Der Generationssprung auf die Mark 3 ist hinsichtlich der Ausstattung so
umfangreich ausgefallen, dass Canon die Bedienungsanleitung von 226 auf 400
Seiten erweitern musste. Uns hat daher auch eine entsprechend aufwändige
Recherche wochenlang beschäftigt. Der Anwender muss sich also auf einigen
Lernaufwand gefasst machen, wenn er die 5D³ im Detail beherrschen will. Zwar
sind einige Vereinfachungen im Menü zu finden, bei denen z.B. für den AF-Betrieb
die wesentlichen Funktionen endlich in einem Karteireiter zusammengeführt und
die Customfunktionen sinnvoll entschlackt wurden. Auch stehen jetzt teilweise
Hilfstexte zu einigen Menüpunkten bereit. Aber eben nur teilweise.
Inkonsistenzen sind etwa bei der Navigation mit dem Joystick noch immer
nicht behoben. Mal lässt er sich nutzen, in Untermenüs aber meist nicht.
Das stört etwas den kontinuierlichen Workflow, da man unnötigerweise auf
Daumen- oder Einstellrad ausweichen muss und nicht diagonal oder mit
Zeilensprüngen navigieren kann. Ernsthafte Stolperfallen gehen z.B. mit
der neuen HDR-Funktion einher. Ist sie ausgegraut, weiss der Anwender
nicht, warum. Hier muss man z.B. erst eine AEB-Reihenbelichtung
deaktivieren, um weiterzukommen.
Lernaufwand besteht vor allem bei den neuen
Autofokus-Feldgruppierungsmöglichkeiten, falls man sie nicht schon von der
EOS 7D kennt. Ungewohnt und für unseren Geschmack unkonfortabel ist die
neue Lupentaste, die nicht mehr rechts oben sondern neben dem Monitor in
die Tastenzeile gewandert ist. Wenig intuitiv*, auch wenn man in der
Bildwiedergabe jetzt mit einem individuell gewählten Zoomfaktor schneller
vorankommt.
Das ist alles Kritik auf hohem Niveau, denn die Funktionalität ist eben
auch entsprechend gesteigert und vieles wohl einfach eine
Gewohnheitsfrage. Es sind eben auch zahlreiche Vereinfachungen realisiert,
wie den intuiven Livebild-Videoumschalter, programmierbare
Funktionstasten, im Livebild oder Sucher einblendbare Wasserwaage etc. Und
trotz der Funktionsvielfalt hat Canon das übersichtliche Menü beibehalten,
ohne dabei auf lange Scroll-Listen zurückzugreifen.
Die Bildqualität ist zwar gesteigert, wenn man in höheren ISO-Werten JPEGs
oder die Videofunktion nutzt. RAW-Anwender bleiben aber im Prinzip auf dem
(hervorragenden) Niveau des Vorgängers. Für sie stellt sich die Frage,
warum denn die höheren ISO-Werte hinzugekommen sind, wenn das bereits am
Vorgänger vorhandene ISO 25.600 schon nur in Ausnahmefällen oder kleinen
Ausgabeformaten brauchbar ist. An Feinstrukturen konnten wir sogar
minimale Vorteile an der 5D² ausmachen, die in der Praxis allerdings eine
untergeordnete Rolle spielen. Trotzdem zeigt sich hier, dass Canon den
Bildsensor eben nicht wesentlich weiterentwickelt und lediglich
kamerainterne Algorithmen optimiert hat.
Das juckt den 5D³-Anwender vermutlich alles wenig, denn
der Autofokus ist
treffsicherer, bietet eine viel breitere Abdeckung und ist so empfindlich
geworden, dass man auch nachts fokussieren kann. Die Neue ist zudem mit 6
Bildern/Sek. deutlich flotter, kann auch im normalen Fotobetrieb leise
auslösen und liegt schlicht besser in der Hand. Belichtungskorrekturen
sind endlich fünfstufig möglich und HDR-Fotografen werden sich über die
aufgebohrte Belichtungsreihe mit 5 und 7 Stufen freuen. Kreativspielraum
erschliesst sich auch Einsteigern mit der kamerainternen HDR- oder
Mehrfachbelichtungsfunktion.
Auch wenn man in vielen Videos keinen Unterschied zum Vorgänger ausmachen
wird, sind jetzt manche Aliasingprobleme passé. Vor allem die
Tonkontrolle und Anspassungsmöglichkeit im laufenden Videobetrieb heben
die Mark 3 auf ein professionelles Niveau. Die
schnittfreundlichere Kompression und automatische
Aufzeichnungsverlängerung bis 30 Min., sowie der Kopfhörer-Ausgang
unterstreichen diesen Anspruch.
