelöst. Prompt wurde das Motiv unscharf, nicht etwa wegen Beugungsunschärfen sondern weil sich die Schärfeebene schlicht verlagert hatte.

Auch an Teleobjektiven tritt der Effekt manchmal auf. Nicht nur ebenfalls an meinem Canon 70-200 4,0 L IS USM bei 200m (siehe rechts) sondern auch am Canon 28-300/3,5 - 5,6 L IS USM bei 300mm. Das Canon 70-200/2,8 aber auch das 180'er Makro von Canon oder am 150'er Makro von Sigma konnte ich keine Verlagerung feststellen.

Einen Reparaturfall würde ich persönlich hier nicht annehmen. Vielleicht kann man den Effekt als Unbilden der Objektivkonstruktion - ähnlich wie z.B. Vignettierungen und Verzeichnungen - auffassen. In der Praxis - besonders im Nah- und Makrobereich - kann es hier jedoch zu echten Problemen kommen. Also: am besten vor dem Auslösen die Schärfentiefenprüftaste (in der Liveview) bemühen, um auf Schärfenebene-Verlagerung zu überprüfen.

Falls jemand eine Erklärung für das Phänomen kennt, bitte um Info: foto@traumflieger.de

freundliche Grüsse

Stefan Gross

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