besser blitzen mit Canon-DSLR
Teil 6

ein Report von Herbert Waldhecker und Stefan Gross

 

Seitenüberblick
Einfriereffekt
treffsicher mit dem AF-Hilfslicht
stimmungsvoller blitzen mit Farbfolien
neu: kabellos blitzen mit dem Slave Flash
alter Blitz neu aufgelegt
Ausgewogenheit durch Teleobjektiv
Rekomponieren
Marktübersicht Blitzgeräte
Leserfeedback
 


Einfriereffekt

Meist möchte man einen möglichst natürlichen Eindruck von der abzulichtenden Szene haben. Trotzdem soll das Hauptmotiv ausreichend beleuchtet sein. Das geht nur, wenn man versucht, den Blitz dezent einzusetzen und möglicht viel des Umgebungslichtes einzufangen. Gut geeignet ist hier beispielsweise das Programm AV. Das Hauptlicht wird hier überwiegend aus dem vorhandenen Umgebungslicht eingesammelt und das Blitzlicht gibt den letzten Schuss an Aufhellung dazu.

Nachteil dieser Mischmethode sind die langen Belichtungszeiten, die normalerweise Bewegungs- und Verwacklungsunschärfen nach sich ziehen, soweit wenig Umgebungslicht vorhanden ist. Die Verwackler lassen sich zwar ggf. durch Einsatz eines Bildstabilisators oder mittels Stativ vermeiden, doch sind unerwünschte Unschärfen bewegter Motive problematischer. Der zugeschaltete Blitz reduziert jedoch aufgrund seines Einfriereffektes automatisch Bewegungs- und auch Verwacklungsunschärfen.

Der Einfriereffekt basiert auf der Tatsache, dass der Blitz nur extrem kurz leuchtet und während seiner Leuchtdauer überproportional stark in die Gesamtbelichtungszeit eingeht. Technisch gesehen kann man sich das als Fusion zweier Aufnahmen vorstellen, die mit langer Belichtungszeit (incl. aller Nachteilen durch Bewegungs- und Verwacklungsunschärfen) und durch Kurzzeitbelichtung des Blitzes (mit etwa 1/800 Sekunde) gemittelt in die Gesamtaufnahme eingehen. Der aufgeblitzte, scharfe Anteil setzt sich dabei im Bild durch und hebt den Gesamtschärfeeindruck einer Aufnahme an.  Selbst Aufnahmen aus der Hand, die deutlich länger als nach der Faustformel zulässig aufgenommen werden, können dadurch noch brauchbar sein.

 

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treffsicherer mit dem AF-Hilfslicht

Auch wer gern manchmal nachts bei seinen Aufnahmen das vorhandene Licht vorzieht, sollte das Blitzgerät trotzdem ruhig zur Fotosession mitnehmen, soweit es über ein AF- Hilfslicht verfügt. Ist die Individualfunktion C.Fn-07 auf ‚blitzt nicht’ eingestellt, wird zwar kein Blitz mehr ausgelöst, allerdings arbeitet das Hilfslicht am externen Blitzgerät dennoch und unterstützt den Fotografen mit seinem diskreten roten Licht bei der Fokussierung auf dunkle oder kontrastarme Motive, soweit diese nicht weiter als ca. 10m entfernt sind.

Der Autofokusbetrieb wird durch das externe Hilfslicht deutlich verbessert und hilft vor allen Dingen bei der Fokussierung in völliger Dunkelheit.

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stimmungsvoller blitzen mit Farbfolien

Ein besonderes Problem beim Einsatz des Blitzes stellt der Weißabgleich dar. Der Blitz sendet weißes Licht mit einer Farbtemperatur von ca. 5200 K ab. Der Hintergrund ist allerdings in urbaner Umgebung oft durch Kunstlicht erhellt und enthält häufig erhöhte Rotanteile. Ein Gegenstand der vor einem solchen Hintergrund angeblitzt wird, erscheint daher oft unnatürlich kühl und ist bei Weissabgleich auf Kunstlicht mit einem Blaustich versehen - ein Problem das besonders störend bei Aufnahmen von Gesichtern bzw. mit Hautanteilen auffällt und eigentlich typisch für viele aufgeblitzte Aufnahmen in Innenräumen ist.

