Meist möchte man einen möglichst natürlichen Eindruck von der abzulichtenden
Szene haben. Trotzdem soll das Hauptmotiv ausreichend beleuchtet sein. Das geht
nur, wenn man versucht, den Blitz dezent einzusetzen und möglicht viel
des Umgebungslichtes einzufangen. Gut geeignet ist hier beispielsweise das
Programm AV. Das Hauptlicht wird
hier überwiegend aus
dem vorhandenen Umgebungslicht eingesammelt und das Blitzlicht gibt den letzten
Schuss an Aufhellung dazu.
Nachteil dieser Mischmethode sind die langen Belichtungszeiten, die
normalerweise Bewegungs- und Verwacklungsunschärfen nach sich ziehen, soweit
wenig Umgebungslicht vorhanden ist. Die Verwackler lassen sich zwar ggf. durch Einsatz
eines Bildstabilisators oder mittels Stativ vermeiden, doch sind unerwünschte
Unschärfen bewegter Motive problematischer. Der
zugeschaltete Blitz reduziert jedoch aufgrund seines Einfriereffektes
automatisch Bewegungs- und auch Verwacklungsunschärfen.
Der Einfriereffekt basiert auf der Tatsache, dass der Blitz nur extrem kurz leuchtet
und während seiner Leuchtdauer überproportional stark in die
Gesamtbelichtungszeit eingeht. Technisch gesehen kann man sich das als Fusion
zweier Aufnahmen vorstellen, die mit langer Belichtungszeit (incl. aller
Nachteilen durch Bewegungs- und Verwacklungsunschärfen) und durch Kurzzeitbelichtung des Blitzes (mit etwa 1/800 Sekunde)
gemittelt in die Gesamtaufnahme eingehen. Der aufgeblitzte, scharfe Anteil setzt
sich dabei im Bild durch und hebt den Gesamtschärfeeindruck einer Aufnahme an.
Selbst Aufnahmen aus der Hand, die deutlich länger als nach der
Faustformel
zulässig aufgenommen werden, können dadurch noch brauchbar sein.
treffsicherer mit dem AF-Hilfslicht
Auch wer gern manchmal nachts bei seinen Aufnahmen das vorhandene Licht
vorzieht, sollte das Blitzgerät trotzdem ruhig zur Fotosession mitnehmen, soweit
es über ein AF- Hilfslicht verfügt. Ist die Individualfunktion
C.Fn-07 auf ‚blitzt nicht’ eingestellt,
wird zwar kein Blitz mehr ausgelöst, allerdings arbeitet das Hilfslicht am
externen Blitzgerät dennoch und unterstützt den Fotografen mit seinem diskreten
roten Licht bei der Fokussierung auf dunkle oder kontrastarme Motive, soweit
diese nicht weiter als ca. 10m entfernt sind.
Der Autofokusbetrieb wird durch das externe Hilfslicht deutlich verbessert und
hilft vor allen Dingen bei der Fokussierung in völliger Dunkelheit.
stimmungsvoller blitzen mit Farbfolien
Ein besonderes Problem beim Einsatz des Blitzes stellt der Weißabgleich dar. Der
Blitz sendet weißes Licht mit einer Farbtemperatur von ca.5200 K ab. Der Hintergrund ist allerdings in urbaner Umgebung oft durch Kunstlicht erhellt
und enthält häufig erhöhte Rotanteile. Ein Gegenstand der vor einem solchen
Hintergrund angeblitzt wird, erscheint daher oft unnatürlich kühl und ist bei Weissabgleich auf Kunstlicht mit einem Blaustich versehen - ein Problem das
besonders störend bei Aufnahmen von Gesichtern bzw. mit Hautanteilen auffällt
und eigentlich typisch für viele aufgeblitzte Aufnahmen in Innenräumen ist.
Bei der Nachbearbeitung des Bildes -
speziell im RAW-Format - kann zwar der Weißabgleich für das gesamte Bild
verschoben werden, nicht aber für einzelne Teile, die jeweils unterschiedliche
Farbtemperaturen aufweisen.
