Autofokus-Analyse Teil 2
Die EOS 7D im Vergleich zur 50D, 5D Mark II, 1D Mark III

 

ein Report von Stefan Gross - Oktober 2009


Vorbemerkung:
siehe hier !

   2. Tag: optimale Autofokus-Feldwahl

2. Testtag:

Bevor einzelne Objektive eingehender zu den Vergleichskameras untersucht werden, soll geklärt werden, welcher Messbereich an der EOS 7D die beste Leistung bringt.

Mehrstellige Canon DSLR bieten beispielsweise ja nur die Wahl zwischen Einzelfeld und automatischer AF-Messfeldwahl. Die 7D verfügt jedoch über ganze fünf verschiedene Modi: 1. Spot-AF, 2. Einzelfeld-AF, 3. AF-Feldausweiterung, 4. Zonen-AF und 5. automatische AF-Feldwahl.

Doch welcher Bereichsmodus arbeitet an der 7D am besten ?

Die ersten beiden Modi ähneln sich, da ein einzelnes Feld den massgeblichen Messbereich bestimmt. Die AF-Feldausweitung basiert auf einem zentralen AF-Feld und nutzt bedarfsweise unmittelbar umliegende Hilfsfelder.

Zonen- bzw. automatische Messfeldwahl wählt eines oder mehrere AF-Felder automatisch aus. Letztere sollten bei Bewegtmotiven eine Hilfe sein, wenn man z.B. nicht exakt nachschwenken bzw. die Kamera mittig auf das Motiv halten kann. Die 7D beansprucht jedoch in diesen beiden automatischen Modi intern mehr Rechenleistung und könnte ggf. Timingprobleme mit der Schärfenachführung bekommen.

 

Wir haben die fünf Modi jeweils in 4 Disziplinen* am Canon 70-200/2,8 L IS USM bei 200mm untersucht, verwendet wurde der Ai-Servo im schnellen Serienbildmodus (Individualfunktionen mit Standardbelegung) anhand eines funkgesteuerten Rallywagens.

*Datenbasis 1.258 Testbilder

1. der Rallywagen fährt aus grösserer Entfernung (ca. 40m, geringer Abstand zum Hintergrund) in gerader Linie mit ca. 10 km/h auf die Kamera zu.

Spot- und Einzelfeld-AF zeigen auf grössere Distanz eine fast 100%ige Nachführgenauigkeit. Ab ca. 5 Meter Annäherung wird die Fokussierung ungenau und schiftet vor- und zurück. Die AF-Feldausweitung hält fast durchgehend die Schärfe auch im Nahbereich sehr gut. Konkurriert der Hintergrund mit dem Hauptmotiv, dann springt der Fokus in den Hintergrund, nimmt die Motivverfolgung jedoch recht schnell wieder auf. Zonen-AF und automatische Messfeldwahl springen frühzeitig auf den Hintergrund und nehmen die Motivverfolgung nicht mehr auf.

2. der Rallywagen fährt aus geringerer Distanz (ca. 10m, ausreichend Abstand zum Hintergrund) in gerader Linie auf die Kamera zu.

Spot- und Einzelfeld-AF halten die ersten 5 Meter die Schärfe nahezu auf 100%, bei grösserer Annäherung zeigt der Spot-AF einen konstanten Backfokus, der Einzelfeld-AF shiftet, tendiert aber auch zum Backfokus. Die AF-Feldausweitung trifft mit dem Fokus nahezu konstant perfekt, auch im Nahbereich. Der Zonen-AF und die automatische Messfeldauswahl halten die Schärfe konstant sehr gut aus der Distanz bis in den Nahbereich.

3. der Rallywagen fährt aus geringerer Distanz (ca. 10m, ausreichend Abstand zum Hintergrund) in kurviger Linie auf die Kamera zu.

Für Spot- und Einzelfeld-AF gelten die Aussagen wie oben, soweit der Wagen in der Anfahrtsphase im Messfeldbereich liegt. Kreuzt der Wagen kurvend das AF-Feld (z.B. drei Bilder lang), reicht die Zeit besonders beim Spot-AF im Nahbereich nicht, um scharfzustellen (Einzelfeld-AF mit besserer Trefferquote im Nahbereich). Der Spot-AF reagiert deutlich träger als das Einzelfeld-AF. Die AF-Feldausweitung shiftet in der Startphase minimal hält ansonsten die Schärfe durchgehend bis in den Nahbereich. Die Feldübergabe funktioniert sehr gut, zwischendurch kommt es bei Übergabe zu minimalen Unschärfen (siehe Bildreihe unten).

Der Zonen-AF shiftet in der Anfangsphase, reagiert sehr langsam beim Kreuzen des Wagens und kann die Schärfe auch im Nahbereich nicht sauber legen. Die automatische Messfeldwahl shiftet fast durchgehend, trifft die Schärfe gelegentlich aber unzuverlässig - teils schwer nachvollziehbare AF-Feldwahl.