Bei der Nachbearbeitung des Bildes - speziell im RAW-Format - kann zwar der Weißabgleich für das gesamte Bild verschoben werden, nicht aber für einzelne Teile, die jeweils unterschiedliche Farbtemperaturen aufweisen.

Die Lösung ist naheliegend: um die zwei von der Farbtemperatur unterschiedlichen Lichtquellen aneinander anzugleichen, lässt sich vor das Blitzgerät ein Farbfilter setzen, der auf die Umgebungslichtquelle abgestimmt wird. Für diesen Zweck gibt es spezielle Folien z.B. von Lee (Stichwort: "Lee Farbfilter", als Testblock unter 5 Euro erhältlich und ausreichend für den Blitzvorsatz). E-TTL erweist sich auch hier wieder als guter Freund* und gleicht den mit der Filterung verbundenen Helligkeitsverlust des Blitzes wieder aus. Sogar der interne Blitz kann so leicht mit einem kleinen Stück Folie an das Umgebungslicht angeglichen werden. Als Weissabgleich empfiehlt sich bei Filterfolieneinsatz das WB-Programm auf Kunstlicht.

Tipp: Falls keine Filterfolie vor dem Blitz zum Einsatz kommt, dann lassen sich idR gute Ergebnisse mit dem automatischen Weissabgleich (AWB) erzielen, da er dem kühl wirkenden Blitzlicht bei unterschiedlichen Lichtquellen noch einen warmen Ton beimischt.

*es besteht allerdings die Gefahr, dass einzelne Farbkanäle ausbrennen

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kabellos blitzen mit dem Slave Flash

Um frei aus der Hand oder irgendwo im Raum zu blitzen, sind normalerweise umfangreiche Investitionen nötig. Eine schlanke und simple Lösung kann jedoch der Electra Slave Flash sein, der über den in der Kamera eingebauten Blitz in der Hand oder irgendwo im Raum platziert ausgelöst wird.

Mit den kleinen Geräten lässt sich zudem eine simple und sehr kostengünstige Multi-Blitz-Lösung z.B. für Portraitaufnahmen aufbauen. Auch um Gewicht auf Reisen einzusparen, kann so ein Slave Flash äusserst nützlich sein.

Sie finden einen umfangreichen Traumflieger-Report & Workshops zum Slave Flash hier.

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Alter Blitz neu eingesetzt

Oft findet sich im Schrank noch ein längst vergessenes Blitzgerät aus alten Tagen. Es lohnt sich einmal zu überprüfen, ob es noch funktioniert und passend für die aktuelle Kamera ist. Vielfach ist das der Fall und mit etwas Übung lassen sich auch ohne TTL-Techniken gute Ergebnisse erzielen. Während der Testphase zu diesem Bericht haben wir nebenbei auch einen alten Regula Blitz getestet und es machte Spaß zu sehen, wie man mit ein paar Grundkenntnissen auch ganz ohne aufwendige Automatik ans Ziel kommt. Allerdings ist es wichtig, sich vor dem Einsatz eines solchen ‚Oldtimers’ zu erkundigen, ob die teils recht hohe Spannung am Blitzschuh die Kamera nicht beschädigt. So ist die 300D nur für geringe Spannungen zugelassen (<=6V), während die 20D auch alte Blitzgeräte mit Spannungen bis ca. 250 Volt verträgt.

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Ausgewogenheit durch Teleobjektiv

Ein simpler Trick überlistet scheinbar die Physik der Ausbreitung des Lichtes. Wir betrachten dazu ein Fallbeispiel:

Nicht immer soll nur ein Motiv abgelichtet werden, das sich in einer definierten Entfernung zum Blitzgerät befindet. Ein schönes Beispiel dafür ist z.B. eine Person, die nachts vor einem Baum steht. Der Abstand der Person von der Kamera sei dabei drei Meter. Der Baum befinde sich aber 3m hinter der Person und damit 6m von der Kamera entfernt. Bei doppeltem Abstand zwischen Lichtquelle und Baum wäre hierfür also die vierfache Lichtmenge erforderlich. Oder anders herum: Wenn der Hintergrund (Baum) ausreichend beleuchtet wäre, würde die Person im Vordergrund mit der vierfachen Lichtmenge völlig überbelichtet.

