blitzschnell: die Custom-Programme

Canon bietet an einer Reihe seiner DSLR Customprogramme. Damit können besondere Einstellungen blitzschnell aufgerufen werden. Der Anwender ist mit ihnen spontaner und meist auch kreativer unterwegs. Nur Canons 1D-Profimodelle und die Einsteiger-DSLR müssen auf den Luxus verzichten.

[von Stefan Gross]

Einige von Canons zwei- und einstelligen Modellen bieten Customprogramme. Mit Ihnen lassen sich individuelle Einstellungen besonderen C-Programmen auf dem Wahlrad zuordnen. Bereitet sie der Fotograf vor, dann stehen viele Möglichkeiten offen.

  • drei Customprogramme: EOS 7D, EOS 5D Mark III/II, EOS 1Dx, EOS 40D
    EOS 5D³ und 1Dx speichern zwischenzeitliche Änderungen im aktiven Customprogramm optional automatisch. Derzeit kann nur die 1Dx sogar das jeweils vererbte Customprogramm vom aktiven Programm via programmierbarer Abblendtaste wechseln.

  • 2 Customprogramme: EOS 50D

  • 1 Customprogramm: EOS 60D und 5D I

Nachfolgend einige kurze Beispiele für die Anwendung der Customprogramme auf einem morgendlichen Fotospaziergang durch Feld und Wald.

Standard: Programm AV

Zunächst nutze ich das Programm AV, mit dem bei Offenblende und einem ISO-Wert von 400 aus der Hand eine Wiesenimpression eingefangen wird.

Bedarfsweise kann die Blende im Programm AV angepasst werden, um mit kleiner Zahl eine selektive Schärfe zu erzielen oder um mit höherem Wert die Schärfentiefe auszudehen. Rechts nutze ich die Offenblende, um die Kuh etwas stärker in den Vordergrund zu rücken und Bäume und Büsche weniger zu fokussieren.

Eine solche Vorgehensweise dürfte für viele Anwender ein typisiertes Beispiel sein. Nachfolgend spielen jedoch ergänzend zum wichtigen Programm AV die Customprogramme ihre Stärken aus.
 

1. Customprogramm mit AEB-Reihe belegt

Auf dem 1. Customprogramm habe ich vorsorglich eine 3stufige AEB-Reihe hinterlegt. Damit lassen sich z.B. in Gegenlichtsituationen Belichtungsreihen durchführen, um sie später etwa mit dem DRI-Tool zu einer hochdynamischen Impression zu verarbeiten.

Vorteil: der Himmel brennt nicht so stark aus und die Lichtimpression wirkt intensiver (siehe linkes Bild).

Es lässt sich später auch unabhängig von einer DRI-Verrechnung die beste Belichtung aus der Reihe auswählen.

Vorteil des Customprogramms: ich erspar mir die umständlichere Konfiguration der Kameraparameter vor Ort und kann einfach am Wahlrad bedarfsweise von Fall zu Fall auf die Reihenbelichtung umschalten.

Soll die AEB-Reihe beendet werden, reicht ein Umschalten auf ein anderes Programm, selbst wenn eine Belichtungsreihe nicht komplett durchgeführt wurde.
 

2. Customprogramm für schnellere Bewegtmotive

Sollte ggf. ein Fasan auffliegen oder ein scheues Reh daherkommen, dann benötige ich wohlmöglich ganz schnell eine kurze Belichtungszeit. Sprich: der ISO-Wert muss hochgedreht und die  Blendenzahl minimiert werden, nützlich wäre auch die Serienbildfunktion für eine Aufnahmesequenz.

Man kann sich zwar auf dem Programm TV eine kurze Zeit vorsorglich ablegen; nicht jedoch einen von den anderen Kreativprogrammen abweichenden ISO-Wert*. Der müsste also noch hochgedreht und der Serienbildmodus aktiviert werden.

Spontane Motive warten jedoch selten so lange. Da mir ein Reiter am Waldweg (siehe Bild rechts) begegnet, soll er für einen Schnappschuss herhalten und ein Wechsel auf das mit einer kurzen Verschlusszeit und hohem ISO-Wert nebst Serienbildmodus vorbereitete Customprogramm 2 hilft weiter.

*AUTO-ISO hilft leider nicht weiter, da es auf der Faustformel basierend nur Verwacklungsunschärfen auszugleichen versucht.
 

3. Customprogramm für kreative Mitzieher

Um dem dokumentarischen und nicht besonders eindrucksvollen Bildcharakter der vorhergehenden "Reiterimpression" zu entgehen, wechsel ich noch in der selben Motivszene auf das Customprogramm 3.

Auf diesem Programm ist eine höhere Blendenzahl bei niedrigem ISO-Wert abgelegt. Das ergibt normalerweise Verwacklungsunschärfen, kann aber bei Mitziehern schön surreale Effekte ergeben, die ich gleich beim Gespann aus Pferd und sportlichem Herren ausprobiere.

Die hinterlegte Blende von 11 bei einem ISO-Wert von 100 ergibt eine Zeit von 1/8 Sekunde. Damit sind Pferd und Reiter noch zu erkennen, der Wald verschwimmt jedoch noch stärker in impressionistischer Manier.

Mit dem Ergebnis bin ich ganz zufrieden; ohne Customprogramm wären die zwei unterschiedliche Effekte am selben Bewegtmotiv praktisch kaum möglich gewesen. Unten noch eine dritte Aufnahme, die dank hinterlegtem Serienbildmodus noch hintendran aufgenommen wurde.

Tipp: falls Sie mehr Details und konkrete Belegungstipps zu den Customprogrammen suchen, werden Sie in den Profihandbüchern zur EOS 50D, 5D Mark II und 7D fündig.



  Leserkommentare:


Derzeit sind hier 3 Kommentare vorhanden:
 

Frank: Ich habe meine Voreinstellungenfür schnelle Bewegtbilder C1 abgelegt, weil es gerade in dieser Situation ja auf Schbelligkeit ankommt. Und C1 bedeuted: Drehrad am Anschlag! Da muss ich nicht hinschauen, sondern drehe am Rad bis ganz zum Ende.
C3 hatte ich ebenfalls für Mitzieher, für C2 hatte ich bislang keine Verwendung, aber das mit den Blichtungsreihen für spätere HDRs ist eine prima Idee. Das werde ich umsetzen. Vielen Dank für den Tipp.
(01.05.2012, 09:22 Uhr)

Peter: Die Custom-Programme habe ich nie benutzt weil ich nicht so richtig wusste wofür. Das wird sich gleich änder, Danke für den Tipp
(22.08.2010, 10:57 Uhr)

Peter Paul Zehner: Hallo Stefan, Deine Customreihe entspricht außer Deinen logischen Begründungen, in umgekehrter Reihenfolge, meiner ersten und in Eigenarbeit gebastelten für die 5DII, ich habe die AEB-reihe als RAW auf C3. Letztlich dienen solche Hinweise mit Bildreihen wie Deinen gezeigten als Anleitung, über die eigenen Bedürfnisse beim Fotografieren nachzudenken und entsprechend diese Hilfe zu nutzen, so weit es eben geht, und das geht sehr gut so, vor allem schnell am guten alten Drehrad.
(17.08.2010, 08:48 Uhr)

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