Die 5D³ erfüllt die hochgesteckten Erwartungen zwar nicht vollumfänglich
aber doch im Wesentlichen. Wir hätten uns allerdings ein Schwenkdisplay
wie an der 60D, einen eingebauten Timer, Stitchinghilfen und
stereografische Ansichten (side by side) im Livebild gewünscht. Seltsam
auch, dass der Selbstauslösermodus noch immer nur die zwei schlappen
Optionen mit 2 oder 30 Sekunden bietet; da sind ja die Dreistelligen Canon
DSLR schon weiter. Aber uns fragt ja keiner und Canon bzw. die Fotobranche
will offenbar auch noch Zubehör wie
externe Timer oder
mobile Monitore verkaufen.
5D Mark II-Anwender - die mit ihrer Ausstattung klar
kommen - dürften aufatmen, denn im RAW-Format ist die Mark 2 nach wie vor
auf der Höhe der Zeit und wird keineswegs vom Nachfolger getoppt**.
Allerdings ist die 5D³ schon deutlich flotter unterwegs und wirkt
insgesamt robuster.
7D-User werden sich
schnell an der Neuen heimisch fühlen, da doch vieles sehr ähnlich
umgesetzt wurde. Hier ist der Sprung in der Foto-Bildqualität in praktisch
allen Bereichen auch ziemlich deutlich, mag der erweiterte Bildwinkel auch
ungewohnt sein bzw. Neuinvestitionen in adäquate Objektive einfordern
(EF-S-Objektive passen nicht mehr). Letzteres gilt auch für alle anderen
Kaufwilligen, die noch mit einer mehrstelligen Canon DSLR unterwegs sind.
Bleibt zu hoffen, dass sich der Kaufpreis normalisiert und deutlich
unter die 3.000 Euro-Marke fällt. Für 1D-Anwender, die in der Mark 3 eine
Alternative sehen, dürfte der Preis allerdings auch so in Ordnung gehen.
*man kann erfreulicherweise die Set-Taste über die Custom-Steuerung mit
der Lupenfunktion belegen und so einhändig bei der Bildwiedergabe als auch
im Livebild zoomen.
**in unserer Wertung erreicht die 5D² bei der Bildqualität einen höheren
Wert (96%) als die Mark 3, weil wir nur das RAW-Format bewerten. Die
Verbesserungen im JPEG-Format bzw. bei Videos sollten ggf. noch im
Hinterköpfen zu Gunsten der 5D³ berücksichtigt werden.
abschliessendes Fazit
Die Mark 3 ist in praktisch allen Bereichen modernisiert worden. Sie bietet eine höhere Serienbildgeschwindigkeit, einen professionellen Autofokusbetrieb, 3D-Wasserwaage und wesentliche Verbesserungen bei der Belichtungskorrektur.
Kreativspielraum eröffnet zudem die neue HDR- und Mehrfachbelichtungsfunktion.
Videoprofis werden die verbesserte Audiokontrolle und Performance in höheren ISO-Bereichen schätzen.
Der Vorgänger reicht allerdings selbst ambitionierten Anwendern vielfach, so dass die Mark 3 hier wohl erst bei deutlich sinkendem Marktpreis attraktiver werden dürfte.
weitere Videos:
geplant sind Video-Workshops zur 5d3; schauen Sie daher später
nocheinmal rein.
Eine Menge Tipps und Anregungen finden Sie auch in unserem
Shop und im
Forum !
Werner Sternath: Habe die 5D M3 in Indien 2 Monate getestet und bin begeistert, vor allem die Autofokusgeschwindigkeit und die Auflösung bei wenig Licht ist ausgezeichnet. Auch das eingebaute Mikrofon hat mich überzeugt (Siehe Video auf Youtube Elefantenprozession in Kerala und Todas in Karnataka) habe mir um 7 Euro ein kleines geklebtes Haarbüscherl für das eingebaute Mikro gekauft um die Windgeräusche zu minimieren. (29.03.2013, 16:14 Uhr)
Peter: kommt immer darauf an was fotografiern will, in meinem Fall ist 5DMK III eine eindeutge Steigerung weil ich sie auch im Sport und in Hallen einsetze. Habe ein Handball Spiel fotografiert und als erstes viel auf der AF ist auf 1D MK IV Niveau, man kann ihn auch sehr schön konfigurieren wie man ihn braucht und die Bildqualität liegt über der der 5D MK II und der 1D MK IV. Wenn man nicht die Gehäusequlität einer 1D benötigt ist die %D MK III das richtige (16.09.2012, 20:26 Uhr)
Stefan_tf: @Robert: die 5D III benötigt eine Kontrastlinie. Wenn der Hund (oder ein anderes Bewegtmotiv) hier zu wenig bietet, kann kein AF greifen. Bei schwierigen Motiven am besten AF mit Assistenzfeldern oder Zone wählen. (17.08.2012, 11:35 Uhr)