Die Lösung ist naheliegend: um die zwei von der Farbtemperatur unterschiedlichen
Lichtquellen aneinander anzugleichen, lässt sich vor das Blitzgerät ein
Farbfilter setzen, der auf die Umgebungslichtquelle abgestimmt wird. Für diesen
Zweck gibt es spezielle Folien z.B. von Lee (Stichwort: "Lee Farbfilter", als
Testblock unter 5 Euro erhältlich und ausreichend für den Blitzvorsatz). E-TTL
erweist sich auch hier wieder als guter Freund* und gleicht den mit der Filterung
verbundenen Helligkeitsverlust des Blitzes wieder aus. Sogar der interne Blitz
kann so leicht mit einem kleinen Stück Folie an das Umgebungslicht angeglichen
werden. Als Weissabgleich empfiehlt sich bei Filterfolieneinsatz das WB-Programm
auf Kunstlicht.
Tipp:Falls keine
Filterfolie vor dem Blitz zum Einsatz kommt, dann lassen sich idR gute
Ergebnisse mit dem automatischen Weissabgleich (AWB) erzielen, da er dem kühl
wirkenden Blitzlicht bei unterschiedlichen Lichtquellen noch einen warmen Ton
beimischt.
*es besteht allerdings die Gefahr, dass einzelne
Farbkanäle ausbrennen
kabellos blitzen mit dem Slave Flash
Um frei aus der Hand oder irgendwo im Raum zu blitzen, sind normalerweise
umfangreiche Investitionen nötig. Eine schlanke und simple Lösung kann jedoch
der Electra Slave Flash sein, der über den in der Kamera eingebauten Blitz in
der Hand oder irgendwo im Raum platziert ausgelöst wird.
Mit den kleinen Geräten lässt sich zudem eine simple und sehr kostengünstige
Multi-Blitz-Lösung z.B. für Portraitaufnahmen aufbauen. Auch um Gewicht auf
Reisen einzusparen, kann so ein Slave Flash äusserst nützlich sein.
Sie finden einen umfangreichen Traumflieger-Report & Workshops zum Slave Flash
hier.
Alter Blitz neu eingesetzt
Oft findet sich im Schrank noch ein längst vergessenes Blitzgerät aus alten
Tagen. Es lohnt sich einmal zu überprüfen, ob es noch funktioniert und passend
für die aktuelle Kamera ist. Vielfach ist das der Fall und mit etwas Übung lassen
sich auch ohne TTL-Techniken gute Ergebnisse erzielen. Während der Testphase zu diesem
Bericht haben wir nebenbei auch einen alten Regula Blitz getestet und es machte
Spaß zu sehen, wie man mit ein paar Grundkenntnissen auch ganz ohne
aufwendige Automatik ans Ziel kommt. Allerdings ist es wichtig, sich vor dem
Einsatz eines solchen ‚Oldtimers’ zu erkundigen, ob die teils recht hohe
Spannung am Blitzschuh die Kamera nicht beschädigt. So ist die 300D nur
für geringe Spannungen zugelassen (<=6V), während die 20D auch alte Blitzgeräte
mit Spannungen bis ca. 250 Volt verträgt.
Ausgewogenheit durch Teleobjektiv
Ein simpler Trick überlistet scheinbar die Physik der Ausbreitung des Lichtes.
Wir betrachten dazu ein Fallbeispiel:
Nicht immer soll nur ein Motiv abgelichtet werden, das sich in einer definierten
Entfernung zum Blitzgerät befindet. Ein schönes Beispiel dafür ist z.B. eine
Person, die nachts vor einem Baum steht. Der Abstand der Person von der Kamera
sei dabei drei Meter. Der Baum befinde sich aber 3m hinter der Person und damit
6m von der Kamera entfernt. Bei doppeltem Abstand zwischen Lichtquelle und Baum
wäre hierfür also die vierfache Lichtmenge erforderlich. Oder anders herum: Wenn
der Hintergrund (Baum) ausreichend beleuchtet wäre, würde die Person im
Vordergrund mit der vierfachen Lichtmenge völlig überbelichtet.
