Autofokus-Analyse Teil 3
Die EOS 7D im Vergleich zur 50D, 5D Mark II, 1D Mark III

 

ein Report von Stefan Gross - Oktober 2009


 

Vorbemerkung: siehe hier !

   3. Tag: Greifvögel im Flug

3. Testtag:

Nachdem wir am zweiten Testtag rund 1.300 Fotos vom Rallywagen an der 7D durchgeackert haben, geht es jetzt am 3. Testtag in den Wildpark zum Falkner. Greifvögel im Flug stehen auf dem Programm.

Im Gepäck sind die vier vorkonfigurierten Canon DSLR: Programm AV, ISO 3.200, Autofokus-Betriebsart Ai-Servo (mittleres AF-Feld), schneller Serienbildmodus bei ansonsten Standardeinstellugen wurden vorgewählt. Die lichtstarken Tele-Objektive werden auf die Offenblende von f 2,8 voreingestellt.

Die Bedingungen sind gut: rund 15 Grad Aussentemperatur bei einem dezent bewölkten Himmel. Das verspricht weiches Licht bei kurzen Belichtungszeiten (idR um 1/2.500 Sek.), somit sind Bewegungsunschärfen kein Thema.

Zunächst testen wir parallel die EOS 7D und 1D Mark III mit den Canon 70-200/2,8L-Objektiven; anschliessend kommen an diesen Linsen auch die 5D Mark II und 50D zum Zuge. Später verwenden wir an der 7D und 1D III auch das Canon 300mm/2,8 L IS USM und Sigma 120-300mm/2,8 HSM.
 

 

Testdurchführung

Die Flugshow beginnt mit einem kleinen - etwa amselgrossen - Buntfalken. Es ist kaum möglich, ihn optisch durch den Sucher beim Flug zu verfolgen, wir feuern quasi blind und hoffen, ihn zentriert zu erwischen. Das missglückt in der Mehrzahl jedoch.

Einfacher wird es dann beim grösseren Turmfalken, der auch mal gleitend in den freien Himmel fliegt. Obwohl wir auch ihn nicht kontinuierlich mit dem gewählten, zentralen AF-Feld fokussieren können, driftet der Autofokus hier weder an der 7D noch 1D III komplett in den Hintergrund. Die Schärfe liegt - mit leichtem Shifting - überwiegend auf dem Vogel. An der 5D Mark II klebt der Fokus jedoch auf dem Hintergrund, wenn der Falke gegen den freien Himmel nicht mit dem AF-Feld getroffen wurde. Die EOS 50D kommt während der dreissigminütigen Flugshow am wenigsten zum Einsatz, von den 56 Bildern im Fluge treffen wir mit dem Zentrum 13 mal und erreichen damit nur zwei scharfe Aufnahmen.

Szenen im Nahbereich mit Annäherung bis auf ca. 8 Meter werden an keiner der DSLR scharf eingefangen. Das dürfte an dem verwendeten, zentralen AF-Feld liegen, wie wir im 2. Teil ermittelt haben (Trefferquote im Nahbereich ist mit Einzelfeld problematisch).

Ingesamt landen auf den Speicherkarten rund 1.500 Aufnahmen, von denen sich die Greifvögel während 919 Aufnahmen im Fluge aufhielten. Das zentrale AF-Feld konnte davon in 250 Fällen auf die Vögel ausgerichtet werden. Von diesen 250 Bildern wurden insgesamt nur 67 Aufnahmen (27%) wirklich scharf.

Die Ausbeute ist also vergleichsweise mager. Hauptgrund dürfte das Problem der häufig aus dem Messbereich des AF-Feldes gleitenden Vögel sein. Der Autofokus geht dann auf Suche nach einem Ziel und kann bei unvermitteltem Wiedereintritt in den Fokusbereich meist nicht schnell genug reagieren*.  Bei langsameren Motiven mit kontinuierlicher Bewegungsrichtung - wie etwa bei Joggern - oder leichter zu erfassenden Sujets wie z.B. im Motor-Rennsport wird die Scharfstellquote regelmässig erheblich höher liegen (wie wir bisher z.B. an Strassen-PKWs um 50% ermittelt hatten, Infos siehe hier).

*Die alternative Mehrfeldmessung mit besserer Sucherabdeckung haben wir aufgrund der Shifting-Probleme und wegen der Gefahr einer Fixierung auf den Hintergrund nicht angewendet (siehe Teil 2).

Get the Flash Player to see this player.


