Sucher

Der 60D-Sucher entspricht weitgehend dem 50D-Sucher, allerdings bietet ersterer einen minimal geringeren Beschnittfaktor und zeigt statt 95% jetzt 96% des Bildfeldes an. Ansonsten ist das Layout - etwa der Autofokus-Sucherfelder - und auch der Vergrössungsfaktor (0,95 beim 50mm) weitgehend zum Sucher der 50D identisch. Die Mattscheibe ist auch an der EOS 60D wechselbar und kann z.B. durch eine Variante mit eingraviertem Gittermuster als Ausrichthilfe ersetzt werden. Der 7D-Sucher unterstützt hingegen keine wechselbaren Mattscheiben, kann aufgrund LCD-Technologie jedoch optional Gitterlinien einblenden und bietet auch AF-Feldgruppierungen.

Erfreulicherweise zeigt die 60D im Sucher - wie an der 7D - jetzt auch den Akku-Ladestatus durch ein Batterie-ICON an; auch verbleibende Serienbilder werden jetzt zweistellig angezeigt.

Die Augenmuschel der 60D entspricht dem Standard der zweistelligen Canon DSLR während die 7D eine breitere Auflagefläche bietet und auch gegen Verlust noch besser gesichert ist.

Belichtung

Wie aus der zweistelligen Klasse gewohnt, bietet auch die EOS 60D Belichtungszeiten von 30 bis 1/8.000 Sek. Die EOS 550D limitiert hingegen die Belichtung bei 1/4.000 Sek. und kann bei Gegenlicht daher stärkeres Abblenden einfordern als die EOS 60D. Der ISO-Bereich erstreckt sich von 100 - 12.800 und bietet damit den gleichen Bereich wie die EOS 550D, 50D und 7D. Wie an der 550D bietet die 60D eine anwenderdefinierbare Obergrenze des AUTO-ISO-Wertes mit einem einstellbaren Grenzbereich bis ISO 6.400. Die Verschlusssynchronzeit entspricht an der 60D mit 1/250 Sek. dem Standard der zweistelligen Klasse.

Die Belichtungsmessung der EOS 60D wird mit der 63 Segment-iFCL-Technologie durchgeführt, die schon in der 7D und 550D werkelt und die gegenüber der lediglich 35 Felder umfassenden und für Farben nicht sensiblen Messung der EOS 50D einen Fortschritt darstellen soll. Wir konnten bislang jedoch keine wesentliche Vorteile gegenüber der 35-Segmentmessung etwa an roten Motiven erkennen. Wie gewohnt stehen die Methoden "Mehrfeld", "Mittenbetont", "Selektiv" und "Spot" auch an der EOS 60D zur Verfügung.

+-5 EV

Die mittlere Belichtungsstufe kann an der 60D - wie an der 550D und 7D - um +-5 Stufen korrigiert werden. Diese hohe Anpassungsmöglichkeit bietet z.B. bei selektiven Messungen deutlich mehr Komfort, wohingegen an der 50D und Vorgängermodellen in solchen Fällen ins manuelle Programm umständlicher ausgewichen werden muss. Da diese hohe Korrekturmöglichkeit auch in automatischen Belichtungsreihen zur Verfügung steht, kann an der 60D - wie an der EOS 7D - bei hohen Motivkontrasten eine zweifache Belichtungsreihe ohne Belichtungsdopplung schnell durchgeführt werden. Allerdings wird eine solch extreme Belichtungsreihe mit 6 Aufnahmen nach unserer Erfahrung selten gebraucht; eine (nativ jedoch nicht unterstützte) vierstufige Reihe hingegen schon häufiger. Der Spreizabstand von bis zu +-3 EV bietet an der 60D ebenfalls das grössere Potenzial, um starke Kontraste in den Griff zu bekommen als etwa an der 50D oder 550D (max 2 EV Spreizabstand).

Der Dynamikumfang der 60D liegt mit rund 10,5 Blendenstufen (ISO 100) auf dem Niveau der EOS 550D: Gegenüber JPEG-Aufnahmen stecken in den Lichtern und Tiefen jeweils rund 1 1/3 Blendenstufen mehr Potenzial.