Mit dem klassischen Einsatz eines Blitzgerätes ist diese Problematik nicht ohne weiteres zu lösen, da der doppelte Abstand zwischen Kamera und Baum ein fast unlösbares Problem schafft. Entfernt man sich aber von der Person, wird der relative Unterschied zwischen Vordergrund und Hintergrund geringer. Alles was man benötigt, ist ein ausreichend starkes Blitzgerät und ein Teleobjektiv. Schon wenn die Aufnahme aus 6m Entfernung zum Motiv gemacht wird, bekommt der Hintergrund die 1,5 fache Lichtmenge spendiert und erscheint auf dem Foto deutlich heller.

Tipp: bei in Reihen aufgestaffelten Gruppenfotos fällt das Blitzlicht ausgewogener, wenn mit dem Teleobjektiv gearbeitet wird. So wird nicht nur die erste Reihe erfasst, sondern die gesamte Gruppe harmonischer ausgeleuchtet.

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Rekomponieren mit dem Blitz

Die E-TTL-Technik  birgt ein Problem für alle, die es gewohnt sind, in herkömmlicher Weise zu rekomponieren. Wenn man das Motiv anmisst, und dann mit halb gedrücktem Auslöser einen anderen Ausschnitt wählt, ist zwar die Schärfe und Belichtung (nur bei Mehrfeldmessung !) für das Umgebungslicht gespeichert, jedoch nicht für das Blitzlicht. Die Bestimmung der Lichtmenge für den Blitz erfolgt ja immer erst bei voll durchgedrücktem Auslöser mittels Vorblitz. Somit kann es bei dieser Technik leicht passieren, dass der Blitz zwar für den neuen Ausschnitt perfekt ist, nicht aber für das eigentlich zu fotografierende Motiv. Vermeiden kann man das mit der 'Sterntaste', die bei eingeschaltetem Blitz die Funktion 'FEL' (Flash Exposure Level) übernimmt. Beim Drücken dieser Taste wird ein Messblitz ausgesendet und die daraus bestimmte Lichtmenge für den Blitz für rund 4 sec festgehalten. Somit bleibt genug Zeit zum Neukomponieren des Bildausschnitts.

Kameraschwenks kommen nicht nur bei der Rekomposition vor, sondern sind bei Fokusproblemen ebenfalls nützlich. Trifft der Autofokus bei schlechten Lichtverhältnissen sein Ziel nicht, hilft ein simpler Trick: Man sucht sich einen kontrastreichen Punkt in etwa der Entfernung des Hauptmotivs und drückt den Auslöser halb durch. Sobald der Fokus gefunden ist, stellt man mit der linken Hand das Objektiv auf manuelles Fokussieren um. Dann schwenkt man zurück auf das Motiv und macht die Aufnahme. Damit wird die Belichtungsmessung für das Umgebungs- und das Blitzlicht am eigentlichen Motiv neu gemessen, wohingegen der Fokus vorher an einem 'Hilfsmotiv' bestimmt wurde. Zu beachten ist allerdings, dass Canon D-SLR Kameras dazu neigen, bei ausgeschaltetem Autofokus den mittleren Bereich zur Berechnung des Blitzes stärker zu gewichten. Da dieses Verhalten an den verschiedenen Kameras zudem unterschiedlich stark ausfällt, empfiehlt es sich Probeaufnahmen mit dem eigenen Gerät durchzuführen.

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Marktübersicht-Blitzgeräte

Wer den Kauf eines Blitzgerätes plant, findet in unserer Marktübersicht zu aktuellen Modellen ggf. das passende.

hier klicken, um zur Marktübersicht zu gelangen

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Leserkommentare

Derzeit sind hier 80 Kommentare vorhanden:
 

Stefan TF: Hallo Thomas,
vermutlich meinst du die Individualfunktion 3, in der man die automatische Blitzbelichtungszeit-Wahl von 1/60 - 1/200s zuordnen kann. Die bezieht sich jedoch nur auf das Programm AV.
viele Grüsse
Stefan
(13.10.2011, 16:06 Uhr)