Mit dem klassischen Einsatz eines Blitzgerätes ist diese Problematik nicht ohne
weiteres zu lösen, da der doppelte Abstand zwischen Kamera und Baum ein fast
unlösbares Problem schafft. Entfernt man sich aber von der Person, wird der
relative Unterschied zwischen Vordergrund und Hintergrund geringer. Alles was
man benötigt, ist ein ausreichend starkes Blitzgerät und ein Teleobjektiv. Schon
wenn die Aufnahme aus 6m Entfernung zum Motiv gemacht wird, bekommt der
Hintergrund die 1,5 fache Lichtmenge spendiert und erscheint auf dem Foto
deutlich heller.
Tipp:bei in Reihen aufgestaffelten Gruppenfotos fällt das
Blitzlicht ausgewogener, wenn mit dem Teleobjektiv gearbeitet wird. So wird
nicht nur die erste Reihe erfasst, sondern die gesamte Gruppe harmonischer
ausgeleuchtet.
Rekomponieren mit dem Blitz
Die E-TTL-Technik birgt ein Problem für
alle, die es gewohnt sind, in herkömmlicher Weise zu rekomponieren. Wenn man das
Motiv anmisst, und dann mit halb gedrücktem Auslöser einen anderen Ausschnitt
wählt, ist zwar die Schärfe und Belichtung (nur bei
Mehrfeldmessung !) für das Umgebungslicht gespeichert, jedoch nicht
für das Blitzlicht. Die Bestimmung der Lichtmenge für den Blitz erfolgt ja immer
erst bei voll durchgedrücktem Auslöser mittels Vorblitz. Somit kann es bei dieser Technik leicht
passieren, dass der Blitz zwar für den neuen Ausschnitt perfekt ist, nicht aber
für das eigentlich zu fotografierende Motiv. Vermeiden kann man das mit der
'Sterntaste', die bei eingeschaltetem Blitz die Funktion 'FEL' (Flash Exposure
Level) übernimmt. Beim Drücken dieser Taste wird ein Messblitz ausgesendet und
die daraus bestimmte Lichtmenge für den Blitz für rund 4 sec festgehalten. Somit
bleibt genug Zeit zum Neukomponieren des Bildausschnitts.
Kameraschwenks kommen nicht nur bei der Rekomposition vor, sondern sind bei
Fokusproblemen ebenfalls nützlich. Trifft der Autofokus bei schlechten
Lichtverhältnissen sein Ziel nicht, hilft ein simpler Trick: Man sucht sich einen
kontrastreichen Punkt in etwa
der Entfernung des Hauptmotivs und drückt den Auslöser halb durch. Sobald der
Fokus gefunden ist, stellt man mit der linken Hand das Objektiv auf manuelles
Fokussieren um. Dann schwenkt man zurück auf das Motiv und macht die Aufnahme.
Damit wird die Belichtungsmessung für das Umgebungs- und das Blitzlicht am
eigentlichen Motiv neu gemessen, wohingegen der Fokus vorher an einem
'Hilfsmotiv' bestimmt wurde. Zu beachten ist allerdings, dass Canon D-SLR
Kameras dazu neigen, bei ausgeschaltetem Autofokus den mittleren Bereich zur
Berechnung des Blitzes stärker zu gewichten. Da dieses Verhalten an den
verschiedenen Kameras zudem unterschiedlich stark ausfällt, empfiehlt es sich
Probeaufnahmen mit dem eigenen Gerät durchzuführen.
Marktübersicht-Blitzgeräte
Wer den Kauf eines Blitzgerätes plant, findet in unserer
Marktübersicht zu aktuellen Modellen ggf. das passende.