Autofokus

Bei der Autofokus-Ausstattung hat sich gegenüber der EOS 50D nicht viel getan. Die bietet aber mit immerhin 9 Kreuzsensoren und einem Messbereich von -0,5 bis 18 EV deutlich mehr als etwa eine EOS 550D (1 Kreuzsensor, Messbereich bei dunklen Motivsituationen um 1EV geringer detektierend). Die EOS 7D glänzt hingegen mit 19 Kreuzsensoren, formatsensitiven und speicherbaren AF-Feldern und einer ausgefeilten Individualisierungsmöglichkeit des Servobetrieb (kontinuierliche Nachführung bei Actionmotiven) ähnlich den professionellen 1D-Modellen. Ein Spot-Autofokus mit eng begrenzter Messung fehlt an der EOS 60D und wird derzeit nur an der 7D geboten.

In der Liveview kann der Autofokus (Live-AF, Quick-AF) auch an der 60D via mittigem Druck auf den Auslöser gestartet werden (wie an der 550D, 7D und 1D IV), während die EOS 50D dafür noch den AF-On-Taster fordert, was unbequemer wegen Umgreifens sein kann. Ersteres hat auch den Vorteil, dass Fernauslöser den Autofokus während der Liveview unterstützen.

Bedauerlicherweise fehlt der EOS 60D eine Autofokus-Feinabstimmung, die ansonsten ab der neueren zweistelligen Klasse (50D) zum Canon-Standard gehört. Damit können konstante Fehlfokussierungen userseitig behoben werden. Bei Problemen muss der EOS 60D-Fotograf daher auf die Service-Werkstätten ausweichen.

Servo-Kurztest

Uns interessierte, wie die EOS 60D im direkten Vergleich zur EOS 7D anhand fahrender PKW im Servomodus bei schnellster Serienbild-Geschwindigkeit mit ansonsten Standardeinstellungen abschneidet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, bei 70% der jeweils 350 Test-Aufnahmen lag der Servo auf dem Punkt (siehe Grafik rechts), während die 7D zwei Prozentpunkte darunter liegt aber auch mit 8 Bildern/Sek. gegenüber den 5,3 Bildern/Sek. der 60D deutlich schneller auslöste.

Serienbilder

Mit vom Hersteller angegebenen 5,3 Serienbilder/Sek. bei 16 RAWs in Folge (58 JPEGs) bietet die 60D eine deutlich höhere Serienbildleistung als in der dreistelligen Klasse, erreicht aber nicht die Geschwindigkeit der 50D bzw. 7D (rund 6,3 bzw. 8 Bilder/Sek.). Bei unserer Messung erreichte die 60D ebenfalls 16 RAWs in Folge und eine durchschnittliche Serienbildgeschwindigkeit von 5,5 Bildern/Sek. Ist der kamerainterne Puffer gefüllt, dauert es wenigstens 17 Sekunden bis die RAWs komplett auf der SD-Speicherkarte abgelegt werden. Die EOS 50D bzw. 7D schaffen das bei ähnlicher Kapazität (17 RAWs) in nur 5 - 6 Sekunden deutlich schneller. Grund ist die derzeit bei SD-Karten noch nicht verfügbare UDMA-Technologie, die den CF-Karten noch vorbehalten ist (weitere Infos im Speicherkarten-Test).

Die EOS 60D unterstützt neben den SD, SD-HC und SD-XC-Karten auch Eye-Fi-Karten, um kabellos Daten an einen Computer zu transferieren; ein optionaler WLAN-Transmitter fehlt ihr (daher keine kabellose Liveview bzw. Fernsteuerung wie z.B. an der 7D oder 50D).

Auslöseverzögerung

Die Auslöseverzögerung der 60D ist mit 65 Millisekunden etwas geringer als am Vorgänger (50D und 550D: 75ms) und deutlich kürzer als an der EOS 7D (100ms). Auch in der Liveview sind 95ms ein sehr geringer Wert. Hier bringt die 60D die bislang kürzeste Verzögerungszeit von allen im Kameravergleich bisher gemessenen Canon DSLR (EOS 50D und 550D 125ms, 7D 150ms).