An allen Kameras kommt es zu verzögerten Reaktionen. Zum Teil wird die Schärfe erst einen Frame später gelegt, selbst wenn das AF-Feld dann schon nicht mehr auf dem Vogel platziert ist. Insbesondere an der 7D und 1D III liess sich dieses Verhalten mehrfach beobachten; erstaunlich jedoch, dass es dabei zu keinem konstanten Backfokus kommt (den Nahbereich einmal ausgeklammert). Das umgekehrte Verhalten war an allen DSLR typisch: das AF-Feld zeigt auf den Greifvogel, dennoch wird die Schärfe nicht sauber nachgeführt. Die längste derartige Sequenz war an der 1D III mit vier Frames am Sigma 120-300mm/2,8 in Folge zu verzeichnen.

optisch beste 100%-Ausschnitte, alle mit ISO 3.200, f2,8, JPEG, nachgeschärft (USM 160 / 0,7)


Canon 300mm/2,8 L IS USM


Canon 70-200mm/2,8 L USM


Canon 70-200mm/2,8L IS USM


Sigma 120-300mm/2,8 HSM

volles Format

voll aufgelöstes Bild voll aufgelöstes Bild* voll aufgelöstes Bild* voll aufgelöstes Bild*


*Download erfordert Mitgliedschaft

Hinweis: die Bildqualität werden wir noch eingehender im RAW-Format an den Kameras untersuchen, insbesondere sobald ACR 5.6 mit offizieller Unterstützung der 7D verfügbar ist. Derweil musste JPEG als kleinster gemeinsamer Nenner verwendet werden.

 


Einzelwertung

wichtiger Hinweis: im 4. Teil kommen wir zum Teil zu abweichenden Ergebnissen !

Die EOS 7D erzielt bei 8 Bildern/Sek. durchschnittlich 38% scharfe Aufnahmen; nimmt man das relativ nachführschwache Sigma 120-300/2,8 aus der Wertung, dann steigt die Quote auf 48% an den beiden Canon-Telebrennweiten. Verwertbar (50% der halbscharfen Aufnahmen hinzugerechnet) sind 70%. Damit liegt sie klar auf dem ersten Platz in unserem Test.

An der 1D Mark III (10 Bilder/Sek.) ergeben sich aus den Flugaufnahmen mit AF-Feldtreffern im Schnitt 32% scharfe Bilder. Werden nur die Canon-Teleobjektive berücksichtigt, dann liegt die Quote der scharfen Bilder bei 38% bei einem Verwertungsprozentsatz von 59% - Platz 2 im Testfeld. Der satte Auslöse-Sound, Wetterfestigkeit und integrierte Batteriegriff sind jedoch Faktoren, die gegenüber 7D positiv auffallen.

Die EOS 5D Mark II wurde nur am Canon 70-200mm/2,8 L IS USM getestet. Dort ergibt sich eine Scharfstellquote von 21% (50% Verwertungsquote). Man merkt, dass die 5DII nicht primär für schnelle Bewegtmotive optimiert ist, denn durch die vergleichsweise geringe Serienbildgeschwindigkeit von 3,9 Bildern/Sek. löst sie vielfach verzögert oder garnicht aus. Vereinzelte Aufnahmen wurden dennoch scharf.

Die EOS 50D (6,3 Bilder/Sek.) erzielt am Canon 70-200/2,8 L USM nur magere 15% an scharfen Aufnahmen (38% verwertbar). Wir konnten jedoch zeitbedingt nur wenige Testbilder* an der 50D durchführen, daher ist diese Wertung statistisch nicht abgesichert.

Die beste Gesamtquote bei den Objektiven ergibt sich am Canon 300mm/2,8 L IS USM mit 47% an scharfen Bildern und einer Verwertungsquote von 66% (Mittel aus 7D und 1DIII). Die Canon 70-200/2,8-Telebrennweiten erzielen im Durchschnitt an allen Kameras eine Scharfstellquote von 30% und 54% verwertbare Bilder (7D + 1DIII zusammen durchschnittlich 51% scharf und 64% verwertbar). Das Sigma 120-300mm/2,8 EX HSM erzielt an der 7D/1DIII im Schnitt nur 15% scharfe Aufnahmen (44% verwertbar).

*56 Testbilder von denen 13 das Motiv mit dem AF-Feld treffen

 



 

Auflösung bei ruhendem Motiv

Wir gehen hier auch der Frage nach, wie hoch die Kameras im Idealfall bei ISO 3.200 auflösen. Dafür haben wir das Canon 70-200mm/2,8 L IS USM eine Stufe auf f4 abgeblendet bei 200mm und vom Stativ mit 1/1.000 Sek. aus der jeweils selben Distanz ausgelöst. Verwendet wurde die Spiegelvorauslösung (10 Sek. Selbstauslöser) bei manueller Scharfstellung (10x-Lupe) auf ein Fasan-Präparat. Unten werden 100%-Ausschnitte gezeigt:
 

 

JPEG mit Kamera-Standardeinstellungen (High ISO-Rauschunterdrückung "ein")

RAW mit Lightroom (Standardeinstellungen)

RAW mit Digital Photo Professional (Standardeinstellungen)

 

