Mit der 1100D hat Canon ein besonders günstiges DSLR-Paket geschnürt, um Einsteiger und Kompaktkameraaufsteiger zu locken - mit riesigem Erfolg wie Verkaufsstatistiken etwa bei Amazon belegen. Die 1100D kann als kleiner Bruder der 450D angesehen werden und begründet seit Markteinführung im Juni 2008 eine eigenständige, vierstellige Canon-DSLR-Klasse.

Angesicht des günstigen Angebots wird man der 1100D die etwas mageren 10-Megapixel womöglich nachsehen. Wir werden aber zeigen, dass sie sich in Sachen Auflösung keineswegs auch vor aktuelleren Modellen zu verstecken braucht. Der Rotstift wurde vom Hersteller allerdings beim Monitor, den Autofokusfeldern und bei der Serienbildgeschwindigkeit angesetzt. 

Aufsteiger aus dem Kompaktkameralager sollten wissen, dass die 1100D mit Abblend-Taste, RAW-Format, optischem Sucher, Wechselobjektiven und Blitzschuh alle wesentlichen Merkmale bietet, die sie als gut ausgestattete DSLR auszeichnet. Hochambitioniert ist sie auch durch  manuelle bzw. kreative Belichtungsprogramme und reichlich Direktsprung-Tasten.

Haptik

In der Hand wirkt die 1100D nicht weniger wertig als ihre Geschwister der dreistelligen Klasse. Sprich, sie ist eher für kleinere Hände ausgelegt und aus Kunststoff, dafür aber hochwertig ausgeführt und ohne "Spielzeug"-Anmutung. Ein Batteriegriff kann sie haptisch deutlich aufwerten.

Body-Unterschiede

Die Bedienelemente der 1100D sind von Anzahl und Position zur 450D identisch, nur z. T. etwas vergrössert. Gegenüber der EOS 500D und 550D fehlt lediglich ein roter Record-Taster, denn die 1100D hat noch keinen Moviemodus. Lässt man einmal den fehlenden Daumenunterleger ausser acht, erkennt man auf den zweiten Blick praktisch nur an dem etwas kleineren 2,5''-Kameramonitor und natürlich der Produktbeschriftung, dass es sich hier um Canons Einsteigermodell handelt.

Vom Gewicht spart man an der 1100D nur wenige Gramm gegenüber 450D und späteren Dreistelligen, die statt der 500 um 530gr incl. Akku wiegen.

Bedienung

Werte wie Blendenzahl, ISO-Wert etc. werden am Kameramonitor grafisch ansprechend dargestellt und lassen sich durch die jeweiligen Funktionstasten ändern. Cursorsteuerung via  Schnelleinstell-Bildschirm oder ein Annäherungssensor fehlen der 1100D aber. Ersteres findet sich erst ab der 500D und die automatische Monitorabschaltung ist in der dreistelligen Klasse ab der 450D Standard. Canon verzichtet aber z.B. auch an der deutlich teureren EOS 60D darauf, weil man den Monitor via Disp-Taste vor dem Sucherblick noch flott manuell abstellen kann.

Schnellzugriff durch "MyMenü" und Individualfunktionen wie etwa zur Spiegelvorauslösung oder Rauschunterdrückung sind auch an der 1100D vorhanden. Eine Direktkonfiguration von aufgesteckten Canon Speedlites oder hohe ISO-Werte oberhalb von ISO 1.600 bieten hingegen erst die Modelle ab der 500D.


Liveview
und Autofokus

Die Liveview lässt sich via Set-Taste aktivieren, so dass der 1100D-Anwender Details durch 10x-Zoom und auch die Belichtung schon vor der Aufnahme beurteilen kann. Auch wird in der Liveview der Autofokus mit dem etwas langsamen Kontrastverfahren oder als Quick-Variante incl. temporärer Liveview-Unterbrechung geboten. Eine automatische Gesichtserkennung wird hingegen erst ab er 500D unterstützt während eine kontiniuerliche Motivverfolgung in der Liveview bislang an keiner Canon DSLR geboten wird.

Ausserhalb der Liveview wird die Schärfe durch den Ai-Servo-Modus - wie er an allen Canon DSLR vorhanden ist - auch an der 1100D bei Bewegtmotiven automatisch nachgeführt. Sieben AF-Felder unterstützen den Autofokusbetrieb, wobei nur das zentrale AF-Feld als Kreuzsensor ausgelegt ist. Erst ab der zweistelligen Klasse werden z.B. seit der EOS 40D auch die seitlichen AF-Felder als Kreuzsensoren verbaut. Vielen Anwendern reicht aber der zentrale Kreuzsensor, da sich mit ihm die meisten Motive zuverlässig scharfstellen lassen.