Bildqualität

Nominell löst die EOS 60D 17,9 Megapixel auf; genauso wie die EOS 550D und 7D. Die einen Quellen sprechen von einem identischen Bildsensor der EOS 60D zur 550D (dpreview.com); eine inländische Fachzeitschrift postuliert jedoch einen geänderten Antialising-Filter (Fotomagazin). Wir haben im Labor ein zum 550D-Bildsensor in etwa vergleichbares ISO-Rauschen ermittelt; jedoch eine etwas geringere Auflösung. Insoweit könnte in der Tat ein geänderter Antialisingfilter Ursache für die etwas verringerte Auflösung sein. In der Alltagspraxis wird man jedoch kaum wesentliche Auflösungsunterschiede erkennen; allerdings ist das Rauschen in hohen ISO-Werten sowohl an der EOS 60D als auch EOS 550D signifikant höher als an der 7D.

Unterm Strich zeigt sich an der 60D die Kehrseite recht deutlich, dass Canons 18-Megapixelrekorde im APS-C-Format durch die damit nötigen, kleinen 4,3 Mikrometer-Pixel stärkeres Rauschen und  frühzeitige Beugungsunschärfen (sog. Falle kleiner Pixel) erzeugen. Die EOS 50D löst trotz geringer Megapixelzahl durchschnittlich etwa genauso hoch wie die 60D auf, rauscht aber weniger. Nichtsdestotrotz ist die Alltagsqualität der 60D-Aufnahmen hochwertig; ISO 1600 geht oft noch als sehr gut durch, höhere ISO-Werte sind voll aufgelöst idR mit Vorsicht zu geniessen.

 


Die Auflösung der 60D liegt bei einem Maximum von 2.308 (f5,6) und durchschnittlich 1.878 Linien (f4-f22) insgesamt etwas unterhalb der EOS 7D (Schnitt 1.984), 550D (Schnitt 2.051) und der 50D (Schnitt 1.890). Das Bildrauschen der 60D liegt durchschnittlich mit 34KB von ISO 100 - 1600 zwischen der EOS 550D (33KB) und 7D (35KB), während höhere ISO-Werte von 3.200 - 12.800 im Schnitt mit 68KB so wie die EOS 550D rauschen; von der 7D (61KB) und 50D (62KB) aber unterboten werden.

[Informationen zum Testverfahren]

 

Video

Eine Videofunktion gehört - wie die Liveview - mittlerweile zum Standard neuer DSLR; klar dass die 60D ebenfalls mit der Filmmöglichkeit aufwartet. Hier ist das Schwenkdisplay besonders nützlich, das ein Bildcontrolling gegenüber der 7D bzw. 550D spürbar erleichtert (EOS 50D hat kein Video).

Das Moduswahlrad bietet an der 60D hierfür ein separates Movie-Programm. Gestartet und gestoppt wird das Video über die Live-Taste. Das Handling ist intuitiv aber  nicht so variabel wie an der EOS 7D.  Die Videomenü-Optionen bieten manuelle Belichtungssteuerung (Blende, Zeit und ISO-Wert bis 6.400), Bildoptimierung via Tonwertpriorität aber auch der Formatgrösse und Framerate. Eingriffe in die mittlere Belichtungsstufe (+-3 EV) sind genauso wie die Belichtungsspeicherung via Sterntaste möglich.

Belässt man die Standardvoreinstellung, dann zeichnet die 60D - wie auch die anderen videofähigen Canon DSLR - vollautomatisch auf, d.h. Blende, ISO- und Zeitwert werden automatisch je nach Lichtverhältnissen angepasst. Das funktioniert bei spontanen Videoaufzeichnungen idR mit sehr guten Bildergebnissen; auch der Ton mit dem internen Mikro kann überzeugen. Allerdings sollte man sich um die Scharfstellung vorher kümmern, denn der Live-Autofokus erzeugt starke Helligkeitsschwankungen und braucht ein paar Sekunden bis er scharfstellt (was auch im Video zu sehen ist). Ein Bildstabilisator und manuelle Zoomgeräusche können allerdings schnell stören, besser der Bildstabilisator wird abgeschaltet oder man weicht auf externe Mikrofone aus. Fotos lassen sich auch bei laufendem Video auslösen. Das Video wird nach einer rund einsekündigen Verzögerung vollautomatisch fortgesetzt.