Leserkommentare
Derzeit sind hier 77 Kommentare vorhanden:
Peter Paul Zehner: Einer der fantastischen Möglichkeiten der dSLR ggü der Kompakten ist der Eingriff in die Blitzsteuerung, sowohl über die Programme als auch örtlich (Kabel oder Funk). Mit etwas Geschick sind Belichtungsmessung und reduzierter Blitz (am Kabel, auch mit Folie) ein Segen für das gemischte Licht der blauen Stunde, nahe harte Schatten fallen damit weg. Gute Studiotechnik ist hingegen mit Systemblitzen kaum zu erreichen (Ausnahme Ministudio Kaiser Dom - eine tolles Übungsmöglichkeit), aber ein Genuß in der Gestaltbarkeit. Wie oft hilft [M] hier problemlos weiter... (17.08.2010, 14:00 Uhr)
Charlie: Hallo zusammen!
Diese Seite ist einfach suuuper! Gerade wurden mir im "Blitzreport" einige Fragen beantwortet, was auch der Dealer meines Vertrauens nicht konnte. Eine Frage ist noch offen geblieben: Warum funktioniert die AF-Hilfsleuchte nur bei ausgefahrenem Einbaublitz?
Grüße und Danke
Charlie (27.06.2010, 16:36 Uhr)
Stefan_tf: @Marlene: einige Blitzgeräte verfügen über eine Kurzzeit-Sychronisation, so dass sie auch unterhalb der Sychronzeit (1/200 an der 400D) blitzen, lassen dann aber etwas in der Leistung nach. (28.03.2010, 14:20 Uhr)
Marlene: Hallo Stefan
Sehr interesanter Bericht zur Blitzfotografie. Was ich allerdings nicht verstehe: Im Kapitel "Umgebung ausblenden" wird von Geschwindigkeiten bis 1/8000 gesprochen. Wie soll das bei aufgesetzem Blitz gehen? Bei meiner 400D wird die Geschwindigkeit auf 1/200 beschränkt, oder wird diese Beschränkung durch den Of-Shoe-Kabel oder Tansmitter aufgehoben? (28.03.2010, 14:09 Uhr)
Kroegi: Könnte der Artikel um den Metz 58 AF-1 erweitert werden? (03.10.2009, 17:57 Uhr)
Peter: Hallo Stefan
Möchte die 40 D im Studiobetrieb verwenden .
Bisher mit Nikon D 80 gearbeitet.
Nach ersten Tests sehr entäuscht-
Arbeite mit Studioblitzanlage von Hänsel-digital.
Es fehlt die ausleuchtung in den Bildern welche bei Nikon mit gleicher Einstellungswerten brilliant waren .
Hast Du einen Tipp für die Einstellung an der 40D.
Gruß peter (30.10.2008, 10:52 Uhr)
Claudia: Bravo für die ausführlichen und verständlichen Ausführungen zu diesem schwierigen Thema.
Habe jetzt was zu tun für die nächsten Tage....
Grüsse
Claudia (30.07.2008, 11:34 Uhr)
Jojo: Danke für diesen informativen Bericht. Selbst ich als blutiger Anfänger hab so einiges verstanden:) (02.06.2008, 21:16 Uhr)
Bernhard Eichhorn: Alles klasse erklärt - auch wenn ich manches zwei oder dreimal lesen muß. Das liegt aber an mir!!:) Eine Frage: Gibt es Infos zu der Kombination EOS 40D mit Metz Mecablitz 48 AF-1 digital Canon??? Würde mich sehr interessieren - die Daten zum Metz hören sich für mich ziemlich gut an - der Preis auch. DANKE! (26.05.2008, 20:47 Uhr)
Stefan_tf: @Christoph:
Du kannst mit dem Sigma-Makroblitz (EM 140) als Master das 530 DG Super als Slave ansteuern. Allerdings nutz die klassische Art, bei dem beide Geräte im ETTL-Betrieb bleiben (also nicht im manuellen Modus bei reduzierter Blitzleistung). (18.04.2008, 17:32 Uhr)