Leserbriefe Monat August 2009

Überblick:

 

Autofokus-Sorgen mit Sigma

Hallo Herr Gross,

ich habe mir ein Objektiv für meine Canon 350D Spiegelreflexkamera gekauft. Hierbei handelt es sich um das Sigma 50-150mm 2,8 EX HSM II APO DC Objektiv für Canon.

Da ich ein lichtstarkes Objektiv suchte, welches ich auch als "immer drauf" Objektiv verwenden kann, bot sich dieses an, zumal es preislich noch in einem für mich akzeptablen Niveau befand/befindet. Dadurch, dass das Objektiv auch der EX Serie von Sigma angehört, freute ich mich über ein qualitativ hochwertiges Objektiv. Als das Objektiv ankam, war ich mit der Verarbeitungsqualität soweit auch sehr zufrieden. Leider hatte das Objektiv einen Frontfokus, ist zwar ärgerlich, das Problem sollte aber nach eine Justage behoben sein, dachte ich.

Dies war leider nicht der Fall und ich möchte Ihnen den Ablauf und den relativ großen Aufwand schildern, den ich betreiben musste um (zu versuchen) ein "normal" fokussierendes Objektiv zu bekommen und Sie auf diesem Weg fragen, was Sie davon halten mich damit an eine Fotozeitschrift zu wenden.
Nach ein paar Schnappschüssen bemerkte ich schnell, dass das Objektiv falsch fokussiert.

Somit habe ich den auf Ihrer Seite veröffentlichten Schärfetest genommen und damit das Objektiv einem Test unterzogen. Das Ergebnis: Ein eindeutiger Frontfokus und zwar in allen Brennwertbereichen (getestet mit 50, 100 und 150mm). Als Vergleich habe ich auch im MF getestet, hier waren die Aufnahmen so wie man sie erwarten würde.

Somit schickte ich das Objektiv wieder zur Justage zurück. Die Kosten für das Verschicken des Objektives übernahm ich, da ich die Zwischeninstanz eines Onlinehändlers, bei dem ich das Objektiv ersteigert hatte, aus zeitlichen Gründen vermeiden wollte. Eine Woche später erhielt ich das "justierte" Objektiv und unterzog es gleich einem Schärfetest. Das Ergebnis war zwar besser, aber noch lange nicht in einem akzeptablen Bereich, somit schickte ich es wieder ein (auf eigene Kosten).

Wieder eine Woche später kam das Objektiv zurück. Der sofort durchgeführte Schärfetest ergab mal wieder ein sehr ernüchterndes Ergebnis: Objektiv hat immer noch einen Frontfokus und wurde auch gleich wieder eingeschickt.

Nach einer weiteren Woche erhielt ich einen Brief von Sigma, dass ich für die Justierung meine Kamera mit einschicken sollte. Das Einschicken meiner Kamera konnte ich nicht nachvollziehen und somit rief ich bei Sigma an. Ein Hinweis noch zuvor: Alle Schärfetests wurde mit ZWEI Kameras durchgeführt (Canon EOS 350D und 40D), alle jeweils mit dem gleichen Resultat. Alle Kameras wurden manuell für den Test eingestellt (kleinste Blende, Weißabgleich, Messmethode, AF, Stativ mit Fernauslöser) und es wurden zu jedem Brennweitenbereich jeweils 5 Aufnahmen gemacht. Bei Interesse kann ich Ihnen gerne ein paar Fotos zukommen lassen.

Wie ich später entdeckt habe, ist der Frontfukus sogar so stark, dass das bereits auf dem Kameradisplay festgestellt werden konnte. Laut der Servicemitarbeiterin würde der noch vorhandene Frontfokus auf unterschiedliche Grenzwerte der Kameras zurückzuführen sein. Ich finde es sehr merkwürdig, dass ich zwei Kameras habe, die scheinbar den selben Grenzwert haben, da die Resultate gleich sind, nur die von Sigma eingesetzte Servicekamera einen anderen Grenzwert hat. Laut Sigma sei dies Zufall. Auch dafür, dass das Objektiv der EX Serie angehört, und ich einen solchen Umstand damit habe, erwiderte sie Mitarbeiterin damit, dass ein Frontfokus auch bei Objektiven anderer Fabrikate vorkommen könnte.