Video incl. Ton lässt sich in der 60D abspielen und auch sequenzielle Schnitte durchführen. Man kann sich unterwegs z.B. von unnötigen Szenen trennen. Die im Lieferumfang enthaltene Software Zoombrowser bietet ebenfalls eine simple Schnittmöglichkeit incl. Übergangsfunktionen; mit hochwertigen, mehrspurfähigen Schnittprogrammen a la Premiere Elements oder Magix Deluxe kann es allerdings bei weitem nicht mithalten.

 

Frame-Raten

Full-HD, HD und kleines SD-Format sind - wie an der EOS 550D und 7D - mit verschiedenen Frameraten einstellbar. Dabei werden Frameraten angeboten, die auch im professionellen Umfeld interessant sind. 24 Bilder in Full-HD entsprechen z.B. dem Kinostandard und erzeugen weniger (Tonsynchronisations-) Probleme als etwa eine ebenfalls angebotene Aufzeichnungsrate von 30 Bildern. Schnelle 60 Bilder/Sek. können in HD bzw. SD aufgenommen werden und so durch Verlangsamung in einer Videoschnitt-Software dezente Zeitlupen nachträglich erzeugt oder für Einzelframe-Entnahmen als schneller Serienbildmodus zweckentfremdet werden.

Video-Format

Die Aufzeichnungslänge ist wie gehabt auf 4GB bzw. maximal 29m:59sek begrenzt. In Full-HD oder HD können allerdings in der Regel nicht mehr als 12 Minuten am Stück aufgenommen werden, da dann das 4GB-Dateigrössenlimit bei durchschnittlichen Motiven erreicht wird. Aufgezeichnet wird im derzeit hochwertigsten MPEG4-Kompressionsverfahren (h.264), das in einem Movie-Container verpackt wird. Sidecar-Dateien mit Exif-Informationen bzw. Vorschaubild (vormals als ergänzende ".THM"-JPEGs angelegt) werden an der 60D nicht mehr separat aufgezeichnet, sondern werden mit in den Movie-Containier gepackt. Die Erweiterung wird als ".mov" ausgegeben und erfordert meist die einmalige Installation des auch kostenlos verfügbaren Quick-Time-Players (der dann den h264-Codec am Rechner bereitstellt).

Video-Sound

Erfreulich ist die manuelle Tonauspegelungsmöglichkeit an der 60D, die daneben bei Canon nur noch für die 5D Mark II geboten wird. In lauteren Umgebungen können ansonsten bei vollautomatischer Pegelung schnell Verzerrungen auftreten. Beispielsweise auf Rockkonzerten oder an Wasserfällen haben wir bei der automatischen Aussteuerung mehrfach Verzerrungen hinnehmen müssen. Zusätzlich ist an der 60D ein Filter gegen störende Windgeräusche im Videomenü aktivierbar, der allerdings bei unseren Tests keine nachvollziehbare Wirkung erzielte.

Alternativ zum internen Mikrofon kann zwecks Klangverbesserung auch ein externes (Stereo-) Mikrofon angeschlossen werden. Das empfiehlt sich auch, um die häufig auftretenden Störgeräusche durch aktive Bildstabilisatoren bzw. um Kratzgeräusche durch Brennweitenänderungen an Zoomobjektiven zu vermeiden. Eine Option, die auch an der 550D, 7D, 5D Mark II und 1D IV ebenfalls vorhanden ist. Aufgezeichnet wird in amtlicher 16 Bit-Qualität (lineares PCM).

> Report Teil 3 (Teil 1, Teil 2)

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