 

zum Dokumentanfang

 

 

    Leser-Feedback

 

  Leserkommentare:


Derzeit sind hier 37 Kommentare vorhanden:
 

Karl-Heinz Sauer: Hallo Fotofreunde!
Hoffentlich kommt man Kommentar nicht zu spät, - aber was ich zu sagen habe, ist immer aktuell bzw. zeitlos:
Dass Greifvögel im Flug und dazu noch in bester Qualität abzulichten nicht gerade einfach ist, muss ich immer wieder feststellen, obwohl ich zwischenzeitlich etwas Erfahrung sammeln konnte.
Als Fazit und vielleicht Trost für viele kann ich sagen:
Flugaufnahmen von Vögeln ist vergleichbar mit dem Angeln. Man braucht neben vielen Voraussetzungen wie Wetter, Ausrüstung etc. vorallem
Geduld und etwas Glück !!
In diesem Sinne
Okasa (Karl-Heinz)
(25.08.2012, 09:22 Uhr)

Stefan_tf: @Wilhelm: bei "Aus" und Objektiven mit Ring-USM (u.a. alle L-Objektive)kann man ggf. schneller manuell nachfokussieren, ohne dass der Servo einen überstimmt und weitersucht. Je nach Motiv/Wiederholbarkeit und Trainingsstand des Fotografen.
(15.02.2012, 12:26 Uhr)

Wilhelm: Hallo Stefan, mit anderen Worten...AUS? Nur, wenn ich zBsp. neben der fliegenden Gans einen Baum erwische, sucht die Kamera nicht mehr nach. Dann passiert nix und ich kann von vorne beginnen. Die Gans ist dann auch weg :-(
(15.02.2012, 11:55 Uhr)

Stefan_tf: @Wilhelm: die Schärfensuche ist bei Actionmotiven kaum effektiv, weil der Suchweg viel zu lang wird und das Motiv dann meist aus dem Sichtfeld ist.
(07.02.2012, 14:48 Uhr)

Wilhelm: Habt ihr nicht ein wichtiges Kriterium bei den Flugaufnahmen vergessen? Schärfesuche EIN oder AUS???
Für die Superteles wird AUS empfohlen.
Bisher konnte mir das Niemand schlüssig erklären :-(
(07.02.2012, 13:38 Uhr)

Stefan_tf: @marci: wir sehen anhand der Testbilder, ob der AF hätte treffen müssem. Bilder, bei denen das zentrale AF nicht über dem Motiv liegen, wurden nicht ausgewertet. Ist doch eigentlich logisch, oder ?
(21.11.2011, 18:24 Uhr)

marci.r: diese Test sind doch völlig unrealistisch. Wie will man denn eine AF Treffsicherheit respektive Genauigkeit testen, wenn das alles aus der freien Hand gemacht wird. Da haut der AF schon durch die körpereigenen Zitterbewegungen daneben, zumal der zentrale AF fest vorgewählt wurde. Wer will denn da sicherstellen, das der Fotograf nicht aus versehen mal daneben zielt, bzw. zum Zeitpunkt der Messung von einer kontrastreicheren Struktur auf eine kontrastärmere verrutscht wird.
(21.11.2011, 17:55 Uhr)

Stefan_tf: @Mikona: ansonsten bekommst du aber auch Schwierigkeiten: verrauscht oder Bewegungsunschärfen, zumindest bei der Geschwindigkeit.
(05.08.2010, 09:00 Uhr)

mikona: Ein wenig erstaunt hat mich die Kameraeinstellung:
ISO 3200 und dann Blende 2.8 bei @200mm bzw. @300mm

Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, muß ich mich nicht wundern so viele unscharfe Fotos zu ernten. Je näher der Vogel der Kamera kommt, desto geringer ist die Schärfentiefe. Bei 300mm Blende 2.8 und 15m zum Greifvogel habe ich nur noch eine Schärfentiefe von 26cm d.h. ca. 13cm vor und nach dem Focus... und das bei der Fluggeschwindigkeit direkt auf die Kamera ...
(05.08.2010, 08:12 Uhr)

Stefan_tf: @Wolle: der grosse Vergleichstest 7D mit einigen Videos und Demos ist jetzt online:
http://www.traumflieger.de/desktop/7d/EOS_7D_im_Test.php
(28.10.2009, 06:41 Uhr)

[1] [2] [3] [4] [weiter >>]
Kommentar schreiben:

Name:
E-Mail oder Homepage:

Bitte diese Zahlen eingeben:
Captcha Code

Hier geht es ZUM FORUM / Canon Specials finden Sie im TRAUMFLIEGER-SHOP !

 

 

 



 

Traumflieger-Hintergrundinfos

Wissen


Umfrage

Traumflieger-Hintergrundinfos

Wissen


Umfrage


Traumflieger-Firmwareinfo  

Firmware