Ich habe die Kamera nun persönlich zu Sigma gebracht, obwohl ich es nach wie vor nicht in Ordnung finde, dass ich meine Kamera dort hinschicken muss, da ich auch keine Ersatzkamera zur Verfügung habe (die 40D ist von einem Freund). Das Objektiv wurde mit Hilfe meiner Kamera justiert und ich holte sie bei Sigma wieder ab. Nun folgten mal wieder
Testaufnahmen. Diese sahen schon deutlich besser aus, allerdings auch noch lange nicht akzeptabel.

Alle Brennweitenbereiche waren unscharf an der fokussierten Stelle. Zum Vergleich habe ich wieder in MF Aufnahmen gemacht, die dann auch ein einwandfreies Ergebnis lieferten. Wie man ein Objektiv mit Body falsch justiert an den Kunden schicken kann ist mir ein Rätsel. Ein zweiter Anruf bei Sigma brachte mich nicht wirklich weiter, man verwies mich auf eine möglicherweise falsch eingestellte Kamera bzw. empfahl mir meine Canon mal bei Canon einzuschicken. Beide Argumente sind meines Erachtens irrelevant, da ich mit zwei weiteren Objektiven Testaufnahmen durchgeführt habe, die alle ein tadelloses Ergebnis ablieferten. Auf das kostenlose Abholen und abermalige Justieren, was mir als Option angeboten wurde, verzichtete ich, da ich mir hierbei nicht wirklich eine Besserung erhoffte. Wenn es nach 2 Justagen ohne Body und einer mit Body noch nicht geklappt hat, warum sollte es dann jetzt funktionieren...

Ich persönlich finde es nicht in Ordnung einem Kunden eine solche Situation zuzumuten. Auf mich macht das nicht gerade einen guten Eindruck von Sigma. Neben den Kosten für den Versand, musste ich u. a. Zeit opfern, um die Testaufnahmen zu machen, das Paket musste zur Post gebracht werden, ich fuhr zu Sigma, telefonierte mit Sigma-Servicemitarbeitern usw. Der ganze Prozess hat alles in allem 4 Wochen gedauert und ich habe immer noch kein "normales" Objektiv. Hätte ich das Einschicken des Objektives über den Onlinehändler gemacht, hätte sich alles noch weiter verzögert.
Was halten Sie von dem oben Beschriebenen? Halten Sie es für angemessen dies einem Fotomagazin oder einer Verbraucherschutzbehörde zu schicken?

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen
A. K.
 

Hallo Herr K.,

Ihr Ärger ist nachvollziehbar. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Als ich meine EOS 1D Mark III neu hatte, kaufte ich mir das Sigma 120 - 300mm/2,8 dazu und machte erste Testaufnahmen im Autofokus-Servobetrieb. Ein Hund rannte auf einer Wiese vom gegenüberliegenden Ende auf mich zu. Tolles Testmotiv, also draufhalten und im Serienbildmodus abfeuern. Die Ergebnisse waren mehr als ernüchternd, nur 1 Bild von 10 Aufnahmen scharf geworden. Vergleiche mit Canon-Teleobjektiven waren zwar bei weitem ebenfalls nicht perfekt, jedoch signifikant besser. 6.000 Euro investiert und unscharfe Bilder...sehr ernüchternd (seinerzeit hat Rob Galbraith das kameraseitige Problem an der 1D Mark III populär gemacht und letztlich reagierte Canon dann mit der Reparatur des Hinterspiegels).

Das Beispiel soll verdeutlichen, dass die Autofokus-Problematik bei Drittherstellern verschärft auftreten kann. Canon legt sein Protokoll nicht offen, somit sind Dritthersteller im sogenannten Reverse Engineering darauf angewiesen, die zugrundeliegende AF-Logik im "Try and Error"-Verfahren herauszufinden. Ähnliches gilt übrigens auch für die propietären Rohdatenformate, deren Protokolle nicht offengelegt sind und an denen sich selbst grosse Software-Hersteller wie Adobe manchmal die Zähne ausbeissen.