Robert: Ein kleiner schneller Hund überfordert den AF der MkIII total. Mit dem 70-200 2,8 II und einem sich ergebenden Motivabsrand von 7 bis 4 Metern, sind vielleicht 5% wirklich scharf.... Kann das eine 1D IV besser? Oder eine 1DX? Oder ist das einfach Stand der Technik? (17.08.2012, 11:11 Uhr)
Nachtpfauenauge: Ich war jetzt auf einer ausgedehnten Fotoreise (vom Birding mit anfliegenden Vögeln, 500er Tele, bis zur Landschaft) mit meiner 5DIII. Als Fazit kann ich nur sagen, dass der Traumflieger-Test ein realistisches Bild der Kamera vermittelt. Das AF-System ist der Traum, als 7D-Nutzer habe ich zunehmend auf den Cropfaktor verzichtet und den zuverlässigeren AF der 5DIII bevorzugt. Zur Bildqualität kann ich nur sagen: lasst Euch nicht irre machen, die ist sehr gut. Allerdings ist das Rauschunterdrückungssystem der 5DIII schon in Standard-Einstellungen ziemlich aggressiv. Wer auf feinste Details Wert legt (Federstrukturen, Landschaft), sollte es besser komplett ausschalten und RAW nachbearbeiten. Leider gibt es derzeit nur wenige brauchbare RAW-Konverter, DPP in der neuesten Versionen scheint mir augenblicklich die beste Wahl zu sein. Toll sind die naturgetreue Farbwiedergabe bei Tageslicht, die sehr zuverlässige Farbdarstellung des LCD-Screens und - endlich - Auto-ISO bei Action. (09.07.2012, 12:29 Uhr)
Stefan_tf: @Fred: ja, haben wir auch schon festgestellt. Ist ein kleines Limit für Actionaufnahmen, nicht weiter dramatisch. (25.06.2012, 18:45 Uhr)
liebes traumfliegerteam, ihr solltet euch das mal anschauen und dann euren test überarbeiten :) er hat recht ! (25.06.2012, 13:47 Uhr)
Stefan_tf: @Schorch: paarmal die Info-Taste drücken, dann werden die Aufnahmedaten angezeigt.
grüsse
Stefan (24.06.2012, 23:48 Uhr)
Schorsch: Zur 7D kam seit 14 Tagen die Mark 3 dazu. Ich bin fast voll zufrieden, ein kleiner Wermutstropfen - ich vermisse in der Vorschau die Bilddatenangaben - oder hab ich in den 400 Seiten etwas übersehen ?
Grüße vom Schorsch (24.06.2012, 15:48 Uhr)
Ingo Essler: Ich habe sie!
Iso 12800 RAW sind mit der Mark III endlich einigermassen brauchbar!
An der Mark II einfach nur gruselig.
Nie wieder geht mir ein wichtiges Motiv durch die Lappen.
Wichtiger als ein par Pixel ist doch überhaupt ein scharfes Motiv zu haben!
Der AF der 3er ist erschreckend besser.
Farben wirken natürlicher, warum weiss ich auch nicht, ist einfach so.
Die Belichtung hat nicht einmal daneben gelegen, ziemlich smart.
Die 2er ist dagegen richtig Altes Eisen, ich nutze sie seit 3 Jahren.
Die nimmt die Mark III in die Hand, knipst ein bisschen rum, und weisst
das du sie haben willst!
Habe direkt das 8-15mm dazu genommen, "kranke" Kombi!
Geld spielt keine Rolex...
Sind wir Knipser oder sind wir Knipser!? Das muss einem das Hobby wert sein.
Profis können gerne weiter auf der Mark II herumorgeln.
Ist ja deren Arbeit, und soll ja keinen Spass machen.
Verkloppen werde ich meine Mark II wohl nicht, mache ich ein 5D Museum auf....
Nein im Ernst, eine Zweite Knipse im Rucksack, z.B. Mit Makro vorbestückt macht auf Fernreisen schon Sinn. Zack, die richtige Optik, klick Foto.
Beim Objektivwechsel ist der Schmetterling schon weg.
Das RAW-Format bietet gegenüber
JPEG-Aufnahmen zwei wesentliche Vorteile: es ermöglicht feiner
aufgelöste Details und ausgebrannte Lichter oder zu dunkle Bildpartien
können im RAW-Konvertierungsprogramm erheblich besser als im JPEG-Format
rekonstruiert werden.
Nachteile des Rohdatenformats: Es
ist idR 2,5x so speicherintensiv, verbraucht daher nicht nur mehr
Speicherplatz sondern auch mehr AKKU-Power, muss erst noch entwickelt
werden und im Serienbildmodus ist die unverzögerte Erstsequenz reduziert.
Was also tun? Empfehlenswert ist
eine flexible Handhabung. Nutzen Sie bei einmaligen Aufnahmesituationen
das RAW-Format und bei "Allerweltsmotiven" bzw. wiederholbaren Aufnahmen
das JPEG-Format !
Übrigens: Die Kameratests führen wir
auf Traumflieger.de im RAW-Format durch. Tests im JPEG-Format werden u.E.
den Kameras nicht gerecht und taugen nur als ergänzende Information
(testet Ihre bevorzugte Foto-Fachzeitschrift im RAW-Format ?).