Monitor

Der 1100D-Monitor löst mit 230.000 Subpixeln zwar auf dem Niveau der 450D auf, nachfolgende Modelle ab der 500D können jedoch durch vierfache und höhere Pixelzahlen noch feiner auflösen und die Schärfebeurteilung erleichtern. Auch ist die Monitorgrösse der 1100D mit 2,5'' (6,4cm) gegenüber den 3''-Grössen (7,6cm Diagonale) ab der 450D schon etwas einschränkend.


Sucher

Beim Blick durch den optischen Sucher der 1100D zeigen sich 7 AF-Felder, die relativ weit in den Randbereich ragen und so auch seitliche Motivfokussierungen begünstigen, was sich ab der 400D mit den 9 rautenförmig angeordneten AF-Feldern rechts und links etwas schwieriger gestaltet. Allerdings fehlen der 1100D zwei Messpunkte, die Einsteigern an neueren Dreistelligen z.B. bei automatischer Messfeldwahl die Fokussierung erleichtert.

Die Realgrösse von 62% zeigt an der 1100D ein etwas kleineres Fenster als im 450D-Sucher bzw. Nachfolgern (zwischen 67 und 68%). Der Beschnittfaktor des 1100D-Suchers von 95% bleibt auch später Klassenstandard der Dreistelligen. Spitzlichter werden im Bokeh der 1100D klassentypisch etwas zerfasert.


Bildqualität und ISO-Rauschen

Die Auflösung der 1100D überraschte uns, denn die 10,1 Megapixel zeigen im Testchart (ISO 12233) beim RAW-Format komplett durchgezogene, kontrastreiche Linien, wie es bei der nominellen Auflösung nicht unbedingt zu erwarten wäre. Lightroom bzw. Adobe Camera RAW macht offenbar einen sehr guten Job bei der Rohdatenaufbereitung und übertrifft dabei sogar die EOS 500D. Bis Blende 11 lassen sich noch sehr hochaufgelöste Ergebnisse erzielen, während bei f16 vor allem aber darüber Abblendunschärfen bei den 5,7 Mikrometer grossen Pixel der 1100D entstehen. Die Blende f16 wird erst von einer 550D in der Auflösung übertroffen, EOS 500D/450D liegen hier trotz höherer nomineller Auflösung unterhalb der 1100D-Auflösung.


Die Auflösung liegt bei einem Maximum von 2.071 (f4/ISO 100) und durchschnittlich 1.780 Linien (f4-f22) auf einem überraschend hohen Level. Das Rauschen fällt mit durchschnittlich 30 KB (ISO 100 - 1.600) noch sehr moderat aus und ist vergleichbar zur 450D und 500D während die 550D stärker rauscht (33 kb).

[Informationen zum Testverfahren]
 

Serienbilder

Canon hat an der 1100D offenbar den internen Buffer verkleinert, denn sie schafft nicht mehr als 5 RAWs in Folge, bis sie Daten auf der Speicherkarte ablegen muss.  Allerdings ist die Folgegeschwindigkeit praktisch genauso schnell, denn auch nach den 5 RAWs sinkt die gemessene Geschwindigkeit zumindest an flotten SD-Karten von 1,4 Bildern/Sek. kaum ab. An einer älteren 2GB-SD-Karte erreichten wir hingegen nur drei unverzögerte RAWs in Folge.

Im grossen JPEG-Format steigt die Serienbildgeschwindigkeit auf noch immer gemütliche 2,6 Bilder/Sek., die dann für rund 500 Bilder unverzögert auf der Karte abgelegt werden. Langsame Karten brechen aber viel früher ein und schafften in unserem Test im grossen JPEG-Format bei längeren Sequenzen im Schnitt nur 1,8 Bilder/Sek.

Dreistellige Canon DSLR erreichen meist mehr als die doppelte Serienbildleistung - hier sind Canons Sparmassnahmen an der 1100D also deutlich zu spüren (weitere Mitgliederinfos hier).

 

Belichtung

Die 1100D misst die Belichtung über eine 35-Feld-Matrix mit ergänzender Gewichtung des mittleren AF-Feldes. Dies ist Standard bis zur EOS 550D, die dann das modernere iFCL-Verfahren durch eine 63-Segment-Messung durchführt. Wirkliche Praxisnachteile der 35-Feldmessung konnten wir jedoch nicht ermitteln.

Bei im Schnitt dunkleren oder helleren Motiven (z.B. Schneelandschaft, heller Himmel) kann die 1100D die mittlere Belichtungsstufe um +-2 EV korrigieren, was auch generell an anderen Canon DSLR möglich ist. Ab der 550D ist die Korrektur allerdings um +-5 Stufen möglich, was z.B. bei hohen Lichtkontrasten nützlich wird. Wie üblich lässt sich auch an der 1100D die Belichtung via Sterntaste speichern, um bei Neukomposition durch Kameraschwenk ursprüngliche Messwerte anzuwenden.

Für DRI/HDR-Aufnahmen bietet die 1100D - wie alle anderen Canon DSLR auch - eine AEB-Funktion, die eine Belichtungsreihe durchführt. Sie löst 3 Aufnahmen mit einem maximalen Spreizabstand von 2 EV entweder nach einer zweisekündigen Verzögerung vollautomatisch aus oder solange der Auslöser z.B. im Serienbildmodus niedergedrückt wird.