Wir testen die Autofokusleistung derzeit an der 5D Mark II und haben folgende Statistik ermittelt (wird laufend ergänzt):

Traumflieger Objektivliste im Canon EOS 5D Mark II Test

Autofokus-Test an der 5D Mark II
Rang Objektiv Phase Kontrast Gesamt
1 Canon EF 16-35mm f/2,8 L II USM 100,0% 100,0% 100%
2 Canon EF 17-40mm f/4 L USM 99,6% 100,0% 100%
3 Canon EF 24mm f/1,4 L USM 98,8% 99,7% 99%
4 Canon EF 100mm f/2 USM 98,4% 98,9% 99%
5 Sigma 17-35mm f/2,8-4,0 EX DG 100,0% 96,3% 98%
6 Sigma 12-24mm f/4,5 - 5,6 EX DG 95,9% 100,0% 98%
7 Canon EF 600mm f/4 L IS USM 96,6% 99,0% 98%
8 Canon EF 24-70mm f/2,8 L USM 99,3% 96,2% 98%
9 Canon EF 70-300mm f/4-5,6L IS USM 96,6% 98,7% 98%
10 Canon EF 24-105mm f/4,0 L IS USM 94,3% 100,0% 97%
11 Canon EF 85mm f/1,8 USM 94,4% 99,6% 97%
12 Sigma 100-300mm f/4 EX DG 95,6% 97,9% 97%
13 Canon EF 70-200mm f/2,8 L IS II USM 98,5% 95,0% 97%
14 Canon EF 200mm f/2 L IS USM 95,1% 98,4% 97%
15 Canon EF 300mm f/2,8 L IS USM 94,7% 98,7% 97%
16 Canon EF 400mm f/2,8 L IS USM 93,9% 99,1% 96%
17 Canon EF 14mm f/2,8 L II USM 93,9% 99,1% 96%
18 Canon EF 180mm f/3,5 L Makro USM 97,1% 95,5% 96%
19 Canon EF 100mm f/2,8 Makro USM 91,1% 99,8% 95%
20 Canon EF 70-200mm f/2,8 L USM 91,2% 98,7% 95%
21 Canon EF 35mm f/1,4 L USM 91,4% 98,0% 95%
22 Canon EF 100mm f/2,8L Macro IS USM 94,7% 94,3% 95%
23 Canon EF 85mm f/1,2 L USM 89,5% 99,3% 94%
24 Canon EF 135mm f/2 L USM 92,0% 96,2% 94%
25 Canon EF 28-300mm f/3,5-5,6 L IS USM 87,3% 100,0% 94%
26 Canon EF 300mm f/4 L IS USM 84,3% 98,7% 91%
27 Canon EF 28-135mm f/3,5-5,6 IS USM 87,1% 94,4% 91%
28 Canon EF 50mm f/1,4 USM 87,9% 90,2% 89%
29 Canon EF 70-200mm f/4 L IS USM 82,1% 94,6% 88%
30 Canon EF 70-200mm f/2,8 L IS USM 93,0% 83,0% 88%
31 Tamron SP AF 70-300mm f/4-5,6 Di VC USD 85,1% 89,4% 87%
32 Canon EF 100-400mm f/4,5-5,6 L IS USM 76,1% 98,0% 87%
33 Canon EF 800mm f/5,6 L IS USM 95,5% 75,5% 85%
34 Tamron SP AF 28-75mm f/2,8 XR DI LD Asp. Macro 69,1% 100,0% 85%
35 Tamron SP AF 90mm f/2,8 DI Macro 1:1 79,8% 88,5% 84%
36 Sigma 70-200mm f/2,8 EX DG Makro 81,9% 80,5% 81%
37 Canon EF 70-300mm f/4-5,6 IS USM 63,3% 96,3% 80%
38 Canon EF 50mm f/1,2 L USM 80,0% 78,7% 79%
39 Sigma 120-300mm f/2,8 EX DG 68,6% 87,7% 78%
40 Canon EF 50mm f/1,8 63,8% 81,1% 72%
41 Canon EF 70-300mm f/4,5-5,6 DO IS USM 39,3% 93,6% 66%
42 Sigma 50mm f/1,4 EX DG HSM 69,0% 62,9% 66%
43 Canon EF 24mm f/1,4 L USM II 42,2% 88,5% 65%
44 Tokina AF 100mm f/2,8 Macro AT-X M100 AF Prod D 88,0% 35,0% 62%
45 Canon EF 50mm f/1,8 II 54,9% 61,0% 58%
46 Sigma 14mm f/2,8 EX 20,9% 91,4% 56%
47 Canon EF 50mm f/2,5 Makro 23,0% 67,9% 45%
48 Sigma 150mm f/2,8 EX DG Makro 37,7% 48,0% 43%
49 Sigma 50mm f/2,8 EX DG Makro 17,9% 23,2% 21%
50 Sigma 24-60mm f/2,8 EX DG 0,0% 0,0% 0%
51 Sigma 105mm f/2,8 EX DG Makro 0,0% 0,0% 0%