4. der Rallywagen fährt aus geringer Distanz von 2 Metern in gerader Linie von der Kamera weg.

Spot- und Einzelfeld-AF und AF-Feldausweitung reagieren ähnlich: nach dem scharfen Startbild (manuell scharfgestellt) verlieren alle drei Modi für durchschnittlich 3-4 Aufnahmen die Schärfeebene erfassen den Wagen dann jedoch wieder durchgehend scharf im Fokus. Zonen- und automatische AF-Messfeldwahl zeigen in der Nahphase viele unscharfe Aufnahmen, fangen sich erst sehr spät und führen erst dann sauber nach.

Fazit

Jeder der fünf Feldmodi stellt einen Kompromiss dar. Bei kleinen Motiven mit geringem Abstand zum Hintergrund und gerader Bewegungsrichtung führen Spot- und Einzelfeld-AF am genauesten nach. Schlingert das Motiv und/oder kommt sehr dicht auf die Kamera zu, dann ist die AF-Feldausweitung die beste Wahl. Zonen-AF und automatische Messfeldwahl decken den grössten Sucherbereich ab, kommen aber schnell aus dem Tritt und können bei unruhiger Motivbewegung eine Vielzahl halbscharfer Aufnahmen produzieren.  Wie wir hier im Video zeigen, kann die Einzelfeldwahl bei schlingernden Motivbewegungen sogar durchschnittlich besser abschneiden.

Unser Tipp: den besten Gesamt-Kompromiss bietet bei Actionmotiven die AF-Feldausweitung.

 

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    Leser-Feedback

 

  Leserkommentare:


Derzeit sind hier 9 Kommentare vorhanden:
 

mikona: ein wirklich gelungener, sehr anschaulicher Testbericht mit sehr schönen Details ... man lernt ja eh nie aus - aber so schön anschaulich bekommt man den komplexen Stoff wirklich selten präsentiert.
Grosses Lob !!!
(05.08.2010, 10:26 Uhr)

sTripe: Der Test ist was feines, weil ich genau in diesem Bereich hauptsächlich fotografiere... Aber die 10 km/h entsprechen nich den krassen Anforderungen an AF auf Rennveranstaltungen, wenn man sich nicht durch Tricks behilft... Bisher konnte hier nur die 1D Mark III mit AI Servo hinterherführen...

Bei meiner 7D bekomme ich einfach keinen anderen Modus ausgewählt... alle sind aktiviert, aber ich komme nicht auf die anderen Typen... Ich bin noch nicht überzeugt und schwanke, ob ich sie nicht zurück geben soll...
(24.01.2010, 21:42 Uhr)

Pixmacher: Hallo Stafan,
toll das du meine Idee mit der Rennbahn in deinen Test mit aufnimmst. Ich bin schon sehr gepannt, wie sich der AF der EOS 7D gegenüber den anderen Kameras bei diesen konstanten Bedingungen verhält und die Situation meistert! Lg Pixmacher
(18.10.2009, 15:08 Uhr)

Anonym: Hallo Stefan,

toll das du meine Idee mit der Rennbahn in deinen Test mit aufnimmst. Ich bin schon sehr gepannt, wie sich der AF der EOS 7D gegenüber den anderen Kameras bei diesen konstanten Bedingungen verhält und die Situation meistert! Lg Pixmacher
(18.10.2009, 15:06 Uhr)

Ana Springfeldt: Super hilfreich beim Kennenlernen der 7D,
hat mich ein ganzes Stück weitergebracht
beim Ausprobieren des AI Servo in sämtlichen Varianten.
Danke !!!!
(14.10.2009, 19:22 Uhr)

Stefan_tf: @Towerx: der Test mit Carrera-Bahn kommt noch (ca. Ende dieser/Anfang nächster Woche).
(13.10.2009, 03:12 Uhr)

Towerx: @Pixelmacher
Das kann durch die Verwendung einer Carrera Modellautobahn erreicht werden, dann fahren die Autos die gleiche Strecke :)
(11.10.2009, 13:05 Uhr)

Andreas: @Pixmacher
Gute Idee...denke auch das dann der Test noch korrekter beurteilt werden könnte, da für alle Testkandidaten konstante Bedingungen vorhanden wären!
Wenn nicht dieser, immer noch, verdammt hohe Preis für die 1D zu bezahlen wäre, hätte ich meine Wahl schon getroffen, so wird es wohl nun doch die 7D werden...
(11.10.2009, 12:52 Uhr)

Pixmacher: Für einen Einzeltest der EOS 7D ist diese Analyse der Messfelder eine tolle Sache... Mit einem Vergleich der EOS 7D zur 50D, 5D Mark II, 1D Mark III würde ich den Versuchsaufbau mit einer Autorennbahn o.ä. vorschlagen, wo das zu verfolgende Objekt in einer festen Bahn fahren kann und somit ein Vergleich der o.g. Cameras unter den gleichen Bedingungen möglich wäre!
Lg Pixmacher
(09.10.2009, 19:46 Uhr)

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