 

Belichtungshilfen

Kameraintern wird an der 1100D eine jeweils einstufige High-ISO-Rauschunterdrückung und automatische Belichtungsoptimierung geboten. Modelle ab der 500D verfeineren die Einstellmöglichkeiten auf mehrere Stufen und bieten auch Vignettierungskorrekturen. Auf eine Tonwertpriorität muss der 1100D-Anwender verzichten, kann bei Anwendung des RAW-Formats allerdings vergleichbare Ergebnisse in gängigen Rohdatenkonvertern nachstellen.

Auto-ISO steht bis ISO 800 zur Verfügung, um Verwackler durch eine angehobene Sensor-Empfindlichkeit automatisch auszugleichen. Ab der 500D gehts dann stufenweise bis auf ISO 6.400 (550D) in der Auto-ISO-Funktion hoch, was bei wenig Licht oft nützlich wird.

Den Dynamikumfang der 1100D haben wir mit 10,55 Blendenstufen ermittelt, der damit auf einem typischen Niveau liegt und auch an anderen dreistelligen Canon DSLR erreicht wird.


Zubehör

Wie bei Canon DSLR üblich werden Kameragurt, Akku (LP-E5, reicht für ca. 500 Aufnahmen), Ladestation und ein umfangreiches Softwarepaket mit Bildbrowser, Rohdatenkonverter, Panoramastitch-Programm und Utility-Software u.a. zur rechnergestützten Fernaufnahme mittels beiliegendem USB-Kabel mitgeliefert.

Wer die 1100D mit einem Batteriegriff (z.B. BG-E5 von Canon oder Drittanbietern) aufrüstet, verbessert regelmässig die Haptik und kann komfortablere Portraitaufnahmen durchführen. Eine gedruckte Kamera-Bedienungsanleitung lag unserer Verpackung nicht bei, dafür eine DVD mit einfachsten Einsteigertipps....


Fazit:


Sparfüchse liegen bei der 1100D richtig, denn sie bietet zu einem sehr attraktiven Preis die wesentlichen Möglichkeiten einer modernen DSLR.  Liveview, RAW-Format und manuelle Belichtungsprogramme oder automatische Belichtungsreihen gehören auch an der 1100D zum Standard. Gravierende Abstriche konnten wir nicht ausmachen, wenn man einmal von der Serienbild-Bremse absieht und auf einen HDMI-Anschluss verzichten kann.

Wer Video oder einen besser auflösenden Monitor wünscht, findet ihn bei der EOS 500D oder 550D. Diese Modelle sind auch empfindlicher als die 1100D und bieten für geringes Umgebungslicht ISO-Werte bis 12.800.  Eine spürbar höhere Bildqualität bringen sie hingegen nicht unbedingt, da gibt sich die 1100D auch bei nominell vielleicht etwas mager wirkenden 10 Megapixeln keine Blösse.

Wer sich für ein 1100D-Kit entscheidet, sollte unbedingt die Variante mit IS wählen, denn das Canon 18-55/3,5-5,6 IS löst deutlich besser als die Version ohne Bildstabilisator auf.



Technische Daten

Markteinf.:

Preis:

kaufen bei:

Sensor:

 

Serienbilder:

Bildformat:

Monitor:

Autofokus:

ISO-Bereich:

Belichtung:

Gehäuse:

März 2011

UVP 449 EUR

Amazon | Preissuchm. | Ebay

12,2 Megapixel (CMOS, APS-C)

22,2 x 14,7mm | 5,7 µm Pixel

3 B./Sek. (5/830 unverz. RAW/JPEG)

4.272 x 2.848 Pixel

2,7-Zoll mit 230.000 (Sub-) Pixel

1 Kreuzsensor + 6 Hilfssensoren

ISO 100 bis 6.400, Auto-ISO 400-6.400

30 bis 1/4000 Sek./ Korr. +-5 EV

495 gr. inkl. | 13 x 10 x 8cm | Kunstst./Stahl

weitere Ausstattung:
  • 1.280 x 720 (30/25p), Movie-Format (h264)
  • Live-View mit Quick- und Live-AF (direkt via Auslöser ansprechbar), Facedetection
  • Quickcontrol-Screen mit Direkttaste
  • Bild Sternewertung
  • iFCL-AE-Messsystem
  • Belichtungsreihe 3stufig (3 EV Spreizabstand, wichtig für DRI)
  • Automatische Korrektur bei Objektiv-Vignettierung
  • Copyright-Informationen
  • HDMI-Ausgang
  • SD, SDHC und SDXC-Kartenunterstützung
  • Integrierte Sensorreinigung
  • Automatische Belichtungsoptimierung
  • Akku: LP-E10
  • Sucher: 95%, 0,81fach, 21mm, Realgrösse 63%

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