Autofokustest-Statistik nach Hersteller
Hersteller Anz. Obj. Phase Kontrast Gesamt
Canon 40 71,7% 77,6% 74,6%
Sigma 16 49,1% 54,8% 52,0%
Tamron 3 63,5% 65,9% 64,7%
Tokina 2 63,2% 93,6% 78,4%
Gesamt 61 61,9% 73,0% 67,4%

100% = optimale Auflösung, die sich manuell am jeweiligen Objektiv erzielen lässt

 

Danach liegt Sigma mit derzeit durchschnittlich 65% bei der phasenbasierten Autofokusleistung (One Shot) an hinterster Stelle beim Hersteller-Vergleich. Man kann daraus die generelle Problematik des Reverse-Engineering der Drittherstellern ablesen, darf jedoch nicht übersehen, dass auch bei Canon teils erhebliche Probleme bei einigen Objektiven auftreten können.

In Ihrem Fall empfiehlt sich ggf. ein ergänzender Test, bei dem das Motiv (z.B. ein planes Bild an der Wand) etwas weiter entfernt ist. Sollten die Ergebnisse besser sein, dann können Sie ja vielleicht mit der AF-Schwäche im Nahbereich leben. Ansonsten würde ich versuchen, das Objektiv - unter Verweis auf die bisher gescheiterten Nachbesserungsversuche - beim Händler umzutauschen bzw. - bei erneuten AF-Problemen - das Geld zurückfordern. Berichten Sie einmal, wie die Geschichte bei Ihnen weitergeht.

freundliche Grüsse

Stefan Gross

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Multispotmessung im Programm M möglich ?

Sehr geehrter Herr Gross,

Ihr Profihandbuch zur 5D Mark II ist wirklich eine wertvolle Hilfe, diese sagenhafte Kamera zu verstehen. Ich bin ein älterer Herr, der früher mit der 4x5 inch-Fieldkamera und einem Spotbelichtungsmesser fast immer richtig belichtete Aufnahmen machen konnte. Bei der EOS würde ich auch gerne die hellsten und die dunkelsten bildwichtigen Stellen anmessen und den Mittelwert für die Belichtung verwenden.

Gibt es dazu ein Verfahren, wie man das im manuellen Betriebsmodus elegant und ohne Rechnerei erledigen kann?

Für Ihre Antwort vielen Dank im Voraus.

Mit herzlichen Grüßen

W.B.

 

Guten Tag Herr W.,

Die Belichtungsmessung arbeitet prinzipiell auch im manuellen Programm M. Es lässt sich daher am Markierungsstrich für die mittlere Belichtungsstufe ablesen, ob die Kamera eine zutreffende Belichtung annimmt (Markierung idR in der Mitte entweder im Sucher oder in der Flüssigkristallanzeige).

Lässt sich der Kameramonitor gut ablesen, dann wäre die simpelste und recht genaue Methode*, schlicht den Livebild-Modus zu nutzen**. Prüfen Sie einfach optisch im Livebild, ob die Belichtung bei der eingestellten Zeit und den präferierten Bildpartien wunschgemäss ausfällt.

Manchmal ist auch ein hinzugeschaltetes Live-Histogramm hilfreich. Dafür starten Sie die Live-View und drücken den Button "Info" solange, bis das Histogramm oben rechts auf dem Monitor erscheint. Hier sollte das Gebirge in der Regel weder rechts noch links an die Grenze anstossen. Im Programm M ist es - im Gegensatz zu den anderen Kreativprogrammen - übrigens egal, wohin der Markierungsrahmen mit dem Multicontroller verschoben wird, es wird stets der vollständige Bildwinkel ausgemessen und im Histogramm repräsentiert.

Da Sie explizit von "bildwichtigen" hellen und dunklen Bildpartien sprechen, lässt sich mit der letztgenannten, histogrammbasierten Livebild-Methode wohlmöglich nicht exakt arbeiten. Falls Ihnen z.B. tiefdunkle Partien unwichtig erscheinen, dürften sie natürlich am linken Rand des Histogramms anschlagen. Nur lässt sich schwer ablesen, wo die Tonwerte für die bildwichtigen Partien liegen. Dies wäre eigentlich ein Fall für die Multispotmessung, über die aber nur die 1D-Modell von Canon verfügen.