Thomas Langnickel: Hallo Stefan,
ein sehr informativer Bericht, besser als jede andere Erklärung, die ich im Netz gefunden habe!
Eine Frage hätte ich trotzdem:
Im Abschnitt über das Blitzen in den Kreativprogrammen steht bei der Beschreibung des Programmes P folgendes:
"Wird das Blitzgerät aktiviert, so begrenzt das Programm P die Belichtungsdauer und lässt als kürzeste Zeit 1/60 Sekunde zu."
In der Beschreibung meiner EOS 500D steht jedoch, dass das Programm P bei Blitzeinsatz die Verschlusszeit zwischen 1/60 und 1/200 selbst regelt, d.h. es wären doch prinzipiell, abhängig von der Situation, kürzere Belichtungszeiten als 1/60 möglich? Habe ich da was falsch verstanden und wenn ja, dann bitte nicht lachen... :-)
Viele Grüße
Thomas
(13.10.2011, 14:40 Uhr)

Chris: Samstag: was tue ich trotz Ferien? lese endlich Euren Bericht! und ich muss sagen: ganz ganz große Klasse! Gruß aus Düsseldorf
(16.04.2011, 18:38 Uhr)

Peter Paul Zehner: Einer der fantastischen Möglichkeiten der dSLR ggü der Kompakten ist der Eingriff in die Blitzsteuerung, sowohl über die Programme als auch örtlich (Kabel oder Funk). Mit etwas Geschick sind Belichtungsmessung und reduzierter Blitz (am Kabel, auch mit Folie) ein Segen für das gemischte Licht der blauen Stunde, nahe harte Schatten fallen damit weg. Gute Studiotechnik ist hingegen mit Systemblitzen kaum zu erreichen (Ausnahme Ministudio Kaiser Dom - eine tolles Übungsmöglichkeit), aber ein Genuß in der Gestaltbarkeit. Wie oft hilft [M] hier problemlos weiter...
(17.08.2010, 14:00 Uhr)

Charlie: Hallo zusammen!

Diese Seite ist einfach suuuper! Gerade wurden mir im "Blitzreport" einige Fragen beantwortet, was auch der Dealer meines Vertrauens nicht konnte. Eine Frage ist noch offen geblieben: Warum funktioniert die AF-Hilfsleuchte nur bei ausgefahrenem Einbaublitz?

Grüße und Danke
Charlie
(27.06.2010, 16:36 Uhr)

Stefan_tf: @Marlene: einige Blitzgeräte verfügen über eine Kurzzeit-Sychronisation, so dass sie auch unterhalb der Sychronzeit (1/200 an der 400D) blitzen, lassen dann aber etwas in der Leistung nach.
(28.03.2010, 14:20 Uhr)

Marlene: Hallo Stefan
Sehr interesanter Bericht zur Blitzfotografie. Was ich allerdings nicht verstehe: Im Kapitel "Umgebung ausblenden" wird von Geschwindigkeiten bis 1/8000 gesprochen. Wie soll das bei aufgesetzem Blitz gehen? Bei meiner 400D wird die Geschwindigkeit auf 1/200 beschränkt, oder wird diese Beschränkung durch den Of-Shoe-Kabel oder Tansmitter aufgehoben?
(28.03.2010, 14:09 Uhr)

Kroegi: Könnte der Artikel um den Metz 58 AF-1 erweitert werden?
(03.10.2009, 17:57 Uhr)

Peter: Hallo Stefan
Möchte die 40 D im Studiobetrieb verwenden .
Bisher mit Nikon D 80 gearbeitet.
Nach ersten Tests sehr entäuscht-
Arbeite mit Studioblitzanlage von Hänsel-digital.
Es fehlt die ausleuchtung in den Bildern welche bei Nikon mit gleicher Einstellungswerten brilliant waren .
Hast Du einen Tipp für die Einstellung an der 40D.
Gruß peter
(30.10.2008, 10:52 Uhr)

Claudia: Bravo für die ausführlichen und verständlichen Ausführungen zu diesem schwierigen Thema.
Habe jetzt was zu tun für die nächsten Tage....
Grüsse
Claudia
(30.07.2008, 11:34 Uhr)

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