Falls Sie die Sichtkontrolle im Livebild nicht nutzen möchten, dann kommen Sie um etwas Rechenarbeit nicht umhin: ausserhalb der Liveview die Spotbelichtungsmessung z.B. im Programm AV nutzen und mit der Kreismarkierung des Sucherzentrums die bildwichtigen Partien anmessen (Autofokus abschalten), Zeiten merken und einen Mittelwert in das Programm M übertragen.  Alternative: machen Sie eine Belichtungsreihe (AEB) und wählen das gelungenste Bild aus oder verrechnen Sie die Reihe zu einer hochdynamischen Belichtung (Info hier).

freundliche Grüsse

Stefan Gross

* gilt für JPEG-Bildformat, bei RAW sind idR bis zu 2,5 Belichtungsstufen mehr intakte Tonwerte vorhanden, die im Histogramm nicht angezeigt werden.

**Belichtungssimulation in den Livebildeinstellungen wählen

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Balgen oder Lupenobjektiv ?

Hallo Herr Gross,

ich habe in ihrem buch über die 40d schon viele tipps erhalten, aber vielleicht könnten sie mir zu folgender frage noch weiterhelfen:
Um in der makrofotografie über den abbildungsmasstab größer als 1:1 hinaus gute bilder zu machen, ist es sinnvoller in ein lupenobjektiv wie es canon anbietet zu investieren oder ist ein balgengerät bei meinem Tamron 180mm Makro eher zu empfehlen ?


Christoph W.

Hallo Herr W.,

unten sehen Sie einen Vergleich zwischen Balgen mit einem 180'er Makro und dem Canon Lupenobjektiv MP-E 65. Mit dem Balgen konnte ich bei vollem Balgenauszug (10cm) einen Abbildungsmasstab von etwa 2,2:1 erzielen. Die Mindestdistanz liegt hier bei rund 17cm Abstand Motiv-Frontlinse. Beim Lupenobjektiv muss man schon auf rund 8 cm heranrücken, was ggf. Fluchtdistanzen unterschreitet bzw. auch Abschattungsprobleme verursachen kann.

Die Belichtungszeit war beim Balgen + Makro bei Offenblende fast eine ganze Blendenstufe kürzer (0,6 zu 1 Sek.). Auch kam es bei Offenblende zu keiner Verlagerung der Fokussierebene wie etwa beim Lupenobjektiv (Scharfstellung in der Liveview weicht vom realen Bildergebnis ab). Insoweit ergeben sich einige Vorteile für die Balgenlösung.

Das Lupenobjektiv ist jedoch leichter im Handling, da man ohne Schlitten arbeitet. Am Balgen hatte ich das Problem, dass eine angesetzte Stativschelle am Objektiv (empfehlenswert bei 180'er Makroobjektiven) für Auszugsverkürzungen im Weg war, somit hab ich die Kamera bei relativ instabiler Gewichtsverteilung direkt ansetzen müssen.

Das Lupenobjektiv ermöglicht zudem noch höhere Abbildungsmasstäbe bis 5:1, die sich mit einem 180'er Makro + Balgen nicht erreichen lassen (geht aber mit manchen anderen Objektiven). Man muss am Lupenobjektiv dann jedoch sehr dicht ans Motiv rücken. Zudem ist die Blendensteuerung mit dem Lupenobjektiv über die Kamera möglich, was bei manuellen Balgengeräten nicht der Fall ist (hier kann man sich jedoch behelfen, indem die Blende händisch übertragen wird, indem man bei gehaltener Schärfentiefenprüftaste das Objektiv vom Kamerabajonett nimmt). Das Lupenobjektiv verfügt allerdings über keinen Autofokusbetrieb, was im Makrobereich durch Verlagerung der Distanz jedoch meist kein Problem darstellt (Tipp: einen Makroschlitten einsetzen, damit man nicht das ganze Stativ verrücken und dann meist alles komplett neu ausrichten muss).

Optisch konnte ich ähnliche Ergebnisse am 180'er Canon + Balgen im Vergleich zum Lupenobjektiv erzielen.

Fazit: Je nach Anwendung kann die Balgenlösung bzw. das Lupenobjektiv Vor- und Nachteile mit sich bringen. Eine Alternative kann auch die Retrostellung von Weitwinkel bzw. Normalbrennweiten mittels Retroadapter sein. Viele Tipps dazu finden sich hier.

freundliche Grüsse

Stefan Gross

 

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